Ursachen und Behandlung von Taubheitsgefühl in der linken Backe

Kribbeln und Taubheitsgefühle im Gesicht, insbesondere in der linken Backe, können beunruhigend sein. Diese Empfindungsstörungen werden durch über- oder unteraktive Nerven verursacht. Während harmlose Ursachen wie eine vorübergehende Fehlhaltung möglich sind, können anhaltende Beschwerden auf ernstere Ursachen hinweisen. Es ist wichtig, die verschiedenen möglichen Ursachen zu verstehen und bei Bedarf ärztlichen Rat einzuholen.

Was sind Kribbeln und Taubheitsgefühle?

Kribbeln ist eine Empfindungsstörung an der Körperoberfläche, die in der Regel durch überaktive Nervenenden in der Haut vermittelt wird (Parästhesie). Taubheitsgefühle entstehen meist durch unteraktive Nerven (Hypästhesie). Ein taubes Gefühl in den Beinen kann beispielsweise entstehen, wenn der entsprechende Nerv durch langes Sitzen mit angezogenen Beinen abgedrückt wird und keine Signale mehr sendet.

Ein länger anhaltendes Taubheitsgefühl, das sich nicht auf einen unmittelbaren Auslöser wie eine Fehlhaltung zurückführen lässt, weist dagegen auf eine krankhafte Nervenschädigung hin. Andauerndes Kribbeln, das auch ohne vorhergehende Taubheitsgefühle auftritt, kann ebenfalls auf eine Nervenschädigung hinweisen, die zu falschen, krankhaften Reizen führt. Denn nur selten lässt sich das unangenehme und manchmal sogar schmerzhafte Kribbeln direkt auf einen äußeren Reiz zurückführen.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl in der linken Backe

Je nach dem, in welchem Körperbereich Taubheitsgefühle und/oder Kribbeln auftreten, sind in der Regel Störungen in den unterschiedlichen Nervenbahnen oder Blutgefäßen Ursache der Sensibilitätsstörungen. Meist gehen Taubheitsgefühle und Kribbeln dabei vom peripheren Nervensystem aus, das die Empfindungen von den verschiedenen Körperbereichen zum Gehirn leitet.

Ein Taubheitsgefühl in der linken Gesichtshälfte kann verschiedene Ursachen haben. Hier sind einige der häufigsten:

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  • Fazialisparese (Gesichtslähmung): Eine Schädigung des Gesichtsnervs (Nervus facialis) kann zu einer Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskeln führen. Dies kann sich als Taubheitsgefühl, hängender Mundwinkel, Schwierigkeiten beim Schließen des Auges und veränderter Geschmackssinn äußern. Die Ursachen für eine Fazialisparese sind vielfältig und können Infektionen, Entzündungen, Verletzungen oder Tumore umfassen. In vielen Fällen ist die Ursache jedoch unbekannt (idiopathische Fazialisparese).
  • Nervenkompression: Eine Kompression von Nerven im Gesichtsbereich, beispielsweise durch Verspannungen, Fehlhaltungen oder degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule (HWS), kann zu Taubheitsgefühlen führen. Auch ein Tumor am Gehör- oder Gleichgewichtsnerv kann Gefühlsstörungen im Gesicht verursachen.
  • Migräne: Bei manchen Menschen äußert sich eine Migräne unter anderem durch ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Gesicht.
  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eineAutoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft und zu verschiedenen neurologischen Symptomen führen kann, darunter auch Taubheitsgefühle im Gesicht.
  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann zu plötzlichen Taubheitsgefühlen oder Schwäche im Gesicht, Arm oder Bein führen, oft auf einer Körperseite. Dies ist ein medizinischer Notfall, der sofortige Behandlung erfordert.
  • Infektionen: Verschiedene Infektionen, wie beispielsweise Gürtelrose (Herpes Zoster) oder Borreliose, können Nervenschäden verursachen und zu Taubheitsgefühlen führen. Auch eine Mittelohrentzündung kann den Nervus facialis in Mitleidenschaft ziehen.
  • Zahnärztliche Ursachen: Probleme mit den Zähnen oder dem Kiefergelenk (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD) können ebenfalls zu Taubheitsgefühlen im Gesicht führen.
  • Mangelerscheinungen: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere Vitamin B12, kann Nervenschäden verursachen und zu Taubheitsgefühlen führen.
  • Stress: Psychische Faktoren wie extremer Stress können ebenfalls eine Entzündung des Nervus facialis auslösen.
  • Raynaud-Syndrom: In seltenen Fällen kann das Raynaud-Syndrom, das Durchblutungsstörungen verursacht, Missempfindungen im Gesicht auslösen.

Symptome, die mit Taubheitsgefühl in der linken Backe einhergehen können

Das Taubheitsgefühl in der linken Backe kann von weiteren Symptomen begleitet sein, die bei der Diagnose helfen können:

  • Kribbeln oder "Ameisenlaufen"
  • Schmerzen im Gesicht, Kiefer oder Nacken
  • Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskeln
  • Schwierigkeiten beim Sprechen oder Schlucken
  • Veränderter Geschmackssinn
  • Trockene Augen oder Mund
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Tinnitus (Ohrensausen)
  • Sehstörungen

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Grundsätzlich sollten Missempfindungen, die ohne erkennbare Ursache auftreten oder länger anhalten, ärztlich abgeklärt werden. Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn:

  • Das Taubheitsgefühl plötzlich auftritt.
  • Das Taubheitsgefühl von anderen Symptomen wie Sprachschwierigkeiten, Sehproblemen oder Schwäche begleitet wird.
  • Das Taubheitsgefühl über einen längeren Zeitraum besteht oder immer wiederkehrt.
  • Das Taubheitsgefühl sich verschlimmert.
  • Sie sich Sorgen machen.

Diagnose

Um die Ursache für das Taubheitsgefühl in der linken Backe zu finden, wird der Arzt eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei wird er unter anderem die Reflexe, die Sensibilität und die Funktion der Gesichtsnerven prüfen. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:

  • Neurologische Untersuchung: Um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  • Elektromyographie (EMG): Um die elektrische Aktivität der Muskeln zu messen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT): Um Bilder des Gehirns, der Nerven und der umliegenden Strukturen zu erhalten.
  • Blutuntersuchungen: Um Infektionen, Entzündungen, Mangelerscheinungen oder andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Lumbalpunktion: In einigen Fällen kann eine Lumbalpunktion erforderlich sein, um die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit zu untersuchen.

Behandlung

Die Behandlung von Taubheitsgefühl in der linken Backe richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige mögliche Behandlungsansätze sind:

  • Medikamente: Je nach Ursache können Medikamente wie Kortikosteroide (bei Entzündungen), Virustatika (bei Virusinfektionen), Antibiotika (bei bakteriellen Infektionen) oder Schmerzmittel eingesetzt werden. Bei Vitamin-B12-Mangel wird mit Präparaten aus dem Vitamin-B-Komplex behandelt, insbesondere mit Vitamin B12, aber auch Vitamin B6 und B1.
  • Physiotherapie: Bei Nervenkompressionen oder Muskelverspannungen kann Physiotherapie helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Muskeln zu entspannen. Spezielle Fazialisparese-Übungen ermöglichen es den Betroffenen, unter professioneller Anleitung das Sprechen zu verbessern, leichter essen und trinken zu können sowie Gesichtsausdrücke zu trainieren.
  • Operation: In einigen Fällen, beispielsweise bei Tumoren oder schweren Nervenkompressionen, kann eine Operation erforderlich sein.
  • Entspannungstechniken: Stress kann ein Auslöser für Taubheitsgefühle sein. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
  • Akupunktur: Einige Menschen finden Akupunktur hilfreich bei der Linderung von Taubheitsgefühlen.
  • Augenpflege: Da bei den meisten Patienten und Patientinnen mit peripherer Fazialisparese eine Schädigung der Lidschluss-Funktion besteht, muss das Auge besonders gepflegt werden, damit sich die Hornhaut nicht entzündet. Das geschieht mit künstlicher Tränenflüssigkeit und Augensalbe. Nachts tragen Patienten einen sogenannten Uhrglasverband (eine Art durchsichtige Augenklappe im Pflasterformat), um vor Austrocknung zu schützen.
  • Transkutane Nervenstimulation: In schweren Fällen, in denen die Gesichtslähmung nicht wieder abklingt, ist eine sogenannte transkutane Nervenstimulation eine Therapieoption. Hierbei regen leichte Stromwellen die betroffenen Nerven und Muskeln an. Der Strom wird über eine Elektrode auf der Haut in den Körper geleitet.

Vorbeugung

Einige allgemeine Tipps können helfen, Taubheitsgefühlen vorzubeugen:

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  • Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und genügend Schlaf.
  • Stressmanagement: Vermeiden Sie Stress oder lernen Sie, besser damit umzugehen.
  • Ergonomie: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung und ergonomische Arbeitsbedingungen.
  • Regelmäßige Pausen: Machen Sie regelmäßig Pausen, um Muskelverspannungen zu vermeiden.
  • Vermeidung von Kälte: Schützen Sie sich vor Kälte, um Durchblutungsstörungen zu vermeiden.
  • Rauchstopp: Rauchen kann die Durchblutung beeinträchtigen und Nervenschäden verursachen.
  • CMD-Behandlung: Eine frühe Diagnose und Behandlung durch einen Kieferorthopäden kann helfen, die Symptome der Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) zu lindern und Langzeitschäden zu vermeiden.

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