Schädigungen nach Apoplex in der Altenpflege: Ein umfassender Leitfaden

Ein Schlaganfall kann das Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen von einer Sekunde auf die andere verändern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Schädigungen nach einem Schlaganfall und die damit verbundenen Herausforderungen in der Altenpflege. Dabei werden sowohl die körperlichen als auch die seelischen Folgen beleuchtet und Lösungsansätze für eine bestmögliche Betreuung und Rehabilitation aufgezeigt.

Schlaganfall: Was passiert im Gehirn?

Bei einem Schlaganfall, auch Apoplex genannt, kommt es plötzlich zu einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Dies kann entweder durch ein verstopftes Gefäß (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. In beiden Fällen werden die Nervenzellen im betroffenen Bereich nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und sterben ab.

Die Statistik zeigt, dass ein Schlaganfall in jedem Alter auftreten kann, selbst Kinder können durch einen Schlaganfall pflegebedürftig werden, allerdings steigt mit zunehmendem Lebensalter das Risiko für diese lebensbedrohliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich ca. 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall.

Formen des Schlaganfalls

Nicht jeder Schlaganfall ist gleich schwerwiegend. In der Medizin werden drei Schweregrade unterschieden:

  • Stiller Schlaganfall: Verläuft oft unbemerkt, da nur Hirnareale betroffen sind, deren Funktionsstörung im Alltag kaum auffällt.
  • Leichter Schlaganfall: Symptome klingen innerhalb von 24 Stunden ab, hinterlassen meist keine bleibenden Schäden. Dennoch ist eine umgehende medizinische Untersuchung erforderlich.
  • Schwerer Schlaganfall: Betrifft große und wichtige Hirnareale, verursacht häufig irreparable Schäden durch das Absterben von Nervenzellen.

Eine Sonderform stellt die Transitorisch Ischämische Attacke (TIA) dar, auch „kleiner Schlaganfall“ genannt. Hierbei treten die gleichen plötzlichen Symptome wie bei einem ausgeprägten Schlaganfall auf, bilden sich aber innerhalb weniger Minuten zurück. Auch eine TIA ist ein Notfall, da sie ein Vorbote für einen möglichen schweren Anfall sein kann.

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Folgen eines Schlaganfalls: Ein vielschichtiges Bild

Die Folgen eines Schlaganfalls sind vielfältig und individuell unterschiedlich. Sie hängen von der Ausprägung des Schlaganfalls und der betroffenen Hirnregion ab. Laut Statistiken leben etwa 85 % der Patienten mit den Folgen eines Schlaganfalls. Einige der häufigsten Beeinträchtigungen sind:

  • Lähmungserscheinungen: Oft halbseitig (Hemiparese), als Folge der Schädigung einer Gehirnhälfte.
  • Sprachstörungen: Aphasie (zentrale Sprachstörung, die das Sprechen, Lesen, Verstehen und Schreiben beeinträchtigt) und Dysarthrophonie (Beeinträchtigung der Sprechbewegungen durch Störung der Zungen-, Atem- und Kehlkopfmuskeln).
  • Schluckbeschwerden: Dysphagie, tritt akut bei rund 50 % aller Schlaganfallpatienten auf.
  • Koordinationsstörungen: Beeinträchtigung des koordinierten Handelns.
  • Orientierungsstörungen: Schwierigkeiten, sich räumlich und zeitlich zurechtzufinden.
  • Sehstörungen: Einschränkungen des Gesichtsfelds.
  • Schwindel: Unsicherheitsgefühl und Gleichgewichtsprobleme.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Können temporär oder dauerhaft auftreten.
  • Demenz: Vaskuläre Demenz als Folge des Absterbens von Hirnzellen.
  • Spastik: Verhärtung und Versteifung von Muskeln und Gliedmaßen.
  • Harninkontinenz: Unfähigkeit, die Blase zu kontrollieren.
  • Sensibilitätsstörungen: Missempfindungen im Zungen-, Mund- und Halsbereich.

Neben den körperlichen und kognitiven Einschränkungen dürfen die seelischen Folgen nicht übersehen werden. Viele Betroffene leiden an Angststörungen, Depressionen oder Wesensveränderungen.

Pflege nach Schlaganfall: Individuelle Unterstützung ist gefragt

Die Pflege von Schlaganfallpatienten stellt besondere Anforderungen an die Pflegepersonen. Es gilt, die individuellen Einschränkungen zu berücksichtigen und eine angepasste Unterstützung im Alltag zu gewährleisten. Die Pflege sollte immer individuell auf die betreffende Person angepasst werden.

Typische Pflegetätigkeiten in der häuslichen Schlaganfall-Pflege

  • Hilfe beim Ankleiden und bei der Mobilisation
  • Körperpflege-Maßnahmen wie Zähneputzen, Unterstützung beim Duschen oder Baden
  • Nahrungszubereitung und Hilfe bei der Nahrungsaufnahme
  • Begleitung zu Arztterminen und Mitgestaltung der Freizeit

Unterstützung bei der Körperpflege

Durch die Lähmungen in Folge eines Schlaganfalls können sich Betroffene häufig nicht mehr selbstständig waschen. Daher sollten Pflegepersonen einfühlsam Unterstützung anbieten, die betroffene Person jedoch keinesfalls entmündigen. Nach Möglichkeit sollten Betroffene zudem in die Körperpflege miteinbezogen werden, indem sie zum Beispiel die vom Schlaganfall betroffenen Extremitäten selbst waschen, während sich die Pflegeperson auf die Körperregionen begrenzt, die von den Erkrankten nicht selbst gepflegt werden können. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass gelähmte Gliedmaßen während der Körperpflege nicht neben dem Körper herunterhängen, sondern auf einem Kissen oder dem Waschbecken- oder Badewannenrand hochgelegt werden, um so das Verletzungsrisiko aufgrund der eingeschränkten Wahrnehmung zu reduzieren. Grundsätzlich sollte nach dem sog. Bobath-Konzept immer zuerst die nicht-betroffene und dann die betroffene Körperpartie gewaschen werden.

Hilfe beim Ankleiden

Wie bei der Körperpflege sollten Betroffenen auch beim Ankleiden bestmöglich miteinbezogen werden. Zudem kann es hilfreich sein, die Kleidung in der richtigen Reihenfolge und gut erreichbar bereitzulegen. Beim Ankleiden sollten zuerst die betroffenen Körperteile bekleidet werden. Beim Entkleiden gilt dagegen die umgekehrte Reihenfolge. Für viele Betroffene stellen Reißverschlüsse und Knöpfe eine besondere Herausforderung dar, sodass entsprechende Hilfestellungen wichtig sind. Eine wertvolle Unterstützung kann es dabei sein, Bänder an den Reißverschluss zu binden, die das Bedienen des Verschlusses erleichtern.

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Hilfe bei der Nahrungszubereitung und -aufnahme

Auch bei der Nahrungszubereitung sollten Schlaganfallpatientinnen und -patienten nach Möglichkeit immer beteiligt werden. Da Schluckbeschwerden eine häufige Folge nach Schlaganfällen sind, sollte das Essen möglichst „leicht- essbar“ sein. Bei Lähmungen und Spastiken kann sogenanntes „Schlaganfall-Besteck“ (Besteck mit Griffverdickungen), aber auch rutschfeste Teller oder Trinkbecher eine nützliche Hilfestellung bieten. Für das Kochen selbst lassen sich in Sanitätshäusern und im Onlinehandel entsprechende Kochutensilien für Schlaganfallpatientinnen und -patienten finden.

Kommunikation: Geduld und Einfühlungsvermögen sind gefragt

Vielen Betroffenen fällt die Kommunikation nach einem Schlaganfall sehr schwer. Manchmal dauert die Suche nach den richtigen Worten und dann das Aussprechen etwas länger. Dennoch sollte man den Betroffenen immer aussprechen lassen und die Worte nicht vorsagen. Denn Geduld ist in der Pflege nach Schlaganfall besonders wichtig. Da es für die Erkrankten sehr frustrierend sein kann, wenn Fehler beim Sprechen permanent korrigiert werden, sollten Angehörige sich vor allem auf Erfolge fokussieren und diese positiv bestärken. Gesagtes zu verstehen, fällt Schlaganfallpatientinnen und -patienten meist leichter, wenn die Worte langsam und deutlich ausgesprochen werden. Denn auch das Beobachten von Mundbewegungen kann das Verständnis erleichtern.

Tipps für die Kommunikation mit Schlaganfallpatienten:

  • Nehmen Sie dem Angehörigen die Wörter nicht vorweg. Warten Sie stattdessen, bis Ihr Familienmitglied seine Gedanken formuliert hat, auch wenn das einige Zeit dauert.
  • Reden Sie langsam und deutlich. Ihrem Angehörigen hilft es, wenn Sie Ihr Anliegen in klare Worte packen - Mimik und Gestik sind sinnvolle Sprachbegleiter.
  • Geben Sie Ihrem Angehörigen eine positive Rückmeldung.
  • Lassen Sie Fehler, Fehler sein. Menschen mit Sprachstörungen machen oft Fehler beim Satzbau oder verwenden einen Begriff an nicht passender Stelle. Verzichten Sie darauf, Ihren Angehörigen zu korrigieren.
  • Animieren Sie Freunde, Bekannte und Angehörige.

Emotionale Unterstützung: Ohnmacht aushalten und negative Gefühle zulassen

Sind Menschen von einem Schlaganfall betroffen, sind Kalendersprüche und Durchhalteparolen fehl am Platz. Stattdessen sollten Angehörige aushalten, dass die Betroffenen einen langen und schweren (Genesungs-)Weg vor sich haben. Diesen gilt es behutsam und optimistisch zu begleiten, ohne dabei „Heilungsversprechen“ zu machen, deren Erfüllung mehr als ungewiss ist. Ein Schlaganfall kann eine Reihe von Gefühlsregungen auslösen, wie Angst, Traurigkeit, Frust oder Wut. Angehörige sollten Betroffenen Mut machen, die Gefühle zuzulassen und verständnisvoll auf entsprechende Emotionen reagieren. Schlaganfallpatientinnen- und patienten werden immer wieder mit ihren körperlichen und geistigen Grenzen konfrontiert. Dies kann zu Resignation führen. Angehörige sollten die Betroffenen daher immer wieder sanft zu Unternehmungen aktivieren und sie bestmöglich in den familiären Alltag einbinden. Frühere Lieblingsbeschäftigungen der Betroffenen können dabei oft ein guter Motivator sein.

Prophylaktische Maßnahmen: Einem erneuten Schlaganfall vorbeugen

Leider ist ein bereits erlittener Schlaganfall keine Garantie dafür, nicht erneut an einem Schlaganfall zu erkranken. Im Gegenteil: Eine Studie der Universität Würzburg zeigt, dass in etwa jeder fünfte Betroffene innerhalb von 5 Jahren wieder einen Schlaganfall erleidet. Daher kommt der Schlaganfallprophylaxe eine sehr hohe Bedeutung zu.

Vorbeugende (prophylaktische) Maßnahmen auf einen Blick:

  • Vermeiden Sie Bluthochdruck: Bluthochdruck lässt Blutgefäße verkalken sowie verengen und erhöht somit das Schlaganfall-Risiko. Kontrollieren Sie daher regelmäßig die Blutdruckwerte - ein optimaler Wert liegt bei maximal 135/85 mmHg. Mit einer kochsalzarmen Ernährung und einem Gewichtsverlust können Sie den Blutdruckwert positiv beeinflussen.
  • Motivieren Sie Ihren Angehörigen mit dem Rauchen aufzuhören: Tabakkonsum erhöht ebenfalls das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.
  • Lassen Sie die Zuckerkrankheit überwachen: Diabetiker haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Ist Ihr Angehöriger zuckerkrank, sollten seine Werte regelmäßig überprüft und bei Bedarf Insulin verabreicht werden.
  • Helfen Sie Ihrem Angehörigen dabei, Übergewicht zu verlieren: Auch Übergewicht kann das Schlaganfall-Risiko negativ beeinflussen. Mit einer nährstoffreichen, fleischarmen und betont pflanzlichen Ernährung kann Ihr Familienmitglied nicht nur überflüssiges Gewicht verlieren, sondern auch erhöhte Blutfette senken.
  • Bewegung steigern: Laut einer Studie mit 3000 Schlaganfallpatientinnen und -patienten konnten bei 28,5 % der Betroffenen der Schlaganfall auf einen Bewegungsmangel zurückgeführt werden. Dies zeigt, wie wichtig regelmäßige Bewegung und Seniorengymnastik für die Betroffenen ist. Sie fördert zudem nicht nur die Beweglichkeit, sondern wirkt auch Übergewicht sowie einem erhöhten Insulin- und Cholesterinspiegel entgegen.
  • Rauchen und Alkohol vermeiden: Nikotin und Alkohol sind Gift für die Blutgefäße. Rauchen und Trinken gilt daher als besonders schädlich nach einem Schlaganfall und sollte unbedingt unterlassen werden.
  • Eine ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Kost ist nach einem Schlaganfall besonders wichtig. Zudem sind vor allem Lebensmittel zu empfehlen, die reich an Antioxidantien sind und die Bildung des für das Hirn bedeutsamen Proteins BDNF fördern, wie beispielsweise Nüsse, Hülsenfrüchte, Lachs, Quinoa oder Olivenöl.

Pflegestufe und Grad der Behinderung nach Schlaganfall

Es gibt keine allgemeingültige Pflegestufe (neu Pflegegrad) für Schlaganfallpatienten. Welchen Pflegegrad die Pflegekasse erteilt, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die Selbstständigkeit Ihres Angehörigen eingeschränkt ist. Hat Ihr Familienmitglied einen leichten Schlaganfall erlitten, kann er vermutlich nach der Rehabilitation ein überwiegend selbstständiges Leben führen - Pflege und Betreuung sind dann nur sporadisch nötig. Bei einem schwerwiegenden Schlaganfall sieht das anders aus. Die Pflegekasse hat die Möglichkeit, einen Pflegegrad zwischen 1 und 5 zu vergeben. Auch bei Schlaganfallpatienten gilt: Je höher der Pflegegrad ausfällt, desto häufiger ist er auf eine pflegerische Unterstützung im Alltag angewiesen. Wenn Ihr Angehöriger bei seiner Pflegekasse einen Pflegegrad beantragt, beauftragt diese wiederum den medizinischen Dienst der Krankenversicherung, kurz MDK. Der MDK bestimmt dann einen Gutachter, der in das häusliche Umfeld Ihres Angehörigen kommt und die jeweilige Einschränkung der Selbstständigkeit festhält. Bei einer Lähmung kommt prinzipiell Pflegegrad 3-5 infrage. Hat die Pflegekasse Ihrem Angehörigen Pflegegrad 3 zugesprochen, bedeutet das, dass seine Selbstständigkeit schwer beeinträchtigt ist. Bei dieser Feststellung ist davon auszugehen, dass Ihr Angehöriger die Herausforderungen in den Bereichen Körperpflege, Mobilisation und Ernährung nicht selbst bewältigen kann.

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Ihr Angehöriger kann nach einem Schlaganfall einen Grad der Behinderung aufweisen - dann hat er die Möglichkeit, einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten. Bei der Beurteilung des Schwerbehindertengrads werden die bestehenden Hirnschäden in den Mittelpunkt gerückt. Sie stellen die Gesamtbewertung dar.

Therapie und Rehabilitation nach Schlaganfall

Je nach Ausprägung des Schlaganfalls wartet auf Patienten ein teils langwieriger Therapieprozess. Im akuten Zustand müssen zunächst die Vitalfunktionen stabilisiert, die Gefäßverschlüsse beseitigt und die Gehirnblutung gestoppt werden. Danach ist es wichtig, einen erneuten Schlaganfall zu vermeiden, zum Beispiel mittels blutverdünnender Medikamente. Um Bewegungs- und Sprachstörungen zu lindern, können verschiedene Therapiemaßnahmen ergriffen werden. Dazu zählen beispielsweise die Ergotherapie oder die Logopädie.

Frührehabilitation

Oberstes Ziel der Frührehabilitation (kurz: Frühreha) nach einem Schlaganfall ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Körperfunktionen, die durch den Schlaganfall womöglich geschädigt wurden. Je früher geeignete Therapiemaßnahmen und Übungen umgesetzt werden, desto eher können die Schlaganfall-Symptome behandelt und schwerere Folgeschäden verringert werden. Viele Reha-Maßnahmen werden heute bereits ambulant, aber auch in stationären geriatrischen oder neurologischen Reha-Kliniken angeboten.

Logopädie bei Aphasie

Eine Aphasie beeinträchtigt das Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Häufigste Ursache ist ein Schlaganfall oder eine andere Schädigung des Gehirns. Helfen können spezialisierte Aphasie-Therapien, der Austausch mit anderen Betroffenen sowie ein verständnisvolles Umfeld. Ziel der Aphasietherapie ist es, die Kommunikationsfähigkeit so gut es geht zu verbessern und vorhandene Fähigkeiten zu fördern. Nach wissenschaftlichen Studien gilt auch für die Aphasietherapie: Je intensiver die Behandlung, desto effektiver ist das Ergebnis. Gerade in der akuten und subakuten Phase einer Aphasie hat sich gezeigt, dass vor allem eine intensive Sprachtherapie (IST) die Kommunikationsfähigkeit verbessern kann. Aber auch im Krankheitsverlauf, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt, sind durch ein ausreichend intensives Training Besserungen der Symptome einer Aphasie möglich.

Wohnsituation nach Schlaganfall: Zuhause oder im Pflegeheim?

Menschen, die einen Schlaganfall durchlebt haben, können grundsätzlich zu Hause oder in einer stationären Einrichtung gepflegt werden. Viele Angehörige stellen sich unmittelbar nach dem Schlaganfall die Frage, ob sie ihr Familienmitglied zu Hause pflegen können. Die gute Nachricht ist, dass dies durchaus möglich ist. Womöglich ist es dazu aber nötig, die Wohnumgebung an die Patientenbedürfnisse anzupassen. Schließlich können Treppen, hohe Türschwellen oder beengte Räumlichkeiten Pflegebedürftige vor große Herausforderungen stellen. Vor allem dann, wenn Ihr Angehöriger eine Gangunsicherheit oder eine Halbseitenlähmung aufweist. Es gibt finanzielle Unterstützung für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen.

Wenn sich das Wohnumfeld prinzipiell für die Pflege Ihres Angehörigen eignet, stellt sich noch die zeitliche Frage. Ihre berufliche Situation oder andere Faktoren verhindern, dass Sie die Pflege Ihres Angehörigen allein übernehmen? Glücklicherweise gibt es viele Möglichkeiten, wie Ihr Familienmitglied trotzdem in der häuslichen Umgebung verbleiben kann. Eine davon ist die Tagesbetreuung. Eine Wohngemeinschaft eignet sich für Menschen, die nach einem Schlaganfall pflegebedürftig sind, in der Regel recht gut. Schließlich sind viele Menschen vergleichsweise jung, wenn sie einen Schlaganfall durchleben - eine Seniorenresidenz oder ein Pflegeheim wird den Interessen der Altersgruppe daher nicht immer gerecht. Vor allem, wenn der Pflegebedarf groß ist, kann eine Unterbringung in einem Pflegeheim sinnvoll sein. Hier wird Ihr Angehöriger umfangreich versorgt und ein interdisziplinäres Team entwickelt geeignete Therapieangebote.

Wie lange ein Patient nach einem Schlaganfall allein zu Hause bleiben kann, ist sehr unterschiedlich. Bei maßgeblichen Beeinträchtigungen und einem vergleichsweise hohen Pflegeaufwand ist der Patient in der Regel auf eine rund um die Uhr Betreuung angewiesen.

In folgenden Fällen kann ein Umzug in ein Pflegeheim ratsam sein:

  • Der Patient selbst äußert den Wunsch, in ein Pflegeheim umzuziehen.
  • Sie fühlen sich als pflegender Angehöriger überfordert.
  • Die räumliche Distanz zwischen Ihnen und Ihrem Angehörigen verhindert eine häusliche Pflege.
  • Der Patient verfügt über einen hohen Pflegegrad und womöglich über Begleiterkrankungen wie Demenz.
  • Die häusliche Umgebung hat viele Barrieren und stellt Ihren Angehörigen somit vor zu große Herausforderungen.

Die Frage nach der Unterbringung ist für alle Gesprächspartner ein sehr sensibles Thema. Nähern Sie sich daher am besten mit viel Feingefühl der Abklärung und fragen Sie auch Ihren Angehörigen, was er für das Beste hält.

Hilfsmittel für Schlaganfallpatienten

Der Pflegebedarf im Anschluss an einen Schlaganfall kann groß sein. Doch Sie als pflegender Angehöriger müssen nicht alle Einschränkungen ausgleichen. Hilfsmittel für Schlaganfallpatienten sind besonders clever, denn sie können die Selbstständigkeit des Betroffenen erhöhen, die Hygiene unterstützen und Ihnen Entlastung im Pflege-Alltag bringen.

Auf folgende Hilfsmittel können Angehörige nach einem Schlaganfall setzen:

  • Technische Hilfsmittel: Zum Beispiel Rollator, Rollstuhl, Pflegebett, Badewannenlift oder Hausnotruf - auf medizinische Anordnung trägt die Krankenkasse bzw. Pflegekasse die Kosten.
  • Elektronische Hilfsmittel und Alltagshilfen: Wie sprechende Zeigetafeln oder Kombinationsgeräte mit Touchscreen und Sprachausgabe. Bei Bewegungseinschränkungen sind einfache Hilfsmittel wie besonderes Besteck, Dosenöffner, Teleskopschuhanzieher oder Greifzangen sinnvoll.
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Bettschutzeinlagen und Schutzkittel zur Inkontinenz-Pflege bei Schlaganfall.

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