Taubheitsgefühl im Oberschenkel durch Eisenmangel: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eisenmangel ist eine weltweit verbreitete Mangelerscheinung, die verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen kann. Besonders Frauen, aber auch Menschen mit vegetarischer oder veganer Ernährung, gehören zu den Risikogruppen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Folgen von Eisenmangel, insbesondere im Zusammenhang mit Taubheitsgefühlen im Oberschenkel, und gibt Hinweise zur Behebung des Mangels.

Wofür der Körper Eisen benötigt

Eisen ist ein essentielles Spurenelement, das der Körper nicht selbst produzieren kann. Daher muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Eisen spielt eine zentrale Rolle bei der Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport im Körper unerlässlich ist. Zudem ist Eisen Bestandteil der "Kraftwerke" in den Zellen und wichtiger Enzyme. Es ist also von großer Bedeutung für zahlreiche Körperfunktionen. Ohne Eisen wäre die Versorgung von Organen und Geweben mit Sauerstoff, Energie und Baumaterial für den genetischen Code nicht möglich.

Eisenbedarf des Menschen

Der tägliche Eisenbedarf ergibt sich aus den Eisenverlusten über Schweiß, Urin und Stuhl und liegt zwischen einem und zwei Milligramm. Frauen haben aufgrund der Menstruation einen höheren Bedarf.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Körper nur etwa 10 bis 15 Prozent des über die Nahrung aufgenommenen Eisens verwerten kann. Daher empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine tägliche Eisenzufuhr von 10 bis 15 Milligramm für Jugendliche und Erwachsene, wobei Frauen einen höheren Bedarf haben als Männer. Kinder sollten 8 bis 15 Milligramm Eisen pro Tag zu sich nehmen, Schwangere 30 Milligramm und Stillende 20 Milligramm.

Ursachen eines Eisenmangels

Das über die Nahrung aufgenommene Eisen deckt oft nur den normalen Bedarf. Bei erhöhtem Bedarf, beispielsweise während der Schwangerschaft oder bei starker Menstruation, kann es zu einem Eisenmangel kommen. Weitere Ursachen für ein Missverhältnis zwischen Eisenbedarf und Eisenangebot sind:

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  • Erhöhter Bedarf: Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstumsphase und Pubertät erhöhen den Eisenbedarf.
  • Zu geringe Eisenzufuhr: Vegetarier und Veganer nehmen oft zu wenig Eisen auf, da pflanzliches Eisen schlechter verwertbar ist.
  • Eisenverlust: Starke Menstruationsblutungen, Blutungen durch Geschwüre, chronische Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, blutende Hämorrhoiden, hohe sportliche Belastung und Blutspenden führen zu Eisenverlust. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verursachen wiederholte Blutungen in der geschwollenen Darmschleimhaut.

Symptome eines Eisenmangels

Der Körper kann einen Eisenmangel zunächst ausgleichen, aber nach einiger Zeit treten Symptome und Mangelerscheinungen auf, darunter:

  • Spröde Haare und brüchige Nägel, Haarausfall
  • Trockene Haut
  • Rissige und eingerissene Mundwinkel (Mundwinkelrhagaden)
  • Schleimhautveränderungen im Mund und der Speiseröhre
  • Zungenbrennen
  • Wiederkehrende Aphthen der Mundschleimhaut
  • Fehlende Rötungen des Unterlids

Weitere Symptome bei länger anhaltendem Eisenmangel sind:

  • Andauernde Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Verminderte Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit
  • Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Nervosität, innere Unruhe, Gereiztheit, Abgespanntheit
  • Blässe
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Kribbeln in Händen und Beinen
  • Kälteüberempfindlichkeit
  • Erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten
  • Herzrasen und Luftnot
  • Ohrgeräusche, Sehstörungen, Benommenheit und Ausbleiben der Menstruation (bei starker Eisenmangelanämie)

Nervenschmerzen und Taubheitsgefühl im Oberschenkel durch Eisenmangel

Eisenmangel kann Nervenschmerzen auslösen, weil Eisen eine entscheidende Rolle im Sauerstofftransport und im Energiestoffwechsel spielt und daher für die Funktion des Nervensystems unerlässlich ist.

  • Verringerte Sauerstoffversorgung des Nervengewebes: Eisen ist ein zentraler Bestandteil des Hämoglobins, das für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich ist. Ein Mangel an Eisen führt zu einer verminderten Sauerstoffversorgung, auch in den Nerven.
  • Beeinträchtigung der Myelinsynthese: Myelin ist die Schutzhülle, die die Nervenfasern umgibt und für eine schnelle und effiziente Signalübertragung sorgt. Eisen spielt eine Rolle bei der Bildung und dem Erhalt der Myelinschicht.
  • Erhöhte Anfälligkeit für Entzündungen: Ein Eisenmangel kann das Immunsystem schwächen, was das Risiko für entzündliche Prozesse im Körper erhöht. Entzündungen können Nerven reizen und schädigen, was zu Schmerzen und Dysästhesien (unangenehmen Empfindungen) führen kann.
  • Störung der Neurotransmitter-Produktion: Eisen ist ein wichtiger Faktor für die Produktion bestimmter Neurotransmitter, darunter Dopamin und Serotonin, die für die Schmerzwahrnehmung und das allgemeine Wohlbefinden eine Rolle spielen. Ein Eisenmangel kann die Balance dieser Botenstoffe stören, was das Schmerzempfinden verstärkt und Nervenschmerzen begünstigt.
  • Beeinträchtigung der zellulären Energieproduktion: Eisen ist essentiell für die Funktion der Mitochondrien, die Energie für die Zellen bereitstellen. Nerven sind stark energieabhängig, und ein Eisenmangel führt zu einer geringeren Verfügbarkeit von ATP (Adenosintriphosphat), der Hauptenergiequelle der Zellen.

Taubheitsgefühle und Kribbeln (Parästhesien) können ebenfalls durch Eisenmangel verursacht werden. Diese Empfindungsstörungen entstehen durch über- oder unteraktive Nerven. Ein taubes Gefühl im Oberschenkel kann entstehen, wenn der versorgende Nerv durch den Eisenmangel geschädigt wird.

Ein spezifisches Beispiel ist die Meralgia paraesthetica, ein Nerven-Engpass-Syndrom, bei dem der Nerv, der die Haut der Oberschenkelseiten versorgt, im Bereich der Leiste erhöhtem Druck ausgesetzt ist. Obwohl Übergewicht, Schwangerschaft oder Wasseransammlungen im Bauchraum häufige Ursachen sind, kann ein Eisenmangel die Nervenfunktion zusätzlich beeinträchtigen und die Symptome verstärken.

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Folgen eines Eisenmangels

Neben einer Anämie kann Eisenmangel langfristig weitere Folgen haben, etwa das Plummer-Vinson-Syndrom (Schäden der Schleimhaut im Mund- und Rachenbereich) oder die Pica-Krankheit (verformte Fingernägel, nächtliche Muskelkrämpfe, Verlangen nach Nicht-Essbarem). Zudem neigen Menschen mit Eisenmangel eher zur Speicherung von Blei im Körper. Bei Kindern kann eine lange unentdeckte Eisenmangelanämie die Intelligenzentwicklung und die Gehirnreifung beeinträchtigen.

Diagnose von Eisenmangel

Bei Verdacht auf Eisenmangel ist eine Blutuntersuchung erforderlich. Dabei sollten nicht nur die Eisenkonzentration im Blut, sondern auch der Ferritinwert (Speichereisen) und der Transferrinwert (Eisentransport) bestimmt werden. Das Verhältnis der Werte kann helfen, die Ursache des Eisenmangels zu ermitteln. In manchen Fällen kann auch eine Untersuchung des Knochenmarks erforderlich sein.

Was tun bei Eisenmangel?

Die Behandlung von Eisenmangel umfasst in der Regel eine Kombination aus Ernährungsumstellung und Eisenpräparaten.

Ernährungstipps bei Eisenmangel

  • Essen Sie drei- bis viermal pro Woche eine Portion mageres Fleisch. Leber und Innereien sind besonders eisenreich.
  • Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Linsen oder weiße Bohnen enthalten größere Mengen Eisen und andere wertvolle Mineralstoffe.
  • Kombinieren Sie die Mahlzeiten mit Vitamin-C-reichen Gemüsen (Paprika, Sauerkraut, Rosenkohl, Kartoffeln) oder einem Glas Orangensaft. Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Nahrungsmitteln.
  • Vermeiden Sie Kaffee, Tee und Cola zu eisenreichen Mahlzeiten, da diese die Eisenaufnahme hemmen.
  • Vegetarierinnen und Veganerinnen sollten pflanzliche Eisenlieferanten mit Vitamin C kombinieren.

Eisenpräparate

  • Bei diagnostiziertem Eisenmangel können Eisenpräparate (Tabletten, Kapseln, Saft oder Tropfen) helfen, die Eisenspeicher schnell wieder aufzufüllen.
  • Nehmen Sie Eisenpräparate niemals ohne ärztliche Empfehlung ein, um einen Eisenüberschuss zu vermeiden.
  • Beachten Sie, dass Eisen und Zink, Kalzium oder Magnesium ihre Aufnahme gegenseitig beeinträchtigen können. Nehmen Sie Eisenpräparate daher nicht zusammen mit diesen Mineralstoffpräparaten ein.
  • Eisentabletten nimmt man am besten abseits der Mahlzeiten auf nüchternen Magen ein.
  • Nebenwirkungen von Eisenpräparaten können schwarzgefärbter Stuhl, Oberbauchschmerzen, Sodbrennen, Verdauungsprobleme oder Übelkeit sein.

Weitere Behandlungen

  • Bei einer Erkrankung als Ursache des Eisenmangels sollte diese behandelt werden.
  • Bei einer Eisenaufnahmestörung im Darm können Injektionslösungen mit Eisen verabreicht werden.
  • Bei einer schweren Anämie kann eine Bluttransfusion erforderlich sein.

Es kann drei bis sechs Wochen dauern, bis sich eine Eisenmangelanämie bessert. Es wird empfohlen, danach für weitere sechs Monate Eisenpräparate einzunehmen, um die Eisenspeicher wieder aufzufüllen. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind ratsam, um die Eisenwerte zu kontrollieren.

Risikogruppen für Eisenmangel

  • Frauen, insbesondere in Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche
  • Ältere Menschen
  • Chronisch Kranke
  • Vegetarier und Veganer
  • Ausdauersportler*innen
  • Menschen, die häufig zur Blutspende gehen

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS)

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Störung, die einen Bewegungsdrang in den Beinen auslöst, oft begleitet von Kribbeln, Ziehen oder Schmerzen. Die Symptome treten vor allem abends und nachts in Ruhe auf und bessern sich durch Bewegung.

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Obwohl die genauen Ursachen von RLS unbekannt sind, spielen ein gestörter Eisenstoffwechsel im Gehirn und ein unausgewogener Dopamin-Haushalt eine Rolle. Eisenmangel kann also ein Faktor sein, der RLS begünstigt oder verstärkt.

Die Behandlung von RLS umfasst neben einer Eisensubstitution (bei Eisenmangel) auch Medikamente, die den Dopamin-Haushalt beeinflussen, sowie nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Bewegungstraining und Entspannungstechniken.

Hausmittel gegen Kribbeln in den Beinen

Ob und inwieweit Hausmittel gegen Kribbeln in den Beinen helfen können, ist unklar. Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit Massagen, Wechselduschen, Übungen sowie kalten oder warmen Wickeln. Es spricht nichts dagegen, diese auszuprobieren, aber sie ersetzen keine ärztliche Behandlung, wenn die Beschwerden anhalten oder sich verschlimmern.

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