Fortbildungen in der Logopädie: Neurologische Schwerpunkte und Dysphagiemanagement

Die Logopädie spielt eine entscheidende Rolle in der Rehabilitation von Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Sprachstörungen (Aphasien, Dysarthrien), Sprechstörungen (Sprechapraxie) und Schluckstörungen (Dysphagien) sind häufige Folgen von neurologischen Schädigungen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Um diesen Herausforderungen adäquat zu begegnen, ist eine kontinuierliche Fortbildung für Logopäden unerlässlich. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten neurologischen Schwerpunkte in der logopädischen Fortbildung und fokussiert insbesondere auf das Dysphagiemanagement bei neurologischen Erkrankungen.

Bedeutung neurologischer Fortbildungen für Logopäden

Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Schädel-Hirn-Trauma (SHT) können vielfältige Auswirkungen auf die Kommunikations- und Schluckfähigkeit haben. Logopäden, die sich auf neurologische Störungsbilder spezialisieren, benötigen ein fundiertes Wissen über:

  • Neuroanatomie und Neurophysiologie: Verständnis der Strukturen und Funktionen des Nervensystems, die für Sprache, Sprechen und Schlucken verantwortlich sind.
  • Pathophysiologie neurologischer Erkrankungen: Kenntnisse über die Ursachen, Verläufe und Auswirkungen verschiedener neurologischer Erkrankungen auf die Kommunikations- und Schluckfunktionen.
  • Diagnostische Verfahren: Anwendung spezifischer diagnostischer Methoden zur Beurteilung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen bei neurologischen Patienten.
  • Therapeutische Interventionen: Auswahl und Anwendung evidenzbasierter Therapieansätze zur Verbesserung der Kommunikations- und Schluckfähigkeit.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Kooperation mit anderen Fachdisziplinen wie Neurologen, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Pflegekräften, um eine umfassende Patientenversorgung zu gewährleisten.

Schwerpunkte neurologischer Fortbildungen

Logopädische Fortbildungen mit neurologischem Schwerpunkt decken ein breites Spektrum an Themen ab, darunter:

Aphasie

Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die häufig nach einem Schlaganfall auftritt. Sie beeinträchtigt die Fähigkeit, Sprache zu verstehen, zu sprechen, zu lesen oder zu schreiben. Fortbildungen im Bereich Aphasie umfassen:

  • Diagnostik von Aphasie: Sprachsystematisches Aphasiescreening (SAPS), Assessmentinstrumente in der Aphasie
  • Therapieansätze: Modellorientierte Aphasietherapie, Patholinguistischer Ansatz, Kommunikative Aphasietherapie auf neurolinguistischer Grundlage (MODAK®), Komplexitätsansatz, Fehlerfreies Lernen, Constraint Induced Aphasia Therapy (CIAT), Melodische Intonationstherapie (MIT), KRAN® - Komplexe Ressourcenorientierte Aphasietherapie und NLP, VNeST - Satzproduktion in der Aphasietherapie
  • Spezielle Themen: Aphasie-Intensivtherapie, Exekutivfunktionen bei Aphasie, Gesprächsfähigkeit, systemische und bedürfnisorientierte Aphasietherapie, alltagsorientierte Aphasiediagnostik und -therapie, SpAT® - SprechApraxieTherapie bei schwerer Aphasie - SpAT® in Kombination mit MODAK®, Ressourcenorientierte Kommunikation und kreative Lösungsansätze für die logopädische Therapie von Menschen mit Demenz

Dysarthrie

Dysarthrie ist eine Sprechstörung, die durch eine Beeinträchtigung der motorischen Kontrolle der Sprechmuskulatur verursacht wird. Sie kann die Artikulation, Atmung, Stimmgebung undProsodie beeinträchtigen. Fortbildungen im Bereich Dysarthrie umfassen:

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  • Diagnostik von Dysarthrie:
  • Therapieansätze: Symptomorientierte Dysarthrophonie-Therapie
  • Spezielle Themen: Stimm- und Sprechtherapie bei MS, Neuro 360° - Logopädie kann mehr bei MS (Re-Akt Ansatz), ALS & Morbus Parkinson

Sprechapraxie

Sprechapraxie ist eine motorische Sprechstörung, die die Planung und Programmierung von Sprechbewegungen beeinträchtigt. Betroffene haben Schwierigkeiten, Laute, Silben und Wörter korrekt auszusprechen, obwohl die Sprechmuskulatur selbst nicht gelähmt ist. Fortbildungen im Bereich Sprechapraxie umfassen:

  • Diagnostik von Sprechapraxie:
  • Therapieansätze: SpAT® - SprechApraxieTherapie bei schwerer Aphasie - SpAT® in Kombination mit MODAK®
  • Spezielle Themen: Fachtherapeut Neurogene Sprechstörungen - Teil Sprechapraxie

Dysphagie

Dysphagie ist eine Schluckstörung, die das sichere und effiziente Schlucken von Nahrung und Flüssigkeiten beeinträchtigt. Sie kann zu Aspiration (Eindringen vonMaterial in die Atemwege), Malnutrition, Dehydration und Pneumonie führen. Dysphagie ist ein häufiges Problem bei neurologischen Erkrankungen, insbesondere bei Schlaganfall und Morbus Parkinson.

Dysphagiemanagement bei Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die nicht nur die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit, sondern auch die Schluckfunktion beeinträchtigt. Das Seminar bietet Logopäden und Logopädinnen die Möglichkeit, ihr Fachwissen über die komplexen Zusammenhänge von Anatomie, Physiologie und Parkinson zu vertiefen. Neben fundierten Inhalten erhalten die Teilnehmenden praxisnahe Methoden und Strategien zur Diagnostik und Therapie von Dysphagie bei Parkinson-Patienten.

In Deutschland sind 400.000 Menschen von Morbus Parkinson betroffen. Bei 70-80% tritt im Verlauf eine Dysphagie auf. Ein fundiertes Wissen über Parkinson und seine Therapieansätze ist für die logopädische Behandlung essenziell. In diesem Seminar werden Pathophysiologie, therapeutische Methoden und präventive Ansätze in der Dysphagietherapie beleuchtet.

Fortbildungen im Bereich Dysphagie umfassen:

  • Anatomie und Physiologie des Schluckens: Umfassendes Verständnis der am Schluckakt beteiligten Strukturen und Funktionen.
  • Ätiologie und Pathophysiologie von Dysphagie: Kenntnisse über die Ursachen und Mechanismen von Schluckstörungen bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen.
  • Diagnostische Verfahren: Klinische Schluckuntersuchung (KSU), Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckens (FEES), Videofluoroskopie.
  • Therapeutische Interventionen:
    • Restituierende Verfahren: Übungen zur Verbesserung der Muskelkraft, Koordination und Sensibilität der am Schlucken beteiligten Muskulatur.
    • Kompensatorische Strategien: Anpassung der Körperhaltung, Nahrungskonsistenz und Schlucktechniken, um das Schlucken zu erleichtern und Aspiration zu verhindern.
    • Manuelle Schlucktherapie: Anwendung manueller Techniken zur Verbesserung der Schluckfunktion.
    • Neurostimulation: Einsatz von Neurostimulationsverfahren wie transkranielle Magnetstimulation (TMS) oder transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) zur Verbesserung der Schluckfunktion.
  • Trachealkanülenmanagement: Versorgung von Patienten mit Trachealkanüle, einschließlich Entblockung, Sprechkanülenanpassung und Dekanülierung.
  • Ernährungsmanagement: Anpassung der Ernährung an die individuellen Bedürfnisse des Patienten, einschließlich Kostaufbau undEnterale Ernährung.
  • Aspirationspneumonieprophylaxe: Maßnahmen zur Vermeidung von Aspiration und Pneumonie.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Kooperation mit Ärzten, Pflegekräften,Ergotherapeuten und Physiotherapeuten, um eine umfassende Patientenversorgung zu gewährleisten.
  • Spezielle Themen: Dysphagie bei Demenz, Dysphagie bei Trachealkanüle, Pädiatrische Dysphagien, Dysphagie bei Kopf-Hals-Tumoren, Neurogene Dysphagien, Funktionelle Dysphagietherapie (FDT), Manuelle Schlucktherapie, Trachealkanülenmanagement, Schlucken in der Geriatrie, Autoimmune Dysphagien, Dysphagien bei Myasthenien, Dysphagietherapie bei Menschen im Wachkoma, Ausatemtrainer in der Dysphagietherapie, Klinischer Nutzen von Capsaicin bei neurogener Dysphagie, Dysphagien bei Atypischen Parkinsonsyndromen, Amyotrophe Lateralsklerose und das Spektrum der Motoneuronenerkrankungen, Ischämischer Schlaganfall: Seltene Ursachen, Hirnnervenassessment, Logopädie in der stationären Frührehabilitation (Phase B) bei dysphagischen Patienten (mit und ohne Trachealkanüle), Presbyphagie - Schlucken im Alter, Schlucksicherheit und Schluckeffizienz - Capsaicin und PEP-Atemtrainer, Möglichkeiten der medikamentösen Speichelreduktion, Stimulationstechniken bei nicht kooperationsfähigen dysphagischen Patienten, Fachtherapeut Dysphagie

Auswahl von Fortbildungen

Bei der Auswahl von Fortbildungen sollten Logopäden auf folgende Kriterien achten:

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  • Qualifikation der Dozenten: Renommierte Dozenten mit Expertise im jeweiligen Fachgebiet.
  • Evidenzbasierung: Vermittlung von Therapieansätzen, die wissenschaftlich fundiert und evidenzbasiert sind.
  • Praxisnähe: Vermittlung von praktischen Fertigkeiten und Strategien, die im Therapiealltag umgesetzt werden können.
  • Interdisziplinäre Aspekte: Berücksichtigung der interdisziplinären Zusammenarbeit und derNotwendigkeit einer umfassenden Patientenversorgung.
  • Aktualität: Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse und Entwicklungen im Bereich der neurologischen Rehabilitation.
  • Zertifizierung: Zertifizierung der Fortbildung durch anerkannte Fachverbände.

Fortbildungsanbieter

Es gibt zahlreiche Anbieter von logopädischen Fortbildungen mit neurologischem Schwerpunkt, darunter:

  • FortbildungsWERK
  • Heimerer Akademie
  • Das Dysphagiezentrum
  • Loguan
  • ErgoWebinar
  • ProLog WISSEN
  • BDH Klinik Elzach
  • N.A.P. Akademie
  • Logomania
  • TherAkademie
  • Logopädie PLUS-Akademie
  • Deutsches Pflegeportal

Diese Anbieter offerieren ein breites Spektrum an Fortbildungen, sowohl online als auch in Präsenz, zu verschiedenen Themenbereichen der neurologischen Logopädie.

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