Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die bei Kindern unterschiedlichen Alters auftreten kann. Sie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Anfälle, die durch abnormale elektrische Aktivität im Gehirn verursacht werden. Die Diagnose und Behandlung von Epilepsie bei Kindern erfordert einen umfassenden Ansatz, der sowohl medizinische als auch unterstützende Maßnahmen umfasst.
Ursachen und Diagnose von Epilepsie bei Kindern
Die Ursachen von Epilepsie bei Kindern sind vielfältig und können genetische Faktoren, Hirnschäden durch Verletzungen oder Infektionen, Stoffwechselstörungen oder Entwicklungsstörungen des Gehirns umfassen. In einigen Fällen kann die Ursache der Epilepsie jedoch unbekannt bleiben.
Die Diagnose von Epilepsie basiert in der Regel auf der Anamnese des Kindes, der Beschreibung der Anfälle durch die Eltern oder Betreuer sowie auf neurologischen Untersuchungen. Eine wichtige diagnostische Maßnahme ist das Elektroenzephalogramm (EEG), das die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichnet und Auffälligkeiten erkennen lässt, die auf Epilepsie hindeuten. In speziellen Zentren kann die MRT-Untersuchung (Kernspintomographie) mit computerisierter Nachbearbeitung der Aufnahmen die Diagnostik verbessern und epileptogene Läsionen, die schwer erkennbar sind, entdecken. Eine Studie der Universität Bonn habe ergeben, dass Neuroradiologen mithilfe des Verfahrens 98 Prozent der Läsionen hätten entdecken können.
Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsie bei Kindern
Die Behandlung von Epilepsie bei Kindern zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität des Kindes zu verbessern. Die häufigste Behandlungsform ist die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika. Es gibt verschiedene Arten von Antiepileptika, die je nach Art der Epilepsie und den individuellen Bedürfnissen des Kindes eingesetzt werden.
Medikamentöse Therapie
Die Auswahl des geeigneten Antiepileptikums erfolgt in Absprache mit dem behandelnden Arzt, der die Wirksamkeit und die möglichen Nebenwirkungen des Medikaments berücksichtigt. Es ist wichtig, die Medikamente regelmäßig und gemäß den Anweisungen des Arztes einzunehmen, um eine optimale Anfallskontrolle zu erreichen.
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In einigen Fällen kann es erforderlich sein, mehrere Antiepileptika zu kombinieren, um die Anfälle vollständig zu kontrollieren. Bei manchen Kindern kann die medikamentöse Therapie jedoch nicht ausreichend wirksam sein, um die Anfälle zu kontrollieren. In diesen Fällen können andere Behandlungsoptionen in Erwägung gezogen werden.
Weitere Therapieansätze
Eine Möglichkeit ist die ketogene Diät, eine spezielle fettreiche und kohlenhydratarme Diät, die bei einigen Kindern mit Epilepsie die Anfallshäufigkeit reduzieren kann. Eine weitere Option ist die Vagusnervstimulation (VNS), bei der ein kleines Gerät unter die Haut implantiert wird, das elektrische Impulse an den Vagusnerv sendet, um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
In seltenen Fällen kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, um den Bereich des Gehirns zu entfernen, der für die Anfälle verantwortlich ist. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der betroffene Bereich des Gehirns genau lokalisiert werden kann und keine wichtigen Funktionen beeinträchtigt werden.
Innovative Therapie: Sulthiame gegen Schnarchen und Schlafapnoe
Forscher haben herausgefunden, dass „Sulthiame“-Tabletten, die bei Epilepsie verschrieben werden, Symptome der obstruktiven Schlafapnoe verbessern. Schon eine Pille soll helfen, Schnarchen zu lindern und den Schlaf zu fördern. Bei den Betroffenen, die „Sulthiame“ einnahmen, gingen die nächtlichen Atemaussetzer und die Müdigkeit am Tag zurück.
Hoffnung dank Medikament Ravicti
Das Medikament Ravicti, einst entwickelt für Menschen mit Stoffwechselerkrankungen, wirkt bei STXBP1-Kindern wie eine molekulare Waschmaschine, sodass Proteine wieder richtig geformt, Botenstoffe fließen und Nervenzellen miteinander „reden“ können.
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Betreuung und Unterstützung von Kindern mit Epilepsie
Neben der medizinischen Behandlung ist die Betreuung und Unterstützung von Kindern mit Epilepsie und ihren Familien von großer Bedeutung. Dies umfasst die Beratung und Aufklärung der Eltern über die Erkrankung, die Anfallskontrolle und die Notfallmaßnahmen bei Anfällen.
Neuropädiatrie und Sozialpädiatrisches Zentrum
In der Abteilung für Neuropädiatrie und im Sozialpädiatrischem Zentrum werden in enger Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendklinik Kinder mit Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen, untersucht, behandelt, betreut und gefördert. Dazu gehören auch Kinder mit Epilepsie. Die Diagnostik findet im ambulanten oder stationären Rahmen durch ein multiprofessionelles Team statt. Ziel ist neben der Diagnosestellung und der Entwicklung eines Therapiekonzepts die umfassende Betreuung/Beratung der Kinder und ihrer Familien.
Multiprofessionelles Team
Ein multiprofessionelles Team aus Kinderärzten, Kinderkrankenschwestern, Physiotherapeuten und Psychologen sowie einer Logopädin und einer Heilpädagogin steht den Kindern und ihren Familien zur Seite. Sie bieten Unterstützung in verschiedenen Bereichen, wie z.B. Physiotherapie, Logopädie, Psychotherapie, Heilpädagogik und Verhaltenstherapie.
Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen
Eine enge Zusammenarbeit besteht mit den Abteilungen für Neurochirurgie, Radiologie und Urologie, anderen Krankenhäusern und Universitätskliniken der Umgebung, sowie mit allen anderen Abteilungen der Kinderklinik. Das Sozialpädiatrische Zentrum wird durch einen Förderverein bei wichtigen Anschaffungen und Projekten unterstützt.
Schulische und soziale Integration
Auch die schulische und soziale Integration von Kindern mit Epilepsie ist ein wichtiger Aspekt der Betreuung. Es ist wichtig, dass die Lehrer und Erzieher über die Erkrankung des Kindes informiert sind und wissen, wie sie im Falle eines Anfalls reagieren müssen.
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Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Kindern mit Epilepsie und ihren Familien Unterstützung und Informationen bieten. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein, um mit der Erkrankung umzugehen und neue Strategien zur Anfallskontrolle zu entwickeln.