Nervus Suralis: Verlauf, Anatomie und Klinische Bedeutung

Der Nervus suralis ist ein sensibler Nerv des Unterschenkels, der eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Haut an der Außenseite des Unterschenkels und des Fußes spielt. Er wird häufig in der Diagnostik und für Nervenbiopsien genutzt.

Anatomie und Verlauf

Der Nervus suralis entsteht hauptsächlich aus Ästen des Nervus tibialis und des Nervus fibularis communis. Genauer gesagt, er wird aus dem Nervus cutaneus surae medialis (ein Ast des Nervus tibialis) und dem Nervus cutaneus surae lateralis (ein Ast des Nervus peroneus communis) gebildet. Diese beiden Nervenäste vereinigen sich distal der Kniekehle, etwa in der Mitte des Unterschenkels, um den Nervus suralis zu bilden.

Der Nervus peroneus communis, aus dem der Nervus cutaneus surae lateralis hervorgeht, ist selbst ein wichtiger Nerv des Beins, der aus dem Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) entspringt und entlang der Außenseite des Knies und des Wadenbeins verläuft. Der Nervus peroneus communis teilt sich in zwei Hauptäste auf und ist maßgeblich an der motorischen und sensiblen Innervation des Unterschenkels und des Fußes beteiligt.

Der Nervus suralis verläuft entlang der Rückseite des Unterschenkels, meist lateral der Vena saphena parva, einer wichtigen Vene des Beins. Im weiteren Verlauf zieht der Nerv in Richtung des lateralen Fußrandes, wo er die Haut sensibel innerviert.

Varianten der Entstehung

Die Höhe der Vereinigung der beiden Nervenäste (Nervus cutaneus surae medialis und lateralis) kann variieren. In etwa 50-80 % der Fälle findet die Vereinigung in der Mitte des Unterschenkels statt. In etwa 20-30 % der Fälle erfolgt die Vereinigung weiter distal, näher am Außenknöchel. In seltenen Fällen (1-3 %) entsteht der Nervus suralis nur aus dem Nervus tibialis, und in sehr seltenen Fällen (ca. 1 %) direkt aus dem Nervus ischiadicus in der Kniekehle.

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Anatomische Varianten des Nervus suralis können dazu führen, dass bei üblicher Elektrodenplatzierung keine Nervenantwortpotentiale messbar sind. Eine weit distal gelegene Vereinigung der Nervenäste oder eine Entstehung nur aus dem Nervus tibialis kann die Amplitude des Nervenpotentials verringern.

Funktion

Der Nervus suralis ist ein rein sensibler Nerv. Er versorgt die Haut an der lateralen Wade und des äußeren Fußrandes. Der Nerv vermittelt Empfindungen wie Berührung, Schmerz und Temperatur in den von ihm versorgten Bereichen.

Klinische Bedeutung

Aufgrund seiner leicht zugänglichen Lage und seiner rein sensorischen Funktion wird der Nervus suralis häufig in der Diagnostik und für Nervenbiopsien verwendet.

Nervenbiopsie

Die Nervenbiopsie des Nervus suralis ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren zur Abklärung von peripheren Neuropathien, insbesondere bei Verdacht auf entzündliche oder vaskulitische Ursachen. Da der Nervus suralis rein sensibel ist, führt seine Entnahme nur zu einem kleinen, lokal begrenzten Sensibilitätsverlust am lateralen Fußrand, was ihn zu einem geeigneten Ziel für Biopsien macht.

Die Biopsieentnahme erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung. Ein kleines Hautareal über dem Nerv wird eröffnet, und ein kurzes Nervensegment (ca. 1-2 cm) wird entnommen. Das entnommene Nervengewebe wird anschließend histologisch untersucht, um Informationen über die Ursache der Neuropathie zu erhalten.

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Diagnostik von Neuropathien

Der Nervus suralis spielt eine wichtige Rolle bei der Schmerzwahrnehmung und sensorischen Defiziten, etwa bei Polyneuropathien oder Verletzungen des peripheren Nervensystems. Eine Schädigung des Nerven äußert sich mit Sensibilitätsstörungen am lateralen Fußrand und der Wade.

Die Neurographie des Nervus suralis ist eine elektrophysiologische Untersuchung, mit der die Funktion des Nervs überprüft werden kann. Dabei wird die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und die Amplitude des sensiblen Nervenaktionspotentials (SNAP) gemessen. Veränderungen dieser Parameter können auf eine Schädigung des Nervs hinweisen.

Neurographie des Nervus Suralis

Die Neurographie des Nervus suralis ist eine Standarduntersuchung zur Beurteilung peripherer Neuropathien. Sie dient der Diagnostik axonaler und demyelinisierender Läsionstypen und kann helfen, verschiedene Arten von Polyneuropathien zu differenzieren.

Methodik

Bei der Neurographie des Nervus suralis werden Oberflächen- oder Nadelelektroden verwendet, um das Nervenantwortpotenzial zu stimulieren und zu registrieren. Die Stimulation erfolgt in der Regel antidrom (entgegen der natürlichen Nervenleitrichtung) oder orthodrom (in natürlicher Nervenleitrichtung).

Die Ableitelektrode wird typischerweise 12-15 cm proximal und lateral der Achillessehne platziert, während die Stimulation zwischen Außenknöchel und Ferse erfolgt. Die Referenzelektrode wird an der Fußaußenkante platziert.

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Wichtige technische Parameter bei der Neurographie des Nervus suralis sind die Reizdauer (typischerweise 0,2 ms) und die Reizstärke, die das 3-4-fache der sensiblen Schwelle betragen sollte.

Normalwerte

Die Normalwerte für die NLG und die Amplitude des SNAP sind altersabhängig und können zwischen verschiedenen Labors variieren. In der Regel werden die Normalwerte als Mittelwert ± 2 Standardabweichungen angegeben.

Faktoren wie Alter, Körpergröße, Geschlecht und Temperatur können die NLG und die Amplitude des SNAP beeinflussen. Mit zunehmendem Alter nehmen die NLG und die Amplitude tendenziell ab.

Interpretation

Eine Verlängerung der Latenz oder eine Reduktion der Amplitude des SNAP können auf eine Schädigung des Nervus suralis hinweisen. Eine normale NLG liegt typischerweise bei etwa 40 m/s.

Ein fehlendes SNAP kann verschiedene Ursachen haben, wie z. B. eine schwere axonale Degeneration, eine demyelinisierende Neuropathie oder eine anatomische Variante des Nervs.

Orthodrome vs. Antidrome Technik

Die orthodrome Technik erfordert weniger Reizstärke, während die antidrome Technik eine bessere Definition der Latenz ermöglicht.

Oberflächenelektrode vs. Nadelelektrode

Nadelelektroden ermöglichen eine präzisere Platzierung am Nerv und können höhere Amplituden des SNAP erfassen. Oberflächenelektroden sind weniger invasiv, erfassen aber oft niedrigere Amplituden.

Differenzierung von Neuropathie-Typen

Die Neurographie des Nervus suralis kann helfen, verschiedene Arten von Neuropathien zu differenzieren. Bei axonalen Neuropathien ist typischerweise die Amplitude des SNAP reduziert, während die NLG normal oder nur geringfügig verlangsamt ist. Bei demyelinisierenden Neuropathien ist die NLG deutlich verlangsamt, während die Amplitude des SNAP normal oder nur geringfügig reduziert sein kann.

Sural-Sparing-Muster

Bei einigen Polyneuropathien, insbesondere bei der diabetischen Polyneuropathie, kann ein sogenanntes Sural-Sparing-Muster beobachtet werden. Dabei ist die Amplitude des SNAP des Nervus suralis im Vergleich zu anderen Nerven (z. B. Nervus medianus oder Nervus ulnaris) relativ gut erhalten.

Small-Fiber-Neuropathie

Bei der Small-Fiber-Neuropathie sind die Aδ- und C-Fasern betroffen, während die Neurographie des Nervus suralis in der Regel normal ist.

Kompressionssyndrome und Verletzungen

Der Nervus suralis kann auch durch Kompression oder Verletzungen geschädigt werden. Eine Kompression kann beispielsweise durch enge Schuhe oder eine ungünstige Körperhaltung verursacht werden. Verletzungen können durch direkte Traumata, wie z. B. Schnitte oder Stiche, entstehen.

Eine Läsion des Nervus suralis führt typischerweise zu Gefühlsstörungen oder Taubheit im innervierten Bereich. In einigen Fällen können auch Schmerzen auftreten.

Operative Bedeutung

Der Nervus suralis wird oft als Spendernerv für Nerventransplantationen verwendet, da er entnommen werden kann, ohne wesentliche funktionelle Beeinträchtigungen zu verursachen. Der Nerv wird typischerweise am Bein entnommen und zur Rekonstruktion anderer peripherer Nerven verwendet.

Die Entnahme des Nervus suralis kann jedoch auch zu Komplikationen führen, wie z. B. Schmerzen, Sensibilitätsstörungen oder die Bildung eines Neuroms (Nervenknoten) am Entnahmeort.

Sonographie des Nervus Suralis

Die Sonographie ist eine weitere Methode zur Beurteilung des Nervus suralis. Sie kann zur Darstellung des Nervs und zur Identifizierung von möglichen Kompressionen oder Verletzungen eingesetzt werden.

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