Hilfsmittel für Parkinson-Patienten: Tassen und Trinkhilfen für mehr Selbstständigkeit im Alltag

Parkinson, auch bekannt als Schüttelkrankheit, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die viele Aspekte des täglichen Lebens beeinträchtigen kann. Zu den häufigsten Symptomen gehören Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen und Haltungsinstabilität. Diese Symptome können alltägliche Aufgaben wie Essen und Trinken erschweren und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die speziell für Parkinson-Patienten entwickelt wurden, um ihnen zu helfen, ihre Selbstständigkeit zu bewahren und ein erfülltes Leben zu führen.

Die Herausforderungen beim Trinken für Parkinson-Patienten

Eines der größten Probleme für Parkinson-Patienten ist das Trinken. Das Zittern der Hände kann es schwierig machen, eine Tasse oder ein Glas festzuhalten, ohne den Inhalt zu verschütten. Schluckbeschwerden, auch Dysphagie genannt, sind ebenfalls häufig und erhöhen das Risiko des Verschluckens. Dies kann zu Angst und Frustration führen und dazu führen, dass Betroffene Mahlzeiten und soziale Interaktionen vermeiden.

Innovative Lösungen: Spezielle Tassen und Trinkhilfen

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurden verschiedene innovative Tassen und Trinkhilfen entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten sind. Diese Hilfsmittel zielen darauf ab, das Trinken zu erleichtern, das Verschütten zu reduzieren und die Sicherheit zu erhöhen.

Der "Kangaroo Cup": Eine Tasse mit drei Beinen für mehr Stabilität

Ein inspirierendes Beispiel ist der "Kangaroo Cup", der von Lily Born, einem elfjährigen Mädchen aus den USA, entworfen wurde. Lily beobachtete, wie ihr Großvater, der an Parkinson leidet, Schwierigkeiten beim Trinken hatte. Um ihm zu helfen, entwickelte sie eine Tasse mit drei Beinen, die für mehr Stabilität sorgt und das Umfallen verhindert. Ursprünglich aus Keramik gefertigt, wird die Tasse nun durch Crowdfunding in größeren Stückzahlen aus stabilem Kunststoff produziert.

Nasenausschnittbecher: Trinken ohne Überstrecken des Kopfes

Für Parkinson-Patienten mit Schluckbeschwerden sind Nasenausschnittbecher eine ideale Lösung. Diese Becher verfügen über eine Aussparung für die Nase, die es ermöglicht, den Kopf beim Trinken gerade zu halten. Dadurch wird das Überstrecken des Kopfes vermieden, was das Risiko des Verschluckens reduziert, da verhindert wird, dass Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt. Nasenbecher sind oft aus leichtem Porzellan gefertigt und verfügen über extra große Henkel, die leicht zu greifen sind.

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Der F.O.T.T. Trinkbecher: Unterstützung bei Dysphagie

Der F.O.T.T. (Facio-Orale-Trakt-Therapie) Trinkbecher wurde von der englischen Therapeutin und Logopädin Kay Coombes entwickelt, um das Trinken bei Dysphagie zu unterstützen. Der Becher verfügt über einen weit auslaufenden Rand, der eine gute Auflagefläche für die Unterlippe bietet und den Schluckreflex vorbereitet. Kleine Löcher im Deckel sorgen für eine dosierte Nahrungszufuhr in den Mundraum. Der große Durchmesser des Becherrandes ermöglicht das Trinken bei gerader Kopfhaltung.

Anti-Zitter-Tasse: Ausgleich von unkontrollierten Bewegungen

Die "Anti-Zitter-Tasse" ist eine weitere innovative Trinkhilfe, die speziell für Menschen mit Tremor, Arthritis oder Parkinson entwickelt wurde. Diese Tasse verfügt über einen drehbaren Griff, der es ermöglicht, die Tasse in verschiedenen Positionen und Winkeln zu halten. Die Schwerkraft hält die Tasse stets aufrecht, so dass das Getränk nicht verschüttet wird. Der eingesenkte Deckel hat eine kleine Öffnung am Rand, durch die auch ein Strohhalm passt.

Universal-Trinkbecherhalterung: Zusätzliche Sicherheit beim Trinken

Für henkellose Becher wie den F.O.T.T. Trinkbecher gibt es Universal-Trinkbecherhalterungen mit zwei großen Griffen, die eine sichere Handhabung ermöglichen. Die Halterung verleiht dem Becher zusätzliche Stabilität und erleichtert das Greifen.

Trinkaufsätze: Auslaufsicherer Schutz für jedes Glas

Trinkaufsätze wie Safe Sip sind eine praktische Lösung, um jedes Trinkgefäß in einen auslaufsicheren Becher zu verwandeln. Die wiederverwendbaren Getränkeabdeckungen passen auf alle herkömmlichen Gläser, Becher und Tassen und verhindern das Auslaufen und Auskippen. Sie sind ideal für Menschen mit schwachen Händen, Bewegungseinschränkungen oder Tremor.

Karlsbader Becher: Trinken ohne Neigen des Kopfes

Der Karlsbader Becher aus der Serie unisonoPLUS ist eine elegant geformte Trinkhilfe aus hochwertigem Porzellan. Die Besonderheit dieses Bechers ist, dass der Henkel gleichzeitig als Trinkhalm dient. Der Halm setzt am Boden des Bechers an, so dass ohne Neigen des Bechers getrunken werden kann.

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Trinkdeckel mit rundum Schlitzen: Unauffällige Hilfe bei Schluckbeschwerden

Der Trinkdeckel mit rundum gehenden Schlitzen ist eine unauffällige Trinkhilfe für Menschen mit Handicaps. Durch seine spezielle Form "verschwindet" er im Becher und ist nicht sofort als Hilfsmittel erkennbar. Der rundum gehende Schlitz ermöglicht das intuitive Trinken von jeder Seite am Becherrand.

Weitere nützliche Hilfsmittel für den Alltag mit Parkinson

Neben speziellen Tassen und Trinkhilfen gibt es eine Vielzahl weiterer Hilfsmittel, die den Alltag von Parkinson-Patienten erleichtern können:

  • Anti-Rutsch-Matten: Sie bieten auf glatten Flächen besseren Halt und verhindern Stürze.
  • Deckelöffner: Sie ermöglichen das Öffnen von Gläsern und Flaschen ohne großen Kraftaufwand.
  • Schneidemesser mit Gabelspitze und bequemen Winkelgriff: Sie erleichtern die Zubereitung von Mahlzeiten.
  • Anti-Freezing-Stock: Er hilft, plötzliche Bewegungsstopps zu überwinden.
  • Lange Schuhlöffel: Sie erleichtern das Anziehen von Schuhen.
  • Verstellbare Badmöbel: Waschbecken und Spiegel sollten höhenverstellbar sein, um das Waschen und Zähneputzen im Sitzen zu ermöglichen.
  • Wasserfeste Sitzmöbel/Duschhocker: Sie ermöglichen ein sicheres Duschen oder Baden.
  • Farbige Markierungen an den Vorderkanten der Treppenstufen: Sie helfen bei der Orientierung im Treppenhaus.

Die Bedeutung der persönlichen Einstellung und individuellen Anpassung

Es ist wichtig zu betonen, dass die Lebensqualität von Parkinson-Patienten nicht nur von der Schwere der Symptome abhängt, sondern auch von ihrer persönlichen Einstellung und ihrem Umgang mit der Erkrankung. Betroffene sollten versuchen, weiterhin so zu leben, wie es für sie sinnvoll und angenehm ist und wie es der Verlauf der Erkrankung zulässt. Die beschriebenen Hilfsmittel können die alltäglichen Aktivitäten zusätzlich unterstützen.

Eine individuelle Behandlung ist essenziell, um die Lebensqualität zu steigern. Die richtigen Parkinson-Hilfsmittel können einen Teil dazu beitragen, den Alltag für Betroffene zu erleichtern. Es gilt, zu lernen und zu üben, um trotz einer teilweise eingeschränkten Beweglichkeit möglichst viele Verrichtungen des täglichen Lebens selbst zu tun und so die Lebensqualität zu erhalten.

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