Die Parkinson-Krankheit kann den Alltag erheblich beeinträchtigen, insbesondere wenn es um alltägliche Verrichtungen wie Essen und Trinken geht. Zittern, verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifigkeit, Haltungsinstabilität und Schluckstörungen können die selbstständige Nahrungsaufnahme erschweren und zu Frustration führen. Doch das Nachlassen der Feinmotorik bedeutet nicht, dass Betroffene auf eine selbstständige Nahrungsaufnahme verzichten müssen.
Spezielle Ess- und Trinkhilfen können Parkinson-Patienten dabei unterstützen, ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten. Diese Hilfsmittel sind darauf ausgelegt, die durch die Krankheit verursachten Einschränkungen auszugleichen und Betroffenen das Essen und Trinken zu erleichtern.
Kunststoffgeschirr: Sicherheit und Komfort
Kunststoffgeschirr ist eine gute Wahl für Parkinson-Patienten, da es bruchsicher und leicht ist. Teller, Tassen und Becher aus festem Kunststoff verzeihen jede unachtsame Bewegung und können selbst von geschwächten Personen gut getragen und hochgehoben werden.
Bei der Farbauswahl ist es ratsam, auf Signalfarben wie Rot zu setzen, insbesondere wenn die Sehkraft nachlässt. Ein roter Teller- oder Becherrand wird besser wahrgenommen und erinnert an die Nahrungsaufnahme. Typisches Senioren-Geschirr hat oft einen gummierten Antirutsch-Ring oder einen Saugnapf am Boden, um für zusätzliche Standsicherheit zu sorgen. Bei Bechern erleichtern große Henkel das Greifen.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Kunststoffgeschirr nicht zum Erwärmen von Speisen verwendet werden sollte, da sich bei zu hohen Temperaturen schädliche Stoffe lösen könnten. Die Reinigung im Geschirrspüler ist jedoch in der Regel kein Problem.
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Tellerranderhöhungen: Essen ohne Kleckern
Tellerranderhöhungen sind eine einfache, aber effektive Hilfe, um das Essen auf dem Teller zu halten. Sie verhindern, dass das Essen vom Teller geschoben wird und im gewölbten Rand landet, von wo es leicht wieder auf den Löffel oder die Gabel zurückfällt. Dies ist eine gute Lösung auch für sehgeschwächte Menschen.
Die meisten Tellerranderhöhungen sind flexibel und für unterschiedlich große Teller geeignet. Alternativ gibt es auch Teller mit integrierter Randerhöhung, bei denen der geneigte Tellerboden dafür sorgt, dass sich die tiefste Stelle hinten befindet und die Randerhöhung ihre Aufgabe erfüllt.
Seniorenbesteck: Besserer Halt und mehr Komfort
Seniorenbesteck zeichnet sich durch dickere Griffe aus, die sich leichter greifen lassen. Die Wahl der richtigen Ausführung hängt von der individuellen Einschränkung ab: Schwache Gelenke freuen sich über ein leichtes Besteck, zitternde Hände kommen besser zurecht, wenn die Griffe aus schwerem, rutschfestem Material sind. Auffällige Farben tragen bei Sehbehinderten und Alzheimer- oder Demenzpatienten zur Erkennung bei. Biegsame Griffe eignen sich hervorragend, wenn sich das Handgelenk schwer eindrehen lässt. Den gleichen Effekt erzielen abgewinkelte Besteckteile.
Mit separat zu kaufenden Griffverstärkern können Sie Ihr geliebtes Besteck selbst zum Seniorenbesteck umfunktionieren. Diese werden einfach in die meist konisch geformten Kunststoffrollen gesteckt. Die idealen Griffverdicker sind geriffelt und aus rutschfestem Material.
Spezialbesteck für Parkinson-Patienten
Für Parkinson-Patienten gibt es auch spezielle Bestecke, die auf die besonderen Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnitten sind. Dazu gehören beispielsweise:
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- Besteck mit breiten, gummierten und extra schweren Griffen: Diese Bestecke sind ideal für Menschen mit unkontrollierter Koordination und Tremor.
- Biegsame Bestecke: Bei diesen Bestecken können die Vorderteile von Löffel und Gabel individuell gebogen werden, um die Nahrungsaufnahme zu erleichtern.
- Besteck mit Handschlaufe: Dieses Besteck verhindert, dass es aus der Hand fällt, was besonders für Patienten mit starkem Tremor hilfreich ist.
- Selbststabilisierendes Tremor-Essbesteck: Dieses Besteck gleicht das Zittern automatisch durch kleine Gegenbewegungen aus.
- Tremor-Löffelaufsatz: Dieser Aufsatz wird auf einen normalen Löffel gesteckt und stabilisiert ihn, um das Verschütten von Speisen zu verhindern.
- Parkinson-Löffel ELI: Ermöglicht selbstständiges Essen. Essen kann nicht vom Löffel fallen. Löffel passt sich an die Bewegungen des Nutzers an. Bei Parkinson/Tremor oder Problemen bei der Hand-Koordination. Griff um 360° rotierbar. Löffel wird durch Gegengewichte und Rotations-Achsen bei jeder Bewegung stabilisiert.
Schnabeltassen und Nasenbecher: Trinken ohne Verschlucken
Schnabeltassen sind ideal bei Schluckbeschwerden, zitternden Händen oder nach einem Schlaganfall. Das Mundstück ist wie ein Schnabel geformt und leitet das Getränk direkt in den Mund, wodurch ein Verschlucken verhindert wird. Für zusätzlichen Halt ist ein Griff angebracht, bei größeren Einschränkungen empfiehlt sich eine Tasse mit zwei Griffen.
Nasenbecher ermöglichen eine gerade Kopfhaltung beim Trinken, wodurch das Risiko des Verschluckens ebenfalls reduziert wird. Sie sind besonders gut für warme Getränke geeignet, da das Material Porzellan die Sensibilisierung auf der Unterlippe erhöht.
Es gibt auch innovative „Anti-Zitter-Tassen“ mit drehbarem Griff, die sich an die Bewegungen des Nutzers anpassen und das Verschütten von Flüssigkeiten verhindern.
Weitere Trinkhilfen
- Trinkbecher mit Vertiefungen zum sicheren Greifen: Diese Becher sind mit speziellen Vertiefungen versehen, die das Greifen erleichtern.
- Trinkbecher mit Trink-Trick: Diese Becher ermöglichen ein bequemes und einfaches Austrinken, ohne dass der Kopf in den Nacken gelegt werden muss.
- Trinkaufsätze: Diese Aufsätze verwandeln jedes Trinkgefäß in einen auslaufsicheren Becher.
- Universal-Trinkbecherhalterung: Diese Halterung sorgt für zusätzliche Sicherheit beim Trinken und verleiht henkellosen Bechern eine sichere Handhabung.
- F.O.T.T. Trinkbecher: Der weit auslaufende Rand des F.O.T.T. Bechers bietet Betroffenen eine gute Auflagefläche auf der Unterlippe. Durch die Berührung des Bechers wird der Schluckreflex vorbereitet. Die kleinen Löcher im Deckel sorgen für eine dosierte Nahrungszufuhr in den Mundraum.
Essschürzen: Schutz vor Kleckern
Essschürzen schützen die Kleidung vor Verschmutzungen durch Schluckbeschwerden und den Verlust der Feinmotorik. Es gibt eine große Bandbreite an Modellen, von kurzen Lätzchen bis hin zu Schürzen, die auch den Schoß schützen. Wichtig ist, dass die Schürze bei mindestens 60 °C waschbar ist.
Weitere hilfreiche Alltagshilfen
Neben den genannten Ess- und Trinkhilfen gibt es noch weitere Alltagshilfen, die Parkinson-Patienten das Leben erleichtern können:
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- Anti-Freezing-Stock: Hilft plötzliche Bewegungsstopps zu überwinden.
- Universalhalter Gnubbel: Zur Fixierung von Gehstöcken und anderer medizinischer Hilfsmittel.
- Verstellbare Badmöbel: Ermöglichen das Waschen und Zähneputzen im Sitzen.
- Wasserfeste Sitzmöbel/Duschhocker: Für mehr Sicherheit beim Duschen oder Baden.
- Langer Schuhlöffel: Erleichtert das Anziehen von Schuhen.
- Flaschenöffner Cap Twister: Eine Hilfe zum Öffnen von Flaschen.
- Universal-Verschlussöffner für Schraubdeckel: Erleichtert das Aufdrehen von Schraubdeckeln unterschiedlicher Größe.
- Einhänderbrett: Erleichtert das Bestreichen von Broten mit nur einer Hand.
- Ornamin Essbrettchen: Mit hilfreicher festhaltender Zubereitungshilfe können während der Pflege zu Hause Personen mit eingeschränkter Handbeweglichkeit selbstständig ihre Brote zubereiten.
Lebensqualität durch Selbstständigkeit
Parkinson-Patienten neigen aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen oft zu Vermeidungsstrategien und Isolation. Es ist daher wichtig, dass sie so lange wie möglich Aktivitäten des täglichen Lebens wie Körperpflege und Nahrungszubereitung trainieren. Alltagshilfen können zwar die Beschwerden oder den Krankheitsverlauf nicht beeinflussen, geben Parkinsonerkrankten aber ein Stück Lebensqualität und Selbstständigkeit in der täglichen Lebensführung zurück. Sie aktivieren Betroffene und verringern die Abhängigkeit von Pflegepersonen.
Wo sind Esshilfen erhältlich?
Die vorgestellten Esshilfen & Trinkhilfen erhalten Sie in zahlreichen Sanitätshäusern, in einigen Kaufhäusern, im Versandhandel und natürlich im Internet.
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