Das Sulcus-Ulnaris-Syndrom, auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom oder Ellenrinnensyndrom, ist eine häufige periphere Nervenkompression, bei der der Nervus ulnaris im Bereich des Ellenbogens eingeengt wird. Der Ulnar-Nerv, einer der drei Hauptnerven, die den Ellbogen passieren, kann durch diese Kompression gereizt werden, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann. Dieser Artikel beleuchtet die konservativen Therapieansätze, Ursachen, Symptome, Diagnose und verschiedene Behandlungsoptionen des Sulcus-Ulnaris-Syndroms.
Anatomie und Pathophysiologie
Der Nervus ulnaris verläuft auf der medialen Seite des Ellenbogens, durch einen als Kubitaltunnel bezeichneten Bereich. Dieser Tunnel wird durch Knochen auf einer Seite und ein Band auf der anderen Seite begrenzt. Aufgrund der Enge dieses Tunnels kann der Nervus ulnaris hier leicht komprimiert werden. Die Biegung des Ellbogens dehnt den Nerv, und wiederholtes Hin- und Herrutschen des Nervs im Kubitaltunnel kann zu Reizungen führen, insbesondere bei längerer Beugung des Ellbogens, wie beispielsweise im Schlaf. In manchen Fällen kann ein zusätzlicher Muskel über dem Sulcus ulnaris auf den Nerven drücken.
Ursachen des Sulcus-Ulnaris-Syndroms
Die Ursachen für das Sulcus-Ulnaris-Syndrom sind vielfältig. Häufige Auslöser sind:
- Ständige Be- bzw. Überlastung des Ellenbogens: Wiederholte oder dauerhafte Belastung des Ellenbogens, beispielsweise durch permanentes Abstützen oder Beugen, kann zu einer Einengung des Nervs führen. Baseballspieler sind besonders gefährdet, da das Werfen des Balls eine spezielle Armdrehung erfordert.
- Vorschädigungen: Frühere Knochenbrüche oder Arthrose im Ellenbogenbereich können den Raum im Kubitaltunnel verringern und den Nerv komprimieren.
- Unfallbedingte Quetschungen: Direkte Traumata oder Quetschungen des Nervs im Bereich des Ellenbogens können zu einer Entzündung und Kompression führen.
- Degenerative Prozesse: Gelenkverschleiß und andere degenerative Veränderungen können ebenfalls zur Entstehung des Syndroms beitragen.
- Weitere Risikofaktoren: Diabetes mellitus, starkes Übergewicht und rheumatische Erkrankungen können die Entstehung eines Kubitaltunnelsyndroms begünstigen. Alkohol- oder Zuckererkrankungen können die Druckanfälligkeit des Nervs erhöhen.
- Anatomische Faktoren: Eine flache Ulnarisrinne am Ellenbogen oder eine bei Unterarmbeugung eintretende (Sub-) Luxation des N. ulnaris können ebenfalls eine Rolle spielen.
Man unterscheidet zwischen einem primären/idiopathischen Kubitaltunnelsyndrom, bei dem die Ursache unklar ist, und einem sekundären Kubitaltunnelsyndrom, das durch Verletzungen oder Veränderungen des Ellenbogengelenkes oder des Nerven bedingt ist.
Symptome des Sulcus-Ulnaris-Syndroms
Die Symptome des Sulcus-Ulnaris-Syndroms können je nach Schweregrad der Erkrankung variieren. Typische Anzeichen sind:
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- Kribbelparästhesien: Ein Gefühl von "Ameisenlaufen" im Ringfinger, kleinen Finger und im Ellenbogen.
- Taubheit: Gefühlsminderung oder Taubheitsgefühl in den gleichen Fingern und der Handkante.
- Schmerzen: Schmerzen im Ellenbogen, Unterarm und Handgelenk sind möglich.
- Muskelschwäche: Kraftverlust in der Hand, insbesondere beim Greifen und Abspreizen der Finger. Schwierigkeiten beim Schreiben oder anderen feinmotorischen Tätigkeiten.
- Muskelschwund: In fortgeschrittenen Fällen kann es zu Muskelschwund (Atrophie) in der Hand kommen, insbesondere im Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger.
- Krallenhand: Im Spätstadium kann sich eine sogenannte "Krallenhand" entwickeln, bei der die Finger eine gebeugte Position einnehmen.
- Elektrischer Schlag: Ein kurzer Aufprall oder ein Schlag auf den Ellenbogen kann einen schmerzhaften "Stromschlag" bis in die Spitze von Ring- und Kleinfinger auslösen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome auch ohne Behandlung wieder zurückgehen können, abhängig vom Ausmaß der Erkrankung und den auslösenden Faktoren.
Diagnose des Sulcus-Ulnaris-Syndroms
Die Diagnose des Sulcus-Ulnaris-Syndroms basiert auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und speziellen diagnostischen Tests:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die genaue Beschwerdeschilderung des Patienten, um die typischen Symptome zu identifizieren. Fragen nach der Dauer der Beschwerden, Vorerkrankungen und Unfallverletzungen im Bereich des Ellenbogengelenkes sind wichtig.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet die Knochenfurche an der Innenseite des Ellenbogengelenkes ab und prüft die Kraft der Finger durch verschiedene Tests.
- Elektrophysiologische Untersuchung (EMG/NLG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Nerven und Muskeln, um die Nervenleitgeschwindigkeit zu bestimmen und die Diagnose zu sichern.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgenuntersuchung: Zum Ausschluss von Veränderungen am Knochen und Gelenk.
- Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Zur Darstellung von Größen- und Lageveränderungen des N. ulnaris am Ellenbogen sowie zystischen Veränderungen in Gelenknähe.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Kann im Frühstadium der Erkrankung aussagekräftig sein und zusätzliche Informationen über das Ausmaß der Nervenschädigung liefern.
Konservative Therapie
Die konservative Therapie ist oft der erste Schritt bei der Behandlung des Sulcus-Ulnaris-Syndroms, insbesondere wenn die Symptome mild sind und keine ausgeprägte Muskelschwäche vorliegt. Ziel ist es, den Nerv zu entlasten und Entzündungen zu reduzieren. Die konservative Behandlung umfasst:
- Ruhe und Schonung: Vermeidung von Aktivitäten, die den Ellenbogen belasten oder die Symptome verschlimmern.
- Aktivitätsänderungen: Anpassung der Arbeitsweise oder Freizeitaktivitäten, um wiederholte Beugungen oder Druck auf den Ellenbogen zu vermeiden.
- Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren.
- Ellenbogenpolster: Das Tragen von Ellenbogenpolstern kann den Nerv vor direktem Druck schützen, insbesondere bei Aktivitäten, die ein Anlehnen des Ellenbogens erfordern.
- Nachtschiene: Eine Schiene, die den Ellbogen in einer leichten Beugungsposition hält, kann helfen, den Nerv während des Schlafs zu entlasten. Vermeidung von starker Beugung des Ellenbogengelenks.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kräftigung der Muskulatur und Förderung der Nervengleitfähigkeit.
- Ergonomische Anpassungen: Anpassung des Arbeitsplatzes, um eine neutrale Position des Ellenbogens zu fördern und wiederholte Belastungen zu vermeiden.
Diese Maßnahmen können oft zu einer Linderung der Beschwerden führen.
Wann ist eine Operation erforderlich?
Wenn die konservative Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder wenn sich die Symptome verschlimmern, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Eine Operation ist erforderlich, wenn sich das typische Taubheitsgefühl und die motorische Schwäche in der Hand nicht zurückbilden oder rasch schlimmer werden. Man sollte auf keinen Fall bis zu einem fortgeschrittenen neurologischen Defizit abwarten, weil gerade der N. ulnaris nur eine sehr zögerliche und dann vielleicht unvollständige Erholungsfähigkeit hat.
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Operative Behandlung
Es gibt verschiedene chirurgische Verfahren zur Behandlung des Sulcus-Ulnaris-Syndroms:
- Dekompression des N. ulnaris: Bei diesem Eingriff wird der Kubitaltunnel erweitert, um den Druck auf den Nerv zu verringern. Dies kann durch Spaltung des Sulcus-Daches (eine aus Bindegewebe bestehende Sehne) und die Lösung von bindegewebigen Verwachsungen erfolgen. Intraoperativ sieht man häufig an dieser Stelle eine Schnürfurche im Nerven.
- Vorverlagerung des N. ulnaris (Transposition): In manchen Fällen, insbesondere wenn der Nerv ständig über den Knochen scheuert oder aus seiner Rinne herausluxiert, muss er herausgelöst und um den Ellenbogen-Knöchel herum nach vorne in die Muskulatur verlagert werden. Man unterscheidet zwischen einer subkutanen (unter die Haut), intramuskulären (in den Muskel) oder submuskulären (unter den Muskel) Verlagerung.
Die Operation wird in der Regel ambulant durchgeführt und kann in regionaler Betäubung erfolgen. Minimalinvasive Techniken mit kleinen Hautschnitten und Videokameraunterstützung sind zunehmend verbreitet.
Nachbehandlung nach operativer Therapie
Die Nachbehandlung nach einer Operation des Sulcus-Ulnaris-Syndroms ist wichtig, um eine optimale Genesung zu gewährleisten:
- Ruhigstellung: Je nach Art des Eingriffs kann eine kurzzeitige Ruhigstellung des Ellenbogens mit einem Verband oder einer Schiene erforderlich sein. Bei einer einfachen Dekompression ist eine Ruhigstellung in der Regel nicht notwendig.
- Frühzeitige Mobilisierung: Bereits am ersten Tag nach der Operation können und sollen die Finger sowie der Ellenbogen wieder bewegt werden, um Verklebungen zu vermeiden.
- Physiotherapie/Ergotherapie: Gezielte Übungen zur Wiederherstellung der Handfunktion und -kraft.
- Schonung: Schwere Arbeiten mit dem betroffenen Arm sollten für einige Wochen unterlassen werden.
- Vermeidung von Druck: Auch nach der Operation sollte eine starke Beugung des Ellenbogens über einen längeren Zeitraum vermieden werden, um den Nerv nicht erneut zu belasten.
Die Entfernung des Nahtmaterials erfolgt in der Regel nach 12 bis 14 Tagen.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung ist die Prognose für das Sulcus-Ulnaris-Syndrom gut. Eine konservative Therapie kann in vielen Fällen zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden führen. Auch nach einer Operation ist die Chance auf eine dauerhafte Besserung sehr hoch. Allerdings kann ein bestehender Muskelschwund (Atrophie) nicht oder nur unzureichend rückbildungsfähig sein.
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Prävention
Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko für die Entwicklung eines Sulcus-Ulnaris-Syndroms zu verringern:
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Achten Sie auf eine korrekte Haltung und vermeiden Sie wiederholte Beugungen oder Druck auf den Ellenbogen.
- Regelmäßige Pausen: Bei Tätigkeiten, die den Ellenbogen belasten, sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden.
- Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie übermäßige Belastung des Ellenbogens bei sportlichen oder handwerklichen Tätigkeiten.
- Schutz des Ellenbogens: Tragen Sie bei Bedarf Ellenbogenpolster, um den Nerv vor direktem Druck zu schützen.
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