Tabletten gegen Krämpfe: Ein umfassender Überblick

Krämpfe, insbesondere Muskelkrämpfe, sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Sie können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, von harmlosen Ursachen wie Überanstrengung bis hin zu zugrunde liegenden Erkrankungen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über krampflösende Medikamente, ihre Anwendung und wichtige Aspekte im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen.

Ursachen und Vorbeugung von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe sind oft eine Folge von Flüssigkeits- oder Mineralstoffmangel oder einer Überlastung der Muskeln. Ein Mineralstoffmangel kann durch starkes Schwitzen, unzureichendes Trinken, Alkohol- und Drogenkonsum, Fieber, Durchfall oder Erbrechen entstehen, wodurch der Körper wichtige Elektrolyte verliert. Fehlstellungen der Füße können ebenfalls eine Rolle spielen.

Um Muskelkrämpfen vorzubeugen, ist es wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene Ernährung zu achten. Mindestens 1,5 Liter Wasser am Tag sind empfehlenswert. Eine magnesiumreiche Ernährung kann helfen, einem Magnesiummangel vorzubeugen, der eine häufige Ursache für Muskelkrämpfe ist. Magnesiumreiche Lebensmittel sind beispielsweise Bananen, Brokkoli, Vollkornbrot, Nüsse und Sonnenblumenkerne. Regelmäßige Venengymnastik kann ebenfalls effektiv sein, um Wadenkrämpfen vorzubeugen.

Medikamentöse Behandlung von Muskelkrämpfen

Im Gegensatz zu Medikamenten gegen Gelenkschmerzen, die hauptsächlich aus Salben zur äußeren Anwendung bestehen, setzen Muskelkrämpfe Medikamente primär auf Tabletten und Granulate, um den Mineralstoffhaushalt wieder aufzubauen. Mittel gegen Muskelkrämpfe zeichnen sich insbesondere durch die Inhaltsstoffe Magnesium oder Chinin aus. Neben klassischen Magnesium Tabletten umfasst das Sortiment an Muskelkrämpfe Medikamenten Dragées und Sticks, aber auch Salben sowie Granulate oder Trinkampullen. Die Darreichungsformen variieren nach Art der Anwendung oder persönlicher Präferenz.

Magnesium

Magnesium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff für den menschlichen Organismus. Ein Magnesiummangel kann sich durch verschiedene Symptome, wie z. B. Wadenkrämpfe oder Müdigkeit, äußern. Magnesium wird vom menschlichen Organismus nicht selbstständig gebildet. Deshalb muss dieses lebenswichtige Mineral in Form von Nahrung aufgenommen werden.

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Es gibt verschiedene Magnesiumpräparate in unterschiedlichen Darreichungsformen:

  • Magnesium Verla N Dragées: Magensaftresistente Dragées zur Behandlung von Magnesiummangel und neuromuskulären Störungen.
  • Magnetrans Direkt 375 mg Granulat: Wirkt schnell und füllt den körpereigenen Magnesiumhaushalt wieder auf. Besonders geeignet für Sport und Freizeit, da es ohne Wasser eingenommen werden kann.
  • Magnesium-Diasporal® 300 mg Granulat: Zur Behandlung und Vorbeugung eines Magnesiummangels.
  • Magnesium-Diasporal® 150 Kapseln: Bei Magnesiummangel, der Ursache für Störungen der Muskeltätigkeit (neuromuskuläre Störungen, Wadenkrämpfe) ist.
  • Magnesium-Diasporal® 100 Lutschtabletten: Bei nachgewiesenem Magnesiummangel, der Ursache für Störungen der Muskeltätigkeit (neuromuskuläre Störungen, Wadenkrämpfe) ist.
  • Magnesium-Diasporal® 2 mmol/-4 mmol Injektionslösung: Bei nachgewiesenem Magnesiummangel, der Ursache für Störungen der Muskeltätigkeit (neuromuskuläre Störungen, Wadenkrämpfe) ist, Eklampsie, Präeklampsie, Frühgeburtsbestrebungen.

Die Einnahme von Magnesium hilft nicht von heute auf morgen gegen Wadenkrämpfe. Der Vorteil: Magnesium bietet, im Vergleich zu anderen Wirkstoffen, die Möglichkeit einer ursächlichen Behandlung von Wadenkrämpfen. Wirkstoffe wie zum Beispiel Chininsulfat weisen zudem häufig ein höheres Nebenwirkungspotenzial auf, während Magnesium für seine gute Verträglichkeit bekannt ist. Insofern eignet sich die Einnahme von Magnesium in der Regel auch, wenn Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft und Stillzeit auftreten.

Chinin

Chinin ist ein natürlicher Wirkstoff, der gezielt am Übergang vom gestörten Nerv auf den Muskel greift. Es wird aus der Chinarinde gewonnen und ist bekannt als fiebersenkender Wirkstoff gegen Malaria. Weniger bekannt sind seine krampflösenden Eigenschaften, die in Limptar N zur Prophylaxe und Therapie nächtlicher Wadenkrämpfe erfolgreich genutzt werden. Chinin setzt die Erregbarkeit an der motorischen Endplatte herab. Das ist der Bereich, in dem der Impuls zur Kontraktion von der Nervenzelle auf den Muskel übertragen wird. Der Muskel zieht sich nicht mehr so stark zusammen. Der Krampf lässt nach.

Limptar N wird zur Vorbeugung und Behandlung nächtlicher Wadenkrämpfe bei Erwachsenen eingesetzt. Wirkstoff ist Chininsulfat. Limptar N ist bei Wadenkrämpfen dann angezeigt, wenn sie sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, andere Maßnahmen nicht ausreichend helfen und therapierbare Ursachen der Krämpfe ausgeschlossen worden sind.

In Studien wurde die Reduktion der Anzahl und Stärke der Muskelkrämpfe bei Einnahme von Chinin dokumentiert. Dem steht das Risiko starker Nebenwirkungen gegenüber.

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Gegenanzeigen: Eine Überempfindlichkeit gegen Chinin oder einen anderen Bestandteil, Hörstörungen wie Tinnitus, eine Schädigung des Sehnervs sowie ein Mangel an dem Enzym Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase. Auch bei Herzrhythmusstörungen, verlangsamtem Herzschlag, Herzschwäche, schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, Gastritis, peptischem Geschwür sowie bei Myasthenia gravis (Muskelschwäche) ist Limptar N kontraindiziert. Bei Kindern unter 18 Jahren darf Limptar N nicht angewendet werden. Chinin ist fruchtschädigend und geht in die Muttermilch über. Deshalb darf Limptar N nicht von Schwangeren und Stillenden eingenommen werden.

Wechselwirkungen: Bei gleichzeitiger Einnahme von säurebindenden Mitteln, z.B. Antazida mit Aluminium- oder Magnesiumverbindungen, kann Chinin langsamer ausgeschieden und das Risiko für seine Nebenwirkungen erhöht werden. Die Wirkung von Digitalis bei Herzschwäche, von blutverdünnenden Wirkstoffen wie Warfarin und Phenprocoumon und von Muskelrelaxanzien kann durch Limptar N verstärkt werden. Die Anwendung von Limptar N mit Entwässerungsmitteln oder Abführmitteln kann Herzrhythmusstörungen hervorrufen, da durch den Wasserverlust der Elektrolythaushalt im Blut verändert ist. Lemptar N soll nicht mit Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen (Flecainid, Sotalo, Amiodaron), Depressionen (Amitriptylin, Maprotilin), Psychosen (bestimmte Neuroleptika), bakterielle Infektionen (Erythromyzin, Moxifloxazin) und Allergien (Ebastin, Terfenadin) angewendet werden. Sonst wird die Gefahr lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen verstärkt.

Nebenwirkungen: Sehr selten sind Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, Leberfunktionsstörungen, Störungen der Erregungsleitung im Herz, Blutbildveränderungen, Blutdruckabfall und Blutgerinnungsstörungen möglich. Sehr selten wurden auch allergische Reaktionen mit Hautrötung und -ausschlag, Juckreiz, Fieber, Ohrgeräuschen und Sehstörungen sowie Atemwegskrämpfe und Hautreaktionen beobachtet. Es kann zu einer Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) und anderen Blutbildveränderungen kommen. Eine Thrombozytopenie kann zu Haut- und Schleimhauteinblutungen (kleine punktförmige Blutungen) und einer erhöhten Blutungsneigung (z. B. Symptome des Cinchonismus wie z. B. Ohrgeräusche, Hörstörungen und Schwindel sowie Magen-Darm-Störungen mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen etc.

Weitere Medikamente

Eine systematische Analyse der Pharmakotherapie gegen Muskelkrämpfe ergab, dass neben Chininsulfat nur wenige Therapieoptionen eine studienbasierte Wirksamkeit aufweisen.

  • Naftidrofuryl: Ursprünglich zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) zugelassen, zeigte sich in verschiedenen Medikamententestungen auch eine positive Beeinflussung von schmerzhaften Muskelkrämpfen.
  • Diltiazem: Ein etabliertes Hypertonie-Medikament, das in kleineren Studien eine potentielle Wirksamkeit aufwies.
  • Levetiracetam: Ein Antiepileptikum, das ebenfalls in kleineren Studien eine potentielle Wirksamkeit zeigte.

Weitere Präparate und Mittel

Neben den genannten Medikamenten gibt es weitere Präparate, die bei Krämpfen eingesetzt werden können:

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  • BUSCOPAN Dragees und Filmtabletten: Rezeptfreie Medikamente gegen Krämpfe, die vermutlich auf glatte Muskulatur wirken.
  • BUSCOPAN plus Suppositorien: Rezeptfreies Medikament gegen Krämpfe in Zäpfchenform.
  • DIVALOL Galletropfen: Rezeptfreies Medikament in Tropfenform.
  • GASTEO Flüssigkeit und Tropfen: Rezeptfreie Medikamente zum Einnehmen.
  • Avitale Pferdesalbe mit Rosskastanie: Eine dermatologisch getestete Salbe mit kühlender Wirkung auf beanspruchte Körperstellen.
  • Ätherische Öle wie Latschenkiefer: Können die Durchblutung anregen.

Was tun bei akuten Krämpfen?

Wer akut an einem Krampf im Bein leidet, kann durch Dehnen, Massieren oder Wärmen eine Linderung der Schmerzen bewirken.

  • Dehnen: Dehnen Sie den betroffenen Muskel. Bei starken Wadenkrämpfen begeben Sie sich dafür am besten in Sitzposition. Fassen Sie sich an die Zehen und ziehen Sie diese in Richtung Körper. Gleichzeitig strecken Sie das betroffene Bein langsam aus.
  • Bewegung: Stehen Sie auf und laufen Sie etwas umher. Durch die Bewegung wird der Muskel jedoch gelockert und Verspannungen lösen sich rascher.
  • Massieren: Massieren Sie die verkrampfte Stelle mit den Händen. Dadurch fördern Sie die Durchblutung.
  • Wärmen: Wärmen Sie den Muskel. Dafür können Sie beispielsweise ein Kirschkernkissen, eine Wärmflasche oder einen warmen Wickel auflegen - oder ein Entspannungsbad nehmen. Die Wärme tut gut und lindert die Beschwerden.

Wann zum Arzt?

Treten Wadenkrämpfe häufig auf und stören sie den Tagesablauf oder die Nachtruhe, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Bei zusätzlichen Symptomen wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder gar Lähmungen sollte man sofort zum Arzt gehen! Auch wenn Wadenkrämpfe trotz Magnesiumeinnahme häufig auftreten, müssen weitere Ursachen in Betracht gezogen werden. Hierfür kommen zum Beispiel muskuläre oder neurologische (das Nervensystem betreffende) Krankheiten sowie Erkrankungen der Niere oder Nebenschilddrüse infrage. Des Weiteren können auch Menschen mit Diabetes mellitus an Muskelkrämpfen leiden.

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