Syphilis Nervenwasser Diagnose: Ein umfassender Überblick

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Infektionskrankheit (STI), die durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Unbehandelt kann sie in verschiedenen Stadien zu schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika ist daher von entscheidender Bedeutung.

Was ist Syphilis?

Syphilis wird durch eine Ansteckung mit dem Bakterium Treponema pallidum verursacht. Diese Bakterienart infiziert ausschließlich Menschen. Die Übertragung erfolgt vor allem durch direkten sexuellen Hautkontakt beim vaginalen, analen Geschlechtsverkehr oder beim Oralverkehr mit infizierten Menschen. Die Bakterien können über offene Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen sehr leicht in den Körper bzw. den Blutkreislauf gelangen und sich von dort aus über den gesamten Körper verteilen und so verschiedene Organe infizieren.

Übertragung und Risikofaktoren

Syphilis wird am häufigsten durch direkte sexuelle Kontakte übertragen, wobei das Bakterium durch Mikroläsionen der Schleimhaut oder Haut in den Organismus eindringt. Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner führt in etwa 30% der sexuellen Kontakte zu einer Infektion. Übertragungsvorgänge durch kontaminierte Nadeln oder andere kontaminierte Gegenstände sind selten. Übertragungen durch Bluttransfusionen sind durch systematische Testung aller Spenden extrem selten.

Das Risiko, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken, ist besonders hoch, wenn man häufig Sex mit wechselnden Partnerinnen oder Partnern hat und dabei auf Kondome verzichtet.

Stadien der Syphilis

Eine Infektion mit Syphilis verläuft - wenn sie unbehandelt bleibt - in vier verschiedenen Stadien. Dabei wechseln sich akute Erkrankungsphasen, mit ausgeprägten Symptomen, mit symptomfreien Phasen (Latenzphasen) ab. Eine latente (symptomfreie) Phase kann unter Umständen jahrelang sein, bevor erneute Symptome auftreten.

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  • Primäre Syphilis/Frühsyphilis: In diesem Stadium treten erste Symptome ungefähr 2-3 Wochen nach Ansteckung auf. Es entwickelt sich ein schmerzloses Geschwür mit hartem Rand, auch ,,Syphilis- oder Luesgeschwür’’ genannt. Es entsteht in der Regel an der Stelle am Körper, wo der Erreger in den Körper eingedrungen ist. Das geschieht meist im Genitalbereich, im Mund oder am Anus. Begleitet wird das Geschwür von einer Schwellung der nahegelegenen Lymphknoten. Außerdem kommt es zum Austreten einer farblosen Flüssigkeit aus dem Geschwür, die hochansteckend ist. Grundsätzlich ist Syphilis im Anfangsstadium am meisten ansteckend. Das Geschwür heilt normalerweise innerhalb weniger Wochen von selbst ab.
  • Sekundäre Syphilis: Nach Abheilen des Geschwürs (nach ca. 8 Wochen) breitet sich der Erreger im zweiten Stadium über das Blut und die Lymphbahnen im ganzen Körper aus. Es kommt zu Hautausschlägen, Schleimhautveränderungen, geschwollenen Lymphknoten, Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Nach diesem Stadium kann es zu einer symptomfreien Phase (Latenzphase) kommen, in der Patienten oftmals jahrelang ohne Symptome sind.
  • Tertiäre Syphilis/Spätsyphilis: Dieses Stadium tritt in der Regel nach 3 bis 5 Jahren auf, wenn die Erkrankung unbehandelt bleibt. Hier kann es zu schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Dazu gehören gefährliche Komplikationen am Herzen, den Augen, dem Nervensystem, den Knochen und vielen weiteren Organen. Außerdem kommt es zur Ausbildung gummiartig verhärteter Knoten, auch Gummen genannt. Diese befinden sich unter anderem an den Knochen, der Unterhaut und den Organen.
  • Neurosyphilis: Bleibt die Syphilis weiter unbehandelt oder wird nur unzureichend behandelt, kann sie in das letzte Stadium, die sogenannte Neurosyphilis, übergehen. Dies geschieht normalerweise nach einer erneuten Latenzphase (symptomfreie Phase) von ca. 10-20 Jahren. Hier haben sich die Bakterien über das gesamte Nervensystem (Gehirn, Rückenmark) ausgebreitet.

Neurosyphilis: Die Auswirkung auf das Nervensystem

Die Neurosyphilis ist eine Manifestation der Spätsyphilis, bei der das zentrale Nervensystem (ZNS) betroffen ist. Bei 15-40% der unbehandelten Patienten können nach langjährigem Verlauf der Infektion Treponemen im Liquor nachgewiesen werden. Sie kann in verschiedenen Formen auftreten:

  • Asymptomatische Neurosyphilis: Hier liegen keine klinischen Symptome vor, aber Treponemen sind im Liquor nachweisbar.
  • Tabes dorsalis: Diese Form ist die Folge einer Degeneration der Hinterstränge des Rückenmarks und tritt bei etwa einem Drittel der unbehandelten Neurosyphilis-Fälle durchschnittlich 20 Jahre nach Erstinfektion auf. Typische Symptome sind einschießende Schmerzen in Unterbauch und Beine sowie Sensibilitätsverluste.
  • Syphilitische Meningitis: Diese ist gekennzeichnet durch eine aseptische Meningitis, entzündliche Liquorveränderungen und spezifischen Antikörpernachweis im Liquor und Blut. Sie kann mit Hirnnervenparesen oder intrakranieller Drucksteigerung einhergehen.
  • Meningovaskuläre Syphilis: Bei chronischer Meningitis kann sich eine meningovaskuläre Syphilis des Spinalkanals mit Parästhesien bzw. Paraplegie entwickeln. Auch eine vaskuläre Syphilis mit Hemiparesen oder -plegie, Aphasie oder Krampfanfällen ist möglich.
  • Parenchymatöse Syphilis (progressive Paralyse): Bei fehlender Behandlung entwickelt sich nach 15-20 Jahren eine parenchymatöse Syphilis mit zahlreichen neurologischen und psychiatrischen Auffälligkeiten. Typisch ist das Argyll-Robertson-Phänomen (Beeinträchtigung der Lichtreaktion bei erhaltener Konvergenzreaktion). Im Vordergrund steht das hirnorganische Psychosyndrom.

Besonderheiten bei HIV-Infektion

Bei HIV-positiven Syphilispatienten wurde in retrospektiven Untersuchungen häufiger eine Syphilis maligna und eine Neurosyphilis festgestellt. Die Syphilis maligna manifestiert sich bei HIV-Infektion oft als pustulo-nekrotisches Syphilid, Rupia syphilitica (austernschalenartige Krustenbildung) oder Ecthyma syphiliticum. Gleichzeitig bestehen häufiger Allgemeinsymptome wie erhöhte Temperaturen oder Abgeschlagenheit, wobei eine Skleradenitis fehlt.

Diagnose der Neurosyphilis

Die Diagnose der Neurosyphilis stützt sich auf verschiedene Säulen:

  1. Klinische Untersuchung und Anamnese: Der Arzt wird den Patienten ausführlich körperlich untersuchen und die Krankengeschichte (Anamnese) erheben. Dabei werden sexuelle Aktivitäten und ungeschützter Geschlechtsverkehr thematisiert, um Rückschlüsse auf die Infektionsquelle zu ziehen.

  2. Bluttests: Es werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um spezifische Antikörper gegen das Treponema-pallidum-Bakterium nachzuweisen. Hierbei kommen verschiedene Tests zum Einsatz, die alle durchgeführt werden sollten, um die Diagnose Syphilis zu bestätigen. Zu den serologischen Untersuchungen gehören:

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    • Treponema-pallidum-Hämagglutinations- oder Partikelagglutinationstest (TPHA bzw. TPPA) als Suchtest (positiv: 2 bis 3 Wochen post infectionem; Reaktivität lebenslang).
    • VDRL-Mikroflockungsreaktion (Antikörpersuchtest; VDRL = Venereal Disease Research Laboratories) bzw. CLIA/EIA (Chemilumineszenz-Immunassays bzw. Enzymimmunoassays).
  3. Liquoruntersuchung (Nervenwasseruntersuchung): Die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose der Neurosyphilis. Folgende Parameter werden dabei untersucht:

    • Liquor-TPHA (Treponema pallidum Hämagglutinin Test)
    • Zellzahl: >5/µl, bis zu mehreren Hundert Zellen (nicht zwingend erhöht, z.B. bei Tabes dorsalis)
    • Zellbild: Mononukleär, lymphozytär, gelegentlich Granulozyten
    • Eiweißgehalt
    • Glukosegehalt
    • Nachweis von Antikörpern gegen Treponema pallidum im Liquor

Die Liquoruntersuchung ist indiziert bei:

  • Neurologischen oder psychiatrischen Symptomen, die auf eine Neurosyphilis hindeuten könnten
  • Hinweisen auf eine aktive Syphilis-Infektion im Bluttest, insbesondere bei HIV-positiven Patienten
  • Therapieversagen bei Syphilis

Laborparameter im Detail

  • Lues-Suchreaktion (LSR): Die Lues-Suchreaktion dient dem serologischen Screening auf eine Infektion mit Treponema pallidum. Sie stellt den initialen diagnostischen Schritt dar und erfolgt meist durch hochsensitive Tests. Diese Tests detektieren Antikörper gegen Lipidantigene (Cardiolipin), die durch Zellzerstörung entstehen.
  • Treponema-pallidum-Hämagglutinations- oder Partikelagglutinationstest (TPHA/TPPA): Dieser Test dient als Suchtest und ist 2 bis 3 Wochen nach der Infektion positiv. Die Reaktivität bleibt lebenslang bestehen.
  • FTA-ABS-Test: Dieser Test wird nach einem positiven Suchtest durchgeführt und ist ca. nach 3 Wochen positiv. Er erfasst IgG- und IgM-Antikörper und hat eine hohe Sensitivität und Spezifität (94-99%). Falsch-positive Ergebnisse sind bei hohen Borrelientitern möglich.
  • IgM-Antikörper-Nachweis: Dieser kann mittels 19S-IgM-FTA-ABS-Test, Treponema IgM-ELISA oder IgM-Westernblot erfolgen.
  • Lipoidreaktionstest (VDRL-Test/Cardiolipin-KBR): Dieser Test ist ein Marker für Entzündungsaktivität. Nach erfolgreicher Therapie sind die Testergebnisse meist negativ.

Therapie und Prävention

Besonders wichtig bei der Behandlung der Syphilis ist der schnelle Therapiebeginn, um schwere bis lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden und die Heilungsaussichten zu verbessern. Die Dauer der Behandlung kann individuell variieren und hängt vom Schweregrad der Erkrankung, vom Stadium der Syphilis sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. In der Regel dauert die Behandlung aber mehrere Wochen bis Monate. Medikament erster Wahl sind hier vor allem Antibiotika mit dem Wirkstoff Penicillin. Besteht eine Penicillinallergie, können alternative Antibiotika mit Wirkstoffen wie Doxycyclin oder Ceftriaxon verwendet werden.

Es ist außerdem wichtig, dass sexuelle Partner von infizierten Patienten ebenfalls auf Syphilis getestet und bei positivem Befund ebenfalls mitbehandelt werden.

Prävention

Kondome und Femidome (Kondome für die Frau) senken das Risiko, sich mit Syphilis anzustecken. Hundertprozentig schützen sie jedoch nicht, denn sie bedecken nur den Penis oder die Scheide und einen Teil der Vulva. Die Syphilis-Erreger können jedoch über intensive Hautkontakte im gesamten Genitalbereich übertragen werden. Vor allem die typischen Geschwüre sind ansteckend. Wenn diese im Mund auftreten, ist eine Übertragung auch durch oralen Sex und beim intensiven Küssen möglich.

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Frühes Testen und Behandeln beugt möglichen Spätfolgen vor und verhindert, dass die Syphilis weiterverbreitet wird. Ein Test wird auch möglichst früh in der Schwangerschaft empfohlen, um Komplikationen für das Kind zu verhindern.

Meldepflicht

Der direkte oder indirekte Nachweis des Bakteriums "Treponema pallidum" ist nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig. Jede festgestellte Syphilis-Infektion wird anonymisiert (also ohne Nennung des Namens) an das Robert Koch-Institut gemeldet.

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