Statistik der Alzheimer-Demenz in Deutschland: Ein umfassender Überblick

Die Alzheimer-Demenz stellt eine wachsende Herausforderung für die deutsche Gesellschaft dar. Mit einer alternden Bevölkerung steigt die Zahl der Betroffenen kontinuierlich, was erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, die Wirtschaft und die pflegenden Angehörigen hat. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die aktuelle statistische Lage der Alzheimer-Demenz in Deutschland, einschließlich Prävalenz, Inzidenz, regionaler Verteilung, Kosten und Risikofaktoren.

Was ist Demenz?

Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem Abbau kognitiver Fähigkeiten einhergehen. Bei einer Demenz werden die Nervenzellen in Bereichen der Hirnrinde geschädigt. Die Formen und Ursachen der Erkrankung variieren dabei je nach betroffener Hirnregion. Demenz-Patienten leiden insbesondere unter Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und einer damit einhergehenden erhöhten Vergesslichkeit, die sich im weiteren Krankheitsverlauf bis zum Verlust der Sprach- und Rechenfähigkeiten ausweiten kann: Pflegebedürftigkeit ist die Folge. Die häufigsten Ursachen für Demenz sind zum einen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und zum anderen Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn, welche durch Durchblutungsstörungen des Gehirns gekennzeichnet sind. Grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit an einer Demenz zu erkranken mit dem Alter.

Es gibt nicht DIE Demenz, sondern tatsächlich viele Formen davon. Diverse Erkrankungen, die sich auf das Gehirn auswirken, können Demenz auslösen. Die bekannteste und bei weitem häufigste dieser Demenzerkrankungen ist Alzheimer. Sie macht bis zu 2/3 aller Demenzerkrankungen aus. Weitere sind zum Beispiel die Lewy-Körperchen-Demenz, die Vaskuläre Demenz und die Frontotemporale Demenz. Bei einer Parkinson-Erkrankung können zusätzlich zu motorischen Beeinträchtigungen auch Symptome von Demenz auftreten und bei Menschen mit Down-Syndrom ist die Entwicklung von Demenz aufgrund genetischer Veranlagung nahezu unausweichlich. Die verschiedenen Demenzerkrankungen unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie das Gehirn und dessen Funktion beeinträchtigen.

Alzheimer und andere Demenzformen

Unter dem Begriff Demenz werden verschiedene Krankheiten zusammengefasst, die mit dem Abbau und Verlust kognitiver Fähigkeiten einhergehen. Am häufigsten ist die Alzheimer-Demenz, gefolgt von der vaskulären Demenz, der Lewy-Körper-Demenz und der Frontotemporalen Demenz. Grundsätzlich kann eine Demenz in jedem Alter auftreten.

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, aber nicht die einzige.

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  • Vaskuläre Demenz - durch Durchblutungsstörungen im Gehirn
  • Lewy-Körperchen-Demenz - gekennzeichnet durch Halluziationen und starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Frontotemporale Demenz - führt häufig zu auffälligen Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen
  • Demenz bei Parkinson - Gedächtnis- oder Denkstörungen im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium

Im Umgang mit erkrankten Menschen sind die Unterschiede zwischen den Demenzformen oft nicht eindeutig.

Aktuelle Prävalenz der Demenz in Deutschland

Im Jahr 2023 lebten in Deutschland schätzungsweise rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz (im Alter ab 40 Jahren). In der Altersgruppe ab 65 Jahren waren es etwa 1,7 Millionen. Dies entspricht einem Anteil von 2,97 % der Bevölkerung ab 40 Jahren. Die meisten Betroffenen sind Frauen, deren Zahl auf rund 1,2 Millionen geschätzt wird. Frauen haben nicht nur aufgrund einer höheren Lebenserwartung eine größere Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Eine zentrale Rolle fällt hierbei den weiblichen Sexualhormonen zu, insbesondere den Östrogenen.

Regionale Unterschiede

Die Verteilung von Menschen mit Demenz ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Dies ist hauptsächlich auf die Altersstruktur der lokalen Bevölkerung zurückzuführen. Während in Hamburg und Berlin, die bundesweit den niedrigsten Altersdurchschnitt haben, weniger als 1,8 Prozent der Bevölkerung eine Demenz haben, ist der Anteil in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen prozentual mit mehr als 2,4 Prozent am höchsten. Betrachtet man allerdings den Anteil an Demenz erkrankter Menschen an der Gesamtbevölkerung in den einzelnen Bundesländern, ergibt sich ein anderes Bild. Am höchsten ist der Anteil von Menschen mit Demenz in Sachsen und Sachsen-Anhalt (2,6 Prozent), gefolgt von Sachsen und Thüringen (je 2,5 Prozent). Am niedrigsten ist er in Berlin (1,7 Prozent) und Hamburg (1,8 Prozent). Je höher der Altersdurchschnitt in den Ländern ist, desto häufiger treten Demenzerkrankungen auf.

Inzidenz: Jährliche Neuerkrankungen

Allein im vergangenen Jahr (2023) sind in Deutschland zwischen 364.000 und 445.000 Menschen im Alter von 65+ neu an einer Demenz erkrankt. Jedes Jahr werden deutschlandweit mehr als diese Anzahl an Demenz-Neuerkrankungen gezählt.

Prognosen für die Zukunft

Bedingt durch eine immer älter werdende Bevölkerung steigt die Gesamtzahl der Erkrankten kontinuierlich an. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht davon aus, dass mit steigender Lebenserwartung in den kommenden Jahren deutlich mehr Menschen an Demenz erkranken werden. Nach Prognosen könnte die Anzahl der Betroffenen (im Alter ab 65 Jahren) im Jahr 2030 auf bis zu 1,9 Millionen ansteigen, im Jahr 2040 auf bis zu 2,3 Millionen und im Jahr 2050 bis zu 2,7 Millionen erreichen.

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Mehr Neuerkrankungen als Sterbefälle unter den bereits Erkrankten könnte - sofern kein medizinischer Durchbruch gelingt - die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 um mehr als ein Drittel ansteigen lassen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet im Jahr 2050 mit weltweit 139 Millionen Menschen, die unter einer Demenz leiden; in Deutschland könnten es dann zwischen 2,3 und 2,7 Millionen Menschen sein. Das gilt unter der Voraussetzung, dass es in den kommenden Jahren nicht gelingt, in Prävention und Therapie von Erkrankungen wie Alzheimer deutliche Fortschritte zu erzielen. Je nachdem, wie sich die Altersstruktur der Bevölkerung insgesamt entwickelt, wird sich die Zahl der Menschen mit Demenz über 65 Jahren bis zum Jahr 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen. Wenn die Lebenserwartung in Deutschland nur moderat wächst, wir höhere Zuwanderungsraten haben und die Geburtenrate deutlich ansteigt, und wir dadurch im Jahr 2050 eine relativ junge Bevölkerung haben, würde die Zahl der Demenzerkrankten bis dahin auf rund 2,3 Millionen ansteigen. Wenn die Geburtenrate aber auf dem heutigen Stand bleibt, die Lebenserwartung stärker steigt und weniger Menschen nach Deutschland zuwandern, läge die Zahl der Betroffenen 2050 bei rund 2,7 Millionen.

Wirtschaftliche Belastung

Berechnungen des DZNE beziffern die Kosten für Demenz in Deutschland für das Jahr 2020 mit rund 83 Milliarden Euro - das entspricht mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach Prognosen könnten diese Kosten im Jahr 2040 auf rund 141 Milliarden Euro, im Jahr 2060 auf rund 195 Milliarden Euro anwachsen.

Demenz bei jüngeren Menschen

Weil Demenz vorwiegend im höheren Alter auftritt, erfassen viele Statistiken über Demenz nur Personen ab dem Alter von 65 Jahren. Tatsächlich können jedoch auch jüngere Menschen erkranken - in sehr selten Fällen sogar Kinder und Jugendliche. Nach Schätzungen gab es im Jahr 2018 etwa 73.000 Menschen mit Demenz im Alter zwischen 30 und 64 Jahren. Doch sind fast 6 Prozent der Betroffenen in Deutschland - rund 106.000 Menschen - jünger als 65 Jahre. Diese Gruppe wird erst seit wenigen Jahren zunehmend wahrgenommen und es fehlt vielfach noch an geeigneten Unterstützungsangeboten für sie und ihre Familien.

Demenz bei Menschen mit Migrationshintergrund

Hierzulande waren es im Jahr 2021 Schätzungen zufolge fast 160.000 (im Alter ab 65 Jahren). Für diese Personen kann sich der Zugang zu medizinischen Informationen, ärztlicher Betreuung und Versorgungsangeboten aufgrund von Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden zur einheimischen Bevölkerung als schwierig erweisen. Denn kultursensible Angebote und mehrsprachige Informationsmaterialien über Demenz sind bislang nicht Standard - weder in Deutschland noch in vielen anderen Teilen Europas.

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Todesursache Demenz

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland mit Demenz sterben, ist gestiegen. Demenz ist seit Jahren eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland - vor allem bei Frauen. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 40.680 Frauen mit der Krankheit. Insgesamt starben 2024 in Deutschland etwa 1,01 Millionen Menschen.

Menschen mit Demenz haben eine verkürzte Lebenserwartung. Studien zeigen eine durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung von 4,8 Jahren für Menschen mit Demenz insgesamt. Dieser Durchschnittswert kann kann individuell stark abweichen. Demenzerkrankungen wie Alzheimer selbst sind nicht direkt tödlich, führen jedoch zu einem fortschreitenden Abbau körperlicher und geistiger Funktionen, einschließlich der motorischen Fähigkeiten. Im späten Stadium ist der Körper meist stark geschwächt, sodass das Risiko für Infektionen, wie beispielsweise Lungenentzündungen, steigt. Viele Menschen mit Demenz versterben daher an einer Lungenentzündung. Im Allgemeinen ist es also nicht der geistige Abbau, der unmittelbar zum Tode führt, sondern gesundheitliche Komplikationen, die mit Demenz einhergehen. Im Jahr 2020 starben in Deutschland insgesamt 9 450 Menschen an Alzheimer - so viele wie nie zuvor. Die Zahl der Todesfälle war mehr als doppelt (+108,4 %) so hoch wie im Jahr 2000 mit 4 535.

Risikofaktoren und Prävention

Bislang sind 14 Risikofaktoren für Demenz bekannt, die prinzipiell modifizierbar sind und durch medizinische Vorsorge und gesunde Lebensgewohnheiten zum Teil persönlich beeinflusst werden können. Dazu gehören unter anderem Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Schwerhörigkeit, Luftverschmutzung, geringe Bildung und soziale Isolation. Demnach wären bei Beseitigung dieser 14 Risiken rund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen vermeidbar oder könnten hinausgezögert werden - theoretisch. Denn Fachleute sind der Ansicht, dass eine Reduzierung in dieser Größenordnung in der Praxis nicht realistisch ist.

Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken. Da Demenz nicht kurativ therapiebar ist, kommt der Prävention von demenzrelevanten Faktoren über die gesamte Lebensspanne besondere Bedeutung zu. Zu diesen Faktoren gehören: soziale und umweltassoziierte Determinanten der Gesundheit (niedrige Bildung, soziale Isolation, Luftverschmutzung), gesundheitsrelevante Verhaltensweisen (Bewegungsmangel, riskanter Alkoholkonsum, Rauchen) und bestimmte Vorerkrankungen (Adipositas, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Depression, Diabetes Mellitus, Sehstörung, Hörverlust, Schädel-Hirnverletzungen).

Aktuelle Maßnahmen und Strategien

Die von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Demenzstrategie hat das Ziel, die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern.

Herausforderungen und Ausblick

Die steigende Zahl von Demenzerkrankungen stellt das deutsche Gesundheitssystem und die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Es bedarf verstärkter Anstrengungen in den Bereichen Prävention, Früherkennung, Versorgung und Forschung, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) aktualisiert alle zwei Jahre ihr Informationsblatt zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen in Deutschland. Zudem ist es wichtig, kultursensible Angebote und mehrsprachige Informationsmaterialien über Demenz zu entwickeln, um auch Menschen mit Migrationshintergrund besser zu erreichen.

Forschung und Therapie

Demenzerkrankungen wie Alzheimer sind bisher nicht heilbar. Ärzt:innen stehen verschiedene Medikamentenklassen zur Verfügung, um die Symptome der Erkrankung zu behandeln (s. „Alzheimer: Medikamentöse Therapie“).

In die Erforschung von Alzheimer-Präparaten ist nach Jahren der Stagnation in der letzten Zeit einiges an Bewegung gekommen. In den USA wurde 2023 ein Antikörper zugelassen, dem die Fähigkeit zugesprochen wird, kausal gegen die Erkrankung zu wirken - eine Zulassung in Europa hat die zuständige Behörde EMA bisher abgelehnt.

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