Taubheitsgefühl nach Zahnimplantation: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Obwohl die Zahnmedizin stetig Fortschritte macht, sind Komplikationen nach Zahnimplantationen nicht völlig auszuschließen. Eine im National Journal of Maxillofacial Surgery veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2020 identifizierte über 20 Faktoren, die zu Problemen mit Zahnimplantaten führen können. Auch wenn die Mehrheit der Patient*innen mit dem Ergebnis ihrer Zahnimplantate zufrieden ist, können in einigen Fällen Komplikationen auftreten, von denen das Taubheitsgefühl eine sein kann. Es ist wichtig zu wissen, dass die Behandlung von Problemen mit Zahnimplantaten in den meisten Fällen unkompliziert ist.

Mögliche Komplikationen nach Zahnimplantationen

Nach einer Zahnimplantation können verschiedene Komplikationen auftreten, darunter:

  • Infektionen (Periimplantitis): Eine Entzündung des Gewebes um das Implantat herum, die zu Knochenabbau führen kann.
  • Beschädigung des Zahnfleisches: Dies kann zu lockeren Implantaten und Zähnen führen.
  • Nervenschädigung und Kribbeln: Ein Gefühl von Kribbeln oder Taubheit kann durch eine Nervenschädigung während der Operation entstehen.
  • Zahnimplantat-Sinusprobleme: Falsch platzierte Implantate im Oberkiefer können zu Problemen mit den Kieferhöhlen führen.
  • Frakturen des Zahns: Das Beißen oder Kauen auf harte Lebensmittel kann zu Frakturen des Implantatzahns führen.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 liegt die Versagensrate von Zahnimplantaten bei etwa 5-10 %. Dabei ist es wichtig, zwischen Problemen des Wirts und dem mikrobiellen Umfeld am Implantat zu unterscheiden.

Faktoren, die die Erfolgsquote von Zahnimplantaten beeinflussen

Verschiedene Faktoren können die Erfolgsquote von Zahnimplantaten beeinflussen:

  • Gesundes Zahnfleisch: Infiziertes Zahnfleischgewebe kann sich um das Implantat herum ausbreiten und zu Schwellungen und Schmerzen führen.
  • Gesunde Blutzirkulation: Rauchen beeinträchtigt die Blutzirkulation und kann die Heilung verzögern. Daher wird Rauchern empfohlen, vor der Operation mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Gesundheitszustände: Osteoporose kann zu Knochendichteverlust führen, was die Stabilität des Implantats beeinträchtigen kann.
  • Kieferknochen: Ein gesunder und reichhaltiger Kieferknochen ist entscheidend für den Halt des Implantats.
  • Osseointegration: Der Prozess, bei dem das Implantat mit dem Kieferknochen verschmilzt.
  • Medikamente: Einige Medikamente können die Erfolgsrate der Implantatbehandlung beeinträchtigen.
  • Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene ist unerlässlich, um Infektionen vorzubeugen.
  • Erfahrung und Kompetenz des Zahnarztes: Besonders wichtig bei Problemen mit dem Zahnfleischgewebe oder dem Kieferknochen.

Taubheitsgefühl nach Zahnimplantation: Ursachen

Taubheitsgefühle nach einer Zahnimplantation können verschiedene Ursachen haben:

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1. Ursachen während der Operation

  • Lokalanästhesie: Vor dem Einsetzen des Implantats wird ein Lokalanästhetikum injiziert, um Schmerzen während des Eingriffs zu verhindern. Dies führt zu einer vorübergehenden Parästhesie (Taubheit), da die Nervenenden blockiert werden. Die Wirkung sollte nach 3-4 Stunden nachlassen.
  • Nervenverletzungen: Während der Implantation, insbesondere im Unterkiefer, kann es zu Verletzungen des Unterkiefernervs (Nervus alveolaris inferior) oder des Zungennervs (Nervus lingualis) kommen. Diese Nerven versorgen die Zähne, das Zahnfleisch, die Lippen und die Zunge mit Sensibilität.
    • Ursachen für Nervenverletzungen:
      • Falsche Planung der Implantatposition: Eine ungenaue Planung kann dazu führen, dass das Implantat zu nah an einem Nerv platziert wird.
      • Zu starker Druck beim Einbringen des Implantats: Dies kann zu einer Schädigung der Knochenstruktur und des Nervs führen.
      • Zu hohe Spannungen während der Operation: Auch dies kann den Knochen und den Nerv schädigen.
      • Falsch gewählte Implantatlänge: Ein zu langes Implantat kann den Nerv verletzen.
      • Ungenaues Bohren: Beim Bohren des Lochs für das Implantat kann der Nerv verletzt werden.
    • Arten von Nervenverletzungen:
      • Neuropraxie: Eine leichte Verletzung (Dehnung) ohne Schädigung der Nervenstruktur. Die Empfindlichkeit kehrt normalerweise innerhalb von 4-8 Wochen zurück.
      • Axonotmesis: Eine mittelschwere Verletzung, bei der die Nervenhülle intakt bleibt, aber das Innere des Nervs (Axon) geschädigt ist. Dies kann zu Taubheit und Schmerzen führen. Die Empfindlichkeit kehrt innerhalb von 8-16 Wochen zurück, möglicherweise aber nicht vollständig.
      • Neurotmesis: Eine schwere Verletzung, bei der der Nerv vollständig durchtrennt ist. Dies führt zu dauerhafter Taubheit.
  • Verletzung des Trigeminusnervs: Der Trigeminusnerv ist der größte der zwölf Hirnnerven und versorgt das Gesicht mit Sensibilität. Eine Verletzung dieses Nervs kann zu Taubheit im Unterkiefer führen.
  • Verletzung der Kieferhöhle: Im Oberkiefer kann es bei einer Implantation in der Nähe der Kieferhöhle zu einer Verletzung dieser kommen, was zu späteren Beschwerden und Infektionen führen kann.

2. Ursachen nach der Operation

  • Entzündungen und Infektionen: Entzündungen und Infektionen im Bereich des Implantats können ebenfalls zu Taubheitsgefühlen führen.
  • Druck auf den Nerv: Ein Bluterguss oder ein Ödem (Schwellung) im Knochen kann Druck auf den Nerv ausüben, auch wenn dieser nicht direkt verletzt wurde.

3. Weitere Risikofaktoren

  • Rauchen: Nikotinkonsum beeinträchtigt die Durchblutung und kann die Heilung verzögern, was das Risiko von Komplikationen erhöht.
  • Vorerkrankungen: Erkrankungen wie Diabetes, Osteoporose oder Autoimmunerkrankungen können die Erfolgsrate von Implantaten beeinträchtigen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente, insbesondere Bisphosphonate, können das Risiko von Komplikationen erhöhen.
  • Schlechte Mundhygiene: Eine unzureichende Mundhygiene kann zu Entzündungen und Infektionen führen.
  • Geringe Erfahrung des Implantologen: Ein unerfahrener Implantologe kann eher Fehler bei der Planung und Durchführung der Implantation machen.

Diagnose und Behandlung von Taubheitsgefühlen nach Zahnimplantation

1. Diagnose

  • Untersuchung der Mundhöhle durch den Zahnarzt.
  • Bewertung des neurologischen Status: Der Arzt untersucht die betroffenen Äste des Trigeminusnervs, um das Ausmaß der Nervenschädigung festzustellen.
  • Röntgenaufnahmen/Computertomographie (CT/DVT): Diese Bildgebungsverfahren helfen, die genaue Position des Implantats und den Zustand des Knochens und der Nerven zu beurteilen. Sie können auch den Abstand zwischen Implantat und Nervkanal messen.

2. Behandlung

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen nach Zahnimplantationen hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Nervenschädigung ab.

  • Konservative Behandlung:
    • Abwarten: Bei leichten Nervenverletzungen (Neuropraxie) kann es ausreichend sein, abzuwarten und dem Körper Zeit zur Selbstheilung zu geben.
    • Medikamentöse Therapie: Der Arzt kann entzündungshemmende Medikamente und Schmerzmittel verschreiben.
    • Physiotherapie: Akupunktur, gezielte Massage, Elektrophorese und Ultraschalltherapie können die Heilung unterstützen.
    • Kortisongabe: In einigen Fällen kann Kortison helfen, Schwellungen und Entzündungen zu reduzieren, die auf den Nerv drücken.
  • Chirurgische Behandlung:
    • Implantatentfernung oder -neupositionierung: Wenn das Implantat direkt auf einen Nerv drückt oder diesen verletzt hat, kann es erforderlich sein, das Implantat zu entfernen oder neu zu positionieren.
    • Nervnaht: In seltenen Fällen, wenn der Nerv vollständig durchtrennt wurde, kann eine operative Nervnaht erforderlich sein, um die Regeneration des Nervs zu fördern.

Prävention von Taubheitsgefühlen nach Zahnimplantation

Um das Risiko von Taubheitsgefühlen nach Zahnimplantationen zu minimieren, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Sorgfältige Planung: Eine präzise Planung des Eingriffs mit Hilfe von 3D-Röntgen (CT/DVT) ist unerlässlich, um die genaue Position des Nervs zu bestimmen und das Implantat entsprechend zu positionieren.
  • Erfahrener Implantologe: Die Implantation sollte von einem erfahrenen Zahnarzt oder Kieferchirurgen durchgeführt werden, der sich auf Implantologie spezialisiert hat.
  • Schonende Operationstechnik: Der Implantologe sollte eine schonende Operationstechnik anwenden, um das Risiko von Nervenverletzungen zu minimieren.
  • Geeignete Implantatlänge: Die Auswahl der richtigen Implantatlänge ist entscheidend, um eine Verletzung des Nervs zu vermeiden. Bei nervnahen Implantaten sollten kurze Implantate und Stopper verwendet werden, um die Integration des Implantats zu kontrollieren.
  • Gute Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene ist unerlässlich, um Entzündungen und Infektionen vorzubeugen.
  • Regelmäßige Kontrollen: Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind wichtig, um Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Rauchen sollte vermieden werden, und bestehende Vorerkrankungen sollten gut behandelt werden.

Was tun, wenn Taubheitsgefühle auftreten?

Wenn nach einer Zahnimplantation Taubheitsgefühle auftreten, sollten Sie umgehend Ihren Zahnarzt aufsuchen. Dieser kann die Ursache der Taubheit feststellen und eine geeignete Behandlung einleiten.

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