Studieren mit Epilepsie: Erfahrungen, Herausforderungen und Unterstützungsmöglichkeiten

Das Studium mit Epilepsie kann eine besondere Herausforderung darstellen, aber es ist durchaus machbar. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Studierenden mit Epilepsie und anderen Beeinträchtigungen, die studienerschwerend wirken, und zeigt auf, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Dabei werden sowohl persönliche Erfahrungen als auch allgemeine Informationen berücksichtigt.

Persönliche Erfahrungen von Studierenden mit Epilepsie

Eine Studentin berichtet, dass sie seit acht Jahren an Epilepsie leidet, einer weitgehend unsichtbaren Krankheit. Sie erlitt jeden Tag mehrere Anfälle, große und kleine, bei denen sie entweder merkwürdige Dinge hörte, abwesend wirkte oder ihre Arme und Beine zuckten. Letztendlich musste ein gutartiger Tumor aus ihrem Gehirn operiert werden. Die Anfälle blieben.

Aufgrund ihrer Krankheit muss sie Medikamente mit erheblichen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindelanfällen, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten nehmen. All diese Einschränkungen wirken sich auf ihr Studium aus: Wegen des starken Schwindels, der Kopfschmerzen oder des Muskelkaters, die sie von den Anfällen bekommt, muss sie an manchen Tagen zu Hause bleiben und verpasst einen Unitag. Auch die Konzentration in den Kursen fällt ihr oft schwer. Zusätzlich hat sie noch Synästhesie. Sie nimmt jedes Geräusch auch als Farbe wahr. Das Lateinstudium verlangt, ein komplettes Wörterbuch zu beherrschen, was für sie teilweise schwierig ist, da sie vieles vergesse.

Herausforderungen im Studienalltag

Die Erfahrungen der Studentin zeigen, dass Epilepsie den Studienalltag erheblich beeinträchtigen kann. Zu den größten Herausforderungen gehören:

  • Anfälle: Unvorhersehbare Anfälle können zu Ausfallzeiten führen und die Teilnahme an Vorlesungen und Seminaren erschweren.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Medikamente können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisprobleme verursachen, die das Lernen und Arbeiten beeinträchtigen.
  • Konzentrationsschwierigkeiten: Epilepsie kann die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen, was das Verfolgen von Vorlesungen und das Bearbeiten von Aufgaben erschwert.
  • Gedächtnisprobleme: Gedächtnisprobleme können das Lernen und Behalten von Informationen erschweren.
  • Soziale Isolation: Die Angst vor Anfällen und die damit verbundenen Einschränkungen können zu sozialer Isolation führen.

Umgang mit Anfällen im Studium

Einige Betroffene berichten von Situationen, in denen sie während des Studiums Anfälle hatten oder mit den Auswirkungen zu kämpfen hatten. Es ist wichtig, sich mit diesen Erfahrungen auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen.

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  • Unbemerkte Anfälle: Manche Studierende berichten, dass sie während Vorlesungen oder Gesprächen kurze Aussetzer haben, die von anderen nicht bemerkt werden. Dabei fährt die Gehirntätigkeit auf ein Minimum zurück, und die Betroffenen müssen einfach nur zuhören. Es ist schwierig, zu wissen, wie lange man weg war und ob es jemand gemerkt hat. Trotzdem wird einfach weitergemacht, was aber sehr viel Konzentration kostet.
  • Nervige Unterbrechungen: Anfälle können als nervige Unterbrechungen wahrgenommen werden, die anstrengend sind und viele Gedanken daran verschwenden. Manche Betroffene ziehen es vor, nicht darüber zu sprechen, da es zu blöd wäre, alle naselang zu unterbrechen.
  • Positive Erfahrungen: Viele Betroffene berichten, dass andere ihre Anfälle nicht bemerkt haben oder erst im Nachhinein davon erfahren haben. Das kann beruhigend sein und helfen, offener mit der Erkrankung umzugehen.

Unterstützungsmöglichkeiten für Studierende mit Epilepsie

Trotz der Herausforderungen gibt es verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten für Studierende mit Epilepsie:

  • Beratungsstellen: Die Zentrale Studienberatung (ZSB) berät bei allen Fragen zur generellen Planung einer Studienaufnahme und der Bewältigung des Studienalltags.
  • Inklusionstutorinnen und -tutoren: Seit 2019 gibt es an der WWU studentische Inklusionstutorinnen und -tutoren.
  • Koordinierungsstelle "Studium mit Beeinträchtigung": Die Koordinierungsstelle berät und unterstützt Studierende sowie Lehrende zu Themen wie technische Hilfsmittel, barrierefreie Gebäude oder barrierefreie Lehr- und Lernmaterialien.
  • Nachteilsausgleiche: Studierende mit Epilepsie haben Anspruch auf Nachteilsausgleiche, um die Auswirkungen ihrer Erkrankung auf das Studium zu kompensieren. Mögliche Nachteilsausgleiche sind:
    • Verlängerung der Bearbeitungszeit bei Klausuren
    • Individuelle Pausenregelungen
    • Bereitstellung von Vorlesungsmaterialien in digitaler Form
    • Nutzung eines Einzelraums bei Klausuren
    • Streaming von Vorlesungen
    • Erlaubnis zur Nutzung eines Wörterbuchs bei Klausuren
  • Gespräche mit Dozenten: Es ist ratsam, offen mit den Dozenten über die Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen zu sprechen. So können gemeinsam individuelle Lösungen gefunden werden.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.

Weitere Beeinträchtigungen und ihre Auswirkungen auf das Studium

Neben Epilepsie gibt es viele andere Beeinträchtigungen, die das Studium erschweren können. Einige Beispiele sind:

  • Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung (CSWD) und idiopathische Hypersomnie (iH): Diese Erkrankungen wirken sich auf den Schlaf und das Schlafverhalten aus. Betroffene haben einen nach hinten verzögerten Schlafrhythmus, können abends nicht einschlafen und sind tagsüber permanent müde. Die iH ist eine seltene chronische Erkrankung, bei der man ein erhöhtes Schlafbedürfnis und exzessive Tagesschläfrigkeit hat.
  • Schwerhörigkeit: Schwerhörigkeit kann die Kommunikation und das Verfolgen von Vorlesungen erschweren. Betroffene müssen sich stärker konzentrieren, um wichtige Informationen herauszufiltern.
  • Synästhesie: Die Studentin mit Epilepsie hat auch Synästhesie. Sie nimmt jedes Geräusch auch als Farbe wahr.

Toleranz und Empathie im Umgang mit Beeinträchtigungen

Es ist wichtig, dass die Gesellschaft mehr Toleranz und Empathie im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen zeigt. Keiner kann sich von Vorurteilen freimachen, aber jeder kann versuchen, offener und verständnisvoller zu sein.

Die Landarztquote als Chance für Medizinstudierende

Ein Beispiel für eine positive Entwicklung ist die Landarztquote, die in Sachsen-Anhalt eingeführt wurde. Sie soll dem Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten in ländlichen Gebieten entgegenwirken. Fünf Prozent der Medizinstudienplätze in Sachsen-Anhalt werden über die Landarztquote reserviert.

Sandra Kind erzählt, wie sie über die Landarztquote ihren Traum vom Medizinstudium verwirklichen konnte. Sie hatte bereits Vorerfahrungen als Praxisassistentin und wusste, wie es in einer Hausarztpraxis auf dem Land ist. Die Landarztquote ermöglichte ihr, ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und Ärztin zu werden.

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Tipps für Studieninteressierte mit Beeinträchtigungen

Abschließend ein Tipp für alle, die überlegen, ob ein Studium das Richtige für sie wäre: Probiert es vorher aus! Es ist wichtig, dass man wirklich vorher einmal ein Praktikum macht und sich die Arbeit anschaut. Man muss nicht superintelligent sein, um zu studieren. Man muss engagiert sein und dafür brennen. Studierenden mit Beeinträchtigung wird empfohlen, den Mut zu haben, über ihre Beeinträchtigung im Studium zu sprechen, sei es mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, Lehrenden oder den Inklusionstutorinnen und -tutoren.

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