Sturzgefahr bei Parkinson: Ursachen und Prävention

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Eines der Hauptprobleme, mit denen Parkinson-Patienten konfrontiert sind, ist die erhöhte Sturzgefahr. Stürze können zu schweren Verletzungen, Einschränkungen der Mobilität und einer verminderten Lebensqualität führen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, die Ursachen von Stürzen bei Parkinson zu verstehen und wirksame Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

Wie entsteht Morbus Parkinson?

Morbus Parkinson entsteht durch den Verlust von Nervenzellen in dem Teil des Gehirns, der für die Kontrolle und Koordination von Bewegungen zuständig ist. Diese Nervenzellen produzieren den Neurotransmitter Dopamin, der für die Kommunikation zwischen den Nervenzellen unerlässlich ist. Ein Dopaminmangel führt dazu, dass der betroffene Teil des Gehirns nicht mehr normal funktioniert, was zu langsamen und/oder unpräzisen Bewegungen führt.

Die genaue Ursache für das Absterben der Dopamin-produzierenden Nervenzellen ist noch unbekannt, aber es gibt verschiedene Theorien und Risikofaktoren, die in Betracht gezogen werden:

  • Genetische Faktoren: Bestimmte Genmutationen können Morbus Parkinson verursachen, sind aber sehr selten und treten gehäuft in Familien auf, in denen bereits viele Mitglieder betroffen sind.
  • Umweltgifte: Einige Wissenschaftler vermuten, dass Pestizide, Herbizide und Insektizide mit der Entwicklung von Morbus Parkinson in Verbindung stehen könnten, obwohl es hierfür keine schlüssigen Beweise gibt.
  • Beschleunigter Alterungsprozess: Eine Theorie besagt, dass bei manchen Menschen der normale, altersbedingte Tod der Dopamin-produzierenden Nervenzellen aus unbekannten Gründen beschleunigt wird.
  • Freie Radikale: Einige Forscher glauben, dass freie Radikale, potenziell schädliche Moleküle, die bei normalen chemischen Reaktionen im Körper entstehen, zum Absterben der Nervenzellen beitragen.
  • Lewy-Körperchen: In den Gehirnen von Parkinson-Patienten finden sich häufig Lewy-Körperchen, abnormale Proteinablagerungen innerhalb der Gehirnzellen. Diese könnten einen wichtigen Hinweis auf die Ursache der Krankheit liefern.

Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung von Morbus Parkinson gehören:

  • Steigendes Alter
  • Familienanamnese von Parkinson
  • Extremer Stress
  • Kopftraumata
  • Kaukasische Abstammung
  • Herbizid-/Pestizid-Exposition
  • Erhöhte Aufnahme von Nahrungsfetten
  • Rauchen
  • Erhöhter Koffeinkonsum
  • Frühzeitige Maserninfektion im Kindesalter

Symptome von Morbus Parkinson

Die vier Hauptsymptome von Morbus Parkinson sind:

Lesen Sie auch: Demenz: Wie man Stürze vermeidet

  • Tremor: Zittern, insbesondere an Händen und Fingern, das in Ruhe am stärksten ist und bei Aktivität abnimmt.
  • Steifheit (Rigidität): Muskelsteifheit, die sich besonders in den großen Muskelgruppen bemerkbar macht und Schwierigkeiten beim Aufstehen, Umdrehen im Bett oder Gehen verursacht. Feine Fingerbewegungen können ebenfalls erschwert sein.
  • Verlangsamte Bewegung (Bradykinesie): Schwierigkeiten, Bewegungen zu initiieren und auszuführen, was zu verlangsamten Bewegungen und Koordinationsstörungen führt. Alltägliche Aktivitäten können dadurch erheblich länger dauern.
  • Verlust des Gleichgewichts: Ein Symptom, das sich im Laufe der Zeit entwickelt und dazu führt, dass sich Betroffene nach vorne oder hinten lehnen, kleine, schlurfende Schritte machen und eine erhöhte Sturzgefahr haben.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Hautempfindungen und Schmerzen
  • Verstopfung
  • Blasenprobleme
  • Sexuelle Dysfunktionen
  • Schlafprobleme
  • Müdigkeit
  • Depressionen
  • Veränderte Sprache (undeutlich und langsam)
  • Schwierigkeiten beim Schreiben
  • Taubheit
  • Demenz (beeinträchtigtes Gedächtnis und Konzentration)
  • Verringertes Blinzeln
  • Erhöhte Speichelproduktion
  • Emotionale Veränderungen

Diagnose von Morbus Parkinson

Es gibt keinen spezifischen Test, um Morbus Parkinson zu diagnostizieren. Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte, der Beobachtung der Symptome und einer neurologischen und körperlichen Untersuchung. Bildgebende Verfahren wie CT oder MRT können eingesetzt werden, um andere mögliche Erkrankungen auszuschließen.

Um die Diagnose zu bestätigen, kann ein Neurologe eine Probedosis von Carbidopa-Levodopa verschreiben, einem Medikament gegen die Parkinson-Krankheit. Eine deutliche Verbesserung der Symptome nach Einnahme dieses Medikaments kann die Diagnose bestätigen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist derzeit nicht heilbar, daher konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität. Zu den gängigen Therapieansätzen gehören:

  • Medikamente:
    • Carbidopa-Levodopa: Levodopa wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt und hat sich für viele Menschen als wirksame Behandlung erwiesen. Mit der Zeit kann die Wirkung von Levodopa nachlassen und es können Nebenwirkungen wie Übelkeit und unwillkürliche Bewegungen auftreten. Carbidopa wird oft mit Levodopa kombiniert, um eine vorzeitige Umwandlung von Levodopa in Dopamin außerhalb des Gehirns zu verhindern und Nebenwirkungen zu reduzieren.
    • Dopamin-Agonisten: Diese Medikamente ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach und können allein oder in Kombination mit Levodopa eingesetzt werden.
    • Amantadin: Kann im Frühstadium der Krankheit verschrieben werden, um die Symptome der leichten Parkinson-Krankheit kurzfristig zu lindern. Es kann auch zusammen mit Carbidopa-Levodopa in späteren Stadien der Parkinson-Krankheit verabreicht werden, um unwillkürliche Bewegungen zu kontrollieren, die Levodopa verursacht.
    • MAO-B-Hemmer: Können ebenfalls zur Linderung der Symptome in den frühen Stadien der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie und verbessert Mobilität, Koordination, Bewegungsumfang und Muskeltonus. Sie kann helfen, Stürze zu verhindern und die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.
  • Ergotherapie: Ergotherapeuten können Menschen mit Morbus Parkinson helfen, ihre Unabhängigkeit zu erhalten und den Alltag zu erleichtern, indem sie die Wohn- und Arbeitsumgebung anpassen und Mobilitätshilfen bereitstellen.
  • Logopädie: Logopäden können Menschen mit undeutlicher oder stotternder Sprache helfen, ihre Kommunikation, insbesondere die Aussprache, zu verbessern.
  • Gehirnchirurgie: In Fällen von schwerem Tremor oder unwillkürlichen Bewegungen kann ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Die tiefe Hirnstimulation (DBS) hat sich in den letzten Jahren zur wichtigsten chirurgischen Option bei der Parkinson-Krankheit entwickelt. Dabei wird eine kleine Elektrode in das Gehirn implantiert, um die Signale, die für das Zittern verantwortlich sind, elektrisch zu unterbrechen.

Sturzgefahr bei Parkinson: Ursachen und Risikofaktoren

Stürze sind ein häufiges und ernstes Problem für Menschen mit Parkinson. Bis zu 60 % der Parkinson-Patienten, die allein zu Hause leben, stürzen mindestens einmal pro Jahr. Die Ursachen für die erhöhte Sturzgefahr sind vielfältig und umfassen sowohl krankheitsbedingte als auch umweltbedingte Faktoren.

Lesen Sie auch: Umfassende Informationen: Sturzgefahr bei Demenz

Krankheitsbedingte Risikofaktoren:

  • Motorische Symptome: Tremor, Steifheit und Bradykinesie beeinträchtigen die Bewegungsfähigkeit und das Gleichgewicht.
  • Posturale Instabilität: Die Tendenz, sich nach vorne oder hinten zu lehnen, erschwert das Halten des Gleichgewichts.
  • Freezing: Plötzliches, vorübergehendes "Einfrieren" der Bewegung, insbesondere beim Gehen, erhöht das Sturzrisiko erheblich.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen können die Fähigkeit, Gefahren zu erkennen und zu vermeiden, beeinträchtigen.
  • Sehstörungen: Probleme mit dem Sehen können die Orientierung erschweren und das Stolperrisiko erhöhen.
  • Orthostatische Hypotonie: Ein plötzlicher Blutdruckabfall beim Aufstehen kann zu Schwindel und Ohnmacht führen.
  • Medikamentennebenwirkungen: Einige Parkinson-Medikamente können Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Verwirrtheit verursachen, die das Sturzrisiko erhöhen.
  • Sturzangst: Die Angst vor Stürzen kann zu Unsicherheit und Schonhaltungen führen, die das Sturzrisiko paradoxerweise erhöhen.

Umweltbedingte Risikofaktoren:

  • Stolperfallen: Lose Teppiche, Kabel, Türschwellen und andere Hindernisse im Wohnraum.
  • Rutschige Böden: Glatte Böden, insbesondere bei Nässe, erhöhen das Sturzrisiko.
  • Schlechte Beleuchtung: Unzureichende Beleuchtung erschwert die Orientierung und das Erkennen von Hindernissen.
  • Ungeeignetes Schuhwerk: Schuhe mit glatten Sohlen oder hohen Absätzen können das Gleichgewicht beeinträchtigen.
  • Unordnung: Überfüllte Räume erschweren die freie Bewegung und erhöhen das Stolperrisiko.

Sturzprävention bei Parkinson: Maßnahmen und Strategien

Eine umfassende Sturzprävention ist entscheidend, um das Risiko von Stürzen bei Parkinson-Patienten zu minimieren und ihre Lebensqualität zu erhalten. Die Sturzprophylaxe umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die individuell auf die Bedürfnisse und Risikofaktoren des Einzelnen abgestimmt werden sollten.

1. Bewegung und Physiotherapie:

  • Regelmäßiges körperliches Training: Stärkt die Muskulatur, verbessert das Gleichgewicht und die Koordination.
  • Physiotherapie: Bietet gezielte Übungen zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und zur Sturzprävention.
  • Gehtraining: Hilft, das Gangbild zu verbessern und die Stabilität beim Gehen zu erhöhen.
  • Tanzen: Kann die Koordination, das Gleichgewicht und die Freude an der Bewegung fördern.
  • Wassergymnastik: Gelenkschonend und besonders geeignet bei Sturzangst.
  • Spezifische Bewegungstherapie (BIG): Übt Bewegungsabläufe, die für den individuellen Alltag des Patienten wichtig sind oder ihm schwerfallen, in großem Umfang.

2. Anpassung des Wohnraums:

  • Beseitigung von Stolperfallen: Entfernen von losen Teppichen, Kabeln und anderen Hindernissen.
  • Rutschfeste Matten: Anbringen von rutschfesten Matten in Bad und Küche.
  • Gute Beleuchtung: Sorgen für ausreichende Beleuchtung in allen Räumen, insbesondere in der Nacht.
  • Handläufe: Installieren von Handläufen an Treppen und im Badezimmer.
  • Erhöhte Toilettensitze: Erleichtern das Aufstehen und Hinsetzen.
  • Ordnung: Halten der Räume aufgeräumt und frei von Unordnung.

3. Hilfsmittel:

  • Gehstöcke und Rollatoren: Bieten zusätzliche Unterstützung und Stabilität beim Gehen.
  • Rutschfeste Schuhe: Tragen von Schuhen mit guter Sohle und niedrigem Absatz.
  • Hüftprotektoren: Können die Folgen von Stürzen mildern, indem sie die Aufprallkraft verteilen.
  • Schutzhelme: In einigen Fällen können Schutzhelme sinnvoll sein, um Kopfverletzungen bei Stürzen zu vermeiden.
  • Technische Hilfsmittel: Moderne Gehhilfen mit automatischen Bremssystemen oder Gehstöcke mit Laserlinien-Projektion können zusätzlich für mehr Sicherheit und Mobilität sorgen.

4. Medikamentenmanagement:

  • Überprüfung der Medikation: Regelmäßige Überprüfung der Medikamente durch den Arzt, um mögliche Nebenwirkungen, die das Sturzrisiko erhöhen, zu identifizieren und zu reduzieren.
  • Anpassung der Dosierung: Anpassung der Dosierung von Medikamenten, um Schwindel und Benommenheit zu vermeiden.
  • Vermeidung von riskanten Medikamenten: Wenn möglich, Vermeidung von Medikamenten, die das Sturzrisiko erhöhen, wie z.B. Schlafmittel und Antidepressiva.

5. Weitere Maßnahmen:

  • Regelmäßige Augenuntersuchungen: Um Sehstörungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Blutdruckkontrolle, um orthostatische Hypotonie zu erkennen und zu behandeln.
  • Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit ausreichender Zufuhr von Calcium und Vitamin D, um die Knochengesundheit zu fördern.
  • Psychologische Unterstützung: Hilfe bei der Bewältigung von Sturzangst und Depressionen.
  • Schulung und Aufklärung: Information von Patienten und Angehörigen über Sturzrisiken und Präventionsmaßnahmen.
  • Soziale Unterstützung: Teilnahme an Selbsthilfegruppen und sozialen Aktivitäten, um Isolation und Einsamkeit zu vermeiden.

6. Expertenstandards in der Pflege:

  • Der Expertenstandard "Sturzprophylaxe in der Pflege" definiert ein strukturiertes und evidenzbasiertes Vorgehen zur Verringerung des Sturzrisikos in der professionellen Pflege.
  • Er umfasst die systematische Erfassung, Bewertung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen, die Stürze verhindern und deren Folgen minimieren.
  • Die wichtigsten Inhalte umfassen die regelmäßige Risikoeinschätzung, personalisierte Pflegepläne und Schulungen von Pflegekräften, Angehörigen und Betroffenen.

Die Rolle der Physiotherapie bei der Sturzprävention

Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Sturzprävention bei Parkinson-Patienten. Ein speziell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittener Therapieplan kann dazu beitragen, die motorischen Fähigkeiten zu verbessern, das Gleichgewicht zu schulen und die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.

Mögliche Elemente der Physiotherapie können sein:

  • Übungen zur Verbesserung der Koordination
  • Steigerung der Muskelkraft
  • Gehübungen
  • Laufbandtraining
  • Rhythmische Bewegungsgymnastik
  • Analyse und Verbesserung der Haltung
  • Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts
  • Manuelle Therapie
  • Klassische Massagetherapie

Umgang mit der Diagnose und Unterstützung im Alltag

Die Diagnose Parkinson kann für Betroffene und Angehörige eine große Herausforderung darstellen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich Unterstützung zu suchen.

  • Information: Wissen über die Grundlagen der Parkinson-Krankheit, einschließlich ihrer Symptome, Ursachen und des Verlaufs, kann helfen, die Erkrankung besser zu verstehen.
  • Selbsthilfegruppen: Bieten ein Umfeld, in dem man sich mit anderen Betroffenen und Angehörigen austauschen und wertvolle Informationen und praktische Ratschläge erhalten kann.
  • Netzwerk: Aufbau eines Netzwerks von Ärzten, Therapeuten, Pflegekräften und anderen Fachleuten, die bei der Bewältigung der Erkrankung unterstützen können.
  • Pflegegrad: Prüfung des Anspruchs auf einen Pflegegrad, um finanzielle Unterstützung für die Pflege und Betreuung zu erhalten.
  • Symptom-Tagebuch: Festhalten von Symptomen und Veränderungen im Alltag, um den Krankheitsverlauf besser zu dokumentieren und die Behandlung anzupassen.
  • Offene Kommunikation: Offene Gespräche mit Angehörigen und Freunden über die eigenen Bedürfnisse und Ängste.

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

tags: #sturzgefahr #bei #parkinson