Das Gefühl von Taubheit in den Beinen kann beunruhigend sein und verschiedene Ursachen haben. In diesem Artikel werden wir einige der häufigsten Ursachen für Taubheitsgefühle in den Beinen untersuchen und Behandlungsoptionen aufzeigen.
Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle in den Beinen
Bandscheibenvorfall
Ein Bandscheibenvorfall (auch Bandscheibenprolaps oder Discusprolaps) tritt auf, wenn der Gallertkern (Nucleus pulposus) einer Bandscheibe durch den Faserring (Anulus fibrosus) bricht und auf die Nerven des Rückenmarks drückt. Dies kann zu Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Kälte in den Beinen führen. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule (lumbaler Bandscheibenvorfall). Mit zunehmendem Alter können die Bandscheiben nicht mehr so gut mit Nährstoffen und Wasser versorgt werden. Mit sinkendem Wassergehalt nimmt die Elastizität des Gallertkerns ab, er wird spröde und verschleißt.
Fibromyalgie
Fibromyalgie (Fibromyalgie-Syndrom, somatoforme Schmerzstörung, Faser-Muskel-Schmerzsyndrom) ist eine Erkrankung mit chronischen Schmerzen in unterschiedlichen Körperregionen, meist verbunden mit vegetativen Beschwerden wie Schlafstörungen oder Magen-Darm-Problemen. Betroffene klagen oft über Taubheitsgefühle in Händen, Füßen, Gesicht oder an anderen Körperstellen. Dreh- und Angelpunkt bei der Fibromyalgie ist eine gestörte Schmerzverarbeitung. Manche Expertinnen vermuten, dass die Veränderung von Botenstoffen im Gehirn eine Rolle spielt, vor allem von Serotonin. Dieser auch als "Glückshormon" bekannte zentrale Botenstoff steht mit der Schmerzempfindung im Zusammenhang und soll bei Fibromyalgie-Patientinnen schneller abgebaut werden als bei Menschen ohne diese Erkrankung. Eine weitere Annahme ist, dass Fibromyalgie-Patient*innen eine verringerte Hautinnervation aufweisen, wobei ihre schmerzleitenden Nerven jedoch überaktiv sein sollen.
Osteomalazie
Osteomalazie (Knochenerweichung) ist eine systemische Knochenerkrankung infolge einer Mineralisationsstörung, durch die der Knochen seine Stabilität verliert und sich verformt. Sie kann sich durch unspezifische Knochenschmerzen im Brustbereich und Rücken sowie Muskelschwäche äußern. Osteomalazie tritt in Deutschland vor allem bei älteren Menschen auf (etwa die Hälfte der Senioren hat einen latenten Vitamin-D-Mangel) als Folge von chronischen Nierenfunktionsstörungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (wie z. B. Colitis ulcerosa), bei Leberzirrhose oder der Einnahme bestimmter Medikamente wie z. B. Antiepileptika. Für den Knochenstoffwechsel spielt Vitamin D (Kalziferol) eine Schlüsselrolle. Es fördert die Kalziumaufnahme aus Darm und Niere und sorgt für dessen Einlagerung in den Knochen, wodurch der Knochen seine Härte und Festigkeit bekommt.
X-chromosomal-rezessive Ichthyose
Die X-chromosomal-rezessive Ichthyose ist eine genetisch bedingte Hauterkrankung, die durch einen Defekt des Enzyms Steroidsulfatase verursacht wird. Besonders betroffen sind die Streckseiten der Gliedmaßen und der Stamm, wobei sich in den großen Beugen und Körperfalten auffällige Aussparungsphänomene zeigen können. Die Hautveränderungen beginnen in den ersten Lebensmonaten - in manchen Fällen schon im Neugeborenenalter - mit einer diskreten hellen lamellären Schuppung, die sich in der weiteren Kindheit in eine dunklere, polygonale, fest haftende Schuppung umwandelt.
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Venenschwäche
Eine Venenschwäche (chronisch venöse Insuffizienz, CVI) liegt vor, wenn die Venenklappen nicht mehr richtig schließen und das Blut in den Beinen versackt. Dies kann zu Schwellungen, Schmerzen und Taubheitsgefühlen führen. Wer bereits eine Veneninsuffizienz entwickelt hat, wird sie leider behalten. Sie ist nicht reversibel. Aber Sie können sehr effektiv etwas gegen das Weiterschreiten tun. Die wichtigste Regel lautet: "Lieber Liegen und Laufen, schlecht ist Sitzen und Stehen". Andernfalls schreitet die CVI weiter fort.
Homöopathie
In der Homöopathie wird Laurocerasus (Kirschlorbeer) bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, darunter Herzleiden, Atemnot, Blaufärbung der Haut (Zyanose), Husten, Epilepsie, Schwäche und Kältefrösteln. Ein wichtiges Charakteristikum für Laurocerasus ist die Blaufärbung der Schleimhäute, der Finger und der Lippen (Zyanose). Außerdem gehört Atemnot (Dyspnoe) mit schnappender Atmung zu den Merkmalen von Laurocerasus. Das Arzneimittel passt zu Patienten, die einen Herzkreislaufkollaps (Kardiopulmonale Insuffizienz) oder einen Schlaganfall (Apoplexie) erlitten haben oder eines von beidem drohend bevorsteht. Ihnen schwindet scheinbar die Lebenskraft. Sie fühlen sich, als würden sie mit dem Gehirn voraus herabfallen, besonders wenn sie sich bücken. Treten Blutungen auf, so ist das Blut dünn, hell und mit gallertartigen Klumpen durchmischt. Auch epileptische Anfälle, bei denen die Patienten auf den Boden fallen und von zuckenden Krämpfen geschüttelt werden (Grand mal), sind Anzeiger für Laurocerasus. Laurocerasus wirkt vor allem auf das Herz, die Atmung und die glatte Muskulatur. Es bewirkt außerdem häufig eine Reihe von Gemütssymptomen und geistigen Schwächen.
Camphora (Kampfer) wird in der Homöopathie vor allem bei konvulsivischen Krampfanfällen mit Unruhe und ungenauer Sprache eingesetzt. Vergleichbar sind außerdem die bläuliche Verfärbung des Gesichts und die starken Kälteempfindungen des Patienten, der allerdings, im Gegensatz zum Laurocerasus-Patienten, meistens nicht zugedeckt werden möchte. Camphora eignet sich bei Kollapszuständen, Schock, niedrigem Blutdruck und schwachem Puls. Der Camphora-Patient ist äußerst berührungsempfindlich.
Secale cornutum (Mutterkorn) wirkt auf die glatte Muskulatur des Patienten, sodass dieser zu Krämpfen und Krampfanfällen neigt. Ansonsten passt Secale cornutum zu dünnen, mageren und kraftlosen Patienten, die von einer großen SchwächeBefallen sind. Es kann u.a. bei Blutungen, Taubheitsempfindungen, Brennen im ganzen Körper und Wundbrand (Gangrän) angewendet werden.
Ammonium carbonicum (Hirschhornsalz) gehört zu den Herzmitteln. Es wirkt auf Herz, Kreislauf und Blut. Eine Neigung des Patienten zur Herzschwäche und zum Kreislaufkollaps ist beiden Mitteln gemein. Auch die bläuliche Verfärbung der Haut (Zyanose), die dünnflüssigen Blutungen und die große Schwäche, die den Patienten befällt, sind häufig auftretende Gemeinsamkeiten von Ammonium carbonicum und Laurocerasus.
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Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Taubheitsgefühlen in den Beinen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige allgemeine Maßnahmen, die helfen können, sind:
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung stärkt die Rückenmuskulatur und entlastet die Wirbelsäule von zu viel Druck. Besonders rückenfreundlich sind vor allem Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking, Yoga oder Pilates.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung eines Bandscheibenvorfalls.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Ein ergonomischer Tisch und Stuhl sorgen für eine gesunde Körperhaltung und vermeiden Rückenschmerzen.
- Richtiges Heben: Achten Sie darauf, nie mit rundem Rücken zu heben, sondern gehen Sie dazu immer leicht in die Knie und lassen Sie Ihren Rücken gerade. Auch einseitiges Tragen schwerer Taschen kann Ihren Rücken stark belasten.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren, Schwefel und Calcium ist wichtig für die Gesundheit der Bandscheiben.
- Flüssigkeitszufuhr: Achten Sie darauf, jeden Tag mindestens 1,5 Liter zu trinken, um die Bandscheiben ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen.
- Medikamente: Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antiepileptika können zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie und Massagen können helfen, die Muskeln des Rückens wieder zu stärken.
- Operation: Bei einem Bandscheibenvorfall ist eine Operation nur selten notwendig. Bei der Operation wird der Bandscheibenvorfall entfernt, was zur Entlastung des eingeklemmten Nervs führt.
- Homöopathie: Homöopathische Mittel wie Laurocerasus, Camphora, Secale cornutum oder Ammonium carbonicum können je nach Symptomatik eingesetzt werden.
- Vitamin D: Bei Osteomalazie wird Vitamin D3 (z. B. Vigantol®, eventuell hochdosiert) bis zum Erreichen der normalen Blutwerte für Kalzium und alkalische Phosphatase behandelt.
- Venentherapie: Bei Venenschwäche können Kompressionsstrümpfe, Venengymnastik oder operative Maßnahmen wie Sklerosierung, Varizen-Operation oder Lasertherapie helfen.
Wichtige Hinweise
- Suchen Sie einen Arzt auf, um die Ursache für Ihre Taubheitsgefühle in den Beinen abzuklären.
- Beginnen Sie keine Selbstbehandlung, ohne vorher mit Ihrem Arzt gesprochen zu haben.
- Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 - D12. Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit.
- Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung.
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