Lumbalpunktion mit Sedierung: Risiken und Nutzen

Die Lumbalpunktion, auch Liquorpunktion genannt, ist ein medizinisches Verfahren, bei dem eine Probe des Nervenwassers (Liquor cerebrospinalis) aus dem Rückenmarkskanal entnommen wird. Diese Entnahme dient sowohl der Diagnose verschiedener Erkrankungen des zentralen Nervensystems als auch therapeutischen Zwecken, wie der Verabreichung von Medikamenten oder der Druckentlastung. Obwohl die Lumbalpunktion ein Routineeingriff ist, der in der Regel komplikationslos verläuft, birgt sie dennoch gewisse Risiken, die durch eine Sedierung zusätzlich beeinflusst werden können.

Was ist eine Lumbalpunktion?

Bei einer Lumbalpunktion wird eine dünne Nadel zwischen den Lendenwirbeln in den Rückenmarkskanal eingeführt, um Nervenwasser zu entnehmen. Der Liquor umgibt Gehirn und Rückenmark und dient als Schutzpolster und Nährstofflieferant. Die Analyse des Liquors ermöglicht Rückschlüsse auf verschiedene Erkrankungen.

Der Liquor, auch Hirnwasser oder Nervenwasser genannt, umgibt Gehirn und Rückenmark. Die Liquorräume befinden sich sowohl um Gehirn und Rückenmark als auch in ihrem Inneren und sind alle miteinander verbunden, so dass der Liquor frei zirkulieren kann. Er dient dem Nervensystem als Nähr- und Puffersubstanz und wird in den inneren Nervenwasserräumen aus dem Blut gefiltert. Erwachsene haben etwa 100-200 ml Liquor, und es werden pro Tag 500-700 ml neu gebildet.

Wann wird eine Lumbalpunktion durchgeführt?

Eine Lumbalpunktion wird sowohl aus diagnostischen als auch aus therapeutischen Gründen durchgeführt.

Diagnostische Gründe:

  • Entzündliche Erkrankungen: Nachweis oder Ausschluss von Hirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder Rückenmarkentzündung (Myelitis).
  • Infektionskrankheiten: Diagnostik von Lyme-Borreliose, Neurosyphilis und anderen Infektionen des Nervensystems.
  • Autoimmunerkrankungen: Abklärung von Multipler Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen.
  • Tumorerkrankungen: Nachweis von Hirn- und Rückenmarkstumoren oder Krebsbefall der Hirnhäute (z. B. bei Lymphomen).
  • Blutungen: Feststellung von Blutungen im Gehirn oder Rückenmark (Subarachnoidalblutung).
  • Demenzerkrankungen: Diagnostik von Demenzen.
  • Erweiterung der Liquorräume: Feststellung eines Hydrozephalus (Erweiterung der Liquorräume).

Therapeutische Gründe:

  • Verabreichung von Medikamenten: Einbringen von örtlichen Betäubungsmitteln, Chemotherapeutika oder Antibiotika in den Rückenmarkskanal.
  • Druckentlastung: Ableitung von Nervenwasser bei Normaldruckhydrozephalus zur Entlastung der Flüssigkeitsräume.
  • Schmerztherapie: Lumbalanästhesie (Spinalanästhesie) zur Schmerzstillung bei Operationen, z. B. Kaiserschnitt oder Hüftoperation.
  • Behandlung des spontanen Liquorunterdrucksyndroms: Injektion von Eigenblut zur Abdichtung des Liquorraums.
  • Differentialdiagnose des Parkinson-Syndroms: Entnahme von Nervenwasser zur Besserung des Gangbildes, der Gedächtnisleistung und einer Harninkontinenz.
  • Behandlung des Pseudotumor cerebri: Entnahme von Nervenwasser zur Senkung des erhöhten Liquordrucks und zur Linderung von Kopfschmerzen und Sehstörungen.

Ablauf einer Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion wird in der Regel von einem Arzt in einer Klinik oder neurologischen Praxis durchgeführt. Der Patient sitzt entweder vornübergebeugt auf einer Untersuchungsliege oder liegt in Seitenlage mit angezogenen Beinen und Armen und Kinn auf der Brust. Diese Positionen weiten die Zwischenwirbelräume und erleichtern den Zugang zum Rückenmarkskanal.

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  1. Vorbereitung: Die Einstichstelle wird desinfiziert und gegebenenfalls örtlich betäubt.
  2. Punktion: Der Arzt führt eine dünne Hohlnadel zwischen dem 3. und 4. oder 4. und 5. Lendenwirbel in den Rückenmarkskanal ein. In dieser Höhe endet das Rückenmark bereits, sodass keine Gefahr besteht, es zu verletzen.
  3. Liquorentnahme: Sobald die Nadel im Wirbelkanal platziert ist, tropft das Nervenwasser in ein Probengefäß. In der Regel werden 6-10 ml Liquor für die Analyse entnommen.
  4. Druckmessung: Bei Bedarf kann mit einem Steigrohr der Nervenwasserdruck gemessen werden.
  5. Abschluss: Die Nadel wird entfernt, und die Einstichstelle wird mit einem Verband versorgt.

Die gesamte Untersuchung dauert etwa 10 bis 15 Minuten. Nach der Punktion sollte der Patient etwa eine halbe bis volle Stunde auf dem Bauch liegen, um das Nachfließen von Nervenwasser zu verhindern. Auch in den ersten Stunden nach der Punktion sollte weitgehend Bettruhe eingehalten werden.

Risiken einer Lumbalpunktion

Obwohl die Lumbalpunktion ein sicheres Verfahren ist, sind bestimmte Risiken damit verbunden:

  • Blutungen und Blutergüsse: Durch die Punktion kann es zu Blutungen und Blutergüssen an der Einstichstelle kommen.
  • Infektionen und Entzündungen: In seltenen Fällen können durch die Punktion Krankheitserreger in den Körper gelangen und Infektionen oder Entzündungen verursachen. Um dies zu verhindern, werden bei Punktionen strenge hygienische Anforderungen beachtet.
  • Kreislauf- und Bewusstseinsstörungen (Synkope): Bei manchen Patienten kann es während oder nach der Punktion zu Kreislaufproblemen und kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kommen.
  • Vorübergehende Nervenausfälle: In seltenen Fällen können Nervenwurzeln durch die Nadel gereizt werden, was zu Taubheitsgefühlen oder Lähmungen in den Beinen führen kann. Diese Beschwerden sind meist vorübergehend.
  • Auslösung von Anfällen: Bei Patienten mit Anfallserkrankungen wie Epilepsie oder Migräne kann die Lumbalpunktion einen Anfall auslösen.
  • Liquorunterdrucksyndrom: Das häufigste Risiko ist das sogenannte Liquorunterdrucksyndrom, das durch den Verlust von Nervenwasser entsteht. Es äußert sich in Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen (Tinnitus) und Lichtempfindlichkeit. Die Beschwerden treten meist beim Aufsetzen oder Aufstehen auf und können durch Bettruhe, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Koffeintabletten oder Theophyllin gelindert werden. In schweren Fällen kann ein sogenannter "Blood Patch" (Eigenblutinjektion in den Epiduralraum) erforderlich sein.

Sedierung bei Lumbalpunktion

Um Angst und Unbehagen während der Lumbalpunktion zu reduzieren, kann eine Sedierung in Betracht gezogen werden. Dabei werden dem Patienten Medikamente verabreicht, die ihn beruhigen und entspannen. In manchen Fällen kann auch eine leichte Narkose (Dämmerschlaf) eingesetzt werden, bei der der Patient nur noch wenig bis gar nichts von dem Eingriff mitbekommt.

Vorteile der Sedierung

  • Reduktion von Angst und Stress: Die Sedierung kann die Angst und den Stress des Patienten vor und während der Lumbalpunktion deutlich reduzieren.
  • Verbesserte Kooperation: Ein sedierter Patient ist entspannter und kooperativer, was den Eingriff für den Arzt erleichtert.
  • Schmerzlinderung: Einige Sedativa haben auch eine schmerzlindernde Wirkung.
  • Erinnerungslücke: Bei einer leichten Narkose kann der Patient den Eingriff im Nachhinein vergessen.

Risiken der Sedierung

Eine Sedierung birgt jedoch auch eigene Risiken, die vor der Lumbalpunktion sorgfältig abgewogen werden müssen:

  • Atemdepression: Sedativa können die Atmung beeinträchtigen und in seltenen Fällen zu Atemstillstand führen.
  • Kreislaufprobleme: Sedativa können den Blutdruck senken und zu Kreislaufproblemen führen.
  • Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auf die verabreichten Medikamente auftreten.
  • Übelkeit und Erbrechen: Nach der Sedierung kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen.
  • Verlängerte Überwachungszeit: Nach einer Sedierung muss der Patient länger überwacht werden, um sicherzustellen, dass er sich vollständig erholt.
  • Interaktionen mit anderen Medikamenten: Sedativa können mit anderen Medikamenten interagieren, die der Patient einnimmt.

Welche Sedativa werden eingesetzt?

Für die Sedierung bei Lumbalpunktionen werden verschiedene Medikamente eingesetzt, darunter:

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  • Midazolam: Ein Benzodiazepin mit angstlösender, beruhigender und muskelentspannender Wirkung. Es kann intravenös verabreicht werden und wirkt schnell.
  • Propofol: Ein kurzwirkendes Narkosemittel, das zu einem Dämmerschlaf führt. Es wird intravenös verabreicht und ermöglicht eine schnelle Steuerung der Sedierungstiefe.

Lokale Betäubung als Alternative

Als Alternative zur Sedierung kann auch eine lokale Betäubung der Einstichstelle in Betracht gezogen werden. Dabei wird ein Betäubungsmittel sternförmig um die Punktionsstelle herum injiziert, um den Schmerz oberflächlich zu betäuben. Diese Methode ist jedoch weniger geeignet für Patienten mit Spritzenangst.

Was ist nach einer Lumbalpunktion zu beachten?

Nach einer Lumbalpunktion sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Bettruhe: Für mindestens eine Stunde nach der Punktion sollte Bettruhe eingehalten werden.
  • Flüssigkeitszufuhr: Viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Schonung: Sich für etwa 24 Stunden schonen und körperliche Anstrengung vermeiden.
  • Beobachtung der Einstichstelle: Die Einstichstelle auf Blutungen, Schwellungen oder Infektionen kontrollieren.
  • Arzt informieren: Bei starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Nackensteifigkeit, Fieber oder anderen ungewöhnlichen Beschwerden den Arzt informieren.

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