Sulcus-Ulnaris-Syndrom: Behandlung mit Nachtschienen und anderen konservativen Methoden

Einleitung:Das Sulcus-ulnaris-Syndrom (SUS), auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom, ist eine Einengung des Ellennervs (Nervus ulnaris) im Bereich des Ellenbogens. Diese Kompression kann zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen und Schmerzen in Ring- und Kleinfinger führen. Um dauerhafte Schäden und eine Schwächung der Hand zu vermeiden, ist eine zeitnahe Behandlung wichtig. In vielen Fällen kann das Tragen von Nachtschienen in Kombination mit anderen konservativen Maßnahmen eine wirksame Methode sein, um die Symptome zu lindern und die Nervenfunktion zu verbessern.

Was ist das Sulcus-ulnaris-Syndrom?

Das Sulcus-ulnaris-Syndrom (SUS), auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom, entsteht durch Druck oder Zugschädigung des Ellennervs in der Knochenrinne im Bereich des Ellenbogens. Diese Region wird umgangssprachlich als "Musikantenknochen" bezeichnet. Der Ellennerv verläuft an der Innenseite des Oberarms zum Ellbogenhöcker und von dort zu den Fingern. Anders als die meisten anderen Nerven im Körper liegt er oberflächennah und recht ungeschützt im Arm. Schon beim Berühren des "Musikantenknochens" kann es zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen kommen.

Ursachen des Sulcus-ulnaris-Syndroms

Häufig tritt das Kubitaltunnelsyndrom (KUTS) ohne erkennbare äußere Ursache auf. Bei dieser idiopathischen Form strafft sich das Dach des Kubitaltunnels und drückt auf den Nerv. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen, meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Als Risikofaktoren kennt man Diabetes, Übergewicht, rheumatische Erkrankungen, Verletzungen und eine besonders intensive Nutzung des Arms. Das sekundäre oder symptomatische KUTS hat seine Ursache dagegen in einer direkten Verletzung mit Veränderungen von Knochen und Bändern. Typisch ist dann eine zeitversetzte Lähmung des N. ulnaris. Ein wichtiger Hinweis auf diese Form sind eingeschränkte Beugung oder Streckung im Ellbogengelenk.

Weitere Ursachen und Risikofaktoren können sein:

  • Chronische Fehlbelastungen von außen, z. B. das Aufstützen auf den Ellenbogen oder das Abstützen des Ellenbogens am Rahmen des Autofensters.
  • Innere Störfaktoren, die Druck auf den Nerv ausüben.
  • Angeborene Verengung des Kubitaltunnels.
  • Fehlbildungen an Knochenvorsprüngen.
  • Überlastung bzw. Verletzungen/Traumata.

Symptome des Sulcus-ulnaris-Syndroms

Die ersten Beschwerden sind Kribbeln und Taubheitsgefühl im kleinen Finger, im Ringfinger und an der Handaußenkante. Manchmal ziehen diese Missempfindungen bis zum Unterarm. Im Verlauf nimmt auch die Muskelkraft der betroffenen Hand ab. Die Patienten berichten, die Finger nicht mehr so gut spreizen zu können, sowie über Schwierigkeiten, den Zeigefinger über den Mittelfinger kreuzen und den kleinen Finger nicht an den Ringfinger heranführen zu können.

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Weitere Symptome können sein:

  • Schmerzhafter „Stromschlag“ bis in die Spitze von Ring- und Kleinfinger.
  • Muskelschwund der Handmuskulatur.
  • Schwäche des kleinen Fingers und des Ringfingers.
  • Lähmungen der vom Ellennerv versorgten Muskeln.
  • Krallenstellung von Ringfinger und kleinem Finger.
  • Schwierigkeiten beim Greifen mit Daumen und Zeigefinger oder beim Schließen einer Tür.

Bei voller Ausprägung der Lähmung ist die typische "Krallenhand" nicht zu übersehen.

Diagnose des Sulcus-ulnaris-Syndroms

Die Diagnose des Sulcus-ulnaris-Syndroms erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und neurologischen Tests.

  • Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach seinen Beschwerden, deren Verlauf und möglichen Ursachen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt prüft Gefühl, Bewegung und Kraft der Hand. Ein wichtiger diagnostischer Hinweis ist das positive Fromentzeichen. Dabei wird geprüft, ob der Patient ein Blatt Papier zwischen Daumen und Zeigefinger festhalten kann, ohne den Daumen beugen zu müssen.
  • Neurologische Tests: Objektiv nachweisen lässt sich die Schädigung des Ellennerven mit einer Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie).
  • Bildgebende Verfahren: Mit Röntgenbildern kommt die Ärzt*in möglichen knöchernen Ursachen auf die Spur, darin zeigen sich beispielsweise Knochenveränderungen oder alte, schlecht verheilte Brüche. MRT oder Ultraschall können helfen, morphologische Veränderungen des Gewebes zu erkennen.

Konservative Behandlung des Sulcus-ulnaris-Syndroms

Vor allem im Frühstadium lässt sich das Ulnarisrinnen-Syndrom konservativ behandeln. Ziel der konservativen Therapie ist die Entlastung des Ellennervs und die Reduzierung der Symptome.

Nachtschienen

Nachtschienen halten den Ellenbogen in einer leicht gestreckten Position, um den Druck auf den Nerv zu verringern. Die Reh4mat Cubital-Tunnelsyndrom-Ellbogen-Schiene ist speziell dafür gemacht, den Ellbogen in einer neutralen Position zu fixieren. In dieser Position wird der Ulnarnerv am wenigsten belastet. Die Schiene enthält eine formbare Aluminiumschiene, die Sie selbst einfach in Form biegen können. Wir empfehlen eine leicht gebogene Position, mit einer Biegung von 10 bis 30 Grad.

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Weitere konservative Maßnahmen

  • Vermeidung von Fehlhaltungen: Sind Fehlhaltungen die Ursache der Nervenreizung, müssen diese korrigiert und abgestellt werden.
  • Entlastung des Ellenbogens: Hochlagern und Kühlen des Ellenbogens.
  • Vermeidung von Druck: Vermeidung von häufiger Ellenbeugung sowie eine Vermeidung von Druck auf das Ellenbogengelenk.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Handmuskulatur.
  • Taping: Das Aufbringen von speziellen Tapes unterstützt die Entlastung des Nervus ulnaris und fördert die Durchblutung.
  • Reduzierung von wiederholter belastender Bewegung das Armes, wie beim Sport oder der Arbeit.

Wann ist eine Operation erforderlich?

Bringen die konservativen Verfahren keinen Erfolg oder nehmen die Beschwerden sogar zu, wird der Ellennerv operativ entlastet. Eine Operation ist dann erforderlich, wenn sich das typische Taubheitsgefühl und die motorische Schwäche in der Hand nicht zurückbilden oder rasch schlimmer werden. Man sollte auf keinen Fall bis zu einem fortgeschrittenen neurologischen Defizit abwarten, weil gerade der N. ulnaris nur eine sehr zögerliche und dann vielleicht unvollständige Erholungsfähigkeit hat.

Operative Behandlung des Sulcus-ulnaris-Syndroms

In den meisten Fällen kann die operative Entlastung (Dekompression) des Ellennervs ambulant und in regionaler Betäubung vorgenommen werden. Während dieser Eingriff früher immer offen über einen langen Hautschnitt durchgeführt wurde, ist eine minimalinvasive Operation über einen kurzen Schnitt mithilfe einer Videokamera zunehmend verbreitet. Der Nerv wird in beiden Fällen vom Oberarm bis zu seinem Eintritt in die Unterarmmuskeln freigelegt und entlastet.

In manchen Fällen reicht die einfache Dekompression nicht: Der Nervus ulnaris muss verlagert und unter Fettgewebe oder Muskulatur neu eingebettet werden. In besonders schweren Fällen kann bei bereits bestehenden Fingerlähmungen eine Kombination mit einer mikrochirurgischen Nervenumlagerung am Unterarm sinnvoll sein.

Nachbehandlung nach einer Operation

Nach der Operation wird die Wunde mit einem Kompressionsverband geschützt. Konsequente Schonung ist wichtig. Die Therapie sollte auch hier zunächst konservativ sein, solange die Schwäche in der Hand nicht ausgeprägt ist. Zur Behandlung gehören eine Ruhigstellung im Ellenbogengelenk mit Vermeidung von häufiger Ellenbeugung sowie eine Vermeidung von Druck auf das Ellenbogengelenk. Auch wenn das Taubheitsgefühl an der Hand sich rasch zurückbilden kann, so kann die Kräftigung der Handmuskulatur bis hin zur Normalisierung oft Monate in Anspruch nehmen.

Vorbeugung des Sulcus-ulnaris-Syndroms

  • Fehlbelastungen vermeiden.
  • Kribbeln nicht ignorieren. Sollten Sie über längere Zeit ein Kribbeln oder andere Missempfindungen im kleinen Finger oder im Ringfinger spüren, zögern Sie nicht, dies ärztlich abklären zu lassen.
  • Reduzierung von wiederholter belastender Bewegung das Armes, wie beim Sport oder der Arbeit (z. B.

Fazit

Das Sulcus-ulnaris-Syndrom ist eine häufige Erkrankung, die durch eine Einengung des Ellennervs im Bereich des Ellenbogens verursacht wird. In vielen Fällen kann das Tragen von Nachtschienen in Kombination mit anderen konservativen Maßnahmen eine wirksame Methode sein, um die Symptome zu lindern und die Nervenfunktion zu verbessern. Wenn die konservative Behandlung nicht ausreicht, kann eine Operation erforderlich sein. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.

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