Taubheitsgefühl und Bandscheibenvorfall: Ursachen, Symptome und Behandlung

Taubheitsgefühle können vielfältige Ursachen haben, einschließlich eines Bandscheibenvorfalls. Daher ist eine frühzeitige Abklärung durch einen erfahrenen Orthopäden wichtig.

Ursachen von Taubheit bei einem Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall kann zu Taubheit führen, wenn der Gallertkern der Bandscheibe auf Nervenwurzeln oder das Rückenmark drückt. Insgesamt 23 Bandscheiben dienen in der Wirbelsäule als Puffer und federn die Bewegungen der Wirbelkörper ab. Die Wirbelsäulen-Spezialisten der Gelenk-Klinik stehen ein breites Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung, Patienten mit einem Bandscheibenvorfall wieder zu weitgehender Schmerzfreiheit und Mobilität zu verhelfen. Bereits ab etwa dem 20. Lebensjahr werden unsere Bandscheiben zusehends schlechter mit Nährstoffen versorgt und der äußere Faserring (Anulus fibrosus) bildet immer mehr kleine Risse.

Typische Begleitsymptome eines Bandscheibenvorfalls

Neben Taubheit können folgende Symptome auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten:

  • Schmerzen, die in Arme oder Beine ausstrahlen.
  • Kribbeln (Ameisenlaufen) in den Extremitäten.
  • Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen.
  • Nackenschmerzen (bei HWS-Bandscheibenvorfall).
  • Schmerzen im unteren Rücken, die bis in die Beine und Füße ausstrahlen (bei LWS-Bandscheibenvorfall).
  • Blockade der kleinen Wirbelgelenke (bei BWS-Bandscheibenvorfall).
  • Druckgefühl in den Ohren, Schwindel oder Ohrgeräusche (bei HWS-Bandscheibenvorfall).
  • Einschränkungen der Gehfähigkeit.
  • Probleme des Genitalbereichs oder Stuhlgangs.
  • Potenzverlust.

Dauer der Taubheit nach einem Bandscheibenvorfall

Die Dauer der Taubheit nach einem Bandscheibenvorfall kann stark variieren und hängt von der Schwere des Vorfalls, der betroffenen Nervenwurzel und der erhaltenen Behandlung ab. Bei einem leichten Bandscheibenvorfall, der nur eine geringe Kompression der Nervenwurzel verursacht, kann die Taubheit nach einigen Tagen bis Wochen nachlassen. In schwereren Fällen, bei denen die Nervenwurzel stärker komprimiert wird, kann die Taubheit über Monate anhalten. Wichtig ist, dass die geschädigten Nerven entlastet werden, bevor ein dauerhafter Schaden entsteht.

Taubheit ohne Schmerzen

Es ist möglich, einen Bandscheibenvorfall ohne Schmerzen, aber mit Taubheit zu haben. Dies kann vorkommen, wenn im Vorfeld Schmerzen aufgetreten sind oder wenn eine Schädigung eines Nervs direkt vor Ort vorliegt. Bei einem Bandscheibenvorfall kann sich die Taubheit über einen größeren Hautabschnitt erstrecken, während eine lokale Nervenschädigung meist nur ein kleines, gut begrenztes Hautareal betrifft.

Lesen Sie auch: Ursachen, Dauer und Behandlung von Taubheitsgefühl

Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS)

Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule kann Taubheit in bestimmten Hautarealen, wie an der Innenseite des Unterarms, sowie begleitende Schmerzen verursachen. Je nach Lokalisation des Bandscheibenvorfalls können verschiedene Nerven geschädigt werden, die für die Versorgung unterschiedlicher Bereiche im Arm verantwortlich sind. So führt beispielsweise eine Schädigung der HWS-Segmente, aus denen der Medianusnerv hervorgeht, zu einer Taubheit, die vorwiegend am Unterarm und an Teilbereichen der Finger auftritt. Eine Schädigung der entsprechenden Segmente für den Radialisnerv führen wiederum zum Auftreten von Taubheit an der Speiche und dem Daumen.

Nervus cutaneus antebrachii dorsalis

Der Nervus cutaneus antebrachii dorsalis ist ein Ast des Nervus radialis und versorgt die Haut an der Streckseite des Unterarms sensibel.

Kann eine Taubheit an der Lippe von einem Bandscheibenvorfall der HWS kommen?

Nein, eine Taubheit an der Lippe wird nicht durch einen Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS) verursacht. Ein Bandscheibenvorfall in der HWS betrifft in der Regel Nervenwurzeln, die für die Innervation der Arme, Schultern und oberen Brustregion zuständig sind. Probleme im Bereich der Hirnnerven (N.

Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule (LWS)

Ein Gefühl der Taubheit im Bein ist ein typischer Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule. Je nach Lokalisationshöhe können an unterschiedlichen Stellen im Bein Taubheitsgefühle entstehen. So kann ein Taubheitsgefühl am Schienbein auf einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) hindeuten. Das Taubheitsgefühl am Schienbein könnte beispielsweise durch eine Kompression der L4- oder L5-Nervenwurzel (Bandscheibenvorfall L4/5 oder L5/S1) verursacht werden.

Sensorische Äste des Nervus femoralis

  • Nervus cutaneus femoris lateralis
  • Nervus cutaneus femoris medialis
  • Nervus saphenus

Diagnose eines Bandscheibenvorfalls

Die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls erfolgt durch:

Lesen Sie auch: Bandscheibenvorfall und Taubheitsgefühl im Fuß: Ein Überblick

  • Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich nach seinen Beschwerden und Risikofaktoren.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt führt neurologische Untersuchungen durch, um den genauen Ort einer möglichen Nervenreizung oder -schädigung zu bestimmen.
  • Bildgebende Verfahren: Eine Röntgenuntersuchung gibt Aufschlüsse über Veränderungen an den Wirbeln, den Bandscheiben und dem Wirbelkanal. Eine MRT-Untersuchung ermöglicht es den Ärzten, die Bandscheiben und Nervenwurzeln genau zu betrachten und den Ort und Grad des Bandscheibenvorfalls zu bestimmen.

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls kann konservativ oder operativ erfolgen.

Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente (z.B. NSAR, Paracetamol, Opioide) sollen die Schmerzen lindern.
  • Muskelrelaxanzien: Muskel-Relaxanzien sollen die Muskeln entspannen.
  • Kortison: Bei starken Beschwerden wird Kortison über gezielte Injektionen gespritzt.
  • Physiotherapie: Krankengymnastik ist hilfreich bei schmerzbedingt eingeschränkter Mobilität zur Korrektur von Fehlhaltung und Muskeltonus.
  • Bewegung und Übungen: Regelmäßige Bewegung und gezielte Übungen wie die Liebscher & Bracht Übungen können helfen, die Mobilität zu fördern und das Wohlbefinden zu steigern.
  • Faszien-Rollmassagen: Faszien-Rollmassagen können helfen, überspannte Muskeln und Faszien zu lockern.
  • Stufenlagerung: Die Stufenlagerung kann die zwischen den Wirbeln eingeklemmte Nervenwurzel entlasten.
  • Thermotherapie: Kälteanwendungen können bei einem akuten Bandscheibenvorfall die Durchblutung reduzieren, einen abschwellenden und schmerzlindernden Effekt haben und entzündlichen Prozessen entgegenwirken. Wärmeanwendungen können nach der Akutphase und bei chronischen Beschwerden die Durchblutung im Gewebe fördern, schmerzlindernd wirken und die Muskulatur unterstützen.

Operative Behandlung

Eine Operation ist in folgenden Fällen notwendig:

  • Wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist.
  • Bei Problemen des Genitalbereichs oder Stuhlgangs.
  • Bei Lähmungen.
  • Bei Potenzverlust.
  • Bei hochgradigen Einschränkungen der Gehfähigkeit.
  • Bei einem Cauda-equina-Syndrom.

Bei der Operation wird das Bandscheibengewebe entfernt, das auf das Rückenmark bzw. die Nervenstränge drückt.

Vorbeugung eines Bandscheibenvorfalls

  • Übergewicht abbauen: Übergewicht ist ein Risikofaktor für einen Bandscheibenvorfall.
  • Aktivitätslevel erhöhen: Ein aktiver Lebensstil ist essenziell für gesunde Bandscheiben.
  • Muskulatur aufbauen: Eine gut ausgebaute Rückenmuskulatur ist eine der besten Maßnahmen, um einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen.
  • Körperhaltung verbessern: Achten Sie auf Ihre Körperhaltung.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes.
  • Gesunder Schlaf: Eine gute Matratze ist wichtig.
  • Vermeiden Sie langes Arbeiten am Laptop, Autofahren sowie Fernsehen (bei HWS-Bandscheibenvorfall).
  • Vermeiden Sie schnelle Kopfbewegungen oder unnötige Stoßbelastungen (bei körperlicher Aktivität).

Lesen Sie auch: Taubheitsgefühl im Gesicht bei HWS-Vorfall

tags: #taubheitsgefuhl #bei #bandscheibenvorfall