Die frontotemporale Demenz (FTD), früher auch als Morbus Pick bekannt, ist eine seltene neurologische Erkrankung, die vor allem Menschen unter 65 Jahren betrifft. Sie zählt zu den Demenzen des jüngeren Lebensalters und manifestiert sich durch den Abbau von Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns. Diese Hirnregionen steuern wichtige Funktionen wie Verhalten, Persönlichkeit, Sprache und Emotionen. Im Vergleich zur Alzheimer-Krankheit, bei der Gedächtnisstörungen im Vordergrund stehen, äußert sich die FTD oft durch Veränderungen im Sozialverhalten, der Persönlichkeit oder der Sprache.
Was ist Frontotemporale Demenz?
Die Frontotemporale Demenz (FTD) ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns, die den Frontal- und Temporallappen betrifft. Dies führt zu Veränderungen in Persönlichkeit, Verhalten und Sprache. Im Verlauf der Erkrankung sind die geistige Leistungsfähigkeit, das Gedächtnis und die Sprachfunktionen immer mehr beeinträchtigt. Die FTD gehört zu den Frontotemporalen Lobären Degenerationen (FTLD), wobei die FTD selbst nur eine Unterform darstellt. Zu den weiteren Unterformen zählen die semantische Demenz und die progrediente nicht-flüssige Aphasie.
Ursprünglich wurde die Frontotemporale Demenz als Pick-Krankheit bzw. Morbus Pick bezeichnet. Diese Bezeichnungen sind jedoch veraltet und werden kaum noch verwendet, um Verwechslungen mit der Niemann-Pick-Krankheit zu vermeiden, einer seltenen Erbkrankheit mit Fettansammlungen in den Körperzellen.
Die FTD ist eine seltene Erkrankung, die etwa 3 bis 9 Prozent aller Demenzen ausmacht. Im Vergleich zur Alzheimer-Krankheit, die etwa 70 Prozent aller Demenzerkrankungen ausmacht, ist die FTD deutlich seltener. Die Symptome der FTD treten im Allgemeinen früher auf als bei anderen Demenzformen, meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, wobei die Altersspanne von 20 bis 85 Jahren reichen kann.
Symptome der Frontotemporalen Demenz
Die Symptome der Frontotemporalen Demenz sind vielfältig und hängen davon ab, welche Hirnregionen betroffen sind. Die Medizin unterscheidet hauptsächlich zwischen zwei Hauptformen:
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- Verhaltensvariante (bvFTD): Veränderungen in Persönlichkeit und Verhalten stehen im Vordergrund. Typische Symptome sind:
- Enthemmung: Unpassende Bemerkungen, unangemessenes sexuelles Verhalten, Ladendiebstahl oder Berührungen von Fremden.
- Apathie: Rückzug aus sozialen und beruflichen Aktivitäten, Verlust von Interesse an Beziehungen oder Hobbys.
- Emotionale Abstumpfung / Empathieverlust: Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen nahestehender Personen, fehlende Anteilnahme oder Einfühlungsvermögen.
- Zwanghaftes oder ritualisiertes Verhalten: Wiederholte Handlungen, Horten von Gegenständen oder das tägliche Aufsuchen bestimmter Orte.
- Verändertes Essverhalten: Zwanghaftes Essen bestimmter Lebensmittel oder übermäßiger Konsum von Wasser oder Alkohol.
- Fehlende Einsicht: Betroffene sehen oft nicht ein, dass ihr Verhalten ungewöhnlich ist.
- Sprachliche Variante (Primär Progrediente Aphasie, PPA): Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben stehen im Vordergrund. Es gibt drei Unterformen:
- Semantischer Typ: Verlust des Verständnisses für Wörter und deren Bedeutung. Betroffene können Dinge oft nicht mehr benennen oder genau beschreiben, selbst wenn sie wissen, was sie sind.
- Unflüssiger/agrammatischer Typ: Schwierigkeiten beim Sprechen, das Sprechen klingt angestrengt und die Wörter kommen langsamer über die Lippen.
- Logopenischer Typ: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden. Das Sprechen wird langsam und zögerlich, und Begriffe werden umständlich umschrieben. (Dieser Typ gehört jedoch zur Alzheimer-Krankheit).
Im späteren Verlauf der FTD können Symptome beider Varianten auftreten. Auch körperliche Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit oder Schwierigkeiten beim Schlucken können hinzukommen.
Veränderungen im Sozialverhalten
Die Veränderung des Sozialverhaltens eines Patienten ist oft eines der auffälligsten Symptome frontotemporaler Demenz. Diese Verschlechterungen können für Angehörige und Pflegekräfte herausfordernd sein und erfordern ein tiefes Verständnis der Krankheit. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Veränderungen im Sozialverhalten auf die Schädigung des Frontotemporal Lappens (Gehirnregion hinter Stirn und Schläfen) zurückzuführen sind, der für die Kontrolle von Impulsen, Emotionen und sozialen Normen verantwortlich ist. Sie sind nicht das Ergebnis von bewusstem oder absichtlichem Verhalten seitens des Patienten.
- Mangel an Empathie: Ein auffälliges Merkmal von FTD ist die Abnahme oder das Fehlen von Empathie. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, sich in die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen hineinzuversetzen. Sie reagieren möglicherweise nicht angemessen auf die Emotionen oder das Leiden anderer.
- Sozial unangemessenes Verhalten: FTD-Patienten zeigen oft Verhaltensweisen, die in sozialen Situationen als unangemessen gelten. Dies kann sich in Form von unhöflichem oder impulsivem Verhalten äußern. Sie können Tabus brechen, obszöne Kommentare abgeben oder sich auf unpassende Weise ausdrücken.
- Vernachlässigung sozialer Normen: Betroffene können soziale Normen und Regeln ignorieren, die sie zuvor verstanden und respektiert haben. Dies kann zu Konflikten mit Familie, Freunden und Kollegen führen.
- Egozentrik: Frontotemporale Demenz kann zu einer starken Egozentrik führen, bei der der Patient in erster Linie seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche priorisiert und wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nimmt.
- Verlust sozialer Filter: Die Fähigkeit, Gedanken und Impulse zu filtern und sie entsprechend den sozialen Gegebenheiten anzupassen, geht bei vielen FTD-Patienten verloren. Sie können Dinge sagen oder tun, die in normalen sozialen Situationen unangebracht sind.
- Veränderungen im Beziehungsverhalten: Beziehungen zu Familienmitgliedern und Freunden können sich aufgrund dieser Verhaltensänderungen stark belasten.
Sprachstörungen
Bei der Sprachvariante der Frontotemporalen Demenz entwickeln Patienten verschiedene Sprachstörungen, die stetig fortschreiten. In der Medizin wird die Sprachvariante der FTD unter dem Fachbegriff primär progressive Aphasien zusammengefasst.
- Semantische Unterform: Person hat Schwierigkeiten, Bezeichnungen und Gegenstände in Einklang miteinander zu bringen.
- Progrediente nicht-flüssige/agrammatische Unterform: Person hat Schwierigkeiten, flüssig zu sprechen, weil es ihr schwerfällt, Sätze zu bilden. Sie lässt häufig einzelne kurze Wörter wie „ist“, „und“, „der“ oder „die“ weg und macht Fehler bei der Zeitform oder Endungen von Wörtern.
- Logopenische Unterform: Person hat vor allem Probleme beim Finden der richtigen Wörter. Ebenfalls können die Betroffenen gänzlich verstummen.
In manchen Fällen entwickeln Patienten auch eine Sprechstörung (Sprechapraxie). Bei der Sprechapraxie ist die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt, die Bewegungen ihrer Lippen, Zunge und ihres Kiefers zu koordinieren, die für das Sprechen notwendig sind. Sprechapraxien sind auf Störungen im Gehirn zurückzuführen, die die Planung und Koordination der Sprachbewegungen betreffen.
Weitere Symptome
Neben den genannten Symptomen können bei der FTD auch weitere Symptome auftreten:
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- Neurologische, körperliche Symptome, die man eher von Parkinson kennt: Die Körperhaltung ist verändert, eine Gangstörung liegt vor oder Patienten gehen nach vorne gebeugt.
- Schlafstörungen und Müdigkeit können auftreten.
- Menschen mit Bewegungsstörungen, wie einer veränderten Körperhaltung oder Gangstörung, haben ein erhöhtes Sturzrisiko.
Verlauf der Frontotemporalen Demenz
Wie die meisten Demenzerkrankungen hat auch die frontotemporale Demenz einen schleichenden Verlauf. Zu Beginn unterscheiden sich Menschen mit Frontotemporaler Demenz sowohl deutlich von Menschen mit anderen Demenzen als auch untereinander, je nach Subtyp. Im späten Stadium gleichen sich die Symptome von FTD und anderen Demenzerkrankungen an.
- Anfangsstadium:
- Verhaltensvariante (bvFTD): Veränderungen in Persönlichkeit und Verhalten stehen im Vordergrund, wie Enthemmung, Apathie oder Verlust von Einfühlungsvermögen. Viele erkennen ihr eigenes Verhalten nicht als problematisch und haben keine Krankheitseinsicht.
- Sprachliche Variante (PPA): Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben stehen im Vordergrund.
- Mittleres Stadium:
- Sprache und Verhalten sind stark beeinträchtigt, und es treten zusätzlich Gedächtnisprobleme auf, die an Alzheimer erinnern.
- Körperliche Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit oder Schwierigkeiten beim Schlucken können hinzukommen.
- Endstadium:
- Die Erkrankten benötigen rund um die Uhr Pflege.
- Die häufigste Todesursache ist eine Lungenentzündung, die durch eine Schwächung des Immunsystems oder Schluckprobleme verursacht werden kann.
Im fortgeschrittenen Stadium einer FTD treten meist auch Symptome der anderen Variante auf. Ein Patient, bei dem anfangs eher die Symptome der Verhaltensvariante der FTD im Vordergrund standen, entwickelt im weiteren Verlauf auch Sprachstörungen. In diesem mittleren Stadium sind Menschen mit FTD in ihrem Alltag zunehmend auf Hilfe angewiesen.
Im Endstadium der Frontotemporalen Demenz, ähneln die Symptome vor allem der Alzheimer-Krankheit: Es kommt zum weitgehenden Verlust der Selbstständigkeit und teilweise auch der Sprache. Zum anderen ergeben sich durch Schluckstörungen bei einer Frontotemporalen Demenz zusätzliche Infektionswege, die das Risiko für eine sogenannte Aspirationspneumonie erhöhen - was bedeutet: eine Lungenentzündung, die durch das Eindringen von flüssigen oder festen Stoffen in die Atemwege ausgelöst wird.
Experten gehen davon aus, dass die durchschnittliche Erkrankungsdauer bei FTD, also die Lebenserwartung, bei rund acht Jahren nach Diagnosestellung liegt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen sowie die Risikofaktoren der Frontotemporalen Demenz sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. Was man jedoch weiß: Bei einer FTD handelt es sich um eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Frontal- und Temporallappen des Gehirns absterben. Durch den Abbau von Nervenzellen im Frontal- und Temporallappen schrumpfen diese Teile des Gehirns mit der Zeit. Auf diese Weise verringert sich das Hirnvolumen bei einer Frontotemporalen Demenz, was mithilfe bildgebender Verfahren beobachtet werden kann.
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In einigen Fällen, etwa zehn Prozent, wird das gehäufte Auftreten von FTD innerhalb einer Familie mit bestimmten Genen in Verbindung gebracht. Da Alkohol ein Nervengift ist, kann er bei übermäßigem Konsum dazu führen, dass Nervenzellen im Gehirn absterben. Vor allem bei Personen unter 65 Jahren kann längerer, zu hoher Alkoholkonsum die Entstehung einer frühen Demenz begünstigen.
Bei der Frontotemporalen Demenz ist der Frontallappen des Gehirns und/oder der Schläfenlappen betroffen. Ist FTD erblich?Ja - Frontotemporale Demenz kann eine Erbkrankheit sein, muss es aber nicht. In rund 60 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung ohne erkennbare Vorbelastung auf. In diesen Fällen spricht man von sporadischer FTD. In rund 40 Prozent der Fälle zeigt sich eine familiäre Häufung: In den betroffenen Familien treten FTD selbst oder ähnliche Erkrankungen auf, zum Beispiel andere Demenzformen, die Nervenkrankheit ALS oder psychische Erkrankungen wie Depressionen. Ein Teil dieser familiären FTD-Fälle ist tatsächlich durch eine Mutation in einem Gen bedingt. Meist handelt es sich um Mutationen in den Genen C9orf72, GRN oder MAPT.Bei etwa 10 bis 15 Prozent aller Menschen mit FTD lässt sich solch eine genetische Veränderung nachweisen, die die Erkrankung auslöst. Wird diese genetische Veränderung von einem Elternteil vererbt, hat das Kind eine 50 prozentige Wahrscheinlichkeit, auch an FTD zu erkranken.Wer sich Sorgen um das eigene Risiko macht - zum Beispiel weil es FTD oder ähnliche Erkrankungen in der Familie gibt - kann eine genetische Beratung in Anspruch nehmen.
Diagnose der Frontotemporalen Demenz
Die Diagnose einer frontotemporalen Demenz (FTD) unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der bekannteren Alzheimer-Krankheit. Die Frontotemporale Demenz wird häufig nicht sofort erkannt. Besonders bei der Verhaltensvariante ähneln die Symptome oft einer psychischen Erkrankung, etwa einer Depression, Manie oder Schizophrenie.
Der Weg zur Diagnose einer FTD ist in der Regel komplex und erfordert mehrere Untersuchungen. Zunächst sammelt der Arzt wichtige Informationen über die Symptome, die Krankheitsgeschichte des Patienten und mögliche familiäre Vorbelastungen. Besonderes Augenmerk wird auf Veränderungen im Verhalten, in der Persönlichkeit, in der Sprache und in den kognitiven Fähigkeiten gelegt.
Da es derzeit kein einzelnes Verfahren gibt, das FTD eindeutig nachweisen kann, erfolgt die Diagnose in mehreren Schritten. Dabei ist es wichtig, andere mögliche Ursachen für die Sympome auszuschließen:
- Anamnese: Die Ärztin oder der Arzt erhebt die Krankengeschichte und prüft grundlegende kognitive Fähigkeiten, zum Beispiel das Gedächtnis. Zusätzlich werden Bewegungsfähigkeit, Muskelkraft, Sensibilität, Reflexe, Koordination und Gleichgewichtssinn untersucht.
- Befragung der Angehörigen: Besonders bei der Verhaltensvariante sind Einschätzungen aus dem Umfeld entscheidend. Denn Erkrankte zeigen oft keine Einsicht in ihre Verhaltensänderungen.
- Psychiatrische Untersuchung: Eine psychiatrische Untersuchung hilft dabei, andere Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie auszuschließen.
- Bildgebende Verfahren: Mithilfe von MRT, CT oder FDG-PET können Veränderungen in den Stirn- und Schläfenlappen sichtbar gemacht werden. Die FDG-PET wird jedoch nicht immer von den Krankenkassen übernommen.
- Neuropsychologische Tests: Diese erfassen spezifische Beeinträchtigungen in Planung, Urteilsvermögen, Sprache oder sozialem Verhalten, die für FTD typisch sind. Besteht der Verdacht auf eine Frontotemporale Demenz, wird der Arzt einen Demenz-Test, zum Beispiel das Frontal Behavioral Inventory, durchführen. Dieser Test alleine reicht allerdings nicht zur Diagnosestellung einer FTD aus.
- Genetische Untersuchungen: Liegen in der Familie weitere Fälle von FTD vor, kann ein Gentest helfen, eine vererbbare Form festzustellen. Die genetische Beratung erfolgt durch Fachärztinnen und Fachärzte in humangenetischen Zentren.
Im Rahmen der Diagnostik ist es wichtig, auch andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen. Zum Ausschluss anderer Erkrankungen kann das Liquor untersucht werden.
In Fällen ohne nachweisbare Genmutation kann eine sichere Diagnose oft erst nach dem Tod gestellt werden.
Behandlung der Frontotemporalen Demenz
Bislang ist keine Heilung der frontotemporalen Demenz möglich. Es gibt zurzeit keine speziellen Medikamente, um die Kognition oder Sprache bei frontotemporaler Demenz zu verbessern.
Da die Frontotemporale Demenz bislang nicht heilbar ist, sollten sich Betroffene gut überlegen, ob sie einen Gentest machen lassen. Gegebenenfalls ist das frühe Wissen hilfreich, um gewisse Angelegenheiten weiter im Voraus planen zu können. So können sich Betroffene und Angehörige beispielsweise frühzeitig über die FTD informieren, Gespräche über mögliche Szenarien führen, ein unterstützendes Netzwerk aufbauen und wichtige Vorsorgedokumente, wie eine Patientenverfügung, erstellen. Ob man all dies aber auch möchte, entscheidet der Patient am Ende immer selbst.
Die Behandlung konzentriert sich daher auf die Linderung von Symptomen der frontotemporalen Demenz und die soziale Unterstützung der Betroffenen.
Medikamentöse Behandlung
Im Rahmen der Demenz-Therapie können auffällige Verhaltensweisen medikamentös gemildert werden. Bei einer Frontotemporalen Demenz werden häufig Beruhigungsmittel oder Antidepressiva verschrieben. Medikamente wie diese können aber auch Nebenwirkungen wie Muskelsteifheit oder Müdigkeit hervorrufen.
Unruhe, Aggression oder zwanghaftes Verhalten können häufig mit bestimmten Medikamenten gelindert werden.
Nicht-medikamentöse Therapie
Die nicht-medikamentöse Therapie bei Frontotemporaler Demenz setzt vor allem auf Maßnahmen, die den Lebensstil betreffen. Jeder Patient ist einzigartig. Was bei der einen Person mit FTD womöglich gut klappt, funktioniert bei einer anderen Person weniger gut. pflege.de empfiehlt Ihnen, verschiedene Methoden auszuprobieren. Halten Sie Ihre Erfahrungen hierbei stichpunktartig fest.
Durch nicht-medikamentöse Therapieformen, wie sie auch bei Menschen mit Alzheimer-Demenz angewandt werden können einige Symptome der Patienten und Patientinnen gemildert werden. Eine der größten Herausforderungen im Umgang mit FTD ist jedoch, dass viele Erkrankte keine Einsicht in die eigene Erkrankung haben. In solchen Momenten ist es wichtig zu wissen: Man kann eine an FTD erkrankte Person nicht vom eigenen Fehlverhalten überzeugen, weil ihr schlicht der innere Maßstab fehlt.
- Insbesondere Betroffene mit einer primären Sprachstörung sollten Logopädie erhalten. Für kognitive und sprachliche Trainings gibt es auch erste digitale Anwendungen.
- Hilfestellungen zur Realitätsorientierung mit dem Ziel der Verbesserung von Orientierung.
- Kreative Angebote wie Kunst- oder Musiktherapie sowie körperliche Aktivierung können helfen, Verhaltensauffälligkeiten zu mildern.
- Um Betroffenen den Alltag zu erleichtern, hilft eine helle, sichere und vertraute Umgebung sowie strukturierte Tage mit Routinen.
Unterstützung und Entlastung für Angehörige
Die Betreuung eines geliebten Menschen mit FTD kann eine enorme Herausforderung darstellen. In den fortgeschrittenen Stadien der FTD kann eine professionelle häusliche Pflege oder eine 24-Stunden-Betreuung notwendig werden. Eine 24h Betreuungskraft übernimmt zahlreiche Aufgaben zur Versorgung des Patienten zu Hause und kümmert sich um dessen Haushalt.
Man sollte daher frühzeitig die Pflegebedürftigkeit des erkrankten Menschen prüfen und klären, wie sich pflegende Angehörige oder Ehrenamtliche unterstützen lassen können. Pflegende sollten sich frühzeitig Hilfe suchen, wenn sie seelisch mit der Situation nicht zurechtkommen oder leichte Niedergestimmtheit (Depression) bei sich feststellen. Um den Umgang im Alltag zu erleichtern und mehr über die seltene Erkrankung frontotemporale Demenz zu erfahren, gibt es Informations- und Beratungsangebote sowie Selbsthilfegruppen.
Neben therapeutischen Maßnahmen gibt es viele kleine Dinge, die dazu beitragen können, dass Menschen mit Frontotemporaler Demenz länger körperlich und geistig aktiv bleiben. Vieles lässt sich gut in den Alltag integrieren:
- Sport hat nachgewiesene positive Effekte auf die Leistungsfähigkeit, Fitness und Stimmung. Bewegung kann Ängste abbauen, Unruhe mildern und beim Ein- und Durchschlafen helfen. Am besten eignet sich tägliche moderate Bewegung (Walking, Tanzen, Gymnastik etc.), bei der Atmung und Herzfrequenz erhöht sind, aber noch ein Gespräch möglich ist. Auch weniger fitte Menschen können in Bewegung bleiben: bei Gartenarbeiten, Wäscheaufhängen oder beim Spaziergang mit dem Hund.
- Aktivitäten, die das Gehirn anregen wirken sich ebenfalls positiv auf den Verlauf von Demenzerkrankungen aus. Gut für die geistige Fitness sind zum Beispiel Brettspiele, Puzzles, Handarbeiten oder Basteln. Wichtig ist: Es soll Freude machen und nicht überfordern. Finden Sie gemeinsam heraus, was gut gelingt und Spaß macht.
- Soziale Kontakte erhalten: Gute Gespräche, gemeinsame Erlebnisse oder einfach Nähe - soziale Kontakte geben Halt und tun dem Gehirn gut. Ein Treffen mit Freunden, Familie oder Nachbarn kann ebenso bereichernd sein wie der Besuch einer Tagespflege oder eines Demenzcafés.
Angehörige sollten allerdings nicht das eigene Leben, die eigenen Bedürfnisse und persönlichen Grenzen außer Acht lassen. Die Betreuung ist ab einem gewissen Punkt allein nicht mehr zu bewältigen, sodass Angehörige frühzeitig über eine häusliche oder stationäre Pflege nachdenken sollten.
Tipps für den Umgang mit Frontotemporaler Demenz
Frontotemporale Demenz ist eine Herausforderung sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen. Hier sind einige Tipps, die den Umgang erleichtern können:
- Informieren Sie sich: Verstehen Sie, was Frontotemporale Demenz ist, welche Symptome sie verursacht und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickeln kann.
- Treffen Sie frühzeitig rechtliche Vorkehrungen: Erstellen Sie rechtzeitig Vollmachten und Verfügungen.
- Passen Sie die Kommunikation an: Die Kommunikation mit Demenzerkrankten ist häufig nicht so einfach. Formulieren Sie möglichst einfache Sätze. Offene Fragen können Patienten schnell überfordern und sollten daher für ernsthafte Gespräche vermieden werden. Wenn es jedoch um den reinen Austausch als Beziehungsstifter geht, können offene Fragen gut eingesetzt werden, sofern Sie keine „richtige Antwort“ erwarten.
- Schaffen Sie Routinen im Alltag: Ein geregelter Tagesablauf gibt Patienten mit FTD Sicherheit und kann dazu beitragen, Verwirrung zu reduzieren.
- Schaffen Sie ein demenzgerechtes Zuhause: Passen Sie das häusliche Umfeld Ihres betroffenen Angehörigen Stück für Stück an, um eine Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen und die Sicherheit zu erhöhen.
- Bleiben Sie geduldig: Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit können sehr belastend sein - gerade für die Angehörigen.
- Achten Sie bei allem auch auf sich selbst: Vergessen Sie Ihre eigene Gesundheit und Ihr Wohlbefinden nicht.
- Schaffen Sie positive Momente: Versuchen Sie, trotz aller Herausforderungen auch schöne Momente miteinander zu erleben. Gemeinsame Aktivitäten wie Musik hören, Fotos anschauen oder Zeit an der frischen Luft verbringen tun meist gut und können die Bindung stärken.
Forschung und Ausblick
Weltweit wird intensiv an der Frontotemporalen Demenz geforscht. Wissenschaftler suchen nach den Ursachen der Erkrankung und entwickeln neue Therapieansätze. Auch das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) forscht intensiv an der FTD und sucht fortlaufend Menschen mit (möglicher) FTD sowie deren blutsverwandte Angehörige für Studien. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt des DZNE sind therapeutische Maßnahmen wie psychosoziale Interventionen für die Pflege und Betreuung von Menschen mit frontotemporaler Demenz.
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