Ständige Migräne im Sommer: Ursachen und Behandlung

Viele Menschen, die unter Migräne leiden, erleben im Sommer eine Verschlimmerung ihrer Beschwerden. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und oft noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Faktoren, die als Auslöser für Migräneattacken im Sommer identifiziert wurden und mit einfachen Maßnahmen reduziert werden können.

Wetter als Migräne-Trigger

Temperatur und Luftdruck

Studien haben gezeigt, dass ein Anstieg der Umgebungstemperatur und ein niedriger Luftdruck in den 24 bis 72 Stunden vor dem Einsetzen der Beschwerden das Risiko für Kopfschmerz- bzw. Migräneattacken signifikant erhöhen können. Wetterfaktoren gehören zu den am meisten genannten Triggern für Kopfschmerz, obwohl sie mit am schlechtesten erforscht und dokumentiert sind. Eine systematische Übersichtsarbeit, in der Studien bis Dezember 2024 ausgewertet wurden, zeigt, dass Wetterwechsel - insbesondere Temperatur- und Luftdruckänderungen - signifikant mit dem Auftreten von Migräneattacken verbunden sind.

Luftverschmutzung

Untersuchungen in kanadischen Metropolen haben einen Zusammenhang zwischen Migräneattacken und Luftverschmutzung festgestellt. Bei weiblichen Patienten wurde ein starker Zusammenhang von Migräneattacken und Schwefeldioxidgehalt (SO2) der Luft in der warmen und Feinstaub in der kalten Jahreszeit gefunden. Männer reagierten im Sommer besonders stark auf Stickoxid (NO2).

Hitze-Inseln

In Hitzeperioden kann es zur Entstehung von sogenannten „Hitze-Inseln“ kommen, wenn sich die Luftmasse in einem fast abgeschlossenen innerstädtischen Areal kaum bewegen kann und durch die Sonneneinstrahlung auf sehr hohe Temperaturen aufgeheizt wird.

Weitere Auslöser im Sommer

Dehydration

An schwülen Sommertagen verliert man schnell viel Flüssigkeit. Da Dehydrierung ein wesentlicher Auslöser für Migräne sein kann, ist es wichtig, reichlich zu trinken, am besten Wasser, verdünnte Fruchtsaftschorlen oder Kräuter- und Früchtetees. Die wichtigste Regel bei Hitze ist, ausreichend zu trinken. Liegt die allgemein empfohlene Trinkmenge unter Normalbedingungen schon bei mindestens 1,5 l pro Tag, so gilt bei höheren Temperaturen, noch einmal deutlich mehr zu trinken. Dass Flüssigkeitsmangel ein entscheidender Faktor bei der Auslösung von Kopfschmerz- und Migräneattacken ist, ist durch viele Studien gedeckt.

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Elektrolytverlust

Mit dem Schwitzen geht nicht nur Wasser verloren, sondern auch der für eine normale Funktion des Nervensystems wichtige Mineralstoff Magnesium - das ist gerade für Migränepatienten ungünstig. Ein Magnesiummangel kann aber auch Verstärker von normalen Kopfschmerzen sein. Diese werden oft durch Muskelverspannungen ausgelöst, bei denen das Muskelmineral Magnesium ebenfalls eine Rolle spielt. Es gibt Hinweise darauf, dass die vorbeugende Zufuhr von Magnesium bei Kopfschmerzen und Migräne hilfreich sein kann, um die Anfallshäufigkeit und -intensität zu reduzieren.

Helles Sonnenlicht

Neben Wasser- und Mineralstoffmangel kann auch die helle Sommersonne Kopfschmerzattacken begünstigen. Menschen mit Migräne sind nämlich häufig sehr lichtempfindlich - besonders, wenn sie unter Migräne mit Aura leiden. Betroffene sollten deshalb im Freien immer eine qualitativ hochwertige Sonnenbrille tragen - eventuell mit Polarisationsfilter, der die Blendung besonders stark mindert. Zusätzlich können breitkrempige Hüte oder Sonnenschirme den empfindlichen Kopf schützen. Grundsätzlich sollte man bei starker Sonneneinstrahlung gerade als Migränepatient:in den Aufenthalt in der prallen Sonne vermeiden. Hält man sich im Freien auf, ist ein ausreichender Schutz des Kopfes - und der Augen insbesondere - wichtig.

Melatonin-Spiegel

Eine norwegische Arbeitsgruppe zeigte, dass bei Migränepatient:innen im Gegensatz zur nichtbetroffenen Allgemeinbevölkerung der Melatoninspiegel im Blut abnimmt, wenn sie dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Gleichzeitig sind Migränebetroffene häufig besonders lichtempfindlich - die sogenannte „Photosensitivität“ bei Migräne ist ein schon länger bekanntes Phänomen. Dies trägt bei entsprechend veranlagten Menschen dazu bei, dass es unter Einwirkung von grellem Licht verstärkt zu Migräneattacken kommen kann - ein Faktor, der im Sommer von besonderer Bedeutung ist.

Weitere Auslöser

Übermäßige Wärme, gleißendes Sonnenlicht, erhöhte Ozonwerte, Sonnencremes oder Eisgenuss können Auslöser sein. Duftstoffe aus Sonnencremes oder Parfums wirken bei starker Wärme intensiver, weil sie sich jetzt schneller verflüchtigen. Bei geruchsempfindlichen Menschen - vor allem Migränepatienten - kann dies Kopfschmerzen triggern. Werden Eiscreme oder eisgekühlte Getränke zu schnell verzehrt, kann das an der Mundschleimhaut und am Gaumen einen Kältereiz verursachen - Eiscreme-Kopfschmerz ist eine mögliche Folge.

Vorbeugende Maßnahmen

Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt

Ein stabiler Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt kann Attacken vorbeugen. Regelmäßige Mahlzeiten mit ausreichenden, möglichst komplexen Kohlehydraten sind vor allem für Migränebetroffene wichtig. Das Gehirn muss auch bei hohen Temperaturen regelmäßig mit Energie versorgt werden, starke Schwankungen im Blutzuckerspiegel sollten vermieden werden. Die aktuelle Hitze führt zu einem hohen Wasser- und Salzverlust. Das Blut wird dicker und fließt nicht mehr so gut. Außerdem kommt es durch erweiterte Blutgefäße zu einem Blutdruckabfall, insbesondere bei Menschen mit niedrigem Blutdruck. Die Folge: Kopfschmerzen. Dagegen hilft natürlich viel Trinken, um die Menge an Körperflüssigkeit hoch zu halten. Die Stiftung rät jedoch zu kleinen Trinkportionen, da diese vom Körper besser aufgenommen werden können.

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Vermeidung extremer Temperaturwechsel

Vor allem sollten extreme Temperaturwechsel vermieden werden. Dazu zählen plötzliche Warm-Kalt-Wechsel, etwa durch Klimaanlagen im Auto, aber auch sehr kalte Getränke oder Speisen. Auf keinen Fall direkt vor den Lüftungsschlitz einer Klimaanlage stellen. Nutzt man bei starker Hitze eine Klimaanlage in Haus oder Auto, sollte diese mit Bedacht eingestellt werden. Abhilfe kann ein sogenanntes Temperaturwechsel-Training schaffen. Durch regelmäßige Bewegung im Freien, Sauna- und Kneippgänge sowie Wechselduschen kann der Körper an Temperaturschwankungen gewöhnt werden. Dies stärkt den Organismus und trainiert auch die Gefäße im Gehirn, sodass sie weniger empfindlich auf Temperaturreize reagieren.

Gesunder Lebensstil

Neben einem gesunden Lebensstil spielen auch Schlaf und Entspannung eine große Rolle. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert den Biorhythmus und senkt das Risiko für Attacken. Studien zeigen, dass ein unregelmäßiger Schlaf die Ausschüttung von Signalstoffen im Gehirn beeinflusst und Migräne verstärken kann. Auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Meditation oder progressive Muskelentspannung können hilfreich sein. Sie unterstützen dabei, Stress abzubauen und den Körper widerstandsfähiger gegen äußere Reize zu machen. Ergänzend wirkt regelmäßige Bewegung wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren vorbeugend gegen Migräne.

Ernährung

Was die Ernährung bei Hitze angeht, sollte man sich für Lebensmittel entscheiden, die den Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgen, ohne eine große Belastung für das Verdauungssystem zu sein.

Sport

Beim Sport ist es wichtig, auf seinen Körper zu hören. Starke Anstrengung bei hohen Umgebungstemperaturen ist eine große Belastung für den Organismus und kann vor allem bei Migränebetroffenen als Trigger wirken.

Erwartungshaltung

Die Angst vor dem Wetterumschwung - Erwartungshaltung spielt eine große Rolle. Viele Betroffene berichten, dass sie bereits in der Kindheit erste wetterbedingte Migräneanfälle erlebt haben. Wissenschaftlich gilt als gesichert, dass nicht alle Patient:innen gleichermaßen sensibel auf Wetteränderungen reagieren, doch eine bestimmte Gruppe sehr empfindlich darauf anspricht. Hinzu kommt, dass das Migränegehirn in bestimmten Phasen besonders reizempfindlich ist: Licht, Geräusche, Gerüche - und eben auch Wetterreize - werden dann stärker wahrgenommen. Auch die Erwartungshaltung spielt eine Rolle: Wer sich vor einem angekündigten Wetterumschwung sorgt, löst möglicherweise allein dadurch eine Attacke aus. Daher kann es hilfreich sein, nicht ständig auf Wetterprognosen zu achten.

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Kopfschmerztagebuch

Für viele Migränepatienten ist klar: Das Wetter löst ihre Migräne aus. Demnach können beispielsweise abrupte Wetterwechsel das „Gewitter im Kopf“ verursachen. Aber besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem sogenannten Biowetter und einer Migräne? Wenn Sie Ihre Trigger kennen, lassen sich manche davon bewusst vermeiden. Finden Sie Ihre persönlichen Auslöser heraus, indem Sie ein Kopfschmerztagebuch führen. Notier außerdem in deinem Migränetagebuch, bei welcher Art von Wetter sich deine Migräne besonders stark bemerkbar macht.

Akutbehandlung

Als Sofortmaßnahme rät die Kopfschmerzgesellschaft zur Kühlakku oder Eisbeutel, eingewickelt in ein Baumwolltuch. Diese sollten immer wieder nur kurz an die schmerzende Stelle gehalten werden. Auch Akupressurmassage helfe gegen akute Kopfschmerzen.

Medikamentöse Therapie

Die Leitlinie zur Therapie von Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt bei akuten Attacken, möglichst früh Medikamente einzunehmen. Denn grundsätzlich gilt: je früher der Zeitpunkt der Einnahme, desto besser die Wirkung. Wirksame Medikamente zur Therapie mittelschwerer bis schwerer Migräneattacken sind die Triptane. Diese spezifischen Migränemedikamente wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Außerdem verhindern sie die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Triptane mit den Wirkstoffen Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan gibt es als Tabletten in kleiner Packung rezeptfrei in der Apotheke. Voraussetzung: Die Migräneerkrankung wurde ärztlich bestätigt. Größere Packungen sowie die Wirkstoffe Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan gibt es nur auf Rezept. Triptane dürfen bei bestimmten Vorerkrankungen - wie zum Beispiel nach Herzinfarkten und Schlaganfällen - theoretisch nicht eingesetzt werden und es gibt mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Engegefühle in der Brust. Doch ihr Nutzen überwiegt in den meisten Fällen die Nebenwirkungen. Allerdings ist darauf zu achten, dass 20 Tage im Monat komplett frei von der Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln bleiben.

Migräne vorbeugend behandeln

Wenn eine Patientin oder ein Patient an vier oder mehr Tagen im Monat Migräne hat oder wenn die Behandlung mit Triptanen keine ausreichende Besserung von Anfällen bietet, gibt es die Möglichkeit, die Migräne vorbeugend zu behandeln. Zur Prophylaxe mit Tabletten kommen unter anderem Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie infrage. Bevor moderne Antikörper zur Migräneprophylaxe verschrieben werden können, muss mindestens eine der Tablettentherapien versucht werden, manchmal auch mehrere. Migräne-Antikörper werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen CGRP - das steht für Calcitonin Gene-Related-Peptide, ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. Eine neue Wirkstoffgruppe, die sogenannten Gepante, sollen verhindern, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.

Chronische Migräne

Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Diese gut voneinander abgrenzbaren Kopfschmerzattacken werden auch Episoden genannt. Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden. Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.

Begleiterkrankungen

Menschen mit Migräne leiden häufig zusätzlich an Angststörungen und Depressionen. Zudem haben Migränepatienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Auch zeigt sich ein Zusammenhang von Migräne und hohem Blutdruck sowie Herzkreislauf-Erkrankungen und anderen Schmerzerkrankungen.

Was ist Biowetter?

Der Deutsche Wetterdienst fast unter dem Begriff das Wetter zusammen, welches das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Menschen auf unterschiedliche Wege beeinflusst. Befindlichkeitsstörungen, aber auch Änderungen von Krankheitsbildern wie kardiovaskulärer-Probleme, sind oft auf Wettereinflüsse zurückzuführen. Der Körper passt sich an Damit die Organfunktionen optimal laufen, muss der Organismus auf Änderungen der Temperatur und des Wetters reagieren - zum Beispiel, um die Körperwärme bei 37 Grad Celsius zu halten. Darum kümmert sich das sogenannte vegetative Nervensystem, der Mensch selbst kann den Vorgang nicht bewusst steuern. Menschen, die derartige Veränderungen bemerken, werden als wetterfühlig bezeichnet. Um Betroffenen den Alltag leichter zu gestalten, gibt es bestimmte Vorhersagen vom Wetterdienst. Migräne-WetterkartenEin Anhaltspunkt, wann das Wetter Migräne und andere Stresssituationen für den menschlichen Organismus mit sich bringen kann, sind Biowetter-Karten beziehungsweise Migräne-Wetterkarten. Sie zeigen zum Beispiel, wann sich die nächste Migräne, ausgelöst durch das Wetter, bemerkbar machen könnte. Ziehen Gewitter auf, kann die Schwüle unter anderem ein Risikofaktor für Kopfschmerzwetter sein. Aber auch hohe Temperaturen, die mitunter zu Schlafmangel führen, sind mögliche Ursachen für Migräne. Die Wettervorhersagen stellen zwar nur einen Hinweis für Biowetter als Auslöser der speziellen Kopfschmerzen dar, helfen aber manchen Patienten, sich darauf vorzubereiten.

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