Ein anstrengender Schultag mit vielen Hausaufgaben, Stress mit Lehrern, zu Hause oder mit Mitschülern, sowie Prüfungen - all dies kann zu Kopfschmerzen führen. Oftmals handelt es sich um Spannungskopfschmerzen, die mit Stress und muskulären Verspannungen einhergehen. Es ist wichtig, rechtzeitig Strategien zu entwickeln, um eine Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern, da eine „Kopfschmerzkarriere“ oft schon in jungen Jahren beginnt.
Kopfschmerzen und Migräne bei Jugendlichen: Ein Überblick
Jedes zweite Mädchen und ein Viertel der Jungen zwischen 12 und 15 Jahren gaben bei einer repräsentativen Studie in Vorpommern an, unter wiederholten Kopfschmerzen zu leiden. Allerdings konsultiert nur jeder vierte Jugendliche bei wiederkehrenden Kopfschmerzen einen Arzt. Dies bereitet Experten Sorgen, da eine "Kopfschmerzkarriere" oft schon in jungen Jahren beginnt.
Lebensumstände als Auslöser von Kopfweh
Häufig treten Kopfschmerzen bei Jugendlichen auf, die auch wiederholt an Rückenschmerzen leiden. Verspannungen und Nacken- oder Schulterschmerzen spielen ebenfalls eine Rolle, aber auch erhöhter Medienkonsum wie Musik oder Computerspiele und Alkoholgenuss. Auch die mit dem Eintritt der Pubertät verbundenen hormonellen Veränderungen beeinflussen das Auftreten von Kopfweh. Ebenso der angestrebte Schulabschluss: Bei Gymnasiasten ist das Risiko für Kopfschmerz am höchsten, gefolgt von Real- und Hauptschülern. Mit Entspannung, Bewegung und Ablenkung sind sie meist in den Griff zu bekommen.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Eine Migräne wird oft von Übelkeit, Erbrechen oder auch Bauchschmerzen begleitet. Häufig besteht auch Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit. Die Schmerzen treten gerade bei Teenagern oft plötzlich auf. Sie können so schwer werden, dass man meint, der Kopf platzt gleich. Dieser Zustand kann mehrere Stunden bis selten auch Tage andauern, sodass an Lernen, Schule oder Sport nicht zu denken ist.
Symptome der Migräne bei Jugendlichen
Die Symptome einer Migräne bei Kindern und Jugendlichen können vielfältig sein und sich von denen bei Erwachsenen unterscheiden.
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- Kopfschmerzen: Plötzliche Kopfschmerz-Attacken, die wiederholt auftreten oder längere Zeit anhalten, sind das häufigste Symptom. Der Kopfschmerz kann sich auch als starker Druck am Kopf äußern. Je jünger das Kind ist, desto eher sind die Kopfschmerzen beidseitig (bilateral). Am häufigsten tritt der Schmerz an der Stirn, den Schläfen und im Augenbereich auf.
- Begleitsymptome: Übelkeit und Erbrechen kommen bei Kindern deutlich stärker und häufiger vor als bei Erwachsenen. Auch Bauchschmerzen (sogenannte „Bauchmigräne“ oder abdominelle Migräne), Appetitlosigkeit und Schwindelgefühle können auftreten.
- Empfindlichkeiten: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf Licht, Lärm und Gerüche.
- Weitere Symptome: Erhöhte Temperatur oder Fieber, vermehrter Harndrang, Durst und Herzrasen können ebenfalls auftreten.
- Aura: Einige Kinder erleben neurologische Beschwerden, die als Aura bezeichnet werden. Typische Anzeichen sind optische Halluzinationen (z.B. bunte Farben und seltsame Formen), Sehstörungen, Lichtblitze oder flimmernde Muster. Mediziner sprechen dabei auch vom „Alice-im-Wunderland-Syndrom“. Weitere Aura-Symptome sind Missempfindungen wie Taubheits- oder Lähmungsgefühle oder Kribbeln in Armen und Beinen. Manche Kinder haben auch Probleme zu sprechen.
Es ist wichtig zu beachten, dass gerade kleine Kinder ihre Empfindungen und Körpersignale oft noch nicht genau deuten und sich nicht richtig ausdrücken können. Eltern sollten daher darauf achten, ob sich ihr Kind anders verhält als sonst. Viele Kinder hören beispielsweise auf zu spielen, sind blass oder rot im Gesicht oder möchten sich gerne hinlegen und schlafen. Andere Kinder werden unruhig und reizbar. Manche klagen über Bauchweh oder kneifen die Augen bei hellem Licht zusammen. Schulkinder haben zudem oft plötzlich Probleme, sich zu konzentrieren und ihre Hausaufgaben zu machen. Auch bei Kopfschmerzen, die das Kind nachts wecken, sollte man an Migräne denken.
Die Phasen einer Migräneattacke
Die Kopfschmerzen während einer Migräneattacke laufen in 4 Phasen ab:
- Phase vor der Kopfschmerzattacke: Sowohl Kinder als auch Erwachsene zeigen Stimmungsveränderungen wie z.B. Reizbarkeit. Kinder zeigen zudem im höheren Ausmaß Blässe oder entwickeln dunkle Augenränder. Die Kinder berichten dabei auch häufiger Bauchschmerzen, Durchfall oder Verdauungsschwierigkeiten. Auch muskuläre Steifheit, Müdigkeit und Gähnen können auftreten.
- Auraphase: Es können häufig Sehstörungen und andere neurologische Symptome auftreten. Kindern fällt es schwer, diese Veränderungen zu beschreiben. Daher können sie z.B. Zickzacklinien im Gesichtsfeld, Kribbelmissempfindungen, Schwindel oder Sprachstörungen nur sehr schwer kommunizieren.
- Kopfschmerzphase: Die Kinder sind auch nur sehr schwer in der Lage, die Schmerzcharakteristika zu beschreiben. Auch hierzu fehlen ihnen noch die Vokabeln, um z.B. einen pulsierenden Schmerz in der Kommunikation mitzuteilen. Auch die Schwere der Schmerzen können sie nur schlecht in Worte fassen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, durch Beobachtung des Verhaltens und auch durch Wahrnehmung von Veränderungen des Effektes bei Kindern die Schmerzen zu erfassen. Kinder können z.B. den Beginn von Schmerzen nur schwer kommunizieren. Sie hören jedoch auf zu spielen oder zu essen, sie können weinen, gereizt sein oder auch Wutanfälle haben. Diese Veränderungen können nicht die Diagnose einer Migräne begründen. Sie sind jedoch Hinweise auf den Beginn und Ablauf einer Migräne.
- Nachphase der Migräne: Im Erwachsenenalter finden sich hier häufig Müdigkeit, Schwäche, Stimmungsänderungen, Schmerzen im Nacken, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schwindel.
Bauchmigräne (abdominelle Migräne)
Eine Besonderheit bei Kindern ist die Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt. Hierbei stehen Bauchschmerzen im Vordergrund, begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe und Lichtscheue. Betroffene Kinder können während der Attacken nicht mehr lernen oder spielen und müssen sich hinlegen. Diese Migräneattacken dauern zwischen 2 Stunden und 3 Tagen und können von Kopfschmerzen begleitet sein, wobei die Bauchschmerzen überwiegen. In der Pubertät verwandelt sich die Bauchmigräne oft in eine Kopfschmerzmigräne. Manchmal verschwinden die Attacken auch in der Pubertät.
Ursachen und Auslöser der Migräne
Bisher ist noch nicht vollständig geklärt, was eine Migräne bei Kindern auslöst. Nach aktuellem Wissensstand besteht eine genetische Veranlagung. Das bedeutet, der Betroffene reagiert auf bestimmte Auslöser mit einer Migräne. Faktoren, die eine Rolle spielen können, sind zum Beispiel ein bestimmtes Freizeitverhalten oder Essgewohnheiten.
Mögliche Auslöser (Trigger)
- Stress: Ein anstrengender Schultag und viele Hausaufgaben, Stress mit den Lehrern, zu Hause oder mit den Mitschülern, Prüfungen - das alles kann zu Kopfschmerzen führen.
- Ernährung: Das Auslassen von Mahlzeiten und Flüssigkeitsmangel können eine Migräne begünstigen. Auch einige Lebensmittel sind mögliche Auslöser, unter anderem Tee oder Kaffee, Alkohol, Schokolade, Zitrusfrüchte oder Käse.
- Schlaf: Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf kann Migräne begünstigen.
- Medienkonsum: Zu langes Sitzen oder Spielen am Computer kann eine Migräne auslösen.
- Hormonelle Veränderungen: Die mit dem Eintritt der Pubertät verbundenen hormonellen Veränderungen beeinflussen das Auftreten von Kopfweh.
- Wetterfühligkeit: Vor allem Kinder reagieren auf bestimmte Wetterlagen sensibel. Oft lösen ein plötzlicher Temperaturwechsel (meist ein Temperaturanstieg) und eine hohe Luftfeuchtigkeit Migräne bei Kindern aus.
- Reizstoffe: Lärm und Licht, chemische Reizstoffe (Abgase, Farb- und Klebstoffe, Parfums, Zigarettenrauch) können Migräne auslösen.
Migräne-Tagebuch führen
Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, herauszufinden, was die Attacken auslöst. Im Tagebuch werden nicht nur Häufigkeit und Intensität der Attacke festgehalten. Es sollten auch soviel Details wie möglich aufgeschrieben werden. Zum Beispiel:
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- Was und wann habe ich gegessen/getrunken?
- Was habe ich gerade gemacht?
- Habe ich ausreichend geschlafen?
- Zu welcher Uhrzeit tritt die Attacke auf?
- Wie fühle ich mich gerade?
- Ist eine Aura aufgetreten? Wenn ja, was und wie lange?
- Wie lange nach der Aura haben die Kopfschmerzen angefangen?
- Für Mädchen: Wann war meine letzte Periode?
Behandlung der Migräne bei Jugendlichen
Ziel der Behandlung ist es, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren und die Lebensqualität des Jugendlichen zu verbessern. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus nicht-medikamentösen und medikamentösen Maßnahmen.
Nicht-medikamentöse Behandlung
- Anpassung des Lebensstils: Ein routinierter Tagesablauf kann dabei helfen, Migräne in den Griff zu bekommen. Versuchen, sich nicht mit zu vielen Hobbys und außerschulischen Verpflichtungen unter Stress zu setzen.
- Entspannung: Entspannungsübungen und regelmäßige Pausen helfen. Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren können einen positiven Einfluss auf die Migräne haben. Auch Muskelentspannungsverfahren und Biofeedback können wirksam sein.
- Ernährung: Das Auslassen von Mahlzeiten und Flüssigkeitsmangel können eine Migräne begünstigen. Auch einige Lebensmittel sind mögliche Auslöser.
- Psychotherapie: Bei häufigem Stress kann es sich lohnen, ein Entspannungsverfahren zu erlernen, um besser damit zurechtzukommen. Dies hilft manchen Kindern und Jugendlichen auch, Anfällen vorzubeugen oder sie zumindest abzuschwächen. Für Heranwachsende, die auf Stress mit Kopfweh oder Migräne reagieren, ist es außerdem wichtig, allgemein auf ausreichend Pausen im Tagesablauf zu achten. Auch Bewegung und Sport können helfen, Stress abzubauen - vorausgesetzt, er macht Spaß und es besteht kein Leistungsdruck.
- Biofeedback-Therapie: Die Biofeedback-Therapie soll helfen, bestimmte Vorgänge im eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen. Während einer Sitzung werden Sensoren auf die Haut geklebt, die zum Beispiel die Hirnaktivität oder die Hauttemperatur messen. Die Messung wird auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Durch bewusste Konzentration ist es mit einiger Übung meist möglich, zum Beispiel die Hauttemperatur willentlich zu verändern. Die Messwerte zeigen, ob dies gelingt. Wer lernt, eigene Körperfunktionen zu steuern, soll auf diese Weise auch beginnende Kopfschmerzen besser kontrollieren können.
- Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Dahinter steht die Theorie, dass bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen zur Entstehung von Migräneanfällen beitragen. Dies können etwa ungünstige Schlafgewohnheiten oder Probleme beim Umgang mit Stress sein. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen oder der Angst davor ablenken können. Sie erfahren außerdem, wie ihre Gedanken und Gefühle die Migräne beeinflussen können. Dies kann ihnen helfen, die Symptome als weniger quälend zu erleben und besser damit zurechtzukommen.
- Progressive Muskelentspannung: Die Patienten lernen hier gezielt - z.B. in Form von Fantasiereisen durch den Körper -, einzelne Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen.
Medikamentöse Behandlung
Neben einer Anpassung des Lebensstils gehören auch Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen in Kombination mit Medikamenten gegen Übelkeit zur Behandlung einer Migräne. Am besten helfen die Mittel, wenn sie so früh wie möglich, also zu Beginn der Migräne-Attacke eingenommen werden. In der Aura-Phase helfen die Mittel meistens nicht, doch wer eine Aura hat, kann sich so schon vorbereiten, da er weiß, dass die nächste Attacke bevorsteht.
- Akuttherapie: Zur Behandlung von Migräneattacken bei Kindern wird in erster Linie Ibuprofen 10 mg/kg Körpergewicht empfohlen. Ab dem 12. Lebensjahr kann auch Acetylsalicylsäure in einer Dosierung von 500 mg eingesetzt werden. Besteht Übelkeit oder Erbrechen kann Domperidon ab dem 12. Lebensjahr eingesetzt werden. Zur Behandlung der Migräne bei Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr sind Sumatriptan 10 mg und Zolmitriptan 5 mg als Nasenspray zugelassen.
- Vorbeugende Behandlung: Eine vorbeugende medikamentöse Behandlung kann helfen, wenn Migräneanfälle immer wieder auftreten, die Anfälle besonders schmerzhaft oder lang anhaltend sind, Medikamente zur akuten Migränebehandlung nicht ausreichend wirken oder zum Beispiel wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen. Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne diese Medikamente einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten „Off-Label-Use“.
Wichtig: Schmerzmittel selbst können Migräne auslösen, wenn man sie über einen langen Zeitraum regelmäßig einnimmt. Normale Schmerzmittel sollten daher nicht häufiger als 10 bis 15 Tage im Monat genommen werden. Migräne spezifische Medikamente, sogenannte Triptane, sind für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet und sollten immer durch einen Arzt verordnet werden. Viele Medikamente, die Erwachsenen helfen, können bei Kindern schwere Schäden anrichten. Geben Sie daher Ihrem Kind keine frei verkäuflichen Schmerzmittel oder Ihr persönliches „Anti-Kopfschmerzmittel“. Für Kinder sind in erster Linie Paracetamol oder Ibuprofen empfehlenswert. Stärkere Wirkstoffe oder Mittel zur Vorbeugung verschreibt der Neurologe bzw. Kinder- und Jugendarzt nur in seltenen Fällen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Kopfschmerzen im Leben neu auftreten und noch keine Klarheit zur Entstehung und Art der Kopfschmerzen besteht.
- Migräneanfälle mehr als dreimal im Monat auftreten.
- Die Anfälle besonders schmerzhaft oder lang anhaltend sind.
- Medikamente zur akuten Migränebehandlung nicht ausreichend wirken oder zum Beispiel wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen.
- Das Kind unter zusätzlichen Symptomen wie Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungen leidet.
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