Viele Studierende leiden unter Kopfschmerzen und Migräne, was das Studium erheblich beeinträchtigen kann. Eine Studie der Schmerzklinik Kiel ergab, dass 1,8 Millionen der 2,8 Millionen Studierenden in Deutschland regelmäßig unter Kopfschmerzen leiden, wobei fast jeder Dritte schwer beeinträchtigt ist. Dieser Artikel gibt Tipps, wie man trotz Migräne erfolgreich studieren kann.
Die Herausforderungen des Studierens mit Migräne
Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Betroffene leiden oft unter stark beeinträchtigter Denkleistung, Übelkeit und Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Für junge Erwachsene stellt dies eine besondere Herausforderung dar, da Krankheit und eingeschränkte Funktionsfähigkeit in diesem Alter normalerweise keine große Rolle spielen. Die Unvorhersehbarkeit von Migräneattacken kann dazu führen, dass sich Betroffene zurückziehen, was depressive Stimmungslagen begünstigt. Depressionen wiederum bedeuten eine geringere Stressbelastbarkeit und haben sich als Risikofaktor für eine Chronifizierung von Migräne erwiesen.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genaue Ursache von Migräne ist bisher nicht geklärt. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Eine Veröffentlichung von 2014 in nature genetics identifizierte 44 Genvarianten, die mit einer hohen Anfälligkeit für Migräne in Verbindung stehen. Entzündliche Prozesse an den Gefäßen scheinen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung einer Attacke zu spielen.
Eine Migräneattacke kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:
- Unregelmäßige Nahrungsaufnahme
- Zu wenig Trinken
- Ungleichmäßiger Schlafrhythmus
- Wenig Bewegung
- Stress
Tipps für den Umgang mit Migräne im Studium
1. Ruhepausen einlegen
Regelmäßige Ruhepausen sind im studentischen Alltag unerlässlich, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten und Ermüdungsphasen zu vermeiden, die oft mit Kopfschmerzen oder Migräneattacken einhergehen. Eine Studie hat gezeigt, dass mit Bewegungs- oder Entspannungsübungen gefüllte Pausen deutlich länger anhaltende positive Effekte haben als Pausen ohne Beschäftigung. Die Studierenden fühlten sich vitaler und entspannter. Plane in deinem Studienalltag realistische, aber regelmäßige Pausen ein und halte dich gewissenhaft daran. Versuche, mehrmals am Tag Pausen von mindestens einer halben Stunde einzuplanen, aber auch kürzere Verschnaufpausen (von mindestens fünf Minuten).
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2. Entspannungstechniken anwenden
Entspannungsübungen helfen dabei, auch dann für einen kurzen Moment zur Ruhe zu kommen, wenn Sorgen, Anstrengung und Zeitdruck real sind. Eine besonders bewährte Technik ist die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.
3. Auf ausreichend Schlaf achten
Regelmäßiger, gesunder Schlaf ist ein entscheidender Faktor bei der Kopfschmerzprävention. Finde heraus, was du zu einem erholsamen Schlaf brauchst. Nimm dir vor dem Schlafen eine halbe Stunde Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Schalte am besten dein Handy aus. Gehe nicht direkt vom Schreibtisch ins Bett. Lass Körper und Kopf zur Ruhe kommen - auch wenn das heißt, dass du dich erst eine halbe Stunde später hinlegst. Vielleicht findest du ein abendliches Ritual, mit dem du dich gern aufs Zubettgehen vorbereitest. Eine schweizerisch-niederländische Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass guter Schlaf nicht nur gut gegen Kopfschmerzen ist, sondern auch dazu beiträgt, Gelerntes effektiver zu fixieren.
4. Bewegung in den Alltag integrieren
Regelmäßiger Sport und Bewegung helfen, Kopfschmerzen vorzubeugen. Stresshormone werden hier durch das Nervensystem abgebaut, wenn es zum Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung kommt. Ruhigere Sportarten wie Yoga, Qi Gong oder Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation und Autogenes Training können helfen, Stress besser zu bewältigen und Anspannung abzubauen.
5. Auf eine gesunde Ernährung achten
Für die Energieversorgung des Gehirns sollte dem Körper regelmäßig Nahrung zugeführt werden. Kohlenhydrate in Nahrungsmitteln wie Vollkornprodukten oder Kartoffeln sind zu empfehlen. Dabei sollte keine Hauptmahlzeit ausgelassen werden, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Vor dem Schlafen empfiehlt sich ein Snack, um die benötigte Zufuhr auch in den Nachtstunden aufrecht zu erhalten. Ebenfalls sollte immer über den Tag verteilt ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden, am besten Wasser oder ungesüßte Getränke.
6. Stress vermeiden
Stress ist ein bekannter Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne. Versuche, Stress im Studium zu reduzieren, indem du deine Zeit gut einteilst, realistische Ziele setzt und dich nicht überforderst. Plane auch Zeit für Freizeitaktivitäten ein, aber achte darauf, dass du nicht zu viele Termine hast.
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7. Natürliche Hausmittel nutzen
Neben chemischen Hilfsmitteln gibt es auch natürliche Hausmittel, die bei Kopfschmerzen und Migräne helfen können:
- Kühlung/Kälte: Ein Kühlpad oder eine Packung gefrorenes Gemüse auf die Stirn legen.
- CBD-Öl: Kann beruhigend und schmerzlindernd wirken.
- Bad/Dusche: Ein Entspannungsbad oder eine warme Dusche kann helfen.
- Ablenkung: Versuche, dich von dem Schmerz abzulenken, indem du etwas unternimmst, das dir Spaß macht.
- Imaginationsübungen: Durch Bilder und Geschichten fällt es dir vielleicht leichter, deine Gedanken von der Migräne oder den Kopfschmerzen wegzulenken.
- Koffein: Kann schnell gegen Kopfschmerzen wirken oder die Effektivität von Medikamenten erhöhen. Sollte aber nur mit Vorsicht genossen werden, da es die Chance von Wiederkehrkopfschmerzen erhöhen kann.
- Ingwer: Ein super Mittel gegen Übelkeit.
- Ätherische Öle: Vor allem Pfefferminz-, Lavendel-, Eukalyptus- oder auch Zitronenöl kann bei Migräne helfen.
- Magnesium: Eignet sich auch sehr gut zum Vorbeugen von Kopfschmerzen.
- Selbstmassage: Dehnungs- und Lockerungsübungen oder vorsichtige Massage an den betroffenen Schmerzstellen können auch den Schmerz lindern.
- Rückzug/Ruhe: Vor allem bei starker Migräne ist es am besten, sich einfach zurückzuziehen und hinzulegen.
- Wärmeanwendungen: Wie bei der Kälteanwendung, kann auch Wärme, z.B. ein Kirschkernkissen, auf der betroffenen Stelle wahre Wunder wirken.
8. Notfallplan erstellen
Solltest du öfter Kopfschmerzen oder Migräneanfälle haben, ist es ratsam, dir eine Art ‚Notfallplan‘ aufzuschreiben. In ihm kannst du dir der Reihe nach notieren, welche Mittel dir wann am besten geholfen haben.
9. Professionelle Hilfe suchen
Wenn du unter häufigen oder starken Migräneattacken leidest, solltest du dich an einen Arzt oder Neurologen wenden. Es gibt verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien, die dir helfen können, deine Migräne in den Griff zu bekommen. Die Klinik für neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerztherapie in Kiel bietet spezielle Therapien für Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen an.
10. Unterstützung suchen
Scheue dich nicht, Unterstützung bei Freunden, Familie oder Kommilitonen zu suchen. Es kann hilfreich sein, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Migräne und Studium: Erfahrungen von Betroffenen
Viele junge Erwachsene mit Migräne haben Ängste im Zusammenhang mit Studium und Berufseinstieg. Sophie Fehr und Katharina Egerer, die beide seit ihrer Kindheit an Migräne leiden, berichten von ihren Erfahrungen. Sophie konnte ihren ursprünglichen Berufswunsch Fremdsprachenkorrespondentin aufgrund des hohen Leistungsdrucks nicht ausüben und arbeitet nun als Reinigungskraft. Katharina, die als Tierarzthelferin arbeitet, hat immer noch Sorgen, dass die Migräne irgendwann noch schlimmer werden könnte.
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Biologie-Studentin Jana hat aufgrund ihrer Migräne einen Behinderungsgrad von 40. Trotz der Einschränkungen schließt sie ihren Bachelor mit einem Einser-Schnitt ab. Sie plant einen Master in Biochemie, hat aber Zukunftsängste, da sie sich aufgrund ihrer häufigen Migräneattacken oft nicht im Arbeitsleben sieht.
Die Rolle der Hochschulen
Die kanadische Wissenschaftlerin Cheryl Regehr empfiehlt den Universitäten, Programme zur Bewältigung und Reduzierung von Stress aufzulegen, da Stress die wichtigste Ursache für Kopfschmerzbeschwerden bei Studierenden ist.
Masterstudiengang Migraine and Headache Medicine
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel bietet einen Masterstudiengang Migraine and Headache Medicine an. Der Studiengang vermittelt fachübergreifend die aktuellen wissenschaftlichen Ergebnisse, Versorgungsgrundlagen und Rahmenbedingungen, die für eine zeitgemäße interdisziplinäre Erforschung, Diagnostik und Therapie von Migräne- und Kopfschmerzerkrankungen relevant sind.