Die exekutiven Funktionen (EF) sind ein entscheidender Aspekt der menschlichen Kognition und spielen eine zentrale Rolle bei der Selbstregulation, Zielerreichung und Anpassung an die Umwelt. Besonders im Kontext der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind Defizite in den exekutiven Funktionen ein Kernmerkmal. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten der exekutiven Funktionen, ihre Bedeutung für ADHS und Schulleistungen sowie mögliche Interventionsstrategien.
Was sind exekutive Funktionen?
Die Fähigkeit, die eigenen Kognitionen, Emotionen und Handlungen zu kontrollieren, wird als exekutive Funktionen (EF) bezeichnet und stellt eine wichtige Entwicklungsaufgabe für Kinder dar. Die exekutiven Funktionen sind eine Gruppe von kognitiven Fähigkeiten, die für die Kontrolle und Selbstregulierung des eigenen Verhaltens notwendig sind. Sie ermöglichen es uns, unser Handeln optimal auf eine Situation auszurichten, um ein möglichst günstiges Verhaltensergebnis zu erzielen. Man kann sich die exekutiven Funktionen vorstellen wie den Dirigenten eines Orchesters: Sie koordinieren Denken, Fühlen und Handeln, damit sie im richtigen Moment harmonisch zusammenspielen. Der präfrontale Kortex ist der Teil des Gehirns, der sich in der Geschichte der Menschheit zuletzt entwickelt hat. Seine Entwicklung zieht sich bis ins junge Erwachsenenalter (ca.
Innerhalb der EF werden drei interkorrelierte, aber faktorenanalytisch trennbare Kernkomponenten unterschieden:
- Inhibition (Impulskontrolle): Die Fähigkeit, automatische oder aufsteigende Impulse zu unterdrücken und Handlungen zu hemmen.
- Arbeitsgedächtnis (Working Memory): Die Fähigkeit, Informationen kurzfristig im Kopf zu behalten und sie beim Denken und Handeln zu nutzen.
- Kognitive Flexibilität: Die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Aufgaben oder Perspektiven zu wechseln und mit Veränderungen in der Umwelt umzugehen.
Statistische Forschungen ergaben, dass sich alle komplexeren exekutiven Funktionen auf drei unabhängige Basisprozesse reduzieren lassen:
- Wechsel des Aufmerksamkeitsfokus (Shifting)
- Inhibition dominanter Antworttendenzen (Inhibition)
- Aktualisierung von Arbeitsgedächtnisinhalten (Updating)
Diese Basisprozesse sind wichtig für die Operationalisierung und Messbarkeit der exekutiven Funktionen mittels Tests.
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Entwicklung der exekutiven Funktionen im Vorschulalter
Im Vorschulalter können diese drei Faktoren aber noch nicht differenziert werden; es findet sich stattdessen eine einfaktorielle Struktur der EF. Die Entwicklung der Inhibition geht der Entwicklung der komplexeren EF Arbeitsgedächtnis und Flexibilität voraus. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ab welchem Alter verschiedene EF, wie Arbeitsgedächtnis und Flexibilität, von der Inhibition unterschieden werden können. Daher ist es sinnvoll, im Vorschulalter Aufgaben für EF zu verwenden, die Inhibition, Arbeitsgedächtnis und Flexibilität zwar differenziert erfassen, um anschließend vergleichen zu können, ob die Vorhersage in anderen Entwicklungsbereichen, wie z. B. im Schulalter auftretende Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Schulleistungen, besser durch ein aggregiertes EF-Maß oder durch einzelne EF-Facetten getroffen werden kann.
Exekutive Funktionen und ADHS
Kinder mit ADHS zeigen altersunagemessene Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. EF-Defizite stellen ein Kernproblem bei ADHS dar. Dabei ist ein Inhibitionsdefizit bei Kindern mit ADHS einer der stabilsten Befunde - auch bereits im Vorschulalter. Zudem wurden in einer Meta-Analyse im Vergleich zu anderen EF im Vorschulalter die höchsten Effektstärken für den Zusammenhang von ADHS-Symptomen mit Inhibition und Verzögerungsaversion ermittelt.
Die Herausforderungen, die wir bei ADHS sehen, entstehen durch eine andere Vernetzung im Gehirn. Neurotransmitter (insbesondere Dopamin) werden nicht wie bei den meisten Menschen weitergeleitet. Besonders ein Bereich des Gehirns rückt die letzten Jahre immer mehr in den Fokus von ADHS Forschung und Management.
Bei ADHS sind die exekutiven Funktionen beeinträchtigt, weil der präfrontale Kortex weniger effizient arbeitet.
- Schwierigkeiten mit dem Arbeitsgedächtnis: Das Kind bekommt Anweisungen nicht mit oder vergisst Teile davon rasch wieder.
- Geringere Impulskontrolle: Kinder mit ADHS können Impulse nur schwer abbremsen. Sie wirken dadurch oft sehr spontan. Kinder mit ADHS zeigen dadurch oft Verhaltensweisen, die für deutlich jüngere Kinder typisch sind.
ADHS kann als eine „Störung der exekutiven Funktionen“ betrachtet werden, da schnell alle Symptome auf Schwächen in diesen Bereichen zurückzuführen sind.
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- Reaktionshemmung: Menschen mit ADHS haben große Schwierigkeiten, impulsives Verhalten zu kontrollieren. Sie handeln oft, ohne darüber nachzudenken, unterbrechen Gespräche oder reagieren unangemessen auf Reize.
- Arbeitsgedächtnis: Das Arbeitsgedächtnis ist bei ADHS häufig beeinträchtigt.
- Aufmerksamkeitssteuerung: Die wohl bekannteste Verbindung zwischen ADHS und exekutiven Funktionen ist die Schwierigkeit, die Aufmerksamkeit zu lenken und aufrechtzuerhalten.
- Emotionale Regulation: Menschen mit ADHS zeigen oft intensive emotionale Reaktionen, die sie schwer kontrollieren können. Frustration, Wut oder Trauer treten schneller und intensiver auf und klingen langsamer ab.
- Planung und Organisation: Aufgaben zu planen, Prioritäten zu setzen und sich an einen Plan zu halten, ist bei ADHS oft herausfordernd.
- Zeitmanagement: Bei ADHS liegt häufig eine sogenannte „Zeitblindheit“ vor. Betroffene haben Schwierigkeiten, Zeit realistisch einzuschätzen und ihre Aktivitäten entsprechend zu organisieren.
- Flexibilität: Viele Menschen mit ADHS zeigen Schwierigkeiten, flexibel auf Veränderungen zu reagieren oder ihre Pläne anzupassen.
Wenige Studien haben EF-Defizite in Bezug auf die ADHS-Symptomdomänen (Unaufmerksamkeit vs. Hyperaktivität/Impulsivität) untersucht, wobei die verfügbaren Daten darauf hindeuten, dass die Zusammenhänge zu EF für die Symptome der Unaufmerksamkeit stärker ausfallen als für die Symptome der Hyperaktivität/Impulsivität. Während also für die ADHS der stärkste Zusammenhang mit der EF Inhibition besteht, sind die Zusammenhänge zwischen den Subkomponenten der EF und Schulleistungen weniger eindeutig.
Neurobiologische Ursachen
Die Defizite in den exekutiven Funktionen bei ADHS haben neurobiologische Ursachen. Studien zeigen, dass bei ADHS bestimmte Hirnregionen, insbesondere der präfrontale Cortex, weniger aktiv sind oder langsamer reifen. Darüber hinaus beeinflussen Neurotransmitter wie Dopamin und Noradrenalin, die für die Signalübertragung im Gehirn wichtig sind, die exekutiven Funktionen.
Der Hyperfokus bei ADHS
Das Phänomen des Hyperfokus wurde erstmals von dem US-amerikanischen ADHS-Experten Russel Barkley verwendet. Beschrieben wird mit dem Begriff in Zusammenhang mit ADHS ein nicht selektiv steuerbarer, flow-ähnlicher und von Stimuli abhängiger Zustand erhöhter Konzentration. In der Verbindung des Phänomens mit ADHS wird deutlich, dass ein Aufmerksamkeitsdefizit, wie er bei einer ADHS und ADS vorliegt, nicht zwangsläufig die Fähigkeit, sich konzentrieren zu können, ausschließt. Der Hyperfokus beschreibt also die Fähigkeit von Menschen mit ADHS, ihre Aufmerksamkeit und Konzentration in besonderem Maße auf ein bestimmtes Thema zu lenken. Währenddessen kann der Fokus mehrere Stunden oder sogar Tage andauern. Häufig wird der Hyperfokus als eine besondere Ressource betrachtet. Die Fähigkeit, effizient an langwierigen Aufgaben zu arbeiten, kann besonders für Menschen mit ADHS extrem hilfreich sein. Im Zustand der Hyperfokussierung sind sie dazu in der Lage, besonders effizient zu arbeiten und Informationen extrem eindringlich aufzufassen. Generell kann das Phänomen also sowohl ein Segen als auch ein Fluch für Menschen mit ADHS sein. Auf der einen Seite führt die intensivierte Konzentration zu überdurchschnittlichen Ergebnissen und besseren Einsichten in die betroffene Thematik.
Wichtig zu erwähnen ist in diesem Kontext, dass die Evidenzlage in diesem Bereich aktuell eher gering ist. Erste Erkenntnisse weisen darauf hin, dass der Hyperfokus nicht exklusiv Menschen mit ADHS betrifft.
Affektive Labilität und emotionale Überreagibilität
Das Vorliegen einer affektiven Labilität ist ein Nebensymptom von ADHS und ADS und kann umgangssprachlich mit “Stimmungsschwankungen” beschrieben werden. Betroffene von Aufmerksamkeitsdefizitsstörungen, welche das Symptom der affektiven Labilität erfüllen, leiden also an raschen und unvorhersehbaren Wechseln der Stimmungslage. Sie können in einem Moment extrem redefreudig und angetrieben sein und sich im anderen Augenblick plötzlich sehr niedergeschlagen und antriebslos fühlen. Wie die affektive Labilität ist auch die emotionale Überreagibilität ein Nebensymptom von ADHS und ADS. Sie beschreibt das Phänomen, dass viele Menschen, die von Aufmerksamkeitsdefiziten betroffen sind, eine niedrigere Stresstoleranz haben als die Allgemeinbevölkerung. Die emotionale Überreagibilität ist also eine Unfähigkeit, adäquat mit alltäglichen Stressoren umzugehen.
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Impulskontrolle
Viele von ADHS (und selten auch von ADS) Betroffene weisen eine niedrige Impulskontrolle auf. Sie handeln oft unüberlegt und geraten als Folge häufig in Konflikte. Es fällt ihnen häufig schwer, impulsive Entscheidungen zu vermeiden, was dazu führen kann, dass sie viel umziehen oder fluktuierende Partnerschaften führen. Es kann dazu kommen, dass diese Menschen eine Tendenz dazu haben, andere zu unterbrechen, regelrecht mit Kommentaren herausplatzen und eine fehlende Gedanken- und Ideenkontrolle besitzen, weshalb sie oft ungebremst reden. Außerdem sind sie sprunghaft und können schlecht warten. Dies kann zu Problemen im sozialen Zusammenleben führen oder generell dafür sorgen, dass Betroffene selten langfristig an einer Sache dran bleiben können.
Exekutive Funktionen und Schulleistungen
Der Zusammenhang zwischen EF und Schulleistung konnte wiederholt und für verschiedene Altersgruppen zwischen 3 und 18 Jahren repliziert werden, wobei es keine spezifischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Subkomponenten (Inhibition, Arbeitsgedächtnis, Flexibilität) und Schulleistungen zu geben scheint. Eine Meta-Analyse zeigt, dass die Effektstärken sich jedoch unterscheiden, je nachdem, welche Subkomponente betrachtet wird, und am höchsten für Flexibilität (r = .42 für Lesen und r = .34 für Rechnen), gefolgt von Arbeitsgedächtnis (r = .37 und r = .31) und am niedrigsten für Inhibition (r = .25 und r = .31) ausfallen. Für das Lesen sind die Zusammenhänge zur Inhibition und zur Aufmerksamkeitskontrolle geringer als für das Rechnen. In einer Längsschnittstudie konnten zeigen, dass alle drei Subkomponenten der EF zur Vorhersage der Schulleistung in der 2. Klasse beitrugen, wobei auch hier der Beitrag von Flexibilität am höchsten war.
Forschungsfragen und Hypothesen
In einer Längsschnittstudie sollte die Frage beantwortet werden, ob EF im letzten Kindergartenjahr Vorläuferfertigkeiten zum selben Zeitpunkt, sowie Schulleistungen und ADHS-Symptome am Ende der 1. Klasse erklären können. Darüber hinaus sollte vergleichend geprüft werden, welche der EF im letzten Kindergartenjahr ADHS-Symptome und Schulleistungen am Ende der 1. Klasse am besten vorhersagt. Die Forschungsfragen und Hypothesen lauteten:
- Erklären EF im letzten Kindergartenjahr Vorläuferfertigkeiten und ADHS-Symptome zum selben Zeitpunkt? Es wurde angenommen, dass frühere Befunde in einer Stichprobe aus dem deutschsprachigen Raum repliziert werden können und EF im letzten Kindergartenjahr Leistungen in den Vorläuferfertigkeiten und ADHS-Symptome zum gleichen Zeitpunkt erklären.
- Erklärt ein Defizit in der Inhibition oder ein Defizit in Arbeitsgedächtnis/Flexibilität im letzten Kindergartenjahr die ADHS-Symptome und die Leistungen in den Vorläuferfertigkeiten zum selben Zeitpunkt besser? Aufgrund der inkonsistenten Ergebnisse bisheriger internationaler Studien sind die Analysen zu dieser Forschungsfrage als explorativ einzuordnen.
- Können ADHS-Symptome und Schulleistungen auch längsschnittlich durch EF-Defizite im Kindergarten vorhergesagt werden? Eine weitere Hypothese lautet, dass Leistungen in den EF-Aufgaben im letzten Kindergartenjahr ADHS-Symptome und Schulleistungen am Ende der 1. Klasse vorhersagen können.
- Sagt ein Defizit in der Inhibition oder ein Defizit in Arbeitsgedächtnis/Flexibilität im letzten Kindergartenjahr die ADHS-Symptome und die Schulleistungen am Ende der 1. Klasse besser vorher? Auch diese Forschungsfrage ist als explorativ einzuordnen.
Stichprobe und Ablauf der Studie
Die Studie startete im Herbst 2010 mit 77 Vorschulkindern (51 % Mädchen) aus Kindertagesstätten in Frankfurt am Main. Eltern von Kindergartenkindern im letzten Jahr vor der Einschulung wurden per Elternbrief zur Teilnahme eingeladen. Die Kinder wurden zweimal im letzten Kindergartenjahr (t1 und t2; beide Messzeitpunkte mit M = 3.77 Monaten (SD = 1.67) Abstand im letzten Kindergartenjahr) und einmal am Ende der 1. Klasse (t3) getestet (Abstand zwischen t2 und t3: M = 11.64 Monate, SD = 1.03).
Von den ursprünglich 77 Eltern-Kind-Paaren nahmen 55 Eltern mit ihren Kindern an allen drei Messzeitpunkten teil. Daher konnten in die folgenden Analysen nur diese 55 vollständigen Datensätze eingeschlossen werden. Zu Studienbeginn waren die Kinder (53 % Mädchen) im Mittel M = 5.81 Jahre alt (SD = 0.41); zu t3 waren sie zwischen sieben und neun Jahre alt (M = 7.12, SD = 0.36). 67 % der Kinder, die an t3 teilnahmen, sprachen Deutsch als Muttersprache.
Instrumente zur Messung der exekutiven Funktionen
- Go/NoGo: Unterscheidung von Tieren und Transportmitteln mit auditiven Stoppsignalen.
- Tag/Nacht-Stroop-ähnliche Aufgabe: Benennen des Gegenteils von gezeigten Bildern.
- Head-Toes-Knees-Shoulders (HTKS): Ausführen von Anweisungen und anschließendem Wechsel zu gegenteiligen Reaktionen.
- Statue-Test: Sich wie eine Statue verhalten und Ablenkungen widerstehen.
- Arbeitsgedächtnistestbatterie (AGTB): Ziffernspanne, Ziffern rückwärts und Corsi-Block.
- Dimensional Change Card Sort (DCCS): Computergestützte Version zur Messung der Flexibilität.
Strategien zur Verbesserung der exekutiven Funktionen
Obwohl Herausforderungen in den exekutiven Funktionen bei ADHS eine darstellen, gibt es Strategien, die helfen können:
- Verhaltenstherapie: Ziel ist es, Impulse zu kontrollieren, Struktur zu schaffen und neue Verhaltensweisen zu erlernen.
- Medikamentöse Unterstützung: Medikamente wie Stimulanzien (z. B. Methylphenidat oder Amphetamin-Präparate) erhöhen Dopamin/Noradrenalin und können Fokus und Organisationsfähigkeit stärken.
- Schaffen eines ruhigen Arbeitsplatzes oder die Verwendung von Organisationshilfen wie Kalendern und Checklisten hilfreich sein.
- Verhaltensmanagement-Methoden: Diese Techniken zielen darauf ab, unerwünschtes Verhalten zu reduzieren und erwünschtes Verhalten zu fördern. Dazu gehören positive Verstärkung, klare Regeln und Routinen sowie das Setzen von realistischen Zielen.
- Kognitive repetitiv übende Verfahren: Diese Ansätze konzentrieren sich auf das Training und die Verbesserung spezifischer kognitiver Fähigkeiten. Beispiele hierfür sind Arbeitsgedächtnistraining, Problemlösetraining und Ziel-Management-Training.
Weitere Tipps und Strategien
- Kalender und To-Do-Listen: Führe einen Kalender (digital oder Papier) für Termine - und schau täglich morgens und abends hinein. Erstelle To-Do-Listen für den Tag, aber auch für längere Zeiträume.
- Visualisierungen: Nutze Timer, farbige Marker, Post-its, Whiteboards - alles, was dir visuelle Eckpfeiler gibt.
- Orga-Apps: Es gibt zahlreiche Apps speziell für ADHS oder generell Produktivität (z. B. Todoist, Trello, Notion). Finde heraus, was für dich funktioniert.
- Routinepläne: Etabliere tägliche Routinen, um wiederkehrende Aufgaben automatisch ablaufen zu lassen.
- Ritualisiere auch Ablageorte („Schlüssel kommt immer in die Schale im Flur“).
- „Outsourcing“ von Gedächtnis: Verlasse dich nicht auf dein Gedächtnis allein. Schreibe Dinge sofort auf, sobald sie dir einfallen - sei es im Handy oder Notizbuch. Stell dir Wecker/Erinnerungen für alles Wichtige (Medikamenteneinnahme, Geburtstage, Abgabefristen).
- In kleine Schritte unterteilen: Ein Riesenprojekt löst leicht Überforderung und Aufschieberitis aus. Teile daher jede Aufgabe in Mini-Schritte. Jede Etappe sollte überschaubar sein (max. 30-60 Minuten).
- Priorisierung nach Energie: Kenne deinen eigenen Biorhythmus. Lege anspruchsvolle Aufgaben möglichst in diese Hochphasen. In Tiefphasen erlaube dir leichtere Tätigkeiten.
- „Interessant machen“: Unattraktive Aufgaben kannst du künstlich interessanter gestalten.
- Eine Aufgabe zur Zeit (Single-Tasking): So verlockend Multitasking scheint - bei exekutiver Dysfunktion führt es nur zu halbfertigen Sachen überall.
- Puffer einplanen: Plane dann stets Puffer ein. So gerätst du nicht sofort in Stress, wenn etwas dazwischenkommt - und du hast Erfolgserlebnisse, wenn du es doch schneller schaffst.
- ADHS-Coaching/Therapie: Ein ADHS-Coach oder Therapeut kann maßgeschneiderte Strategien mit dir erarbeiten.
- Partner oder Freunde einbinden: Bitte nahestehende Menschen um sanftes AccountabilityPartnering.
- Arbeitsplatz optimieren: In Schule, Uni oder Job lohnt es sich, offen mit deiner ADHS und den Exekutiv-Problemen umzugehen (soweit du dich wohlfühlst). Aufteilung großer Projekte in Etappen mit Zwischen-Deadlines, Nutzung von Noise-Cancelling-Kopfhörern im Großraumbüro, flexible Arbeitszeiten, etc.
- Selbstmitgefühl: Schimpfe nicht ständig mit dir selbst über Chaos, sondern akzeptiere es als Teil von dir.
Tests zur Messung exekutiver Funktionen
Zwei Tests zur Messung exekutiver Funktionen:
- Wisconsin Card Sorting Test (WCST): Dieser Test misst die Fähigkeit zur Problemlösung und die Flexibilität des Denkens. Die Testperson muss Karten nach verschiedenen Kriterien sortieren, die sich im Verlauf des Tests ändern. Die Fähigkeit, die Strategie zu wechseln und sich an neue Regeln anzupassen, ist ein wichtiger Aspekt der exekutiven Funktionen.
- Trail-Making Test (TMT): Der TMT besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil (TMT-A) verbindet die Testperson nummerierte Kreise in aufsteigender Reihenfolge so schnell wie möglich. Im zweiten Teil (TMT-B) wechselt die Testperson zwischen Zahlen und Buchstaben (z.B. 1-A-2-B-3-C usw.). Dieser Test misst die visuelle Aufmerksamkeit und die Fähigkeit zum Task-Switching.
Exekutive Dysfunktion im Alltag: Beispiele
Exekutive Dysfunktion kann sich im Alltag auf vielfältige Weise äußern. Hier sind zehn Beispiele, wie sich exekutive Dysfunktion im täglichen Leben manifestieren kann:
- Schwierigkeiten beim Initiieren von Aufgaben: Probleme damit, Projekte oder alltägliche Aufgaben zu beginnen.
- Prokrastination: Das ständige Aufschieben von Aufgaben, selbst wenn sie wichtig sind.
- Schwierigkeiten bei der Planung und Organisation: Probleme damit, die notwendigen Schritte zur Erreichung eines Ziels zu planen und zu organisieren.
- Mangelnde Impulskontrolle: Schwierigkeiten, Impulse zu kontrollieren, was zu unüberlegten Handlungen führen kann.
- Probleme mit der Aufmerksamkeitssteuerung: Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten oder von einer Aufgabe zur nächsten zu wechseln.
- Vergesslichkeit: Wichtige Informationen oder Verpflichtungen werden vergessen.
- Schwierigkeiten bei der Zeitverwaltung: Probleme damit, Zeit effektiv zu nutzen und Fristen einzuhalten.
- Mangelnde Flexibilität: Schwierigkeiten, sich an Veränderungen oder unerwartete Ereignisse anzupassen.
- Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen: Probleme damit, Entscheidungen zu treffen oder zwischen verschiedenen Optionen zu wählen.
- Soziale Herausforderungen: Probleme damit, das Verhalten oder die Gefühle anderer zu verstehen und darauf angemessen zu reagieren.
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