Die Diagnose Parkinson muss nicht das Ende sportlicher Aktivität bedeuten. Im Gegenteil: Bewegung und Sport sind ein entscheidender Bestandteil der Therapie und können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, Symptome reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Zahlreiche Studien belegen die positiven Effekte von Bewegung auf motorische und nicht-motorische Beschwerden.
Die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson
Regelmäßige Bewegung ist bei Parkinson mehr als nur ein allgemeiner Gesundheitstipp. Sie ist eine wichtige Langzeittherapie, die den Krankheitsverlauf verlangsamen kann. Wandern, Radfahren, Tanzen und Co. kräftigen die Muskulatur, stärken die Ausdauer und wirken Muskelsteifigkeit und Bewegungsverarmung entgegen. Bewegung und Sport sind bisher die einzigen Strategien, um das Fortschreiten der neurodegenerativen Erkrankung abzumildern.
Positive Effekte von Sport
Sport wirkt sich direkt positiv auf unser Gehirn aus:
- Regt die Entstehung von mehr Synapsen an (Verknüpfung von Nervenzellen zum Informationsaustausch untereinander)
- Wirkt anti-entzündlich
- Verbessert die Durchblutung
- Vermehrt die Ausschüttung von Botenstoffen
Speziell bei Parkinsonsymptomen können folgende Verbesserungen auftreten:
- Verbesserte Motorik und Gang (Gangmuster und -geschwindigkeit)
- Verbessertes Gleichgewicht und Koordination
- Bessere Rumpfaufrichtung und verbesserte Kraft
- Verbesserung der Aktivitäten des täglichen Lebens
- Verbesserte psychische Gesundheit und weniger Depressivität
- Weniger Schmerzen
- Höhere Lebensqualität
- Verbesserte Lungenfunktion
Welche Sportarten sind geeignet?
Grundsätzlich gilt: Erwünscht ist, was Freude bereitet. Gerade im frühen Stadium der Erkrankung gibt es in der Wahl der Sportart kaum Einschränkungen. Neben dieser allgemeinen Empfehlung können Sportarten natürlich auch bewusst eingesetzt werden, um bestimmte Beschwerden zu lindern.
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Ein ideales Trainingsprogramm enthält Ausdauer-, Kraft-, Gleichgewichts- und Dehnungsübungen und sollte über die Woche verteilt mindestens drei Stunden umfassen.
Empfehlungen nach Erkrankungsstadium (Hoehn & Yahr)
- Stadium I-II: Hier sind alle Sportarten außer ggf. Hochgeschwindigkeitssportarten (z.B. Hochgeschwindigkeitsabfahrt beim Ski) geeignet.
- Stadium III: Auf Sport mit Sturzrisiko wie Tennis sollte ggf. verzichtet werden, es bieten sich aber Wandern, Golf, Tanzen (z.B. Tango), Radfahren, Kraftsport mit 50% Krafteinsatz und weitere an.
- Stadium IV: In Frage kommen (Ski-)Wandern auf ebenem Gelände, (Wasser-) Gymnastik, Laufband, u.U. Schwimmen und leichtes Krafttraining mit Theraband.
- Stadium V: Auch hier profitiert man zum Beispiel von Physiotherapie und passiver Mobilisation
Beispiele für geeignete Sportarten
- Schwimmen, Nordic Walking und Radfahren: Kräftigen die Muskulatur und fördern flüssige Bewegungsabläufe. Nordic Walking trainiert beispielsweise das flüssige Laufen, Radfahren ist gut für Gleichgewicht und Koordination.
- Tanzen (z.B. Tango), Tai Chi, Wassergymnastik und Yoga: Sind gut für Koordination und Gleichgewicht und wirken Muskelsteifheit entgegen. Tangotanzen verbessert Studien zufolge die Bewegungsfähigkeit, das Gleichgewicht und die Gehstrecke um 30 bis 40 Prozent.
- Tischtennis: Wird bei Parkinson-Betroffenen immer beliebter. Der Verein PingPongParkinson bietet mittlerweile bundesweit lokale Gruppen an.
- Krafttraining: Insbesondere der Rumpfmuskulatur ist wichtig.
- Bewegungstherapie BIG: In den ersten Stadien der Parkinson-Krankheit kann die Bewegungstherapie BIG zum Einsatz kommen. Die Übungen mit großen, fließenden Bewegungen stimulieren ungenutzte Bereiche des Gehirns.
Spezielle Therapieansätze
Eine speziell für Menschen mit Parkinson entwickelte Methode stellt die LSVT®BIG-Therapie dar, ein intensiver physio- und ergotherapeutischer Therapieansatz mit Fokus auf die Vergrößerung der Bewegungsamplitude der/des Patienten/in, die krankheitsbedingt abnimmt. Die Therapie verläuft nach einem standardisierten Behandlungsplan, der individuell an die Ziele hinsichtlich der Grob- und Feinmotorik sowie an den Schweregrad der Erkrankung und die Bedürfnisse der/des Patienten/in angepasst ist.
Tipps für den Start und die Motivation
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Besprechen Sie mit Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen, was Sie trainieren möchten und welche Sportart für Sie geeignet sein könnte. Die Ärztin bzw. der Arzt kann Sie auch beraten, wie intensiv Sie Ihr Bewegungsprogramm gestalten, wie oft Sie idealerweise trainieren und worauf Sie individuell achten können.
- Planen Sie feste Termine ein: Betrachten Sie eine Bewegungseinheit einfach als gesetzt.
- Sorgen Sie für Abwechslung: Varianten sind bei jeder Bewegungsform möglich. Sie eröffnen im wahrsten Sinne neue Perspektiven und tragen dazu bei, dass Bewegung zur Routine wird, ohne langweilig zu werden.
- Freuen Sie sich über kleine Dinge: Achten Sie darauf, was sich gut anfühlt und Ihnen Freude bereitet, wenn Sie aktiv sind. Positive Empfindungen bewusst wahrzunehmen, bestärkt Sie darin, Ihr Bewegungsprogramm beizubehalten.
- Wählen Sie den Sport aus, der Ihnen Spaß macht: So bleiben Sie auch langfristig aktiv.
- Nutzen Sie Musik: Die Lieblingsmusik steigert die Motivation, und der vorgegebene Rhythmus erleichtert es, die Bewegungen gut zu koordinieren.
- Trainieren Sie in der Gruppe: Einige Aktivitäten lassen sich besser in einer Gruppe umsetzen und machen so auch mehr Spaß.
- Achten Sie auf ein sicheres Training: Durch die Anwesenheit von Trainer:innen ist eine korrekte Ausführung der Übungen gewährleistet.
- Berücksichtigen Sie Wirkschwankungen: Leiden Sie unter Wirkschwankungen - also einer ungleichmäßigen Wirkung der Parkinson-Medikamente? Dann sollten Sie das Training in den „ON-Phasen“ planen, wenn die Wirkung der Medikamente am besten ist. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, vor einer größeren Aktivität eine Bedarfsmedikation einzunehmen.
- Vermeiden Sie Überforderung: Hören Sie auf Ihren Körper und bleiben Sie zu Beginn lieber etwas unter Ihrer persönlichen Belastungsgrenze. Treten während des Trainings Schmerzen, Schwindel oder andere Beschwerden auf, beenden Sie die Übung und sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.
Bewegung im Alltag integrieren
Viele Übungen in der Turnhalle oder zu Hause helfen Ihnen, leichter in Bewegung zu kommen, indem Sie das Gehen mit großen Schritten trainieren oder das Dehnen Ihrer Muskeln. Musik oder rhythmische Bewegungen können Ihnen dabei helfen, im richtigen Takt zu bleiben und das sogenannte Einfrieren („Freezing“) zu vermeiden. Wenn Sie sich unsicher auf den Beinen fühlen, führen Sie die Übungen im Sitzen durch oder stützen Sie sich an einer Wand oder einem Stuhl ab.
Schlaf und Parkinson
Neben den motorischen Symptomen berichten viele Menschen mit Parkinson auch über gravierende Schlafprobleme. Bereits vor der Diagnose treten häufig Ein- und Durchschlafstörungen auf. Später kommen Beschwerden wie nächtliches Wasserlassen, lebhafte Träume, Probleme beim Umdrehen im Bett oder eine ausgeprägte Schlaflosigkeit hinzu. Aktuelle Studien weisen zudem darauf hin, dass bei Parkinson die innere Uhr (zirkadianer Rhythmus) gestört sein könnte. Besondere Aufmerksamkeit erfährt in diesem Zusammenhang das sogenannte glymphatische System - ein Netzwerk im Gehirn, das Stoffwechselabbauprodukte während des Schlafs aus dem zentralen Nervensystem „ausschwemmt“. Funktioniert dieses Reinigungssystem nicht ausreichend, kann es zur Anhäufung schädlicher Proteine kommen, die an neurodegenerativen Erkrankungen beteiligt sind.
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