Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, oft pulsierende Kopfschmerzen äußert, die von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden können. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer, was auf den Einfluss von Hormonen hindeutet. Ein besonderer Typ ist die hormonelle Migräne, die im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Einnahme der Pille, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren auftritt.
Was ist hormonelle Migräne?
Hormonelle Migräne, auch menstruelle Migräne genannt, tritt bei Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Sie wird durch Schwankungen des Östrogenspiegels ausgelöst, der den Menstruationszyklus steuert. Die Kopfschmerzen sind oft stärker und länger anhaltend als bei anderen Migräneformen.
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. geht davon aus, dass sieben Prozent aller Migränepatientinnen an einer sogenannten menstruellen Migräne leiden.
Symptome der hormonellen Migräne
Menstruelle Migräne zeigt sich im Prinzip mit denselben Symptomen wie allgemeine Migräne. Zu den Symptomen zählen:
- Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
- Oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
- Mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
- Übelkeit und Erbrechen
- Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen
Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. So werden neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen bezeichnet, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.
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Ursachen der hormonellen Migräne
Hormonschwankungen zählen zu den häufigsten Auslösern (Triggerfaktoren) von Migräneattacken. Bei Migränepatientinnen wurde beispielsweise ein Zusammenhang zwischen der Migräne und ihrer Periode entdeckt. Der Einfluss der Hormone zeigt sich auch daran, dass Mädchen und Jungen vor der Pubertät relativ gleich häufig von Migräne betroffen sind.
Verantwortlich für die Kopfschmerzattacken während der Monatsblutung ist wahrscheinlich das Hormon Östrogen. Die Produktion dieses Botenstoffs schwankt im Verlauf des monatlichen Zyklus, der bei den meisten Frauen durchschnittlich 28 Tagen dauert. Bis etwa zur Hälfte des Menstruationszyklus steigt der Östrogenspiegel kontinuierlich an. Anschließend nimmt er leicht ab, um dann ein paar Tage vor der Periode wieder anzusteigen. Mediziner vermuten, dass das plötzliche Absinken des Östrogenspiegels auch den Serotoninspiegel beeinflusst. Das Hormon Östrogen erhöht die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Wird weniger Östrogen produziert, nimmt in der Folge also auch die Menge des „Glückshormons“ Serotonin ab. Zudem schüttet der Körper während der Periode vermehrt Prostaglandin aus, einen Botenstoff, der für das Schmerzentstehen eine wichtige Rolle spielt.
Der Einfluss von Östrogen und CGRP
Forscher und Forscherinnen der Charité in Berlin haben herausgefunden, welche Mechanismen dabei ablaufen. In einer Untersuchung mit 180 Frauen zeigte sich: Migräne-Patientinnen schütten größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn aus, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt, als die migränefreien Probandinnen. CGRP steht hierbei für Calcitonin Gene-Related Peptide, eine körpereigene Substanz, die auch bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn erweitert.
"Aus dem Tiermodell haben wir Hinweise, dass Schwankungen von weiblichen Hormonen - insbesondere von Östrogen - zu einer verstärkten Freisetzung des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn führen", erklärt Dr. Bianca Raffaelli vom Kopfschmerzzentrum der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie am Charité Campus Mitte.
Bei Frauen, die die Pille einnehmen, gibt es kaum Schwankungen des Östrogenspiegels. Wie die Forschenden in der aktuellen Studie nachwiesen, verändert sich auch die CGRP-Konzentration im Verlauf des „künstlichen Zyklus“ nicht und ist bei Migränepatientinnen vergleichbar mit der gesunder Frauen.
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Weitere Faktoren
Neben Hormonen gibt es auch andere Faktoren, die Migräne beeinflussen können:
- Stress: Stress kann ein häufiger Auslöser für Migräneattacken sein.
- Schlafstörungen: Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus oder Schlafmangel kann Migräne begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie Schokolade, Käse oder Alkohol können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
Behandlung der hormonellen Migräne
Die Behandlung der hormonellen Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne und individuellen Bedürfnissen eingesetzt werden können.
Akuttherapie
Bei einem akuten Migräneanfall können folgende Maßnahmen helfen:
- Ruhe und Dunkelheit: Ein ruhiger, abgedunkelter Raum kann die Symptome lindern.
- Kälte oder Wärme: Ein Kühlpack auf der Stirn oder im Nacken kann Schmerzen reduzieren. Eine warme Dusche oder Wärmflasche kann ebenfalls wohltuend sein.
- Schmerzmittel: Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac können bei leichten bis mittelschweren Schmerzen helfen.
- Triptane: Spezielle Migränemittel, sogenannte Triptane, können die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Schmerzen lindern. Sie sind verschreibungspflichtig.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, wie Metoclopramid oder Domperidon, können helfen, die Begleitsymptome zu lindern.
Prophylaxe
Eine vorbeugende Behandlung kann helfen, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Folgende Maßnahmen können eingesetzt werden:
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen:
- Stressreduktion: Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation, Meditation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
- Ernährungsumstellung: Vermeiden Sie Trigger-Lebensmittel, die bei Ihnen Migräne auslösen.
- Ausdauersport: Regelmäßige Bewegung kann Migräne vorbeugen.
- Medikamentöse Prophylaxe:
- Betablocker: Diese Medikamente werden normalerweise zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch bei Migräne helfen.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Antiepileptika: Einige Antiepileptika werden auch zur Migräneprophylaxe eingesetzt.
- CGRP-Antikörper: Diese neuen Medikamente richten sich gegen den Entzündungsbotenstoff CGRP und können die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken deutlich reduzieren.
- Kurzzeitprophylaxe: Eine Kurzzeitprophylaxe mit Schmerzmitteln oder Triptanen kann einige Tage vor Beginn der erwarteten Kopfschmerzen begonnen und 6 bis 7 Tage fortgeführt werden.
Hormonelle Therapien
Aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs mit der Menstruation lag es nahe, hormonelle Therapieverfahren einzusetzen. Doch es zeigte sich, dass weder Hormonpflaster noch Östrogene in Tablettenform die Attacken verhindern konnten. Auch der Einsatz von Östrogen in Form eines auf die Haut auftragbaren Gels führt nicht zu zuverlässigen Behandlungsergebnissen.
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Die protektive Effizienz von oralen Kontrazeptiva (Antibabypillen) ist individuell auszutesten: Sie können die Migräne verbessern, verschlechtern oder auch unbeeinflusst lassen. Grundsätzlich ist die geringst mögliche Estradiol-Dosis anzustreben. Kombinations-Mikropille als Langzeiteinnahme ohne jede Pillenpause kann dann bei einigen Migränevarianten zur Option der Wahl werden.
Alternative Ansätze
Neben den genannten Möglichkeiten existieren noch zahlreiche andere Wege, die du probieren kannst, zum Beispiel Akupunktur, Akupressur oder Tee aus Heilkräutern wie Schlüsselblumen.
Vieles ist in der Wirkung zwar noch nicht wissenschaftlich erforscht, doch wenn du merkst, dass dir etwas guttut, bist du auf dem richtigen Weg. Wichtig ist, dass du deine Schritte möglichst gut mit deinem Arzt oder deiner Ärztin absprichst, denn im Einzelfall kann es zum Beispiel bei Heilpflanzen zu Wechselwirkungen mit den Medikamenten kommen.
Die Rolle der Schwangerschaft und Wechseljahre
In der Schwangerschaft und in den Wechseljahren ist der weibliche Hormonhaushalt vielen Veränderungen ausgesetzt. Bei etwa 80 Prozent der Migränepatientinnen bessert sich das Migräneleiden im Laufe der Schwangerschaft und Stillzeit vorübergehend. Grund dafür ist die Veränderung des Hormonhaushalts. Während einer Schwangerschaft ist der Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen konstant hoch. Bei Patientinnen, die an Migräne mit Aura leiden, können die Attacken hingegen zunehmen.
Die Einnahme von Medikamenten ist während der Schwangerschaft eng mit dem behandelnden Arzt abzustimmen. Da Migräneattacken an sich sehr wahrscheinlich keinen Einfluss auf den Embryo haben, für die meisten Arzneimittel jedoch noch keine ausreichenden Studien vorliegen, ist über eine verminderte Migräne-Therapie nachzudenken.
Mit zunehmendem Alter bleibt öfter ein Eisprung aus, die Produktion von Östrogen und anderen weiblichen Geschlechtshormonen in den Eierstöcken sinkt. Bis hin zur Menopause (letzte Regelblutung) treten jedoch häufig Zyklusstörungen auf. So kann beispielsweise eine Östrogendominanz entstehen, bei der eine hohe Konzentration des Hormons vorliegt. Ein starker Abfall der Östrogenkonzentration innerhalb weniger Tage kann, neben den bekannten Symptomen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, auch eine hormonelle Migräne mit sich bringen. Deswegen ist eine Verschlechterung der Migräne meist auch während der Wechseljahre zu beobachten, bei der die Hormone stark schwanken können. Frauen, denen die Wechseljahre bevorstehen, sollten bereits über eine nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe nachdenken.
Was können Frauen noch tun?
Frauen, die mit heftigen Migräneanfällen rund um ihre Menstruation kämpfen, sollten dies mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Die Migräne selbst ist nicht heilbar, aber die Kopfschmerzen und begleitenden Symptome können behandelt werden. Grundsätzlich gilt: Akute menstruell bedingte Migräneattacken werden genauso behandelt wie andere Migräneattacken. Dabei liegt der Fokus auf einer möglichst effektiven und individuellen Schmerzlinderung. Auch haben viele Frauen bei leichten Beschwerden positive Erfahrungen mit nicht-medikamentösen Methoden gesammelt.
Tipps zur Selbstfürsorge bei menstrueller Migräne:
- Ruhe, Dunkelheit, Schlaf: Dass diese Kombination bei einer Migräne-Attacke guttut, weißt du bestimmt schon selbst. Besonders wenn du schlafen kannst, kann das die Symptome oft gut lindern.
- Kälte oder Wärme: Ein Kältepack auf der Stirn oder im Nacken kann deine Schmerzen reduzieren. Vielleicht magst du aber lieber eine warme Dusche oder einer Wärmflasche testen? Vor der Periode ist der Körper oft sehr angespannt, auch das kann deine Migräneattacken verstärken.
- Aromatherapie: Einige Tropfen Pfefferminzöl auf die schmerzende Stirn oder die Schläfen wirken angenehm kühl und entspannend.
- Ingwertee: Hilft gut gegen Übelkeit
- Kaffee: Hier sind die Erfahrungen sehr gespalten. Etwas Koffein kann guttun oder sogar Kopfschmerzen auslösen.
Perioden-Kopfschmerzen vorbeugen - geht das?
Es ist bekannt, dass bestimmte Auslöser eine Migräne begünstigen können. Folgende Tipps können helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder sie abzuschwächen:
- Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
- Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
- Stress vermeiden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
- Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
- Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
Migräne-Wissen und Spezialisierte Hilfe
Für eine umfassende Behandlung von Migräne, einschließlich seltener Formen wie Clusterkopfschmerz, ist die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel eine Anlaufstelle. Die Klinik bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen sowie andere Kopfschmerzarten.
Aufnahmeformalitäten in der Schmerzklinik Kiel
Für die Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Eine Verordnung von Krankenhausbehandlung durch den behandelnden Arzt.
- Das Ausfüllen der Aufnahme-Checkliste durch den Arzt.
- Das Ausfüllen eines Schmerzkalenders und Schmerzfragebogens.
- Das Senden aller Unterlagen und relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die angegebene Anschrift.
Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt.
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