Sympathikus Beruhigen: Neuraltherapie und Akupunktur als integrative Therapieansätze

In der heutigen schnelllebigen Welt, in der Stressoren allgegenwärtig sind, suchen viele Menschen nach Wegen, ihr vegetatives Nervensystem (VNS) zu beruhigen und das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wiederherzustellen. Integrative medizinische Ansätze wie Neuraltherapie und Akupunktur bieten hier vielversprechende Möglichkeiten.

Das Vegetative Nervensystem (VNS) und seine Bedeutung

Das vegetative Nervensystem (VNS), auch autonomes Nervensystem genannt, ist ein übergeordnetes Steuer- und Regelsystem des Körpers. Es steuert lebensnotwendige Organsysteme wie Herzschlag, Atmung, Verdauung, Hormonsystem und Immunsystem, ohne dass wir diese willentlich beeinflussen können. Das VNS besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  • Sympathikus: Der "anregende" Teil des VNS, zuständig für die "Kampf- oder Flucht"-Reaktion. Er aktiviert den Körper in Stresssituationen, erhöht Herzfrequenz und Blutdruck, spannt die Muskulatur an und reduziert die Verdauungsaktivität.
  • Parasympathikus: Der "beruhigende" Teil des VNS, zuständig für Entspannung und Regeneration. Er senkt Herzfrequenz und Blutdruck, fördert die Verdauung und unterstützt den Energieaufbau.

Ein gesundes VNS befindet sich in einem dynamischen Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus. In unserer modernen Gesellschaft sind wir jedoch häufig chronischem Stress ausgesetzt, der zu einer Überaktivierung des Sympathikus und einer Unterdrückung des Parasympathikus führen kann. Dies kann sich in einer Vielzahl von Beschwerden äußern, darunter:

  • Gelenkschmerzen und Wirbelsäulenbeschwerden mit muskulären Verspannungen
  • Verdauungsstörungen mit Durchfall und Verstopfung
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Erschöpfung und Burnout
  • Angstzustände und Depressionen
  • Chronische Schmerzen

VNS-Analyse: Den Zustand des vegetativen Nervensystems erfassen

Die VNS-Analyse, auch bekannt als Herzratenvariabilität (HRV)-Messung, ist eine nicht-invasive Methode, um den Zustand des vegetativen Nervensystems zu beurteilen. Dabei wird die Variabilität der Zeitintervalle zwischen einzelnen Herzschlägen gemessen. Eine hohe HRV deutet auf eine gute Anpassungsfähigkeit des VNS und ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus hin, während eine niedrige HRV auf eine Dysregulation und eine erhöhte Anfälligkeit für Stress und Krankheiten hindeutet.

Die VNS-Analyse kann im Rahmen der Integrativen Speziellen Schmerztherapie und zur Therapiekontrolle im Verlauf von Akupunkturbehandlungen, Mesotherapie, Ayurvedischer Marma-Therapie, Yoga und MBSR (Atem- und Achtsamkeitsübungen) eingesetzt werden. Sie ermöglicht es, den Therapieerfolg objektiv zu beurteilen und die Behandlung bei Bedarf anzupassen.

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Neuraltherapie: Störfelder beseitigen und die Selbstheilungskräfte aktivieren

Die Neuraltherapie ist ein alternativmedizinisches Verfahren, das auf der Annahme basiert, dass chronische Entzündungsherde, sogenannte "Störfelder", das vegetative Nervensystem irritieren und den Körper unter Dauerstress setzen können. Diese Störfelder können sich an verschiedenen Stellen im Körper befinden, z.B. an Narben, Zähnen, Mandeln oder im Bereich des Beckens.

Ziel der Neuraltherapie ist es, diese Störfelder zu identifizieren und mit gezielten Injektionen eines Lokalanästhetikums zu behandeln. Durch die Injektion soll der Teufelskreis der chronischen Entzündung unterbrochen und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.

Es gibt verschiedene Formen der Neuraltherapie:

  • Segmenttherapie: Hierbei wird das Lokalanästhetikum in die Haut und das Gewebe im Einflussbereich eines bestimmten Spinalnerven gespritzt, um Nervenreize zu dämpfen und Schmerzen zu lindern.
  • Erweiterte Segmenttherapie: Bei dieser Form der Neuraltherapie wird das Lokalanästhetikum in die Nähe von Nervenknoten des vegetativen Nervensystems (Ganglien) gespritzt, um das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wiederherzustellen.
  • Störfeldtherapie: Hierbei wird das Lokalanästhetikum direkt in das vermutete Störfeld gespritzt, um dessen Fernwirkung auf andere Körperbereiche zu unterbrechen.

Akupunktur: Den Energiefluss harmonisieren und Schmerzen lindern

Die Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, bei der feine Nadeln an bestimmten Punkten des Körpers gestochen werden, um eine therapeutische Wirkung zu erzielen. Der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zufolge fließt die Lebensenergie (Qi) auf Leitbahnen, den sogenannten Meridianen, durch den Körper. Ist der Energiefluss gestört, können Krankheiten und Schmerzen entstehen.

Die Akupunktur soll Blockaden des Qi-Flusses beseitigen und den Energiefluss harmonisieren. Neuere Studien deuten darauf hin, dass die Akupunktur die Ausschüttung von schmerzlindernden und stimmungsaufhellenden Substanzen wie Serotonin und Endorphinen auslösen kann. Die Reaktion des Nervensystems auf den lokalen Schmerzreiz könnte sich reflektorisch auf andere Organe und Gewebe auswirken und auf diese Weise sowohl die Psyche als auch den Körper beeinflussen.

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Weitere integrative Therapieansätze zur Beruhigung des Sympathikus

Neben Neuraltherapie und Akupunktur gibt es eine Vielzahl weiterer integrativer Therapieansätze, die dazu beitragen können, den Sympathikus zu beruhigen und das vegetative Nervensystem zu regulieren:

  • Mind-Body-Medizin: Diese umfasst achtsamkeitsbasierte Methoden wie Entspannungstechniken, Meditation, Yoga, Tai-Chi oder Chigong, die darauf abzielen, das Zusammenspiel von Geist, Psyche, Körper und Verhalten zu verbessern und Stress zu reduzieren.
  • Ordnungstherapie: Diese beinhaltet eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung, Stressmanagement und sozialen Beziehungen, um die Selbstregulationsfähigkeit des Körpers zu stärken.
  • Massagetherapie: Verschiedene Massagetechniken wie klassische Massage, Reflexzonenmassage, Shiatsu-Massage und Gua Sha-Massage können Verspannungen lösen, die Durchblutung fördern und das vegetative Nervensystem beruhigen.
  • Lymphdrainage: Diese sanfte Massagetherapie regt das lymphatische System an und sorgt für den Abtransport von Gewebeflüssigkeit, was Schwellungen reduziert und Schmerzen lindern kann.
  • Hydrotherapie: Wechselbäder und andere Wasseranwendungen können die Regulation des vegetativen Nervensystems anregen.
  • Schlafhygiene: Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus und eine angenehme Schlafumgebung fördern einen erholsamen Schlaf und unterstützen die Regeneration des Körpers.

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