BWS-Blockaden und der Vagusnerv: Yoga, Manuelle Therapie und Integrative Ansätze zur Linderung

Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) können vielfältige Ursachen haben und sich in unterschiedlichen Symptomen äußern. Oftmals steckt eine BWS-Blockade dahinter, die nicht nur lokale Schmerzen verursacht, sondern auch Auswirkungen auf den gesamten Körper haben kann. In diesem Artikel werden verschiedene Ansätze zur Behandlung von BWS-Blockaden beleuchtet, darunter Yoga, manuelle Therapie und die Bedeutung des Vagusnervs.

Was ist eine BWS-Blockade?

Die Wirbelsäule besteht aus 26 knöchernen Wirbelkörpern, die durch Bandscheiben und Gelenksverbindungen miteinander verbunden sind. Im Bereich der Brustwirbelsäule (Th1-Th12) sind die Wirbelkörper zusätzlich mit den Rippen verbunden, was den Brustkorb bildet. Eine BWS-Blockade liegt vor, wenn die Beweglichkeit zwischen den Wirbelkörpern eingeschränkt ist, was zu Schmerzen und anderen Symptomen führen kann. Ärzte sprechen von einem "BWS-Syndrom", wenn Schmerzzustände von der Brustwirbelsäule ausgehen, ohne dass eine spezifische Krankheit als Ursache identifiziert werden kann.

Symptome einer BWS-Blockade

Die Symptome einer BWS-Blockade können vielfältig sein und umfassen:

  • Schmerzen im Rücken, insbesondere im Bereich der Brustwirbelsäule
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Atemnot oder das Gefühl, nicht tief durchatmen zu können
  • Übelkeit
  • Schonhaltung oder falsche Bewegungsmuster zur Kompensation des Schmerzes
  • Ausstrahlung der Schmerzen in andere Körperbereiche, z.B. Hals, Kiefer, Arme

Ursachen des BWS-Syndroms

Die Ursachen für BWS-Blockaden sind vielfältig. Häufig spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Bewegungsmangel: Der moderne Lebensstil ist oft durch langes Sitzen und wenig Bewegung geprägt, was die Flexibilität der Wirbelsäule beeinträchtigen kann.
  • Fehlhaltungen: Dauerhafte Fehlhaltungen, wie z.B. ein Hohlkreuz oder ein Rundrücken, können zu Überlastungen und Blockaden führen.
  • Überlastung: Punktuelle oder dauerhafte Überlastung, z.B. durch schweres Heben oder ungewohnte Tätigkeiten, kann ebenfalls eine BWS-Blockade verursachen.
  • Psychischer Stress: Anspannung und Stress können sich in der Muskulatur manifestieren und zu Blockaden führen.
  • Unfälle oder Verletzungen: Ein Sturz oder eine andere Verletzung kann ebenfalls eine BWS-Blockade auslösen.

Yoga zur Lösung von BWS-Blockaden

Yoga kann eine effektive Methode sein, um BWS-Blockaden zu lösen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern. Gezielte Yoga-Übungen können helfen, die Muskulatur zu entspannen, die Wirbelsäule zu mobilisieren und die Körperhaltung zu verbessern.

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Yoga-Übungen zur Mobilisierung der BWS

  • Katze-Kuh-Bewegung: Diese Übung mobilisiert die gesamte Wirbelsäule und fördert die Beweglichkeit des Rückens.
  • Drehbewegungen: Drehungen im Yoga verhelfen zu einer mobilen und flexiblen Wirbelsäule, schaffen Raum zwischen den Wirbelkörpern und verbessern die Haltung.
  • Rückbeugen: Sanfte Rückbeugen, wie z.B. die Kobra oder das Kamel, können den Brustkorb öffnen und das Gefühl einer "Herzöffnung" verstärken.
  • Übungen mit der Blackroll: Die Blackroll kann helfen, Verspannungen in der Muskulatur und den Faszien zu lösen und Blockaden zwischen den Facettengelenken zu mobilisieren.

Beispiel für eine Yoga-Sequenz bei BWS-Blockaden

  1. Katze-Kuh (Marjaryasana-Bitilasana): Beginne im Vierfüßlerstand. Beim Einatmen senke den Rücken durch, hebe den Kopf und das Steißbein (Kuh). Beim Ausatmen mache einen Katzenbuckel, ziehe das Kinn zur Brust und schiebe das Steißbein ein (Katze). Wiederhole dies für 5-10 Atemzüge.
  2. Drehsitz (Ardha Matsyendrasana): Setze dich auf den Boden und winkle das rechte Bein an. Stelle den rechten Fuß neben das linke Knie. Stelle den linken Arm hinter dich auf den Boden und lege den rechten Arm an die Außenseite des rechten Knies. Drehe dich sanft nach rechts und achte darauf, dass die Wirbelsäule aufrecht bleibt. Halte die Position für 5 Atemzüge und wiederhole sie dann auf der anderen Seite.
  3. Kobra (Bhujangasana): Lege dich auf den Bauch und stelle die Hände unter die Schultern. Drücke dich beim Einatmen langsam nach oben und hebe den Brustkorb an. Achte darauf, dass die Schultern entspannt bleiben und der Nacken lang ist. Halte die Position für 5 Atemzüge und senke dich dann langsam wieder ab.
  4. Blackroll-Massage: Lege dich mit dem Rücken auf die Blackroll und positioniere sie unter der Brustwirbelsäule. Rolle langsam auf und ab, um Verspannungen zu lösen.

Manuelle Therapie bei BWS-Blockaden

Die manuelle Therapie ist ein weiterer wichtiger Ansatz zur Behandlung von BWS-Blockaden. Sie basiert auf der Annahme, dass Störungen im sensomotorischen Regelkreis zu Dysfunktionen des Bewegungsapparates führen können.

Segmentale und somatische Dysfunktion

Die segmentale und somatische Dysfunktion ist die zentrale Diagnose in der manuellen Medizin. Sie beschreibt eine Störung der physiologischen Funktion am Bewegungsapparat, die auf einem gestörten sensomotorischen Regelkreis basiert.

Sensomotorischer Regelkreis

Der sensomotorische Regelkreis beschreibt die Wechselwirkung zwischen motorischer Leistung (Bewegung oder Haltung) und sensorischer Information (Propriozeption). Bei einer Dysfunktion ist dieser Regelkreis gestört, was zu einer eingeschränkten Beweglichkeit, einem erhöhten Muskeltonus und Schmerzen führen kann.

Neurophysiologische Grundlagen

Afferenzen aus verschiedenen Geweben (Wirbelgelenke, Haut, Muskulatur, innere Organe) konvergieren im Hinterhorn des Rückenmarks auf ein spinothalamisches Projektionsneuron. Diese Informationen werden verarbeitet und weitergeleitet. Noziafferenzen (Schmerzreize) können zu einer schutzreflektorischen motorischen Antwort der Muskulatur führen, was die Beweglichkeit im betroffenen Wirbelsäulenabschnitt reduziert.

Vegetatives Nervensystem

Auch das vegetative Nervensystem spielt eine Rolle bei der Entstehung von segmentalen und somatischen Dysfunktionen. Die sympathischen Ursprungskerne liegen vorwiegend thorakal, die parasympathischen Ursprungskerne im Hirnstamm und im Sakralbereich. Noziafferenzen können die sympathische Aktivität modulieren und somit das vegetative Nervensystem beeinflussen.

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Manualmedizinische Untersuchung

Bei einer manualmedizinischen Untersuchung werden verschiedene Einzelbefunde erhoben, darunter:

  • Veränderungen der Gewebespannung
  • Verminderte Gewebeverschieblichkeit
  • Druckschmerzhafte Punkte
  • Endgradige Einschränkungen der Beweglichkeit
  • Veränderungen im Gelenkspiel

Behandlungstechniken

In der manuellen Therapie werden verschiedene Techniken eingesetzt, um die Dysfunktion zu beheben und den sensomotorischen Regelkreis wiederherzustellen. Dazu gehören:

  • Gelenkmobilisation: Gelenkpartner werden innerhalb ihres physiologischen Gelenkspielraums gegeneinander bewegt.
  • Gelenkmanipulation: Zusätzlich zur Mobilisation erfolgt eine kleine, schnelle Mikrobewegung (Impuls) in die freie Richtung.
  • Myofasziale Techniken: Diese Techniken zielen auf Dysfunktionen des myofaszialen Systems ab.
  • Viszerale Techniken: Mobilisierung der viszeralen Organe zur Funktionsverbesserung.

Die Rolle des Vagusnervs

Der Vagusnerv ist der längste Hirnnerv und spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation verschiedener Körperfunktionen, darunter Herzfrequenz, Atmung, Verdauung und Entspannung. Er ist Teil des Parasympathikus, des "Ruhe- und Verdauungsnervs", und wirkt den Stressreaktionen des Sympathikus entgegen.

Vagusnerv und BWS-Blockaden

Eine Kompression oder Irritation des Vagusnervs, z.B. durch eine Atlasfehlstellung oder andere mechanische Probleme der Halswirbelsäule, kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, die oft nicht sofort mit einer Vagusnerv-Funktionsstörung in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören:

  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Verdauungsprobleme
  • Schwindel
  • Angstzustände
  • Epilepsie

Aktivierung des Vagusnervs

Die Aktivierung des Vagusnervs kann helfen, den Körper in einen ruhigeren Zustand zu versetzen und die Symptome einer BWS-Blockade zu lindern. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Vagusnerv zu aktivieren:

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  • Bewusstes Atmen: Ruhiges, tiefes Atmen, insbesondere die Bauchatmung, kann den Vagusnerv stimulieren und den Körper in den Entspannungsmodus versetzen.
  • Summen oder Singen: Vibrationen im Hals- und Rachenraum, die durch Summen oder Singen entstehen, können den Vagusnerv anregen.
  • Kälteexposition: Kurze Kältereize, z.B. durch das Abspülen des Gesichts mit kaltem Wasser oder eine kalte Dusche, können den Parasympathikus anregen.
  • Bewegung: Leichte Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Yoga wirkt sich positiv auf den Vagusnerv aus.
  • Positive Emotionen: Lachen, freundliche Gespräche oder Nähe zu vertrauten Menschen fördern die Ausschüttung von Wohlfühlhormonen und aktivieren den Vagusnerv.

Integrative Ansätze

Ein integrativer Ansatz zur Behandlung von BWS-Blockaden berücksichtigt die Wechselwirkungen zwischen Körper, Geist und Seele. Neben Yoga und manueller Therapie können auch andere Methoden wie Akupunktur, Bioresonanztherapie, Entspannungstechniken und eine gesunde Lebensweise eine wichtige Rolle spielen.

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