Zahnschmerzen nach einer Behandlung beim Zahnarzt sind keine Seltenheit. Manchmal verspüren Patienten nach einer erfolgreichen Behandlung erneut Schmerzen. Dieser Artikel informiert über mögliche Ursachen und Behandlungen, wenn bei einer Spritze beim Zahnarzt ein Nerv getroffen wurde.
Ursachen für Schmerzen nach Zahnbehandlungen
Es gibt verschiedene Gründe, warum nach einer Zahnbehandlung Schmerzen auftreten können. Oftmals sind diese Schmerzen unbedenklich und verschwinden innerhalb kurzer Zeit. Hier sind einige mögliche Ursachen:
- Reizung des Zahnnervs: Nach einer tiefgreifenden Kariesbehandlung und der damit verbundenen Füllungstherapie kann es zu einer Reizung des Zahnnervs kommen, insbesondere wenn die Füllung tief in den Zahn reicht.
- Empfindlichkeit nach Füllung: Zahnschmerzen nach einer Füllung sind keine Seltenheit. Wenn die Karies tief in den Zahn vorgedrungen war, kann der Zahnnerv durch die Behandlung gereizt werden. Gerade bei großen Füllungen, bei denen viel Zahnsubstanz entfernt werden musste, sind Schmerzen zu erwarten.
- Allergische Reaktion: In seltenen Fällen können Schmerzen nach einer Füllungstherapie auch die Folge einer allergischen Reaktion auf das Füllungsmaterial sein.
- Entzündung nach Wurzelbehandlung: Auch nach einer Wurzelbehandlung können erneute leichte Schmerzen auftreten. Bei manchen Patienten kann es zu einem Druckschmerz und/oder einer Schwellung kommen, da die Behandlung und die Wurzelfüllung eine Sensibilisierung und Reizung des Nervengewebes im Zahnfleisch nach sich ziehen können.
- Zahnfleischentzündung: Zahnfleischentzündungen können ebenfalls Zahnschmerzen nach einer Behandlung auslösen, besonders nach einer intensiven Reinigung oder anderen Eingriffen, die das Zahnfleisch betreffen.
- Druckschmerz durch Spritze: Direkt nach dem Abklingen der Betäubung können Schmerzen auftreten, die eine Reaktion auf den Eingriff sind und in der Regel spätestens nach einem Tag verschwinden. Auch die Einstichstelle der Spritze kann schmerzen, da das Anästhetikum mit Druck in das Weichgewebe eingebracht wird.
Die Rolle der Lokalanästhesie
Die Lokalanästhesie ist ein Standardverfahren in der Zahnmedizin, um Behandlungen schmerzfrei zu gestalten. Hier sind einige Aspekte zur Lokalanästhesie:
- Funktionsweise: Bei der Lokalanästhesie wird der Wirkstoff direkt in den Bereich gespritzt, der betäubt werden soll. Das Lokalanästhetikum deaktiviert die Nervenfunktion in diesem Teil des Mundes.
- Arten der Lokalanästhesie: Es gibt verschiedene Techniken, wie die Oberflächenanästhesie, die Infiltrationsanästhesie und die Leitungsanästhesie, die je nach Behandlungsbereich und Bedarf eingesetzt werden.
- Wirkstoffe: Häufig verwendete Wirkstoffe in der Anästhesie sind Lidocain, Articain und Mepivacain. Dem Betäubungsmittel wird oft eine kleine Menge Adrenalin beigemischt, um die Blutgefäße zu verengen und das Anästhetikum länger und effektiver wirken zu lassen.
- Nebenwirkungen: Obwohl die Lokalanästhesie im Allgemeinen gut vertragen wird, können gelegentlich unerwünschte Reaktionen auftreten. Diese Reaktionen sind meistens auf den Zusatz Adrenalin zurückzuführen oder auf Verletzungen des Gewebes durch den Einstich.
Nerv getroffen: Ursachen und Folgen
In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass bei einer Spritze beim Zahnarzt ein Nerv getroffen wird. Hier sind mögliche Ursachen und Folgen:
- Direkter Kontakt mit der Nadel: Wenn eine Nadel direkt auf einen Nerv trifft, kann dies zu Taubheitsgefühlen und Schmerzen führen, die Wochen oder Monate anhalten können.
- Intraneurale Injektion: Falls das Lokalanästhetikum intraneural injiziert wird, zeigt sich keine Kontinuitätsunterbrechung des betroffenen Nervs.
- Schädigung durch Lokalanästhetikum: Es wurde beobachtet, dass eine Injektion mit Prilocain ein fünf Mal höheres Risiko zeigt als die Lokalanästhesie mit Lidocain bzw. Mepivacain. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass die Schädigung des Nervs am ehesten von der Konzentration des Anästhetikums abhängt.
- Mechanische Schädigung: Zusätzlich kann ein Nerv während der Lokalanästhesie mechanisch geschädigt werden. Falls der Nerv nicht selbst durch das Trauma der Injektionsnadel geschädigt wird, kann diese ein Blutgefäß verletzen.
Behandlung von Nervschädigungen
Die Behandlung von Nervschädigungen nach einer Spritze beim Zahnarzt hängt von der Art und dem Ausmaß der Schädigung ab. Hier sind einige mögliche Behandlungsansätze:
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- Abwarten der spontanen Regeneration: Zunächst wird die spontane Regeneration abgewartet.
- Antioödematöse Therapie: Zusätzlich erfolgt eine antiödematöse Therapie, um eine Kompression des Nervs durch ein Ödem zu vermeiden. Als Medikation erhält der Patient Steroide (z.B. Decortin) für drei bis vier Tage in folgender Dosierung: 1. Tag 20 mg, 2.Tag 10 mg, 3. Tag 5 mg.
- Chirurgische Revision: Falls ein dauerhafter Teilausfall (Hyperästhesie) vorliegt, besteht die Möglichkeit, nach sechs Monaten eine chirurgische Revision durchzuführen. Eventuell kann der betroffene Nervenanteil reseziert und durch ein Transplantat ersetzt werden (Erfolgschance 50 bis 60 Prozent).
- Akupunktur: Zur Unterstützung der Regeneration von geschädigten Nerven werden verschiedene Formen der Akupunktur angewendet.
Weitere Ursachen für Zahnschmerzen nach Eingriffen
Es gibt auch andere Ursachen für Zahnschmerzen nach zahnärztlichen Eingriffen, die nicht direkt mit der Spritze oder Nervverletzungen zusammenhängen:
- Zu hohe Füllung: Ein weiteres Problem kann eine zu hohe Füllung sein, die den Biss verändert und Druck auf den Zahn ausübt.
- Unvollständige Wurzelbehandlung: Wenn die Schmerzen länger anhalten oder sehr stark sind, könnte dies auf eine unvollständige Behandlung oder eine erneute Infektion hinweisen. In manchen Fällen können auch Reste von Karies im Zahn bleiben, die zu weiteren Beschwerden führen können.
Angst vor der Spritze beim Zahnarzt
Viele Patienten haben Angst vor der Spritze beim Zahnarzt. Diese Angst kann verschiedene Ursachen haben:
- Unangenehme Erfahrungen: Die häufigste Ursache für eine Zahnbehandlungsphobie sind unangenehme Erfahrungen, die die Angstpatienten bei Ihrem Zahnarzttermin gemacht haben.
- Spritzenphobie: Viele Patienten haben eine Phobie gegen Spritzen und geraten in Panik, sobald Sie eine Spritze sehen.
- Schlechte Erfahrungsberichte: Nicht immer stammt die Zahnbehandlungsphobie aus eigenen Erlebnissen. Sie kann auch entstehen, wenn man von schlechten Erfahrungsberichten von Freunden oder den Eltern hört.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit der Angst vor der Spritze umzugehen:
- Gespräch mit dem Zahnarzt: Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt über Ihre Ängste. Er kann Ihnen den Ablauf der Behandlung erklären und Ihnen versichern, dass er auf Ihre Bedürfnisse eingehen wird.
- Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Atemübungen oder progressive Muskelentspannung, um sich vor und während der Behandlung zu beruhigen.
- Alternative Betäubungsmethoden: Informieren Sie sich über alternative Betäubungsmethoden wie Lachgas, Dämmerschlaf oder Vollnarkose.
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