Demenz, Burnout und ihre Unterschiede: Ein umfassender Überblick

Die Diagnose einer Demenzerkrankung ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Familien grundlegend verändert. Besonders herausfordernd ist die Situation, wenn die Erkrankung in jüngerem Alter auftritt, also vor dem 65. Lebensjahr. In solchen Fällen gestaltet sich der Weg zur Diagnose oft schwierig, da Ärzte bei jüngeren Menschen mit Gedächtnisproblemen oder Konzentrationsschwäche zunächst eher an Depressionen oder ein Burnout-Syndrom denken.

Die Besonderheiten der Demenz im jüngeren Alter

Während Demenzerkrankungen im Allgemeinen als Alterserkrankung gelten, sind auch jüngere Menschen betroffen. In Deutschland sind etwa 24.000 Menschen unter 65 Jahren von einer Demenz betroffen. Obwohl sich die Demenz bei jüngeren Menschen nicht grundsätzlich von der bei älteren unterscheidet, bringt sie doch besondere Herausforderungen mit sich.

Schwierigkeiten bei der Diagnose

Einer der Hauptunterschiede liegt in der Diagnose. Bei jüngeren Menschen ziehen Ärzte bei Gedächtnisproblemen oder Konzentrationsschwäche oft zunächst andere Ursachen wie Depressionen oder Burnout in Betracht. Dies führt oft zu einer langen Odyssee, bis die tatsächliche Diagnose gestellt wird. Im Durchschnitt dauert es zwei bis drei Jahre, bis jüngere Betroffene die richtige Diagnose erhalten.

Frühzeitige Diagnose als Chance

Trotz der Schwierigkeiten bei der Diagnose haben jüngere Betroffene oft den Vorteil, dass ihre Erkrankung in einem früheren Stadium erkannt wird. Dies liegt daran, dass sich Probleme am Arbeitsplatz frühzeitig bemerkbar machen und nicht einfach als "Altersvergesslichkeit" abgetan werden können. Eine frühzeitige Diagnose birgt die Chance, das Leben mit der Krankheit bewusst zu gestalten und selbstbestimmt Vorsorge für die Zukunft zu treffen.

Ressourcen und Unterstützung

Jüngere Demenzkranke können häufig auf größere Ressourcen zurückgreifen als ältere. Sie sind meist körperlich fitter und vertrauter mit moderner Technik, die sie als Erinnerungshilfen nutzen können. Zudem engagieren sich jüngere Betroffene zunehmend öffentlich, um über ihre Erkrankung zu informieren und Unterstützungsangebote einzufordern. Es gibt bereits Gruppen von und für Menschen mit beginnender Demenz, die sich gegenseitig unterstützen und die Interessen der Betroffenen vertreten.

Lesen Sie auch: Fortgeschrittene Demenz: Ein umfassender Überblick

Finanzielle und familiäre Herausforderungen

Der Ausstieg aus dem Beruf stellt für jüngere Demenzkranke oft eine große finanzielle Belastung dar. Wenn zusätzlich finanzielle Verpflichtungen wie ein Hauskredit bestehen, kann die Situation für die Familien sehr schwierig werden. Die gesunde Partnerin oder der gesunde Partner muss dann die Hauptverantwortung für das Familieneinkommen übernehmen und kann die Arbeitszeit nicht reduzieren, um für den Erkrankten da zu sein.

Auch die Rollen innerhalb der Familie verändern sich. Angehörige müssen miterleben, wie der Betroffene zunehmend Kompetenzen verliert und auf Hilfe angewiesen ist. Erwartungshaltungen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten müssen neu definiert werden. Besonders schwierig ist die Situation, wenn noch minderjährige Kinder in der Familie leben. Es ist wichtig, offen mit der Krankheit umzugehen und die Fragen der Kinder zu beantworten, um sie zu unterstützen.

Medizinische Besonderheiten

Auch aus medizinischer Sicht gibt es bei Demenzen im jüngeren Lebensalter einige Besonderheiten. Der Anteil an seltenen Demenzkrankheiten ist in dieser Gruppe höher als bei älteren Betroffenen. Während im höheren Alter die Alzheimer-Krankheit für bis zu zwei Drittel der Demenzen verantwortlich ist, spielt sie im jüngeren Alter nur bei etwa einem Drittel eine Rolle. An zweiter Stelle stehen die Frontotemporalen Degenerationen, dann durchblutungsbedingte Demenzen, die Lewy-Körper-Krankheit und eine Vielzahl seltener neurologischer Erkrankungen oder Infektionserkrankungen des Gehirns. Auch erbliche Formen von Demenzerkrankungen spielen bei jüngeren Betroffenen eine größere Rolle.

Eine weitere Besonderheit ist, dass das Erscheinungsbild der Demenzerkrankungen bei jüngeren Menschen häufig untypisch ist. Es können zunächst Änderungen im Verhalten, Wortfindungsstörungen oder Schwierigkeiten mit dem Sehen auftreten, während das Gedächtnis nicht beeinträchtigt ist. Diese untypischen Symptome erfordern oft eine umfangreiche Diagnostik durch einen Spezialisten.

Mangel an passenden Unterstützungsangeboten

Bisher gibt es nur wenige Beratungs- und Unterstützungsangebote, die sich speziell an jüngere Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen richten. Jüngere Betroffene haben oft andere Interessen und Bedürfnisse als ältere Menschen mit Demenz. Projekte wie eine Tagespflegeeinrichtung für jüngere Demenzkranke sind daher sehr zu begrüßen.

Lesen Sie auch: Wechselwirkungen zwischen Schmerzmitteln und Demenz

Depression oder Demenz? Die Rolle der Pseudodemenz

Im Alter steigt das Risiko für Depressionen erheblich. Neben typischen Symptomen wie Antriebsverlust, Verstimmungen und Trauer kann es auch zu Störungen der Konzentrations- und Merkfähigkeit kommen. In solchen Fällen wird oft fälschlicherweise eine Demenz vermutet. Doch bei einer tiefgehenden medizinischen Analyse entpuppt sich die Ursache oft als sogenannte Pseudodemenz.

Schwierigkeiten bei der Diagnose

Eine sichere Diagnose ist oft schwierig, da neben den psychischen Beschwerden auch körperliche Symptome in den Vordergrund treten können. Experten schätzen, dass etwa 10 bis 20 Prozent aller Rentner über 65 von einer Depression betroffen sind. Die Auslöser für Depressionen sind bei älteren Menschen oft Gesundheitsprobleme, körperliche Beschwerden oder Einsamkeit.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei leichteren Depressionen kann bereits eine Psychotherapie ausreichend sein. Bei mittleren bis schweren Beschwerden kann eine Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva eine spürbare Besserung erreichen. Auch Entspannungs- und Meditationskurse sowie Sport und regelmäßige Bewegung können hilfreich sein.

Stress und Vergesslichkeit: Der Zusammenhang

Stress gehört zum Alltag, kann aber bei Überlastung schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben und sogar Demenz begünstigen. Während gesunder Stress die Leistungskraft kurzfristig erhöhen kann, wirkt sich negativer Stress langfristig negativ auf die Gesundheit aus.

Körperliche Folgen von Stress

Unter Stress spannt sich die Muskulatur an, Atmung und Puls beschleunigen sich, Blutzucker und Blutdruck steigen. Bleiben Entspannungsphasen aus, kann der Körper die Stresshormone nicht abbauen und bleibt dauerhaft in diesem Alarmzustand. Dies kann zu Beschwerden wie Magenschmerzen, Durchfall, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Zittern bei Demenz

Stress und Gedächtnis

Auch das Gehirn leidet unter langfristigem Stress. Das Gedächtnis lässt nach, und die Konzentrationsfähigkeit wird gemindert. Schuld daran sind die Stresshormone Adrenalin und Cortisol, die in belastenden Situationen ausgeschüttet werden. Chronischer Stress kann Teile der Nervenzellen im Hippocampus deaktivieren und sogar schrumpfen lassen. Zudem steigt die Anfälligkeit für demenzielle Prozesse und Phobien.

Multitasking als Belastung

Auch das in stressigen Phasen verstärkt praktizierte Multitasking ist für das Gehirn eine Belastung und kann zu Gedächtnisstörungen führen. Das Gehirn ist nicht in der Lage, sich gleichzeitig auf zwei komplexe Tätigkeiten zu konzentrieren.

Demenz und Depression: Eine häufige Kombination

Die häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Alter sind Depressionen und Demenzen. Sie treten oft zusammen auf. Etwa jeder fünfte Mensch mit Demenz leidet auch an einer deutlichen depressiven Störung.

Symptome von Demenz und Depression

Die Diagnose, ob primär eine Depression oder eine Demenz vorliegt oder beides, ist nicht immer einfach. Für eine Demenz sprechen Desorientiertheit, Konfabulationen, ein zeitlich unscharfer Beginn der Erkrankung und Hirnwerkzeugstörungen. Für eine zusätzliche schwerere Depression bei Demenz sprechen Schuldgefühle, Lebensüberdrussgedanken, Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust, Interessensverlust und psychomotorische Hemmung oder Agitation.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine erfolgreiche Behandlung der Depression würde Menschen mit Demenz ebenso helfen wie ihren Betreuerinnen und Betreuern. Bei leichten oder mittelschweren Depressionen ist eine psychotherapeutische Behandlung mindestens ebenso erfolgversprechend wie Antidepressiva.

Wenn der Geist zu altern beginnt: Was steckt dahinter?

Ältere Menschen beklagen häufig eine schwindende Konzentration und wachsende Vergesslichkeit. Doch was steckt dahinter? Was ist eine reguläre, altersbedingte Entwicklung und wann liegt eine Erkrankung etwa in Form einer Demenz vor? Denn nicht immer ist eine nachlassende Konzentration krankheitsbedingt: Manchmal ist es einfach zu viel Stress und es steht am Ende der Anamnese nicht die Diagnose Demenz, sondern Burn-out. Klarheit kann hier eine umfassende medizinische Untersuchung schaffen.

Interdisziplinäre Versorgung geriatrischer Patienten

Um eine optimale medizinische Versorgung geriatrischer Patienten zu gewährleisten, spielt die enge Vernetzung der verschiedenen Fachabteilungen eine besondere Rolle. Die Medizin muss gezielt geriatrische, also altersspezifische Syndrome behandeln, um die Gesundheit zu fördern. Dabei geht es nicht nur um die Betrachtung einer spezifischen Erkrankung.

Die Rolle der Depression beim Muskelabbau

Eine Depression als psychische Erkrankung führt häufig zu einer Antriebsstörung, zu Appetitmangel und somit zu einer verminderten Nahrungsaufnahme. Dies wiederum verstärkt einerseits die Immobilität und damit den Muskelabbau, anderseits zeigt sich auch ein zunehmendes Rückzugsverhalten, also soziale Isolation. In diesem Teufelskreis gibt es ein Wechselspiel zwischen der psychischen Erkrankung Depression und dem körperlichen Muskelabbau.

Die Gedächtnisambulanz als Anlaufstelle

Die Gedächtnisambulanz in der Psychiatrischen Poliklinik dient als Anlaufstelle für Menschen, deren kognitive Leistung auffallend abbaut. In speziellen Sprechstunden werden die Ursachen für die nachlassenden kognitiven Leistungen herausgearbeitet, um so frühzeitig reagieren zu können.

Reversible kognitive Beeinträchtigungen

In manchen Fällen sind kognitive Beeinträchtigungen reversibel, also umkehrbar. So kann es manchmal der Verlust des Ehepartners, akuter Stress, eine Schilddrüsenfehlfunktion oder ein Vitaminmangel sein, die zu einer Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten führen. Solche Ursachen sind sehr gut behandelbar.

Die Neurogerontopsychiatrische Tagesklinik

Eine in Würzburg einzigartige Möglichkeit für Patienten mit einer entsprechenden Diagnose bietet die Neurogerontopsychiatrische Tagesklinik. Die gemeinsame Einrichtung der Kliniken für Neurologie und Psychiatrie des UKW wird in Kooperation mit dem Bürgerspital in dessen Räumlichkeiten in der Semmelstraße betrieben, um ein innenstadtnahes Angebot für geriatrische Patienten zu ermöglichen. Das Besondere: die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche unter einem Dach. So können geriatrische Patienten mit verschiedenen psychischen und neurologischen Erkrankungen zentral behandelt werden und dabei weiterhin zu Hause wohnen bleiben.

Prävention von psychischen Erkrankungen

Dazu gehört jedoch nicht nur die Behandlung im Akutfall, sondern auch die Prävention. Mit präventiven Maßnahmen ist bei psychischen und neurologischen Erkrankungen vieles möglich. Eine ausgewogene Ernährung, ein bewusster Lebensstil und ausreichend Bewegung gehören hier ebenso dazu wie das Reduzieren von psychosozialen Stressfaktoren, die dann auslösend wirken können, oder, etwa im Falle einer Depression, eine medikamentöse Therapie, die das Ausbrechen der Krankheit verhindert.

Burnout und Demenz: Wenn Muskeln schwinden, verliert auch unser Kopf an Kraft

Unsere Welt fordert durch die derzeitige Entwicklung immer mehr geistige Leistung - schnellere Entscheidungen, ständige Erreichbarkeit, Multitasking im Dauerlauf. Doch während der Kopf rund um die Uhr gefordert ist, kommt der Körper oft zu kurz. Und genau hier beginnt das Problem: Muskelabbau wird zur stillen Begleiterscheinung und Krise unserer modernen Lebensweise, mit ungeahnten Folgen.

Der Zusammenhang zwischen Muskeln und Gehirn

Muskeln sind mehr als nur Kraftspeicher. Sie beeinflussen unsere Hormonlage, bremsen Stressreaktionen und wirken über sogenannte Myokine direkt auf das Gehirn. Wer seine Muskelmasse verliert, verliert damit auch ein Stück Schutz vor Erschöpfung, Überlastung und geistigem Abbau. Burnout, Demenz und Muskelverlust gehören zusammen. Sie sind keine getrennten Baustellen, sondern Teil eines größeren Konstrukts. Der Körper verliert seine Widerstandskraft auf mentaler wie physischer Ebene. Regeneration fällt schwerer, innere Unruhe nimmt zu, die Belastbarkeit sinkt. Und mit jedem Jahr ohne gezieltes Training und ausgleichende Gegenmaßnahmen steigt das Risiko für stille Entzündungen und kognitive Einbußen.

Sarkopenie: Ein stiller, aber folgenreicher Prozess

Die Sarkopenie, der natürliche Verlust von Muskelmasse sowie Kraft aufgrund von Alterung, setzt bereits früh und leise und dabei noch oft unbemerkt im Leben ein. Ab dem 25. Lebensjahr verlieren wir jährlich etwa 1 % Muskelmasse, wenn wir unserer Muskulatur keine Anforderungen stellen, diese zu erhalten. Dieser Prozess beschleunigt sich mit zunehmendem Lebensalter. Im voranschreitenden Leben kann dies zu einer erheblichen Einschränkung der Mobilität, einem erhöhten Risiko von Stürzen und schließlich zu Pflegebedürftigkeit führen.

Bewegungsarmut, viszerales Fett und stille Entzündungen

Die heutige Lebensweise und technologische Entwicklung begünstigt Bewegungsmangel und einen sesshaften Lebensstil. Wir sitzen viel, arbeiten am Schreibtisch, fahren Auto, bewegen uns im Alltag kaum noch. Gleichzeitig ernähren sich viele Menschen unausgewogen: zu viel Energiegehalt, Zucker, zu viele industrielle Fette, zu wenig Mikronährstoffe. Das Resultat: eine ungesunde und übermäßige Fettansammlung, vor allem sogenanntes gefährliches Bauchfett (viszerales Fett). Dieses Bauchfett ist metabolisch besonders aktiv, allerdings im negativen Sinn. Es setzt entzündungsfördernde Stoffe frei und begünstigt sogenannte stille, geringgradige Entzündungen („low-grade inflammation“). Dieses Entzündungsgeschehen wiederum gilt als Mitursache für viele u. a. chronische Erkrankungen wie Demenz, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch für psychische Erschöpfungssyndrome wie Burnout.

Stress und Sitzen: Eine brandgefährliche Kombi

Besonders kritisch wird es, wenn chronischer Stress auf Bewegungsmangel trifft. Eine Situation, die im Berufsalltag unserer Moderne schon zur Normalität geworden ist. Viele Menschen arbeiten überwiegend in sitzender Tätigkeit: im Büro, im Homeoffice, im Außendienst. Die tägliche Bewegung reduziert sich dadurch auf ein Minimum, Pausen werden durch noch mehr Bildschirmzeit ersetzt, Erholung durch ständige Erreichbarkeit zusätzlich untergraben. Gleichzeitig steigt der Leistungsdruck enorm. Gerade Berufsfelder mit hoher Verantwortung - etwa im Gesundheitswesen, in der Bildung oder im Management - zeigen laut Studien eine überdurchschnittlich hohe Burnout-Prävalenz. Wenn dann auch noch Training, Schlaf und ausgewogene Ernährung vernachlässigt werden, ist die biologische Abwärtsspirale kaum mehr aufzuhalten: Der Stress bleibt hoch, der Cortisolspiegel ebenso, während die Muskulatur abbaut und die Resilienz obendrauf sinkt.

Burnout: Wenn der Körper die Notbremse zieht

Burnout ist weit mehr als ein Erschöpfungssyndrom mentaler Natur. Es ist eine systemische Reaktion des Körpers auf andauernde Stressbelastung mit sehr tiefgreifenden biologischen Veränderungen, die bis in Muskeln, Gehirn und Immunsystem hineinwirken. Was wir oft als „psychische Krise“ erleben, ist in Wahrheit das sichtbare Ende eines lange hoch überlasteten Systems. Im Zentrum dieser Entwicklung steht das Stresshormon Cortisol. Unter kurzfristigem Stress mobilisiert es Energie, dämpft Entzündungen und sorgt für Leistungsfähigkeit. Ein Überlebensmechanismus der Evolution. Doch unter Dauerstress kippt diese Balance. Chronisch erhöhte Cortisolspiegel hemmen die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, stören die Schlafarchitektur, reduzieren die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus und fördern über katabole Signalwege den Muskelabbau.

Demenz: Muskelverlust geht oft voraus

Demenz wird häufig als rein neurologische Erkrankung betrachtet - doch diese Sicht ist überholt. Zunehmend belegen Studien, dass der körperliche Zustand insbesondere die Muskelgesundheit eine zentrale Rolle in der Entstehung und im Verlauf neurodegenerativer Erkrankungen spielt. Personen mit niedriger Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit oder Skelettmuskelmasse weisen eine signifikant schlechtere kognitive Leistungsfähigkeit auf und umgekehrt besteht ein bidirektionaler Zusammenhang. Muskeltraining beeinflusst zentrale Hirnfunktionen. Es stimuliert unter anderem die Ausschüttung des „brain-derived neurotrophic factor“ (BDNF), eines wachstumsfördernden Proteins, das eng mit Lernprozessen, Gedächtnisbildung und neuronaler Plastizität verknüpft ist. Darüber hinaus verbessert Krafttraining die zerebrale Durchblutung, moduliert entzündliche Prozesse und unterstützt die strukturelle Anpassungsfähigkeit des Gehirns.

Myokine: Die Botenstoffe der Muskeln

Besonders faszinierend ist die Rolle der sogenannten Myokine, hormonähnliche Signalstoffe, die von aktiver Muskulatur produziert werden. Diese Botenstoffe sind nicht nur lokal wirksam, sondern zirkulieren systemisch und beeinflussen verschiedenste Prozesse im Körper: entzündungshemmend, stoffwechselregulierend und neuroprotektiv. Bewegung führt also nicht nur zu sichtbaren Effekten wie Gewichtsreduktion oder Muskelaufbau, sondern auch zu unsichtbaren positiven Veränderungen im Immunsystem, im Gehirn und im Hormonhaushalt.

Das richtige Training: Was Muskeln, Hirn und Psyche brauchen

Entscheidend ist nicht nur, dass man trainiert, sondern wie. Denn nicht jede Form der Bewegung hat denselben Effekt auf Muskulatur, Gehirn und psychische Stabilität. Besonders wirksam ist ein strukturiertes, vielseitiges Trainingsprogramm, das folgende Komponenten verbindet: Krafttraining, Ausdauertraining und Koordinationstraining.

Ernährung: Entzündungshemmer auf dem Teller

Bewegung allein reicht nicht! Auch die Ernährung spielt eine zentrale Rolle in der Prävention von Muskelverlust, Erschöpfung und geistigem Abbau. Eine gezielte, entzündungshemmende Ernährung kann systemische Entzündungen reduzieren und die Muskel- und Gehirngesundheit nachhaltig stärken. Worauf es ankommt: Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und hochwertige Proteine.

Demenz im Frühstadium: Was tun?

Tritt eine Demenz bei Menschen unter 65 Jahren auf, spricht man von einer früh beginnenden Demenz. Im Unterschied zu Menschen mit später einsetzender Demenz verläuft die Erkrankung aggressiver, der geistige Abbau schreitet schneller voran. Oft stehen die Betroffenen noch im Berufsleben. Dies erklärt, weshalb bei fast der Hälfte der noch Berufstätigen zunächst ein Burnout-Syndrom diagnostiziert wurde, sobald untypische Symptome auftraten. Fehldiagnosen sind also keine Seltenheit. Sie haben aber weitreichende Folgen. Sind jüngere Menschen betroffen, kommt es zum Beispiel zu Beeinträchtigungen beim Sprechen, Lesen, Schreiben und Rechnen und zu Störungen bei der visuellen-Raumorientierung. Darüber hinaus spielen psychologische Probleme eine Rolle. Denn das soziale Leben gerät aus dem Takt, junge Menschen können ihren Kindern nicht mehr die benötigte Aufmerksamkeit schenken. Bei den Familienangehörigen setzt ein Rollenwechsel ein. Menschen mit früh einsetzender Demenz haben oft ein höheres Bewusstsein für ihre Erkrankung, was eine Ursache für Angst und Depression ist.

Was bedeutet "Demenz"?

Der Begriff „Demenz“ (lat. Dementia) bedeutet sinngemäß „ohne Geist“. Definiert sind Demenzerkrankungen durch einen Abbau geistiger Fähigkeiten, der dazu führt, dass Alltagskompetenzen mit der Zeit verloren gehen. Zusätzlich treten Orientierungs- und Sprachprobleme auf, die von einer Änderung des Verhaltens und der Persönlichkeit begleitet werden können. Da für eine Demenz ein Komplex aus verschiedenen Symptomen charakteristisch ist, wird sie als Krankheitssyndrom bezeichnet. Mediziner sprechen deshalb auch vom „demenziellen Syndrom“. Obwohl es einige wenige Demenzformen gibt, die auch in jüngeren Jahren auftreten können, gilt Demenz im Allgemeinen als Alterserkrankung.

Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Vergesslichkeit?

Vergesslichkeit bezieht sich auf Dinge, die jedem einmal passieren können - nicht immer ist sie der Vorbote einer Demenzerkrankung. Wenn einen das Gedächtnis allerdings auffällig oft im Stich lässt und auch bei längerem Nachdenken das Vergessene nicht „zurückgeholt“ werden kann, ist ein Arztbesuch ratsam. Demenzkranke vergessen nicht nur Details, sondern ganze Vorgänge und Abläufe.

Tipps für pflegende Angehörige

Wer einen Angehörigen pflegt, bewegt sich oft am Rande der Erschöpfung. Besonders Menschen mit Demenz fordern ihre Pflegekräfte. Es ist wichtig, gut für sich selbst zu sorgen und körperlich und seelisch gesund zu bleiben. Nehmen Sie die Signale Ihres Körpers ernst und achten Sie auf Ihre Gesundheit. Gönnen Sie Ihrem Körper Zeiten für Bewegung und Entspannung. Wenn Sie Ihren Erschöpfungsprozess stoppen wollen, nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Beginnen Sie mit einem „heiligen“ Termin in der Woche, an dem Sie etwas für sich tun. Nehmen Sie Ihrem Angehörigen nicht vorschnell Arbeiten ab. Aufgaben zu haben tut auch den Menschen mit Demenz gut. Sie trainieren dabei ihre Fähigkeiten und behalten ihren Selbstwert. Sorgen Sie für Entlastung, wo Sie können. Pflegende Angehörige brauchen Begleitung, eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner, mit dem sie offen über alle Sorgen und Gefühle sprechen können und der/die sich in die emotionalen Probleme von Angehörigen einfühlen kann.

Wie wirkt sich eine Demenz aus?

Eine Demenz verursacht - neben der eingeschränkten Gedächtnisleistung - verschiedene Probleme im Alltag. Das Gesichtsfeld ist bei Menschen mit Demenz eingeschränkt. Das räumliche Sehen ist beeinträchtigt, es fällt den Betroffenen z. B. schwer zu erkennen, was vorne und was hinten ist. Die Navigation ist erschwert.

tags: #demenz #oder #burnout