Taubheitsgefühl nach Lungenoperation: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Taubheitsgefühl nach einer Lungenoperation kann für Betroffene sehr beunruhigend sein. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze, um Ihnen ein umfassendes Verständnis dieser Problematik zu ermöglichen.

Einführung

Nach einer Lungenoperation können verschiedene Beschwerden auftreten, darunter auch ein Taubheitsgefühl im Brustkorb oder anderen Körperregionen. Dieses Gefühl kann von leichtem Kribbeln bis hin zu einem vollständigen Verlust der Empfindung reichen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu kennen, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

Ursachen für Taubheitsgefühle nach Lungenoperationen

Es gibt verschiedene Gründe, warum nach einer Lungenoperation Taubheitsgefühle auftreten können. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

Interkostalneuralgie

Eine sehr häufige Ursache für Schmerzen und Missempfindungen nach einer Operation im Brustraum ist die Interkostalneuralgie. Schätzungsweise jede/r zweite Patientin oder Patient entwickelt nach einer Thoraktomie (Öffnung der Brustwand) eine Interkostalneuralgie. Bei einer Interkostalneuralgie handelt es sich um eine Reizung oder Schädigung der Zwischenrippennerven (Interkostalnerven), die zwischen den Rippen verlaufen und für die Sensibilität der Brustwand zuständig sind. Die Schmerzen können akut, also unmittelbar nach der Operation, oder auch chronisch auftreten - Letzteres ist der Fall, wenn eine dauerhafte Nervenschädigung vorliegt. Medizinisch nennt man dies auch Postthorakotomie-Syndrom.

Wie kommt es zu einer Interkostalneuralgie?

  • Operationen: Eine Thoraktomie, bei der die Brustwand geöffnet wird, kann zu einer direkten Verletzung oder Reizung der Interkostalnerven führen.
  • Verletzungen: Auch andere Verletzungen im Brustbereich, wie beispielsweise ein Rippenbruch, können die Nerven schädigen.
  • Muskelverspannungen: Dauerhaft angespannte Muskeln im Brustbereich können ebenfalls auf die Nerven drücken und eine Interkostalneuralgie verursachen.
  • Einengungen: Tumore oder andere Einengungen im Bereich der Brustwirbelsäule können die Nerven komprimieren.

Nervenschäden während der Operation

Während des operativen Eingriffs können Nerven verletzt oder durchtrennt werden. Dies kann unbeabsichtigt geschehen, insbesondere bei komplexen Operationen, bei denen Nerven in der Nähe des Operationsgebiets verlaufen. Nicht jeder Nervenschaden ist auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen. In manchen Fällen handelt es sich um unvermeidbare Komplikationen.

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Wie entstehen Nervenschäden während der Operation?

  • Kompressionen: Nerven können während der Operation durch Druck geschädigt werden.
  • Dehnungen: Übermäßige Dehnung der Nerven kann zu Schäden führen.
  • Traumen: Direkte Verletzungen der Nerven durch chirurgische Instrumente sind möglich.
  • Patientenlagerung: Auch die Positionierung des Patienten während der Operation kann zu Nervenschäden führen.

Narbenbildung und Vernarbungen

Innere Vernarbungen im Operationsgebiet können ebenfalls zu Taubheitsgefühlen und einem Engegefühl im Brustkorb führen. Das Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut kann sich total verfestigen. Es fühlt sich von außen oft an wie Hartgummi. Die Haut lässt sich an diesen Stellen nicht abheben. Die Narben können auf Nerven drücken oder die Beweglichkeit des Brustkorbs einschränken, was zu den genannten Beschwerden führt.

Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die das periphere Nervensystem schädigt. Sie betrifft also die Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Dadurch können Reize nicht oder nur eingeschränkt an das zentrale Nervensystem weitergeleitet werden. Eine Polyneuropathie kann durch verschiedene Ursachen entstehen. Nach einer Darmkrebs-Operation kann als Folge einer Chemotherapie eine Polyneuropathie auftreten. Einige Chemotherapiemedikamente können die Nerven schädigen. Dann können die Nerven Reize nicht mehr richtig übertragen: Ihre Funktion ist gestört. Der Fachausdruck dafür ist „Polyneuropathie“ bzw. „Neuropathie“. Besonders platinhaltige Chemotherapeutika können zu Nervenschäden führen. Bei einer Polyneuropathie kommt es zu Missempfindungen wie Kribbeln und Stechen, Taubheitsgefühlen in Füßen, Zehen, Armen und Händen.

Andere mögliche Ursachen

  • Gürtelrose: Eine Gürtelrose, ein Infekt mit dem Herpes Zoster-Virus, kann ebenfalls zu Nervenschmerzen und Taubheitsgefühlen führen.
  • Diabetes: Diabetes kann Nervenschäden verursachen, die sich in Taubheitsgefühlen äußern können.
  • Alkoholabhängigkeit: Chronischer Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden führen.
  • Periphere Gefäßerkrankungen: Erkrankungen der Blutgefäße können die Nervenversorgung beeinträchtigen und Taubheitsgefühle verursachen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere B-Vitamine, kann Nervenschäden verursachen.

Symptome von Taubheitsgefühlen nach Lungenoperation

Die Symptome können vielfältig sein und variieren je nach Ursache und Ausmaß der Nervenschädigung. Typische Anzeichen sind:

  • Taubheitsgefühle: Ein vermindertes oder fehlendes Gefühl in bestimmten Bereichen des Brustkorbs, der Brust, des Arms oder des Beins. Es gibt taube Stellen am Bein, die man nicht spürt, wenn man über die Haut des Beines streicht.
  • Kribbeln: Ein prickelndes oder stechendes Gefühl, oft beschrieben als "Ameisenlaufen". Oder es gibt ein ständiges Kribbeln im Verlauf des Nerven, der betroffen war.
  • Schmerzen: Scharfe, brennende oder stechende Schmerzen entlang der Nervenbahnen. Die Schmerzen können bei einer Interkostalneuralgie scharf, brennend oder stechend sein.
  • Schwäche: Muskelschwäche oder Schwierigkeiten bei der Bewegung des betroffenen Körperteils.
  • Eingeschränkte Atmung: Ein Engegefühl im Brustkorb, das die Atmung erschwert. Durch das Engegefühl kann man auch noch nicht tief durchatmen.
  • Überempfindlichkeit: Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen, Kälte oder Wärme. So reagieren Betroffene unter- oder überempfindlich(manchmal auch beides) auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck.
  • Unwillkürliche Zuckungen: In manchen Fällen treten unwillkürliche Zuckungen einzelner Muskelgruppen auf.

Diagnose von Taubheitsgefühlen nach Lungenoperation

Die Diagnose umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Tests.

  • Anamnese: Der Arzt wird Sie ausführlich nach Ihrer Krankengeschichte, der Operation und den aufgetretenen Symptomen befragen. Er oder sie erkundigt sich zum Beispiel nach zurückliegenden Operationen des Brustkorbs, Verletzungen oder einer Gürtelrose-Erkrankung.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Brustkorb und die betroffenen Bereiche, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln. Insbesondere gewisse Triggerpunkte reagieren überempfindlich auf Berührungen und erzeugen Schmerzreize, wenn eine Interkostalneuralgie vorliegt. Treten beim Abtasten des empfindlichen Bereichs oder beim Beugen des Oberkörpers zur betroffenen Seite verstärkt Schmerzen auf, ist dies ein Hinweis für den Arzt oder die Ärztin, dass es sich um eine Interkostalneuralgie handelt (Schepelmann-Zeichen).
  • Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und Schädigungen zu identifizieren. Eine wichtige Methode ist auch zu messen, wie leitfähig der betroffene Nerv ist.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, CT-Scans oder MRT-Untersuchungen können durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, wie z.B. Tumore oder Bandscheibenvorfälle.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (ENG): Eine Elektroneurografie (ENG) kann durchgeführt werden, um die Nervenleitgeschwindigkeit zu messen und Nervenschäden zu identifizieren.
  • Elektromyografie (EMG): Die Elektromyografie (EMG) kann zur Messung der elektrischen Aktivität im Muskel erfolgen.

Behandlung von Taubheitsgefühlen nach Lungenoperation

Die Behandlung zielt darauf ab, die Ursache der Beschwerden zu behandeln, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Symptome eingesetzt werden können.

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Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Nichtsteroidale entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAIDs) wie Paracetamol oder Ibuprofen können helfen, die Schmerzen zu lindern. Bei stärkeren Schmerzen können Opioide eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beweglichkeit des Brustkorbs zu verbessern und die Nervenfunktion zu stimulieren. Zudem gibt es verschiedene Interkostalneuralgie-Übungen, die Betroffene bei der Physiotherapie erlernen. Sie helfen dabei, muskuläre Verspannungen im Rücken- und Brustbereich zu lösen, was zu einer Reduktion der Schmerzen beiträgt.
  • Atemtherapie: Atemtherapie kann helfen, die Atmung zu verbessern und das Engegefühl im Brustkorb zu reduzieren.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Lokale Anwendungen mit Wärme oder Kälte können helfen, die Schmerzen zu lindern und Muskelverspannungen zu lösen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie autogenes Training und progressive Muskelentspannung können helfen, mit den Schmerzen umzugehen und Stress abzubauen.
  • Ergotherapie: Hier lernte Christian Übungen, um die Muskulatur zu stärken und die Nerven zu stimulieren..
  • SENSI-Bäder: SENSI-Bäder dienen der Stimulierung Ihrer Nerven durch das Setzen verschiedener Reize. Sie können beispielweise in Schüsseln mit Linsen, Tannenzapfen, Watte, etc.

Medikamentöse Behandlung

  • Antidepressiva: Antidepressiva, die eine Weiterleitung der Schmerzsignale unterdrücken.
  • Antikonvulsiva: Arzneimittel zur Behandlung epileptischer Anfälle in Kombination mit speziellen Hautcremes.
  • Lokale Betäubungsmittel: In einigen Fällen kann der Interkostalnerv über ein lokales Betäubungsmittel kurzzeitig blockiert werden, um die Schmerzen zu lindern.
  • Lidocain-Pflaster: Eine lokale Therapie erfolgt zum Beispiel mittels Lidocain-Pflastern. Meistens ist es sinnvoll, mehrere Medikamente miteinander zu kombinieren.

Invasive Behandlung

  • Nervenblockaden: Selektive Nervenblockaden oder Ganglionblockaden können eingesetzt werden, um die Schmerzsignale zu unterbrechen.
  • Neuromodulationsverfahren: Neuromodulationsverfahren wie die Rückenmarkstimulation können eingesetzt werden, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.

Operative Behandlung

  • Nervenentlastung: In einigen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein, um die Nerven zu entlasten und die Schmerzen in den Griff zu bekommen.
  • Narbenkorrektur: Bei Narbenbildung kann eine operative Narbenkorrektur helfen, die Beschwerden zu lindern.

Umgang mit chronischen Schmerzen

Leider können chronisch gewordene Nervenschmerzen oft nicht mehr vollständig geheilt werden. Umso wichtiger ist es in solchen Fällen, dass die Betroffenen lernen, richtig mit ihren Schmerzen umzugehen. Das Hauptziel der Behandlung neuropathischer Schmerzen ist und bleibt, die Lebensqualität der Betroffenen so gut es geht zu verbessern.

  • Schmerztagebuch: Führen Sie ein Schmerztagebuch, um die Schmerzen zu dokumentieren und Muster zu erkennen.
  • Psychologische Unterstützung: Eine Psychotherapie kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.

Rechtliche Aspekte bei Nervenschäden nach Operationen

Wenn nach einer Operation plötzlich Taubheitsgefühle, Lähmungen oder unerklärliche Schmerzen auftreten, kann ein Nervenschaden die Ursache sein. Es ist wichtig zu wissen, dass nicht jeder Nervenschaden auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen ist. In manchen Fällen handelt es sich um unvermeidbare Komplikationen.

Beweisführung und Verjährung

Die Beweisführung bei Nervenschäden nach Operationen ist oft komplex. Grundsätzlich muss der Patient beweisen, dass ein Behandlungsfehler vorliegt und dieser ursächlich für den Schaden ist. Die reguläre Verjährungsfrist beträgt drei Jahre ab Kenntnis des Schadens und der Person des Schädigers. Die absolute Verjährungsfrist liegt bei 30 Jahren nach der schädigenden Handlung.

Empfehlungen

Es ist wichtig, frühzeitig rechtlichen Rat einzuholen, um keine Fristen zu versäumen und wichtige Beweise zu sichern. Eine spezialisierte Kanzlei für Medizinrecht kann Ihnen helfen, Ihre Ansprüche durchzusetzen und eine angemessene Entschädigung zu erhalten.

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