Ständiger Kaffeekonsum und Migräne: Ein komplexer Zusammenhang

Immer wieder wird der Zusammenhang zwischen Ernährung und Migräne diskutiert. Viele Patienten berichten, dass bestimmte Lebensmittel als Auslöser ihrer Migräne in Frage kommen. Vor allem Lebensmittel, die Alkohol, Koffein, Histamin und Tyramin enthalten, stehen im Verdacht, Migräne zu begünstigen. Wissenschaftliche Studien sehen hingegen kaum einen direkten Zusammenhang zwischen der Kopfschmerzerkrankung und bestimmten Nahrungsmitteln. Diese Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Erfahrungen vieler Patienten macht das Thema komplex.

Die Rolle von Triggern bei Migräne

Circa 20 Prozent der Migränekranken sind sich sicher, dass gewisse Speisen zu ihren persönlichen Triggern, also Auslösern, zählen. Diese individuellen Erfahrungen sollten nicht unterschätzt werden. Es gilt jedoch zu bedenken, dass der Körper dynamisch ist. Was an einem Tag gut vertragen wird, kann an einem anderen Tag Kopfschmerzen auslösen. Viele Betroffene entwickeln schnell die Annahme, dass ein bestimmter Zusammenhang besteht, beispielsweise zwischen Schokolade oder Alkohol und ihren Migräneattacken. Es ist ratsam, ein Migränetagebuch zu führen, in dem über einige Wochen die Ernährung und Migräneattacken festgehalten werden. So kann eventuell herausgefunden werden, welche Lebensmittel bei Migräne gemieden werden sollten.

Alkohol als Migräne-Trigger

Alkohol wird am häufigsten als Migräne-Trigger genannt. Einige Migränepatienten berichten, dass alle alkoholischen Getränke problematisch sind, während andere nur bestimmte wie Sekt oder Rotwein nennen. Generell greift Alkohol in eine Vielzahl biochemischer Prozesse ein, und manche spüren schon nach wenigen Schlucken die Auswirkungen. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass Alkohol Migräne auslöst. Einige Experten vermuten, dass die harntreibende Wirkung des Alkohols zu einer Dehydrierung und damit zu Migräne führt.

Koffein: Freund oder Feind bei Migräne?

Viele Menschen trinken täglich Kaffee; manche zwei Tassen, andere bis zu fünf. Der Körper gewöhnt sich dadurch an die tägliche Dosis Koffein und gerät in eine Abhängigkeit. Aus diesem Grund ist es eher problematisch, wenn Kaffeetrinker plötzlich ihren Konsum reduzieren oder gar einstellen - etwa am Wochenende. Wer allerdings kaum Kaffee trinkt, kann von dem ungewohnten Koffein Kopfschmerzen bekommen. Koffein ist auch in Tee, Cola und Energy-Drinks enthalten.

Die Wirkung von Kaffee ist widersprüchlich: Auf der einen Seite zählt Kaffee zu den Migräne-Auslösern. Auf der anderen Seite hilft Koffein in Form von Kaffee, Cola oder Tabletten gar bei Migräne. Man kann nicht pauschal sagen, ob Kaffee hinsichtlich Migräne gut oder schlecht ist. Vielmehr kommt es auf die Schwankungen des Koffeinspiegels im Blut an. Jemand, der täglich vier Tassen Kaffee trinkt und plötzlich damit aufhört, bekommt dadurch zum Beispiel Migräne.

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Koffein als Schmerzmittelverstärker

Koffein stimuliert das zentrale Nervensystem, und das macht wach und munter. Aber Koffein kann noch mehr: Es verstärkt die Wirkung von Schmerzmitteln deutlich. Das haben Studien zur Kombination aus Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicyl mit Koffein gezeigt. Dabei muss das Medikament mindestens 100 Milligramm Koffein enthalten. Koffein regt die Freisetzung des schmerzlindernden Hormons Noradrenalin im Gehirn an. Noch effektiver ist es, wenn es mit Paracetamol, Ibuprofen und ASS kombiniert wird. Denn die beiden Arzneistoffe senken den Spiegel des schmerzauslösenden Hormons Dopamin. Auch das Schmerzmittel Ibuprofen wirkt intensiver, wenn Koffein hinzukommt.

Koffein erhöht zudem die Magenmotilität (die Muskelbewegungen in der Magenwand). Die kann bei Kopfschmerz-Patienten verringert sein. Das verlangsamt die Aufnahme von Akutmedikamenten und verringert deren Wirksamkeit. Koffein wiederum kann die Absorption der Schmerzmittel fördern. Vor einer Migräne erweitern sich die Blutgefäße. Koffein sorgt dafür, dass sie sich wieder verengen und der Blutfluss eingeschränkt wird. Es kann so den Schmerz lindern. Das gilt vor allem dann, wenn es mit Schmerzmitteln wie Paracetamol, ASS und Ibuprofen kombiniert wird. Hinzu kommt, dass es die Bildung von Serotonin beeinflusst.

Studien zeigten, dass Koffein die Wirkstärke der Schmerzlinderung von Acetylsalicylsäure (ASS) und Paracetamol bzw. einer Kombination aus beiden um 40 Prozent erhöhen kann. Als Mittel der ersten Wahl wird diese Mischung bei intensiveren Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt. Durch die Kombination der drei Wirkstoffe kann die Dosierung der einzelnen Wirkstoffe geringgehalten werden - deshalb sind die Tabletten gut verträglich. Der Pflanzenstoff hat vielfältige Wirkungen:

  • verstärkt die Muskelbewegungen in Ihrem Magen
  • verengt die Blutgefäße, die durch die die Kopfschmerzen erweitert sind
  • beeinflusst die Bildung von Serotonin. Bei Menschen mit Kopfschmerzen und Migräne ist der Serotoninspiegel niedrig.

Adenosin ist ein Botenstoff, der in allen Zellen vorkommt. Er blockiert die Ausschüttung belebender Neurotransmitter wie Noradrenalin oder Dopamin. Bei einigen Kopfschmerzarten, vor allem bei Migräneattacken, steigt der Adenosin-Spiegel im Blut an. Der Botenstoff heftet sich an die Oberflächen von Rezeptoren im Gehirn. Und hier kann Koffein wirken, denn es besitzt genau diese Rezeptoren. Das funktioniert, weil es chemisch Ähnlichkeit mit Adenosin hat.

Koffein gibt es in Tablettenform zu kaufen. Klinische Studien mit mehreren tausend Patienten, etwa die sogenannte „Thomapyrin®-Studie“, belegen die Wirkung dieser Dreier-Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein. Sie übertrifft auch die Wirkung von ASS, Paracetamol bzw. einer Kombination der beiden Mittel deutlich. Ein weiterer Vorteil: Die meisten der befragten Patienten, die unter Migräne bzw. Kopfschmerzen litten, vertrugen das Medikament gut.

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Die Kehrseite der Medaille: Zu viel Koffein

Aber: Kaffee gilt andererseits auch als Auslöser für Migräne, und die Koffeinmenge ist je nach Sorte und Zubereitung des Getränks unterschiedlich groß. Mit einer oder zwei Tassen können Sie aber nichts falsch machen.

Die gesundheitliche Wirkung von Kaffeekonsum ist in der Medizin ein umstrittenes Thema. Studien, die positive und negative Effekte nachweisen, halten sich die Waage. Personen, die viel Kaffee, Cola oder Energy-Drinks konsumieren, verspüren meist keine große Wirkung des Koffeins mehr. Eine Koffeinüberdosierung kann Angst und Nervosität auslösen. In Kombination mit anderen stressauslösenden Faktoren kann dies zu Migräne führen.

Koffeinhaltige Produkte lösen den Harndrang aus. Aus dieser entwässernden Wirkung des Kaffees kann ein Magnesiummangel resultieren. Da ein Mangel an Magnesium die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen kann, ist Migräne eine häufige Folge. Migräne und Kopfschmerzen können auch von Unterzuckerung verursacht werden, die von Koffein stimuliert wird.

Symptome von zu viel Koffein

Wenn Sie sich fragen, was passiert, wenn man zu viel Koffein trinkt, haben Sie vermutlich schon einen sehr hohen Kaffeekonsum und spüren vielleicht bereits die ersten Anzeichen. Hier sind einige Symptome, die auftreten können:

  1. Großer Durst: Kaffee entzieht unserem Körper Wasser. Infolgedessen verspüren wir immer mehr Durst und greifen häufiger zur Wasserflasche. Das führt auch wiederum zu einem ständigen Harndrang.
  2. Unruhiger Schlaf: Wer nach 16 Uhr noch Kaffee trinkt, beeinflusst damit tatsächlich die nächtliche Schlafqualität negativ. Sind Sie oft unruhig, wälzen sich herum oder haben sogar Ein- oder Durchschlafprobleme?
  3. Durchfall: Viele Kaffeetrinker werden schon bemerkt haben, dass sich das Heißgetränk auf unseren Verdauungstrakt auswirkt. Normalerweise ist das positiv - es wirkt muskelanregend und führt zu einem regelmäßigen Stuhlgang. Wer zu viel Kaffee getrunken hat, erfährt jedoch unangenehme Nebenwirkungen: Denn der Effekt kann sich verstärken und tatsächlich abführend wirken.
  4. Herzrasen: Das enthaltene Koffein macht wach und fördert unsere Konzentration. Übertreiben wir es allerdings mit unserem Kaffeekonsum, verstärken sich diese Effekte negativ.
  5. Kopfschmerzen: Zwar kann Kaffee bei Migräne guttun, zu viel des Koffeeingetränks bewirkt allerdings das Gegenteil und löst unangenehme Kopfschmerzattacken erst aus.
  6. Erhöhter Blutzuckerspiegel: Wer bereits am frühen Morgen auf nüchternem Magen zu viel Kaffee getrunken hat, wird möglicherweise negative Folgen spüren. So zeigte beispielsweise eine Untersuchung des Centre for Nutrition in Großbritannien, dass schwarzer Kaffee vor dem Frühstück unseren Blutzuckerspiegel um bis zu 50 Prozent erhöhen kann.
  7. Depressionen: Der in Kaffee enthaltene Koffein versetzt den Körper in eine künstliche Stresssituation, da hier Adrenalin ausgeschüttet wird. Wer dies häufig tut, versetzt seinen Körper in einen permanenten Alarmzustand.

Ob Sie zu viel Kaffee getrunken haben, können Sie an ganz bestimmten Symptomen erkennen. Sind Sie überdreht oder gar nervös, zuckt Ihr Augenlid und müssen Sie häufig auf die Toilette, könnte ein zu hoher Kaffeekonsum dahinterstecken. Auch ein gestörter Schlafrhythmus sowie Herzrasen und Kopfschmerzen deuten darauf hin, dass Sie zu viel Kaffee trinken.

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Individuelle Unterschiede in der Koffeinverarbeitung

Der aufmunternde Effekt von Koffein tritt meist nach 15 bis 30 Minuten ein. Wie schnell das Koffein im Körper wieder abgebaut wird, kann jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Beeinflusst wird dies vor allem von den Genen. So wirkt Koffein bei Frauen bis zu doppelt so lang wie bei Männern. Junge Menschen und Schwangere reagieren anders auf die Substanz als zum Beispiel ältere Menschen es tun. Bei Rauchern sinkt die Konzentration von Koffein im Körper tendenziell schneller als bei Nichtrauchern, Medikamente können ebenfalls einen Einfluss darauf haben, wie und wie lange so ein Kaffee wirkt. Dies ist also auch der Grund dafür, warum manche Menschen intensiver auf Nebenwirkungen wie Schlafstörungen reagieren als andere.

Umgang mit Kaffeekonsum

An dem täglichen Kaffeetrinken ist erst einmal nichts verkehrt. Es kommt immer auf die Menge an. Je mehr Kaffee wir trinken, desto selbstverständlicher wird dieser für uns und die Hemmschwelle wird niedriger. Wir trinken immer mehr Kaffee, ohne es so richtig zu merken. An den oben genannten Symptomen können Sie dann merken, ob Sie zu viel Kaffee getrunken haben. Dann kann es manchmal sinnvoll seinen, einen Koffeinentzug zu machen.

Kaffee wirkt bei jedem Menschen unterschiedlich. Wenn Sie merken, dass bereits kleinste Mengen an Koffein Sie unruhig machen oder andere Symptome verursachen, dann sollten Sie auf Kaffee verzichten.

Histamin und Tyramin

Histamin ist ein natürlicher Stoff, der unter anderem als Signalüberträger (Neurotransmitter) im Gehirn und an Entzündungsreaktionen beteiligt ist. Tyramin ist ein Neurotransmitter, der als Trigger für Migräne im Fokus steht.

Schokolade

Auch hier beobachten viele einen Zusammenhang zwischen Genuss und Migräne. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass nicht die Schokolade Kopfschmerzen auslöst.

Weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können

  • Verspannungen: Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor.
  • Schlaf: Zu wenig Schlaf ist ein Risikofaktor für Migräne.
  • Ernährung: Eine spezielle Diät bei Migräne gibt es nicht.

DAO-Aktivität und Histaminintoleranz

Beschwerden nach Kaffee/Koffein können auch mit der DAO-Aktivität zusammenhängen. Es kann eine Histaminintoleranz vorliegen. DAO (Diaminoxidase) ist ein Enzym, das Histamin abbaut. DAO kann unterstützen, wenn die Histaminintoleranz der Treiber ist.

Kaffee enthält selbst kaum Histamin. Allerdings kann Kaffee die Freisetzung von Histamin (Liberation) fördern und bei niedriger DAO stärker spürbar sein. Reaktionen treten häufig 30-180 Min nach dem Getränk auf. Mögliche Symptome sind Blähungen und Durchfall (v. a. bei entkoffeiniertem Kaffee). Eine echte "Kaffee-Allergie" ist selten (IgE).

Es ist wichtig, eine Koffein-Unverträglichkeit von einer Histaminintoleranz zu unterscheiden. Unruhe/Herzklopfen spricht eher für Koffein-Effekt; verzögerte Beschwerden inkl. Blähungen eher für Histamin.

Zubereitung und Alternativen

Welche Zubereitung ist meist verträglicher? Filterkaffee, hellere Röstung, kleinere Tasse, Cold Brew.

Koffeinentzug

Bei regelmäßigem Kaffee- oder Colakonsum kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen. Der Körper passt sich mit der Zeit an das Koffein an, sodass es gar nicht mehr wirklich wach macht. Da aber der Verzicht auf Kaffee zu Ermüdungserscheinungen führt, simuliert das subjektive Empfinden dennoch eine stimulierende Wirkung. Bei starken Kaffeetrinkern reagiert der Körper bei einem plötzlichen Koffeinentzug auch mit Entzugserscheinungen wie Migräne. Um Migräneanfälle zu vermeiden, sollte deshalb nicht plötzlich komplett auf Kaffee verzichtet werden.

Im Rahmen der internationalen Klassifikation des Kopfschmerzes erhielt dieses Phänomen sogar eine eigene diagnostische Definition als „Koffein-Entzugs-Kopfschmerz“.

Migräne behandeln

Um Migräne künftig erfolgreich zu behandeln, sollten die Auslöser bekannt sein.

Was ist Migräne?

Von Migräne ist dann die Rede, wenn du immer wieder von meist einseitigen Kopfschmerzattacken geplagt wirst. Der Migräneschmerz ist entweder bohrend, hämmernd oder pulsierend. Er beginnt häufig in deinem Nacken oder im Schläfenbereich und breitet sich über die ganze betroffene Kopfhälfte aus, manchmal auch im ganzen Kopf.

Typische Begleiter sind Übelkeit bis zum Erbrechen, Schweiß- oder Kälteausbrüche. Viele Migräne-Patientinnen klagen außerdem über starke Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen und Schwindel.

Laut einer 2019/2020 durchgeführten Studie des Robert Koch Instituts (RKI) leiden in Deutschland etwa 57 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer mindestens einmal im Jahr unter Kopfschmerzen, bei 14,8 Prozent der Frauen und 6,5 Prozent der Männer weisen die Symptome auf eine Migräneattacke hin.

Unterschied zwischen Kopfschmerzen und Migräne

Die häufigsten Kopfschmerztypen (neben dem durch Erkältung bedingten) sind Migräne und Spannungskopfschmerz. Sowohl bei Spannungskopfschmerz als auch bei Migräne gilt Stress einer der Hauptauslöser. Doch während der Spannungskopfschmerz einsetzt, solange der Stress andauert, tritt die Migräneattacke erst nach dem "Stressende" in der Entspannungsphase auf.

Weiter Symptome einer Migräne sind Lärm- und Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen.

Was passiert bei Migräne im Kopf?

"Bei einer Migräneattacke treten sowohl neurologische (die Nerven betreffende), als auch vaskuläre (die Gefäße betreffende) Veränderungen im Gehirn auf", sagt Dr. Susan Broner, medizinische Direktorin des Manhattan Headache Centers in New York.

Patientinnen mit genetischer Vorbelastung haben eine niedrigere Aktivierungsschwelle für die Schmerzrezeptoren im Gehirn und reagieren dadurch hypersensibel gegenüber Schmerzreizen. Dabei wird eine Welle von Nervenzellen aktiviert und Botenstoffe - sogenannte Neurotransmitter - werden freigesetzt, die die Blutgefäße des Gehirns reizen. Diese neurovaskulären (die Nerven und die Blutgefäße betreffende) Entzündungen verursachen dann die Schmerzen. Diese Vorgänge wurden in vielen Studien untersucht.

Ursachen von Migräne

Migräne ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Auf der Basis dieser genetischen Veranlagung kommt es dann durch Auslöser zu Attacken. Mögliche Auslöser sind emotionale Belastungen, Lebensmittelallergien, Überlastung, Stresssituationen, zu wenig oder sogar zu viel Schlaf, Schokolade, bestimmte Wein- und Käsesorten, Kaffee oder Medikamente sowie Veränderungen im Menstruationszyklus (Schwangerschaft und Wechseljahre).

Bei Frauen treten die Beschwerden besonders vor und nach der Periode auf. Mediziner vermuten mittlerweile, dass es sich bei Migräne um eine Reizverarbeitungsstörung im Gehirn handelt. Die Migräneattacke könnte der Versuch deines Gehirns sein, eine Deaktivierung herbeizuführen, wenn die Reizflut irgendwann zu groß wird. Nachfolgend noch einmal die häufigsten Ursachen für Migräne im Detail:

  1. Fallender Östrogenspiegel: "Kurz vor der Menstruation fällt bei Frauen der Östrogenspiegel schrittweise ab. Das löst nicht selten eine Migräne aus", sagt Dr. Andrew Michael Blumenfeld, Direktor des Headache Center of Southern California. Dagegen werden oft niedrigdosierte Östrogenpräparate (die Pille) verschrieben.
  2. Alkohol: Wer nach nur einem Drink einen richtigen Kater bekommt, hat vielleicht eine Migräne. Wenn du hier einen Zusammenhang vermutest, solltest du Alkohol möglichst meiden; insbesondere die Sorten, bei denen du innerhalb von 8 Stunden Kopfweh bekommst.
  3. Unregelmäßige Mahlzeiten: Auch Schwankungen des Blutzuckerspiegels können der Grund für eine Migräneattacke sein. Iss regelmäßig, etwa alle 3 Stunden, und achte darauf, dass jede Mahlzeit eine Proteinquelle enthält, empfiehlt Dr. Broner.
  4. Zu viel Koffein: Wer regelmäßig große Mengen Koffein zu sich nimmt, leidet oft unter Entzugs-Kopfschmerzen, die auch zu einer Migräne heranwachsen können. Reduziere deinen Kaffeekonsum auf etwa 2 Tassen täglich und beobachte, wie sich deine Kopfschmerzen eventuell verändern.
  5. Schlafmangel: Eine Studie der Missouri State Unibersity fand bereits 2010 heraus, dass sich unter Schlafmangel im Körper Proteine verändern, die mit Migräne in Verbindung stehen. Gehe lieber auf Nummer sicher und achte auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.

Behandlung von Migräne

In einer Kopfschmerz-Ambulanz wird für dich der Diagnose entsprechend ein individuelles Konzept erstellt. Neben der medikamentösen Behandlung werden auch nicht-medikamentöse Therapien wie z.B. eine Beratung zur Lebensführung bei Migräne berücksichtigt. Bei leichter bis mittelgradiger Migräne wird der Arzt dir zu nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) raten. Etwa 10 Minuten vor der Einnahme solltest du ein so genanntes Antiemetikum (z.B. Domperidon, ist verschreibungspflichtig) einnehmen, um die Übelkeit zu bekämpfen und die Aufnahmefähigkeit zu steigern.

Für stärkere Beschwerden gibt es mehrere sogenannte Triptane (Arzneien gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen, z.B. im frei verkäuflichen Formigran oder Dolotiptan), die du allerdings auch nur an maximal 10 Tagen pro Monat einnehmen solltest. Es kann sein, dass du auf bestimmte Triptane nicht so gut ansprichst. Dann solltest du einfach ein anderes ausprobieren.

Die Medikamente bringen schnelle Linderung und sind sehr wirksam. Wer sie im Übermaß nimmt, also an mehr als 10 Tagen pro Monat, läuft auch bei ihnen innerhalb weniger Jahre Gefahr, häufigere und längere Migräneattacken zu entwickeln.

Vorbeugung von Migräne

Am besten lässt du eine Attacke erst gar nicht entstehen. Du kannst ihr mit Medikamenten vorbeugen, z.B. mit Betablockern, Flunarizin oder Valproat (alle verschreibungspflichtig). Bei menstruellen Migränettacken rät die die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zu NSAR oder Naproxen mit Beginn ab dem 4. Tag vor der Menstruation bis zum dritten Tag nach Ende der Menstruation, oder aber du versuchst es mit einem Hormonpflaster. Außerdem soll Botox (Botulinumtoxin A) bei chronischer Migräne (mehr als 15 Tage pro Monat Beschwerden) prophylaktisch Abhilfe schaffen.

Auch eine Antikörpertherapie soll etwa 50 Prozent der Migräne-Patienten helfen können. Dabei werden bestimmte Eiweiß-Moleküle (Calcitonin-Gene-Related-Peptide), die im Gehirn bei der Übertragung von Schmerzsignalen maßgeblich beteiligt sind, prophylaktisch medikamentös gehemmt. Für Migräniker mit mehr als 4 Migränetagen im Monat ist die Migränespritze einen Versuch wert.

Medikamente gegen Migräne

  • Triptane: Der Arzneistoff wird zur Behandlung akuter Migräne eingesetzt und stimuliert die Serotonin-Rezeptoren. Die Blutgefäße verengen sich, die Ausschüttung von Neurotransmittern wird gehemmt, was verhindert, dass sich der Schmerz weiter ausbreitet. Manchmal treten dadurch Nebenwirkungen wie Schwächegefühl, Schwindel oder Hitzewallungen auf.
  • Beta-Blocker: Beta-Blocker (Propranolol und Metroprolol) werden eingesetzt, um Attacken vorzubeugen. Diese Wirkstoffe haben einen Einfluss auf relevante Blutgefäße. Sie haben weniger Nebenwirkungen, können die Herzfrequenz aber stark senken.
  • Antiepileptika: Bei manchen Migränepatienten halbiert sich die Häufigkeit der Attacken durch Antiepileptika. Diese haben allerdings negative Nebenwirkungen wie Verwirrung und Schläfrigkeit.
  • Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer haben eine erwiesene Wirkung bei der Behandlung von Migräne. Forscher stellten fest, dass mit den Attacken ein ungewöhnlicher Serotoninspiegel einhergeht, der durch Antidepressiva wieder ausbalanciert wird. Normalerweise werden sie aber nicht verschrieben, wenn keine Depression vorliegt.
  • Botox: Bei schwerer, chronischer Migräne können Botox-Injektionen den Schmerzen vorbeugen. Dabei wird das Nervengift an 31 Stellen an Stirn, Schläfen, Nacken und Schultern gespritzt. Die Behandlung muss alle 12 Wochen wiederholt werden.

Natürliche Mittel gegen Migräne

Medikamente allein reichen nicht zur Behandlung von Migräne. Von Akupunktur (Ganzkörpertherapie) ist schon länger bekannt, dass sie bei Migräne sehr positive Effekte hat. Eine chinesische Studie hat Hinweise geliefert, nach denen du mit Akupunktur Attacken sogar effektiver vorbeugen kannst als mit Flunarizin.

Eine Studie am Universitätsklinikum Kiel hat gezeigt, dass sich Ausdauersport wie Joggen und Walken sehr positiv auf die Stärke, Häufigkeit und Dauer einzelner Migräneattacken auswirkt. Gut geeignet sind darüber hinaus die Entspannungstechnik Progressive Muskelentspannung (PM), die die Anfälle bei Migräne um die Hälfte reduzieren kann, und Biofeedback. Migräniker üben mit Biofeedback, die Blutgefäße im Kopf zu verengen. Ein Biofeedback-Messgerät zeigt dir, ob du erfolgreich bist.

Alle genannten Methoden können nachweislich Migräneattacken vorbeugen. Natürlich musst du auch lernen, dich im Alltag nicht ständig zu überfordern. Du musst lernen, "nein" zu sagen und es nicht immer allen recht machen wollen. Weiterhin ist ein ausgeglichener Lebensrhythmus, vor allem ein gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus (auch am Wochenende), sehr wichtig. Jede Art von Exzessen setzt dem empfindlichen Gehirn eines Migränikers zu.

Hausmittel gegen Migräne

Oft können sogar einfachste Mittel helfen, eine Migräne zu lindern. Diese Methoden haben sich vielfach bewährt und wirken vielleicht auch bei dir:

  • Den Kopf kühlen: Bei Migräne hilft Kälte besser als Wärme, denn Eis ist ein natürlicher Entzündungshemmer.
  • Vitamine: Beispielsweise soll eine tägliche Dosis von 400 mg Vitamin B2 die Häufigkeit von Migräneattacken bei Patienten gesenkt haben. Und auch das Coenzym Q-10 soll Migräneattacken verhindern können. Du solltest in jedem Fall mit deinem Arzt sprechen, welche Präparate für dich in Frage kommen könnten.
  • Entspannung: Rührt der Kopfschmerz aus einem verspannten Nacken-Schulter-Bereich, kann eine Massage häufig Abhilfe schaffen.
  • Helfende Kräuter: Neueste Empfehlungen der American Academy of Neurology bestätigen, dass Mutterkraut Migräne wirksam verhindern kann. Vermutlich weil es einen gesunden Blutfluss im Gehirn fördert.

Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerz ist drückend, dumpf und tritt beidseitig auf. Die Schmerzen stellen sich immer dann ein, wenn z.B. Stress im beruflichen, schulischen oder privaten Bereich aufkommen. Aber auch geistige Überlastung, Muskelverspannungen durch Haltungsfehler, anhaltende Überanstrengung der Augen (z.B. Bildschirmarbeit), starke Lärmbelästigung, Wetterwechsel, Schlafprobleme sowie psychische Faktoren ('Kopf einziehen') spielen eine wichtige Rolle.

Behandlung von Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerz gilt als chronisch, wenn er an mindestens 15 Tagen pro Monat auftrittt. Laut Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft behandelst du ihn am besten mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol. Achtung! Du darfst diese Medikamente nur an maximal 10 Tagen pro Monat einsetzen. Ansonsten kann es passieren, dass du einen schmerzmittelinduzierten Dauerkopfschmerz bekommst. Da hilft nur noch der Entzug in einer Klinik!

Chronischer Spannungskopfschmerz wird oft mit trizyklischen Antidepressiva behandelt. Die beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Gehirn und beugen dem Schmerz vor. Funktioniert nicht? Dann solltest du es mit einer Psychotherapie versuchen, denn psycho-soziale Belastungsfaktoren können die Kopfschmerzen massiv verstärken. Bei Spannungskopfschmerzen kannst du natürlich auch die bei Migräne genannten nicht-medikamentösen Therapieoptionen anwenden, z.B. Biofeedback, Progressive Muskelrelaxation oder Musiktherapie.

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