Einführung
In der heutigen schnelllebigen und anspruchsvollen Welt ist es wichtiger denn je, auf unsere psychische Gesundheit zu achten. Die Nervenpsychologie befasst sich mit den komplexen Zusammenhängen zwischen unserem Nervensystem und unserem psychischen Wohlbefinden. In diesem Artikel werden wir uns mit dem Thema Nervenzusammenbrüche und Belastungsreaktionen auseinandersetzen, ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten beleuchten und Ihnen wertvolle Tipps und Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige an die Hand geben.
Nervenzusammenbruch oder Belastungsreaktion - Was ist gemeint?
Der Begriff "Nervenzusammenbruch" ist umgangssprachlich und beschreibt eine akute psychische Krise, die meist Ausdruck von chronischem Stress oder einer seelischen Überforderung ist. In der Fachsprache wird dies als akute Belastungsreaktion bezeichnet, eine vorübergehende, aber extreme Reaktion auf ein ebenso extremes Ereignis. Andere Bezeichnungen sind psychischer oder seelischer Schock.
Die Belastungsreaktion ist ein natürlicher Bestandteil des Bewältigungsprozesses unseres Körpers, der uns hilft, in dem Moment mit dem schockierenden Erlebnis umzugehen. Es ist wichtig, dass anwesende Personen angemessen reagieren, damit der Bewältigungsprozess von Anfang an möglichst gut funktioniert.
Je nach zeitlicher Dauer der Symptome wird der Nervenzusammenbruch unterschiedlich definiert:
- Akute Belastungsreaktion: Symptome treten kurz nach dem traumatischen Ereignis bis 48 Stunden danach auf.
- Akute Belastungsstörung: Symptome dauern ab 48 Stunden nach dem Erlebnis bis zu vier Wochen an.
- Akute posttraumatische Belastungsstörung: Symptome überschreiten die vier Wochen und treten bis zu drei Monate nach dem schockierenden Erlebnis weiterhin auf.
- Chronische posttraumatische Belastungsstörung: Symptome treten drei Monate nach dem Ereignis weiterhin auf.
Es gibt auch einen stillen Zusammenbruch, der mit einer langsamen, schleichenden Verschlechterung des psychischen Zustands einhergeht. Im Gegensatz zum akuten Nervenzusammenbruch entwickelt sich ein "stiller Nervenzusammenbruch" im Zuge eines kontinuierlichen Stresslevels oder anderer psychisch belastenden Situationen.
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Ursachen und Symptome einer Belastungsreaktion
Die Ursachen, die eine Belastungsreaktion auslösen können, sind sehr vielfältig. Jedes Ereignis, das ein Trauma auslösen kann, kann auch einen Nervenzusammenbruch zur Folge haben. Ein schwerer Unfall oder Körperverletzung, Krieg oder kriegsähnliche Ereignisse wie ein Terroranschlag, Flucht, Vertreibung, Gewalt oder eine Naturkatastrophe - all diese Dinge können sich auf die Psyche eines Menschen auswirken. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Ob Kinder oder Erwachsene, jeder Mensch kann davon betroffen sein.
Manche Menschen gehören aber zum Beispiel durch ihre Tätigkeit zur Risikogruppe, da sie häufiger mit traumatischen Ereignissen konfrontiert werden. Zu diesen Berufsgruppen gehören Mitarbeitende der Polizei und Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks, der Notfallmedizin und vieler weiterer Organisationen, die im Not- oder Katastrophenfall Hilfe leisten. Aber auch Menschen, die bereits unter körperlichen oder seelischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen leiden, haben ein erhöhtes Risiko, eine Belastungsreaktion zu entwickeln. Außerdem Personen, die erschöpft sind, psychisch verletzbar und denen Strategien fehlen, mit dem Erlebten umzugehen.
Wie sich eine Belastungsreaktion äußert, ist genauso vielfältig, wie ihre möglichen Ursachen und von Mensch zu Mensch verschieden. Die typischen Anzeichen sind:
- Sprachlosigkeit
- Veränderte Wahrnehmung, bei der Betroffene sich selbst oder ihr Umfeld als fremd empfinden
- Einengung des Bewusstseins, Gedanken kreisen unaufhörlich um die auslösende Situation
- Nacherleben der Situation in Form von Alpträumen und Flashbacks, das heißt, die Erinnerung ist so intensiv, als würden Betroffene das Erlebnis noch einmal durchleben
- Lücken in der Erinnerung
- Überreizung, die sich in Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder auch Schreckhaftigkeit zeigt
- Stimmungsschwankungen zwischen Aggression, Wut, Angst, Panik, Trauer, Weinen und Lachen
- Körperliche Reaktionen wie Schweißausbrüche, Herzrasen, Blässe und Übelkeit
Die körperlichen Reaktionen werden unter anderem durch das Stresshormon Cortisol ausgelöst. Es funktioniert wie ein Warnsystem im Körper und animiert uns dazu, eine gefährliche Situation schnellstmöglich zu verlassen, also beispielsweise zu flüchten. Andauernder Stress in Kombination mit langfristiger Erschöpfung und Überforderung kann den Cortisolspiegel dauerhaft erhöhen. Und diese Erhöhung kann schlussendlich auch zu einem Nervenzusammenbruch führen, die dann in Zusammenhang mit einem Burnout-Syndrom steht.
Hilfe bei einer Belastungsreaktion
Traumatische Erlebnisse kommen unvorhergesehen und man kann ihnen nicht vorbeugen. Umso wichtiger ist schnelle, professionelle Unterstützung im Falle ihres Eintretens. So ist es bei einem Unfall wichtig, dass die Rettungskräfte vor Ort schnell reagieren und Betroffene versorgen können. Je nach Situation ist es eventuell auch vonnöten, entsprechend ausgebildete Rettungskräfte zu rufen. Das kann neben der Polizei und dem Rettungsdienst zum Beispiel der psychiatrische Notdienst sein, der etwa einer suizidgefährdeten Person helfen kann. Dieser erste Schritt ist sehr wichtig, wenn eine Situation mit einer unmittelbaren Gefahr für Betroffene und Anwesende einhergeht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Betroffene von ihren Symptomen nachhaltiger befreit werden können, wenn sofort professionelle Hilfe zur Verfügung steht. So werden Betroffene schnell entlastet und es kann verhindert werden, dass die Symptome einer Belastungsreaktion länger andauern oder sogar chronisch werden.
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Selbsthilfemöglichkeiten für Betroffene
Wenn Sie sich aktuell selbst in einer psychischen Krise befinden oder eine Person kennen, bei der das der Fall ist, sollten Sie nicht zögern, professionelle Hilfe zu rufen. Anlaufstellen dafür sind zum Beispiel eine psychiatrische Praxis oder Klinik, der bundesweite Bereitschaftsdienst, die Telefonseelsorge oder die Nummer gegen Kummer für Jugendliche und Kinder.
Die akute Hilfe, die Sie bei diesen Stellen erhalten, kann fließend in eine längerfristige Therapie übergehen. Dabei kommt es ganz darauf an, wie es den Betroffenen geht. Verschwinden die Auswirkungen des Nervenzusammenbruchs nach kurzer Zeit wieder und die hilfesuchende Person fühlt sich stabil, kann der weitere Weg unter Umständen selbstständig und mit der Unterstützung vertrauter Menschen gegangen werden. Dann ist wichtig, dass Betroffene tun, was ihnen guttut und sie ihren Angehörigen signalisieren, wenn Gesprächsbedarf besteht. Andersherum sollten die Angehörigen ihre Gesprächsbereitschaft zeigen.
Längerfristige Behandlung eines Nervenzusammenbruchs
Wenn die Belastungsreaktion stärker ausgeprägt ist oder die Symptome schon länger andauern, ist weitere Hilfe für die Betroffenen sehr wichtig. Je nach Art der Störung und abhängig von der betroffenen Person kommen verschiedene psychologische Therapien infrage. Um zu definieren, welche Therapieform passend ist, findet zu Beginn eine individuelle Beratung statt. Wenn es als hilfreich für den Heilungsprozess angesehen wird, werden zusätzlich therapiebegleitende Medikamente verschrieben, die die Symptome einer Belastungsstörung lindern sollen.
Unbehandelt einen Nervenzusammenbruch überstehen - geht das?
Viele Krisen überstehen wir gemeinsam mit nahestehenden Menschen, durch vorübergehende Unterstützung oder eigene Ressourcen - aber nie allein! Auch wenn es noch so schwerfällt, um Hilfe zu bitten oder sie anzunehmen: Uns nahestehende Menschen sind gut darin, uns zu motivieren, uns helfen zu lassen. Zusätzlich sind sie Kraftquellen, die uns dabei helfen, Krisen zu meistern. Neben persönlichen Gesprächen ist auch die Reduktion von Stress und Reizen sowie ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit hilfreich bei diesem Prozess. Entspannungsübungen sind allerdings nicht immer empfehlenswert, denn sie verstärken die Innenschau und können dadurch unter Umständen die Anspannung der betroffenen Person noch erhöhen. Reichen diese Schritte nicht aus, ist hier in Sachsen-Anhalt der sozialpsychiatrische Dienst im Gesundheitsamt Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises eine gute Anlaufstelle.
Nervenzusammenbruch durch Stress - So wirkt sich psychischer Stress auf den Körper aus
Ein akuter Zusammenbruch in einer Stresskrise, begleitet vom Gefühl „Ich kann nicht mehr“, kann das Resultat von langanhaltendem psychischem Stress sein. Er äußert sich durch ein Gefühl von Ungleichgewicht zwischen den eigenen Leistungsmöglichkeiten, Zielen, Bedürfnissen und den äußeren Ansprüchen. Diese Dysbalance kann uns entweder anspornen oder auch hemmen und ist ein normales Auf und Ab.
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Hält der Stress länger an, reagiert der Körper darauf mit Gegenwehr, denn er möchte den Alarmzustand möglichst schnell beenden. Von dieser Gegenwehr ist vor allem unser Immunsystem betroffen, wodurch es zunehmend schlechter funktioniert. So wächst in einer stressigen Lebensphase das Risiko für Infektionen, wie zum Beispiel Erkältungen. Langfristig führt dieser Zustand dann zur Erschöpfung verschiedener körperlicher Prozesse. Das hat wiederum zur Folge, dass sich weitere körperliche und seelische Krankheiten entwickeln können, etwa Allergien, Burnout oder Stoffwechselerkrankungen. Und je länger der Stresszustand andauert, umso länger dauert es auch, bis sich unser Körper wieder davon erholt hat.
Stressfaktoren, die viele Menschen als belastend empfinden
Stress hat viele Gesichter, und ebenso viele Ursachen. Wie stark er sich auf unseren Körper und unsere Psyche auswirkt, ist individuell verschieden. Oft ist es die Kombination mehrerer solcher Faktoren, die schließlich in einer akuten Krise oder einem Zusammenbruch münden kann. Zu den häufigsten belastenden Stressauslösern zählen:
- Beruflicher Druck wie hohe Arbeitsbelastung, Mobbing oder fehlende Anerkennung
- Konflikte im privaten oder beruflichen Umfeld
- Mehrfachbelastungen durch Familie und Beruf bei gleichzeitig fehlender Erholung
- Ständiger Termindruck und das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen
- Kritische Lebensereignisse wie Trennungen, Jobverlust oder Krankheit
- Eigene Ansprüche, Sorgen und Ängste
- Das Fehlen sozialer Unterstützung, etwa durch Einsamkeit
Typische Symptome bei psychischem Dauerstress
Dauerhafter seelischer Stress kann sich auf vielfältige Weise äußern: körperlich, emotional und mental. Zu den häufigsten körperlichen Anzeichen zählen Zittern, starkes Weinen oder regelrechte Weinkrämpfe, begleitet von Schwitzen, Übelkeit, Herzklopfen und Kopfschmerzen.
Betroffene fühlen sich oft nervös, innerlich unruhig, niedergeschlagen oder kraftlos. Auch Schlafprobleme, Schwindel, Muskelverspannungen, Atembeschwerden oder ein Kloßgefühl im Hals sind typische Begleiterscheinungen.
Nicht zuletzt leidet auch die geistige Leistungsfähigkeit: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sind häufige Folgen von anhaltendem psychischem Druck.
Ärztliche Hilfsangebote
Können Sie einige der genannten Symptome bei sich beobachten, sollten Sie nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nur so lässt sich klären, ob tatsächlich psychischer Dauerstress hinter den Beschwerden steckt oder möglicherweise eine organische Ursache vorliegt.
Erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt. Je nach Befund kann dieser eine Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ausstellen, insbesondere dann, wenn die psychische Belastung Ihren Alltag deutlich beeinträchtigt. In einer psychotherapeutischen Sprechstunde wird dann gemeinsam entschieden, welche Therapieform für Sie geeignet ist.
Weitere Hilfen
- Für Akutfälle: Terminservicestelle der KVSA. Handelt es sich um eine akute Belastungssituation, in der schnell psychotherapeutische Hilfe notwendig ist, hilft die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen. Innerhalb von fünf Wochen wird ein Erstgespräch bei einem zugelassenen Psychotherapeuten vermittelt, bei akuter psychischer Krise sogar innerhalb von drei Wochen. Erreichbar ist die Terminservicestelle unter der Telefonnummer 116 117 oder Sie nutzen die Online-Terminvereinbarung.
- Angebote der AOK Sachsen-Anhalt.
Vorbeugung und langfristige Strategien
Begleitend zu einer Therapie können Sie bei einer Belastungsreaktion auch mit eigenen Maßnahmen versuchen, Stress zu regulieren oder ihm vorzubeugen.
- Kürzer treten, um Leistungsfähigkeit zu erhalten: Versuchen Sie sowohl beruflich als auch privat kürzer zu treten. Unter ständiger Belastung sinken Konzentration, Kreativität und Entscheidungsfähigkeit. Fehler häufen sich, die Qualität der Arbeit leidet - was zusätzlichen Stress erzeugt. Stress belastet auch das soziale Umfeld: Reizbarkeit, Rückzug oder Konflikte mit Partner, Familie oder Freundeskreis nehmen zu. Zeit für Regeneration hilft, zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen und zu stabilisieren.
- Warnzeichen Ernst nehmen: Ein wichtiger Schritt in der Stressbewältigung ist die Früherkennung: Wer seinen Körper gut kennt, kann erste Anzeichen von Überforderung rechtzeitig wahrnehmen und ernst nehmen. Ein gesunder Lebensstil bildet dabei die Basis: Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung sowie bewusste Entspannungstechniken helfen dabei, die innere Balance zu erhalten. Besonders hilfreich ist Bewegung an der frischen Luft. Sie klärt den Kopf und baut Spannungen ab.
- Auch mal "Nein" sagen: Lernen Sie, „Nein“ zu sagen: Nicht jede zusätzliche Aufgabe muss übernommen werden. Vor allem dann nicht, wenn sie unnötigen Druck erzeugt. Auch der Austausch mit anderen, das Pflegen von Freundschaften oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann helfen, belastende Situationen besser zu bewältigen.
- Selbstfürsorge: Regelmäßige Pausen und echte Erholungszeiten sind keine Schwäche, sondern Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.
Das vegetative Nervensystem und seine Bedeutung
Das vegetative Nervensystem, auch autonomes Nervensystem genannt, steuert lebenswichtige Körperfunktionen wie Verdauung, Stoffwechsel, Herzschlag und Atmung. Es besteht aus zwei Hauptteilen:
- Sympathikus: Aktiviert den Körper in Stresssituationen und bereitet ihn auf Flucht oder Kampf vor.
- Parasympathikus: Sorgt für Entspannung und Erholung und reguliert die Organfunktionen in Ruhephasen.
Ein Ungleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen.
Die Polyvagal-Theorie
Die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges erweitert unser Verständnis des vegetativen Nervensystems. Sie besagt, dass es einen dritten Teil des Vagusnervs gibt, den ventralen Vagus, der als "soziales Nervensystem" bezeichnet wird. Dieser Teil des Nervensystems ist für soziale Interaktion, Verbindung und Sicherheit zuständig.
In Gefahrensituationen reagieren Menschen normalerweise zuerst mit dem sozialen Nervensystem, indem sie versuchen, die Gefahr durch soziale Interaktion abzuwenden. Wenn dies nicht möglich ist, werden der Kampf- oder Fluchtreflex aktiviert. Wenn auch diese Strategien nicht erfolgreich sind, kann es zu einem Zustand der Erstarrung oder des Kollapses kommen.
Die Polyvagal-Theorie ist besonders relevant für das Verständnis von Traumata. Traumatisierungen können dazu führen, dass das autonome Nervensystem nicht mehr angemessen auf Situationen reagieren kann. Es wird unflexibel und rigide.
Strategien zur Beruhigung des Nervensystems
Es gibt verschiedene Strategien, um das Nervensystem zu beruhigen und das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wiederherzustellen:
- Atemtechniken: Langsame, tiefe Atemzüge, insbesondere die Zwerchfellatmung, können den Parasympathikus aktivieren und den Körper beruhigen. Die 4-7-8-Atemtechnik (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen) ist eine einfache und effektive Methode zur Stressreduktion.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung hilft, Stresshormone abzubauen und das Nervensystem zu regulieren.
- Vagusnerv-Stimulation: Übungen wie Singen, Summen oder Gurgeln können den Vagusnerv stimulieren und die Entspannung fördern.
- Meditation und Achtsamkeit: Regelmäßige Meditation und Achtsamkeitsübungen können den Geist beruhigen und die Stressresilienz stärken.
- Schlafhygiene: Ausreichend Schlaf ist essenziell, um das Nervensystem zu beruhigen.
- Emotionen zulassen: Es ist wichtig, Emotionen zuzulassen und sie nicht zu unterdrücken.
- Soziale Interaktion: Lockere, freundliche und liebevolle soziale Interaktionen können dem Gehirn signalisieren, dass die Welt ein sicherer Ort ist.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Regulation des Nervensystems ein Prozess ist, kein Ereignis. Es braucht Zeit und Geduld, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei chronischem Stress oder nach einem Trauma kann professionelle Unterstützung erforderlich sein.
Wenn andere Menschen uns auf die Nerven gehen
Es gibt Menschen, die uns regelrecht zur Weißglut treiben können - und das, ohne dass wir so richtig benennen können, was uns denn an ihnen so nervt. Sie müssen gar nicht viel sagen, und trotzdem können manche Menschen uns nahezu aggressiv machen. Warum regen bestimmte Personen uns so viel schneller und mehr auf als andere - und das scheinbar, ohne dass sie etwas Bestimmtes sagen oder tun? Ist es dieses eine Wort, das sie ständig verwenden? Oder ist es ihre Stimmlage oder eine spezielle Bewegung, die uns nervt? Psycholog:innen sind sich einig, dass die Antwort ganz woanders liegt. Und zwar in uns selbst. Es soll also tatsächlich unsere eigene Schuld sein, dass bestimmte Menschen uns unsäglich auf die Nerven gehen? Tatsächlich, denn in vielen Fällen projizieren wir unsere eigenen Gefühle, Eigenschaften und inneren Konflikte auf Situationen mit anderen Menschen. Anstatt uns damit auseinanderzusetzen, spiegeln wir unsere Traumata - und laden sie damit auf die Person ab, die uns vermeintlich schon mit ihrer bloßen Existenz furchtbar aufregt.
Wenn wir eine sehr starke Reaktion auf eine Person haben, kann das oft eine Projektion sein. Sprich: Auch wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Reaktion auf diesen Menschen zumindest teilweise gerechtfertigt ist, weil er sich einfach anstrengend oder nervig verhält, sind unsere Gefühle dazu vermutlich deutlich größer, als rational in dieser Situation angebracht wäre. Hier projizieren wir Schattenelemente unserer selbst auf die Situation. Solche Aspekte unserer Persönlichkeit sind meist gänzlich unbewusst, es handelt sich dabei oft um ungelöste Konflikte, innere Verletzungen oder Eigenschaften, die wir lieber verdrängen möchten.
Es ist nun mal so: Die meisten Menschen beschäftigen sich sehr viel mehr mit sich selbst als mit ihrem Umfeld. Deshalb sagt eine so starke Reaktion auf andere meist mehr über uns aus als über die Person, der sie gilt. Diese Verhaltensweise beruht aber in der Regel nicht auf böser Absicht. Vielmehr ist dieses Spiegeln ein Schutzmechanismus, mit dem wir uns unbewusst vor der Auseinandersetzung mit unliebsamen Persönlichkeitsanteilen bewahren möchten. Denn die könnte schließlich unangenehm oder sogar schmerzhaft werden. Aber natürlich bringt uns das Verdrängen langfristig nicht weiter. Wenn Sie also das nächste Mal irrational von einer Kollegin oder einem Bekannten genervt sind, dann hören Sie lieber mal tiefer in sich hinein. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass in diesem Fall ausnahmsweise das viel zitierte Klischee zutrifft: Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.
Was uns im Alltag nervt
Die Menschheit ist wohlvertraut mit dem Gefühl der Irritation. Doch wieso empfinden wir überhaupt bestimmte Dinge als nervig? Und auf welche Signale und Konstellationen reagieren wir dünnhäutig? Diesen Fragen ging der amerikanische Psychologe Joe Palca in einer Internetumfrage nach.
- Laute Geräusche: Auffällig viele Irritationen sind auditiver Natur. Die störendsten Geräuschquellen sind bellende Hunde, laute Laubbläser, Autohupen sowie Möchtegernsänger. Besonders nervig und alltäglich ist Baustellenlärm. Ebenso irritierend sind schrille und komplexe Geräusche wie etwa das gefürchtete Kratzen von Fingernägeln entlang einer Tafel.
- Leise Geräusche: Bestimmte leise Geräusche nerven sogar über die Grenzen von Spezies hinweg, zum Beispiel das Summen einer Mücke. Es macht sowohl Zwei- als auch Vierbeinern zu schaffen. Um das Gefühl der Irritation besser zu verstehen, empfiehlt Palca, Menschen mit Misophonie zu studieren. Diese Personen haben eine verminderte Toleranz gegenüber den Lautäußerungen um sie herum.
- Die lieben Mitmenschen: Zu dieser Kategorie zählen lautstarke Nachbarn ebenso wie Telemarketing-Anrufer, die uns beim Abendessen rasch mit ein paar Produktfragen löchern wollen. Ebenso nervig sind Drängler, die sich in Schlangen prinzipiell nicht hinten anstellen, sondern rücksichtslos nach vorne zwängen. Selbst Stars und Sternchen sind bisweilen anstrengend. Lästig sind all jene, die wir nicht ignorieren können, selbst wenn wir es wollen.
- Lästige Umstände: Damit uns ein Umstand nervt, muss er mindestens drei Kategorien erfüllen. Zunächst darf er nicht gefährlich für uns sein. Außerdem darf die Quelle unserer Irritation nicht ständig präsent sein, sondern sie schlägt unvermittelt zu. Gerade wenn etwas unberechenbar ist, können wir uns kaum dagegen wappnen und sind dem Umstand ausgeliefert - was uns besonders leicht verärgern und lästig werden kann. Und zuletzt muss etwas über einen schwer abzusehenden Zeitraum anhalten, damit es uns nervt.
- Die Technik: Selfie-Sticks schafften es in Palcas Umfrage auf die Liste der irritierendsten Alltagsgegenstände. Im alltäglichen Umgang mit der Kommunikationstechnik fanden die Befragten vor allem virtuelle Assistenten wie Siri und Alexa zum Haareraufen, ebenso die zahlreichen Pop-up-Werbungen im Internet.