Ursachen für Taubheitsgefühl und Jucken im Gesicht: Ein umfassender Überblick

Ein Kribbeln im Gesicht, oft begleitet von Juckreiz oder Taubheitsgefühlen, kann beunruhigend sein. Dieses Phänomen, medizinisch als Parästhesie bezeichnet, kann vielfältige Ursachen haben, von harmlosen Auslösern bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Kribbeln und Taubheitsgefühle im Gesicht, geht auf Begleitsymptome ein und gibt Hinweise, wann ein Arztbesuch ratsam ist.

Kribbeln, Jucken und Taubheitsgefühle im Gesicht: Was steckt dahinter?

Kribbeln im Gesicht wird oft als Ameisenlaufen, Prickeln, Brennen oder ein pelziges Gefühl beschrieben. Es kann spontan auftreten oder durch sanfte Berührungsreize ausgelöst werden. Manchmal geht es mit Juckreiz, Taubheitsgefühlen oder sogar Schmerzen einher. Die Empfindungen können den Alltag erheblich beeinträchtigen und das Wohlbefinden negativ beeinflussen.

Häufige Ursachen für Kribbeln im Gesicht

1. Infektionen

  • Erkältungsschnupfen: Bei einem beginnenden Erkältungsschnupfen oder allergischem Schnupfen können neben Nasenlaufen, Niesreiz und behinderter Nasenatmung auch Jucken und Kribbeln im Kopf- und Nasenbereich auftreten. Auch der vasomotorische Schnupfen, der durch Kälte, Alkohol, heiße Getränke, Stress oder übermäßigen Gebrauch von Nasentropfen entstehen kann, kann diese Symptome auslösen.
  • Lippenherpes: Eine Herpesinfektion im Lippenbereich äußert sich durch einen bläschenartigen Ausschlag. Bereits vor der Bläschenbildung macht sich die Infektion oft durch Kribbeln oder Brennen der Lippen bemerkbar.
  • Gürtelrose: Auch neurologische Erkrankungen wie Gürtelrose können ein Kribbeln an unterschiedlichen Körperstellen auslösen.

2. Allergien

  • Kontaktallergie: Rötung, Brennen, Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl auf größeren Schleimhautbereichen des Mundes oder im gesamten Mundraum können auf eine Kontaktallergie hindeuten, beispielsweise auf Zahnpasta, Lebensmittelfarbstoffe oder Medikamente.

3. Neurologische Ursachen

  • Migräne: Bei manchen Migränepatienten kündigt sich ein Migräneanfall durch ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Gesicht an. Insbesondere bei einer Migräne mit Aura können Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle frühe Anzeichen einer beginnenden Attacke sein. Die Missempfindungen treten häufig im Gesicht oder den Extremitäten auf und gehören zur sogenannten Aura-Phase, die der eigentlichen Kopfschmerzphase vorausgeht.
  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die unter anderem mit Kribbeln, Taubheit oder neuropathischen Schmerzen einhergehen kann. Gefühlsstörungen, Sensibilitätsstörungen und Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder neuropathische Schmerzen zählen zu den frühesten und häufigsten Symptomen einer Multiplen Sklerose (MS). Bei der chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems greift das körpereigene Immunsystem die Nervenfasern an, was zu einer gestörten Reizweiterleitung im Gehirn und Rückenmark führen und u. a. ausgeprägte Empfindungsstörungen versuchen kann.
  • Parkinson: Auch bei Parkinson, einer neurodegenerativen Erkrankung, bei der bestimmte Nervenzellen im Gehirn allmählich absterben, können Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein diffuses Missempfinden auftreten.
  • Schlaganfall: Plötzliches Kribbeln auf einer Gesichtshälfte kann ein Warnzeichen für einen Schlaganfall sein. Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet, was zu einem Sauerstoffmangel führt. Kribbeln und Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in Arm, Bein oder Gesicht können auf einen Schlaganfall hinweisen - vor allem, wenn sie nur eine Körperseite betreffen.
  • Trigeminusneuralgie: Eine Reizung des Trigeminusnervs, beispielsweise durch Entzündungen oder Verspannungen, kann ebenfalls Kribbeln im Gesicht verursachen.

4. Psychische Faktoren

  • Panikattacken: Bei manchen Menschen äußert sich eine Panikattacke unter anderem mit einem Kribbeln um den Mund herum, oft begleitet von einem Engegefühl in der Brust, schneller Atmung und großer Angst.
  • Stress: Stress kann zu Muskelverspannungen und Nervenverspannungen führen, die ein unangenehmes Gefühl und Kribbeln im Kopf- oder Gesichtsbereich auslösen können.
  • Angst-/Panikattacken und Angststörungen (Phobien): Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle können begleitend zu Panikattacken oder Angstzuständen auftreten.

5. Weitere Ursachen

  • Nährstoffmangel: Ein Mangel an Magnesium, Folsäure, Vitamin B oder Eisen kann zu Kribbeln im Gesicht führen. Auch ein Kaliumüberschuss kann Missempfindungen verursachen.
  • Zahnprobleme: Entzündungen oder Zahnbehandlungen können umliegende Nerven reizen und Kribbeln auslösen.
  • HWS-Syndrom/Bandscheibe: Nervenengpässe in der Halswirbelsäule können ins Gesicht ausstrahlen und Kribbeln verursachen.
  • Unfall: Infolge eines Unfalls können Nerven eingeklemmt werden oder eine Gehirnerschütterung kann ein Kribbeln im Kopf auslösen.
  • Tumore oder hormonelle Störungen: In seltenen Fällen können hormonelle Störungen oder Tumore ein Kribbeln bedingen.
  • Medikamente: Kribbeln und Taubheitsgefühle treten bisweilen auch als unerwünschte, aber meist vorübergehende Nebenwirkung einiger Medikamente auf.
  • Polyneuropathie: Schädigungen der peripheren Nerven können zu Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln führen.

Polyneuropathie: Eine häufige Ursache für Kribbeln und Taubheitsgefühle

Die Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven gleichzeitig geschädigt sind. Schätzungen zufolge erkranken etwa drei bis acht Prozent der deutschen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an einer PNP. Die Erkrankung tritt in etwa der Hälfte aller Fälle als Langzeitfolge von Diabetes mellitus oder einer Alkoholabhängigkeit auf. Insgesamt tragen vor allem ältere Menschen ein erhöhtes Risiko.

Symptome der Polyneuropathie

Eine PNP kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven von der Erkrankung betroffen sind. Mediziner unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien. Manche Menschen sind auch von mehreren Formen der Polyneuropathie gleichzeitig betroffen.

  • Sensible Beschwerden: Sensible Nerven senden Informationen von der Haut zum Gehirn. Beeinträchtigungen können zu Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln führen. Auch ein vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden ist möglich. Diese Form der Polyneuropathie merken Betroffene vor allem an Füßen oder Händen.
  • Motorische Beschwerden: Die motorischen Nerven leiten Signale vom Gehirn zu den Muskeln weiter. Eine Nervenschädigung kann Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe verursachen.
  • Autonome Beschwerden: Das vegetative Nervensystem koordiniert automatisierte Körperfunktionen wie das Verdauen, Atmen oder Schwitzen. Eine vegetative Polyneuropathie steht unter anderem mit Beschwerden wie Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktem Schwitzen in Verbindung - sie betrifft die Organfunktionen.

Diagnose und Therapie der Polyneuropathie

Die Diagnose einer Polyneuropathie umfasst in der Regel eine neurologische Untersuchung, Blutuntersuchungen, eine Elektroneurographie (ENG) und eine Elektromyographie (EMG). Die Therapie richtet sich nach der Ursache der PNP und kann eine ursachenspezifische Behandlung (z.B. bei Diabetes oder Alkoholsucht) sowie eine symptomatische Therapie (z.B. Schmerzmittel, Physio- und Ergotherapie) umfassen.

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Wann sollte man zum Arzt gehen?

In den meisten Fällen ist Kribbeln im Gesicht harmlos und vorübergehend. Dennoch sollte man genau beobachten, wie, wann und wo es auftritt, denn es kann auch ein Signal des Körpers sein, dass etwas nicht stimmt. Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn:

  • das Kribbeln im Gesicht ohne erkennbaren Grund auftritt
  • das Kribbeln mit Schmerzen im Gesicht verbunden ist
  • die Symptome anhalten, häufig wiederkehren oder sich verschlimmern
  • zusätzlich Beschwerden wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehprobleme auftreten
  • Taubheitsgefühle oder Schwellungen im Gesicht auftreten

Was kann man selbst tun?

  • Stress reduzieren: Entspannungsübungen wie autogenes Training, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu lösen.
  • Ernährung anpassen: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann einem Nährstoffmangel entgegenwirken.
  • Wärme anwenden: Wärme kann bei muskulär bedingtem Kribbeln im Gesicht helfen, die Muskeln zu entspannen.
  • Massage: Eine sanfte Massage kann Verspannungen lösen und die Durchblutung fördern.

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