Eine Laparoskopie, auch Bauchspiegelung genannt, ist ein minimalinvasiver Eingriff, der es Ärzten ermöglicht, das Innere des Abdomens und des Beckens zu betrachten, ohne einen großen Schnitt machen zu müssen. Obwohl die Laparoskopie im Allgemeinen als sicher gilt, können nach dem Eingriff Narben entstehen, die in manchen Fällen zu einem Taubheitsgefühl führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Taubheitsgefühle nach einer Laparoskopie-Narbe, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und wie man Narbenschmerzen vorbeugen kann.
Narbenbildung und ihre Eigenschaften
Nach einer Verletzung des Körpers, wie sie bei einer Laparoskopie entsteht, versucht der Körper, die Wunde so schnell wie möglich zu verschließen, um das Eindringen von Fremdkörpern zu verhindern. Dabei wird Bindegewebe gebildet, das jedoch nicht die gleiche Qualität wie die ursprüngliche Haut aufweist.
Unterschiede zwischen Narbengewebe und gesunder Haut
- Aufbau der Kollagenfasern: In gesunder Haut sind die Kollagenfasern netzwerkartig miteinander verbunden, was für Beweglichkeit und Elastizität sorgt. Im Narbengewebe sind sie parallel zueinander angeordnet, was zu mangelnder Durchblutung und verringerter Elastizität führt.
- Fehlen von Schweiß- und Talgdrüsen: Narbengewebe enthält keine Schweiß- und Talgdrüsen, wodurch die Haut dazu neigt, auszutrocknen und zu verhärten.
- Empfindlichkeit: Narbengewebe reagiert empfindlicher auf Zug- oder Druckbewegungen.
Arten von Narben
- Atrophe Narben: Eingesunkene Narben, die in der Regel als unproblematisch gelten.
- Hypertrophe Narben: Erhabene und gerötete Narben, bei denen zu viel Bindegewebe produziert wird, wodurch sie wulstig werden.
- Keloide: Gutartige Geschwulste, die sich über die Wundränder hinaus ausbreiten können. Sie bilden sich oft erst Monate nach der Verletzung, gehen selten von alleine zurück und können Juckreiz, Schmerzen und Empfindungsstörungen verursachen.
Ursachen für Taubheitsgefühl nach Laparoskopie-Narbe
Das Taubheitsgefühl im Bereich der Narbe nach einer Laparoskopie kann verschiedene Ursachen haben:
Verletzung von Nervenenden
Während des Eingriffs können Nervenenden im Bereich der Narbe geschädigt werden. Dies kann zu Taubheitsgefühlen, Juckreiz oder anderen Missempfindungen führen. In manchen Fällen werden diese Beschwerden als "normale Narbensymptomatik" abgetan, obwohl sie für die Betroffenen sehr unangenehm sein können.
Verwachsungen und Verklebungen
Eine der häufigsten schmerzhaften Folgen von Narben sind Verklebungen und Verwachsungen von Bindegewebe. Diese können das reibungslose Zusammenspiel von Nerven, Muskeln und Gelenken stören. Langfristige Schäden, die sich aus diesen funktionalen Störungen ergeben, können Schleimbeutelentzündungen, Verkalkungen, Nervenkompressionen, Sehnenreizungen bis hin zum Sehnenabriss, Kapselschrumpfung und Gelenkverschleiß sein.
Lesen Sie auch: Was tun bei Taubheitsgefühl im Schienbein?
Neuropathische Schmerzen
Neuropathische Schmerzen, auch Nervenschmerzen genannt, können nach Operationen auftreten. Kennzeichnend ist eine veränderte Hautsensibilität, bei der Betroffene über- oder unterempfindlich auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck reagieren. Neben Taubheitsgefühlen können auch Schmerzattacken auftreten, die sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend äußern.
Entzündungen
Entzündungsprozesse nach einer Operation können dazu führen, dass die peripheren Nerven erkranken und neuropathische Schmerzen verursachen.
Narbenbruch
Ein Narbenbruch kann nach einer Bauchoperation im Bereich der Operationsnarbe entstehen, auch noch Monate oder Jahre nach dem Eingriff. Typischerweise wölbt sich dabei der Narbenbereich leicht vor. Beim Husten oder beim Stuhlgang kann es passieren, dass die Narbe schmerzt.
Diagnose von Narbenschmerzen
Um die Ursache von Narbenschmerzen und Taubheitsgefühlen zu ermitteln, wird der Arzt zunächst eine Anamnese erheben und Fragen zur Krankengeschichte stellen. Dazu gehören Fragen, wie lange die Narbenschmerzen schon bestehen, wann sie auftreten und wie sie sich anfühlen. Anschließend erfolgt eine Tastuntersuchung, um festzustellen, ob die Narbe vorgewölbt, entzündet oder verhärtet ist. Bei Verdacht auf einen Narbenbruch können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Kernspintomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) zur Abklärung eingesetzt werden.
Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl nach Laparoskopie-Narbe
Die Behandlung von Taubheitsgefühlen und Schmerzen nach einer Laparoskopie-Narbe hängt von der Ursache der Beschwerden ab. Es gibt verschiedene medizinische und alternative Behandlungsmöglichkeiten:
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl in den Füßen
Medikamentöse Therapie
- Lokalanästhetika: Zur raschen Schmerzlinderung können Lokalanästhetika direkt in das Narbengewebe gespritzt werden.
- Kortisonspritzen: Kortisonspritzen können ebenfalls direkt in das Narbengewebe verabreicht werden, um Entzündungen zu reduzieren.
- Antibiotika: Bei Entzündungsreaktionen können Antibiotika verschrieben werden.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide: Bei neuropathischen Schmerzen können diese Medikamente eingesetzt werden.
- Lidocain-Pflaster: Eine lokale Therapie kann beispielsweise mittels Lidocain-Pflastern erfolgen.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Narbensalben und -gele: Um Verhärtungen zu lindern, eignen sich Narbengels oder Narbensalben aus der Apotheke. Manche haben einen kühlenden Effekt, manche richten sich an spezielle Formen wie Brandnarben.
- Massage: Sanfte Massagen können die Durchblutung des Gewebes fördern, Spannungsschmerzen reduzieren und die feuchtigkeitsspendenden und pflegenden Inhaltsstoffe tiefer ins Gewebe eindringen lassen.
- Wärme- oder Kälteanwendung: Bei Narben mit großem Spannungsschmerz wird häufig Wärme als angenehm empfunden, da sich dadurch das Gewebe entspannt. Bei akuten Beschwerden können Kühl-Pads verwendet werden.
- Physio- und Ergotherapie: Diese Therapien können helfen, die Beweglichkeit wiederherzustellen und Schonhaltungen zu vermeiden.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, die Schmerzakzeptanz zu verbessern.
- Akupunktur: Akupunktur-Massagen oder spezielle Handgriffe aus der sensomotorischen Körpertherapie können äußerlich auf Energieblockaden und Spannungen des Narbengewebes einwirken.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS kann helfen, neuropathische Schmerzen zu lindern.
- Elektroakupunktur: Bei Narbenschmerzen nach Verbrennungen kann Elektroakupunktur helfen.
Invasive Therapie
- Laserbehandlung: Zur Abtragung von Narbenwülsten kann eine Laserbehandlung eingesetzt werden.
- Kryotherapie: Kältetherapie (Kryotherapie) kann bei Keloiden helfen.
- Druckverbände: Druckverbände können ebenfalls bei Keloiden eingesetzt werden.
- Selektive Nervenblockaden, Ganglionblockaden oder Neuromodulationsverfahren: In manchen Fällen ist es sinnvoll bzw. erforderlich, neuropathische Schmerzen zusätzlich invasiv zu behandeln.
- Korrektive Operationen: In einigen Fällen kann eine korrigierende Operation notwendig sein, um Narben zu entfernen oder zu korrigieren.
Alternative Behandlungsmethoden
- Homöopathische Mittel: Innerlich können Globuli wie Arnika oder Mineralstoffe (Zink, Vitamin C) unterstützend wirken, da sie die Wundheilung unterstützen.
- Calendula: Calendula ist ein Allrounder zur Narbenpflege, ob für zarte Kinderhaut, innerlich als Globuli angewandt oder in Form von Narbensalben.
- ScaRemedy®: Diese Behandlungsmethode zielt darauf ab, Verklebungen und Verwachsungen von Narbengewebe zu lösen und so Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu reduzieren.
Vorbeugung von Narbenschmerzen und Taubheitsgefühlen
Um Narbenschmerzen und Taubheitsgefühlen vorzubeugen, ist eine gute Narbenpflege von Anfang an wichtig:
- Sauber halten: Die Narbe sollte sauber gehalten werden, damit sie sich nicht entzündet.
- Regelmäßig eincremen und massieren: Regelmäßiges Eincremen und Massieren hält das Gewebe geschmeidig.
- Sonneneinstrahlung vermeiden: Die Narbe sollte keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
- Lockere Kleidung tragen: Enge, reibende Kleidung im Bereich der Narbe sollte vermieden werden.
- Nikotin und Alkohol vermeiden: Nikotin und Alkohol können Wundheilungsprozesse verlangsamen.
- Reibung vermeiden: Reibung durch einschnürende BH-Träger, Hosenbund oder Trageriemen sollte vermieden werden.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn regelmäßig Narbenschmerzen auftreten oder die Beschwerden stärker und/oder häufiger werden, sollte man die Ursache ärztlich abklären lassen. In diesem Fall ist ein Facharzt oder eine Fachärztin für Dermatologie die richtige Ansprechperson. Auch bei Anzeichen einer Entzündung, eines Narbenbruchs oder anderer Komplikationen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Knieprellung und Taubheitsgefühl
tags: #taubheitsgefuhl #um #op #narbe #nach #laparoskopie