Spondylarthrose, Spinalkanalstenose: Definition, Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Die Spondylarthrose und die Spinalkanalstenose sind degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule, die häufig im höheren Lebensalter auftreten. Sie können erhebliche Beschwerden verursachen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Definition, Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankungen.

Grundlagen der Wirbelsäule

Bevor wir uns den spezifischen Erkrankungen zuwenden, ist es wichtig, die Grundlagen der Wirbelsäule zu verstehen. Der Begriff "Spondyl" stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wirbel. Erkrankungen, die diesen Begriff enthalten, wie Spondylarthrose, Spondylolisthesis (Gleitwirbel) und Spondylarthritis, beziehen sich also auf die Wirbel der Wirbelsäule.

Die Wirbelsäule besteht aus Wirbelkörpern, Bandscheiben und Wirbelgelenken. Die Bandscheiben fungieren als Puffer zwischen den Wirbelkörpern und ermöglichen die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Wirbelgelenke (Facettengelenke) sorgen für die Führung der Bewegungen. Im Spinalkanal, der durch die Wirbel gebildet wird, verläuft das Rückenmark bzw. im Lendenbereich die Nervenwurzeln.

Spondylose: Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule

Die Spondylose ist ein Oberbegriff für degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, die Bandscheiben, Wirbelkörper und Wirbelgelenke betreffen können. Sie wird auch als Wirbelsäulen-Arthrose oder Spondylosis deformans bezeichnet. Die Spondylose ist ein teils abbauender, teils reaktiv-produktiver Prozess.

Ursachen der Spondylose

Die Erkrankung beginnt häufig mit Veränderungen an der Bandscheibe. Diese verliert Wasser und damit ihre Pufferfunktion zwischen den Wirbelkörpern. Durch den Flüssigkeitsverlust wird die Bandscheibe dünner und weniger elastisch. Dies kann zu höheren Belastungen der Bänder, Rissen an der Bandscheibe, einer Bandscheibenprotrusion und Bandscheibenvorfällen führen.

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Verliert die Bandscheibe an Höhe und Elastizität, sind die Grund- und Deckplatten verstärkten Druckkräften ausgesetzt. Um diesen Druck auszugleichen, reagiert der Körper und regt das Knochenwachstum an den Wirbeln an. Es bilden sich Osteophyten (Knochenanbauten).

Der Verschleiß von Bandscheiben tritt häufiger bei älteren Personen auf. Als gefährdet gelten Menschen bereits ab dem 40. Lebensjahr. Häufig noch ohne entsprechende Symptomatik, stellen Ärztinnen und Ärzte 20 Jahre später Diagnosen wie Spondylarthrose.

Symptome der Spondylose

Verschleiß an der Wirbelsäule ruft nicht bei allen Betroffenen direkt Beschwerden hervor. Häufig bleiben spondylotische Erkrankungen nämlich unentdeckt und werden erst durch nähere Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (Röntgen, Magnetresonanztomografie) diagnostiziert.

Osteophyten können verschiedene Formen annehmen, die auf Röntgenbildern sehr gut zu sehen sind. Es gibt sie als Randzacken, Knochensporne, Höcker, Spangen und flächenhafte Verdichtungen sowie Wucherungen. Einen eigenen Krankheitswert weisen sie allerdings nicht auf und sie sind im frühen Stadium auch nicht schmerzhaft. Erst wenn sie beginnen, größer zu werden, an benachbarte Wirbel zu gelangen und sich zu verbinden, kann es zu Beschwerden kommen.

Zusätzlich können Osteophyten durch Wachstum den Spinalkanal einengen: Eine Spinalkanalstenose entsteht. Dort können die Osteophyten auf das Rückenmark treffen. Auch wenn der Verschleiß oft lange symptomlos verläuft, können verschiedene Beschwerden auftreten. Diese Anzeichen unterscheiden sich nach Art der Spondylose (Spondylarthrose, Osteochondrose, Spinalkanalstenose). Im Falle einer Myelopathie (Schädigungen des Rückenmarks) können ebenso Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen auftreten.

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Je nachdem, welcher Abschnitt der Wirbelsäule betroffen ist, können auch andere Symptome zu den allgemeinen hinzukommen.

Spondylarthrose: Verschleiß der Wirbelgelenke

Im weiteren Verlauf der Spondylose kann sich zusätzlich eine Facettenarthrose (Spondylarthrose) entwickeln. Nähern sich die Platten der Wirbelkörper im Zuge der Diskose an, vermindert sich der Abstand der Gelenkflächen an den Wirbelbögen. Reibung entsteht, zerstört die Strukturen und die Facettengelenke verschleißen. Oft ist bei Facettenverschleiß vom Facettensyndrom (Spondylarthrose) die Rede, weil er sich mit verschiedenen Schmerz-Symptomen bemerkbar machen kann.

Eine Spondylarthrose ist, wie jede Form der Arthrose, eine Verschleißerscheinung der Gelenkknorpel. Die Knorpelflächen der Wirbelgelenke sind hohen Belastungen ausgesetzt. Mit zunehmendem Alter nimmt die Regenerationsfähigkeit des Knorpels ab, wodurch sich der Abstand zwischen den Wirbeln reduziert. In der Folge lässt die Beweglichkeit im Rücken nach, Betroffene leiden unter erheblichen Schmerzen.

Es kommt zur Ausbildung von knöchernen Dornen (Spondylophyten), die im Rahmen des krankhaften Prozesses an den Rändern der Wirbelkörper entstehen können. Treffen diese irgendwann aufeinander, bilden sie neue, knöcherne Verbindungen zwischen den Wirbelkörpern. Das führt zu einer Veränderung der Form der Wirbelsäule, die sich schließlich beginnt, zu versteifen. Durch das unharmonische Zusammenspiel der Gelenke, verändert sich die Position der einzelnen Wirbel und der Patient leidet unter starken Schmerzen.

Spinalkanalstenose: Verengung des Wirbelkanals

Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanals), in dem das Rückenmark und die Nervenwurzeln verlaufen. Diese Verengung kann Druck auf das Rückenmark und die Nerven ausüben und verschiedene Symptome verursachen.

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Ursachen der Spinalkanalstenose

Mit zunehmendem Alter kommt es häufiger zu Verengungen des Wirbelkanals. Durch Alterungsprozesse und Verschleiß wird der Wirbelkanal enger. Die Nerven haben nicht mehr genügend Platz und werden eingeklemmt.

Durch altersbedingten Verschleiß werden die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern flacher und breiter. Durch die größere Beweglichkeit der Wirbelkörper entstehen in den kleinen Gelenken Knochenwucherungen, die den Spinalkanal immer weiter einengen und Druck auf die Nervenfasern im Spinalkanal ausüben können. Wird der Druck zu groß, kann das zu heftigen Schmerzen führen.

Bei den meisten Patienten spielt bei der Entwicklung der Spinalkanalstenose eine Kombination aus degenerativ bedingten Knochenanbauten, verdickten Bändern und Bandscheibenproblemen eine Rolle. Auch Gleitwirbel (Spondylolisthesis) können dazu führen, dass der Wirbelkanal eingeengt wird. Und schließlich gibt es die angeborene Spinalkanalstenose.

Symptome der Spinalkanalstenose

Die wichtigsten Symptome einer Spinalkanalstenose sind belastungsabhängige Rückenschmerzen und Beinschmerzen hauptsächlich beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen. Ein typisches Phänomen ist, dass Schmerzen beim Zurückbeugen auftreten und die Symptome nachlassen, sobald der Rumpf nach vorn kippt und so die Wirbelsäule gedehnt wird.

Die Symptome der Claudicatio aufgrund von Wirbelsäulenproblemen (Claudicatio spinalis) sind denen der Claudicatio intermittens sehr ähnlich. Ursache der Claudicatio intermittens sind Durchblutungsstörungen in den Beinen im Rahmen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Eine Claudicatio spinalis von einer Claudicatio intermittens zu unterscheiden ist manchmal schwierig.

Im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) verursacht ein eingeengtes Rückenmark vor allem Symptome im Bereich des Gesichts, der Schulter, der Arme und der Hände. Die Patienten berichten über starke Nackenschmerzen oder Schulterschmerzen. Die Sensibilität und Geschicklichkeit der Hände können deutlich nachlassen. Das Ergreifen kleiner Gegenstände wie Nadeln ist erschwert. Vor allem bei vielen alltäglichen Verrichtungen wie dem Zuknöpfen von Hemden oder Aufdrehen von Schraubverschlüssen zeigt sich die Störung der Feinmotorik und der Kraft in den Händen. Bei einer Stenose im Halswirbelbereich ist das Risiko erhöht, dass es schon bei einem leichten Unfall - zum Beispiel einem Sturz - zu einer starken Schädigung des dort verlaufenden Rückenmarks kommt.

Besonders häufig tritt die spinale Stenose im Bereich der Lendenwirbel L 4/5 auf (lumbale Stenose). Der stetige Druck des verengten Wirbelkanals auf Rückenmark, Spinalwurzeln bzw. Spinalnerven löst nicht nur lokale LWS-Schmerzen aus. Er schadet auch den Nerven, die das Bein versorgen. Dabei können sowohl motorische als auch sensible Nervenfasern durch den fortwährenden Druck geschädigt werden. Zunächst führt die Stenose meist zu Schmerzen im unteren Rücken (LWS-Syndrom). Durch diese Schmerzen vermeidet der Patient, sich zu bewegen. Die Muskeln im Bereich der Lendenwirbelsäule verspannen sich, der untere Rücken versteift - was die Rückenbeschwerden weiter verstärkt. In der Folge leiden die Betroffenen oft an starken Schmerzen im Gesäß und im Bein, die bis zu den Unterschenkeln und Füßen hin ausstrahlen können. Sie bauen sich beim Gehen auf und werden von Schritt zu Schritt schlimmer. Auch Treppensteigen kann problematisch werden, insbesondere das Herabsteigen.

Durch Druck auf sensible und sensorische Nervenfasern führt die Einengung der Wirbelsäule zu weiteren Gefühlsstörungen. Die Beine und Füße werden taub und der Gang wird zunehmend unsicher. Weil auch die für das Gehen und den Stand wichtigen Signale aus den Muskeln und den Knochen nicht mehr korrekt ins Gehirn transportiert werden, fällt es den Patienten zunehmend schwer, das Gleichgewicht zu halten. Zu Muskelschwäche und Lähmungen (Paresen) von Bein oder Fuß kommt es, wenn motorische Nervenfasern komprimiert werden. Bei Beteiligung von Nervenfasern, die die Beckenorgane versorgen, droht der Verlust über die Kontrolle von Darm und Blase oder Störungen der Sexualfunktion.

Diagnose der Spinalkanalstenose

Zur Darstellung des Rückenmarks in der Wirbelsäule wird in der Regel eine Kernspintomografie (MRT) durchgeführt. Sie macht die Spinalkanalstenose, die Bandscheiben und die Nervenwurzeln direkt sichtbar. Falls dieses Verfahren nicht geeignet ist - beispielsweise weil Sie einen Herzschrittmacher tragen - können wir Ihren Halswirbelkanal in einer Computertomografie (CT) darstellen. In sehr seltenen Fällen kann eine kontrastmittelgestützte Untersuchung des Wirbelkanals mittels Röntgenaufnahme (Myelografie) und CT (Myelo-CT) hilfreich sein.

Eine neurologische Untersuchung ist ebenfalls Bestandteil der Diagnosestellung. Sie gibt Hinweise auf die Höhe und Lage der Spinalkanalstenose. Ebenfalls aussagekräftig im Hinblick auf die befallenen Nerven ist die Prüfung der Reflexe. Zusätzlich zur klinischen und neurologischen Untersuchung zieht der Rückenspezialist bildgebende Verfahren heran.

Behandlungsmöglichkeiten

Weil degenerative Wirbelsäulen-Krankheiten oft als natürliche, altersbedingte Veränderungen betrachtet werden, gelten sie teilweise als unaufhaltsam. Deshalb steht bei der konventionellen Behandlung die Linderung bestehender Symptome im Vordergrund, um eine Besserung der Lebensqualität zu erreichen.

Konservative Behandlung

In der Regel werden zunächst konservative Therapien eingesetzt, vor allem Krankengymnastik (Physiotherapie) und Schmerzmedikamente. Die Ursache der Beschwerden, nämlich die fortschreitende knöcherne Einengung des Spinalkanals, lässt sich durch die Physiotherapie allerdings nicht rückgängig machen. Ziel der Physiotherapie ist es, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren, denn starke Muskeln stabilisieren den Rücken und können die Lendenwirbelsäule entlasten. Das soll die Hohlkreuz-Position der Lendenwirbelsäule minimieren, damit sich der Spinalkanal weitet und die Nerven nicht mehr eingeklemmt werden.

Besonders wichtig ist es, die Tiefenmuskulatur anzusprechen: Die sogenannten Musculi multifidii sind winzige Muskeln, die der Wirbelsäule Stabilität geben und dafür sorgen, dass der Spinalkanal sowie Knochen, Bandscheiben und Nerven an ihrer richtigen Position bleiben und den Kanal nicht weiter einengen.

Medikamente unterstützen die Krankengymnastik, indem sie Schmerzen lindern und das Verkrampfen der Muskulatur verhindern. Gegen akute Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen. Sie sollten allerdings aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen (z. B. Magengeschwüre) nur begrenzt angewendet werden. Zusätzlich können muskelentspannende Wirkstoffe die Beschwerden lindern.

Weitere konservative Maßnahmen sind:

  • Bewegung: Bewegung ist wichtig, um die Bandscheiben mit Nährstoffen zu versorgen. Bandscheiben sind nicht durchblutet und ernähren sich daher per Diffusion.
  • Physikalische Therapie: Spezielle Massagetechniken können helfen, den unteren Rücken zu entspannen. Gleiches gilt für Wärme - ob Infrarotbestrahlung, ein heißes Bad oder ein Wärmepflaster.
  • Akupunktur und Ultraschall: Beide Verfahren werden - mit unterschiedlichem Erfolg - auch bei Spinalkanalstenose eingesetzt.
  • Korsett: In manchen Fällen verordnet der behandelnde Arzt ein Korsett. Es bringt Erleichterung, weil es die Stellung der Wirbelkörper zueinander beeinflusst und einem Hohlkreuz entgegenwirkt.

Operative Behandlung

Die operative Therapie besteht in einer Erweiterung (Dekompression) des Spinalkanals. Dabei sollte der Arzt nicht allein nach Röntgenaufnahmen entscheiden, sondern nach den tatsächlichen Beschwerden. Nicht selten sehen die Röntgenbilder schlimm aus, aber die Betroffenen haben kaum Beschwerden.

Die konservativen Maßnahmen können die eigentliche Ursache, d. h. die Einengung des Rückenmarks durch meist knöcherne Elemente, nicht beseitigen. Vor allem bei einer stark ausgeprägten Stenose stoßen sie deshalb relativ schnell an ihre Grenzen. Um dauerhafte Schäden zu vermeiden, gilt: Wenn nach mehr als 12 Wochen die konservative Therapie keinerlei Schmerzlinderung bringt, sollte eine operative Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Bei einer eindeutigen Symptomatik aufgrund einer Spinalkanalstenose mit Gehstreckenverkürzung und Minderung der Lebensqualität ist eine Operation angeraten.

Es gilt immer grundsätzlich bei jeder Operation der Grundsatz: Eine Operation sollte immer fokussiert/reduziert auf das Problem sein, „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ D.h. die Operation wird auf das nötigste reduziert. Im Falle einer bestehenden symptomatischen Spinalkanalstenose steht eindeutig die Verkürzung der Gehstrecke im Vordergrund nicht die Rückenschmerzen. Bei einer Gefügestörung der Lendenwirbelsäule, die auch zu einer Spinalkanalverengung führt, kann es also völlig ausreichend sein bei im Hintergrund stehenden Rückenschmerzen zunächst nur die alleinige Entlastung=Dekompression des Spinalkanals dem Patienten anzubieten, ohne gleichzeitig eine Versteifung durchführen zu müssen.

Übungen bei Spinalkanalstenose

Die folgenden Übungen eignen sich für Menschen mit lumbaler Spinalkanalstenose. Bevor Sie die Übungen durchführen, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Therapeuten. Um die überlasteten Strukturen zu entlasten, eignen sich Entlastungslagerungen und Flexionsübungen.

Prävention

Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich, da die Wirbelsäule natürlich altert. Allerdings kann man durch einen gesunden Lebensstil und regelmäßige Bewegung das Fortschreiten der degenerativen Veränderungen verlangsamen. Bewegung ist wichtig, um unsere Bandscheiben mit Nährstoffen zu versorgen. Vermeiden Sie Bewegungsmangel, da dieser dazu führen kann, dass wir unsere Rückenwirbel und die dazwischenliegenden Bandscheiben durch muskulär-fasziale Spannungen unausgewogen belasten.

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