TCM Nervenbahnen und ihre Bedeutung für das Herz

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) betrachtet den Menschen als eine Einheit von Körper, Geist und Seele. Im Zentrum dieser Betrachtung steht die Lebenskraft Qi, die in unsichtbaren Energiebahnen, den Meridianen, durch den Körper fließt. Diese Meridiane sind miteinander verknüpft und jeweils einem Organ zugeordnet. Die Gesundheit hängt von einem ausgewogenen Verhältnis von Yin und Yang ab. Ebenso ist die Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus entscheidend für das Wohlbefinden.

Die Organuhr: Ein Rhythmus für die Organe

Nach den Lehren der TCM sind unsere Organe an einen natürlichen Rhythmus gekoppelt. Zwölf Organen sind jeweils zwei Stunden des Tages zugeordnet, die TCM stellt dies als Organuhr dar. In 24 Stunden durchströmt die Lebenskraft Qi das komplette Meridiansystem, wobei das Qi jeweils für zwei Stunden durch jeden Hauptmeridian fließt. In dieser Zeit ist die Energieversorgung in diesem Meridian intensiver als in den anderen Energiebahnen.

Kommt es in einem Meridian zu einer Störung, kann dies zu Blockaden und einem Energiestau führen. Die mögliche Folge: Probleme mit dem entsprechenden Organ. Fühlen Sie sich beispielsweise immer zur gleichen Uhrzeit unwohl, haben Schmerzen oder liegen zur gleichen Zeit nachts wach im Bett, hilft Ihnen möglicherweise ein Blick auf die Organuhr. Vielleicht kann in dem Organ, das dieser Zeit durch die Organuhr zugeordnet ist, die Lebensenergie nicht richtig fließen.

Die Bedeutung des Herzmeridians in der TCM

Der Herzmeridian spielt in der TCM eine zentrale Rolle, da er für das Kreislaufsystem zuständig ist und das emotionale Gleichgewicht reguliert. Der Herzmeridian hat seine Hochphase zwischen 11 und 13 Uhr. Ab 12 Uhr beginnt sich der Körper auf die Verdauung eines Mittagessens einzustellen, die Zeit der maximalen Leistungsbereitschaft ist vorbei.

Mögliche Beschwerden im Herzmeridian:

  • Innere Unzufriedenheit
  • Ruhelosigkeit
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Schlafstörungen
  • Lustlosigkeit
  • Emotionslosigkeit

TCM-Therapien zur Harmonisierung des Herzmeridians

Entsprechende Änderungen der Lebensführung, gezielte Übungen aus dem Tai-Chi oder Qi-Gong, bestimmte Heilkräuter sowie Akupunktur oder Akupressur sollen dann Organe stärken oder schützen. Die Übungen sollten immer entsprechend der Organuhr zu den Maximalzeiten des jeweiligen Meridians durchgeführt werden. Hochphasen von Gallenblasen-, Leber- und Lungenmeridian sind ausgenommen, da sie in der Schlafenszeit liegen.

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Auch die Einnahme alternativmedizinischer Präparate kann entsprechend der Erkenntnisse aus der Organuhr erfolgen.

Akupunktur

Akupunktur wirkt bei Stress und Erschöpfung, indem sie das autonome Nervensystem reguliert, den Cortisolspiegel senkt und die Energiezirkulation harmonisiert. Typische Indikationen sind Schlafstörungen, innere Unruhe, depressive Verstimmungen, Angstzustände, Reizdarmsymptome, Migräne, Herzklopfen oder Erschöpfungszustände. Gängige Punkte sind Herz 7 (Shenmen), Perikard 6 (Neiguan), Leber 3 (Taichong), Milz 6 (Sanyinjiao), Du Mai 20 (Baihui) sowie Ohrpunkte wie Sympathikus oder Subcortex. Viele Patient:innen spüren nach wenigen Sitzungen eine Verbesserung von Schlaf, Anspannung und Stimmung. Bei chronischen Beschwerden entfaltet sich die Wirkung meist über 6-10 Behandlungen. Akupunktur kann traumatische Muster im Energiesystem lockern, die Selbstregulation stärken und das Nervensystem beruhigen.

Kräutertherapie

Wenn die Nerven flattern und Unruhe um sich greift, wirkt unser TCM-Tee "Harmonie des Herzens" harmonisierend, stärkend und beruhigend. Wie der Name verspricht, harmonisieren Sie mit diesem Tee nach einem Rezept der Traditionellen Chinesischen Medizin Ihre Mitte, stärken Ihr Herz und beruhigen Ihren Geist. Verwenden Sie ihn bei Anspannung oder Stress, Sorgen oder Heimweh. Helfen Sie Ihrem Körper mit den überlieferten Rezepten der TCM, um in den Phasen der Entspannung auch Ruhe zu finden.

Ernährung

Essen Sie kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten und meiden Sie nach Möglichkeit größere Fleischportionen. Man sollte demnach beispielsweise in der Ruhezeit des Magenmeridians (19-21 Uhr) reichhaltige und schwere Mahlzeiten vermeiden und auf leicht verdauliche Speisen zurückgreifen.

Qi-Gong

Entsprechende Änderungen der Lebensführung, gezielte Übungen aus dem Tai-Chi oder Qi-Gong, bestimmte Heilkräuter sowie Akupunktur oder Akupressur sollen dann Organe stärken oder schützen. Die Übungen sollten immer entsprechend der Organuhr zu den Maximalzeiten des jeweiligen Meridians durchgeführt werden.

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Das vegetative Nervensystem und Yin und Yang

Das vegetative Nervensystem (auch autonomes Nervensystem genannt) und das Konzept von Yin und Yang aus der traditionellen chinesischen Medizin können miteinander in Beziehung gesetzt werden, da beide Systeme das Gleichgewicht und die Regulierung von Körperfunktionen betreffen. Der Sympathikus entspricht den Yang-Qualitäten. Er aktiviert den Körper, erhöht die Energie und bereitet ihn auf Aktionen vor. Der Parasympathikus entspricht den Yin-Qualitäten. Er fördert Entspannung, Erholung und die Verdauung. Die Gesundheit des Körpers hängt von einem ausgewogenen Verhältnis von Yin und Yang ab. Ebenso ist die Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus entscheidend für das Wohlbefinden.

Die Rolle des Herzbeutels (Perikard)

In der TCM gilt der Herzbeutel (Perikard) als Beschützer der Herzensenergie. Einklang zwischen Körper und Seele kann nur bei einem harmonischen Qi-Fluss im Perikardmeridian bestehen. Der Herzbeutel schützt das Herz vor negativen Einflüssen und steuert Libido und Kreislauf. Die alten Chinesen bezeichneten den Perikardmeridian als den „Meister des Herzens“, der die Emotionen im Gleichgewicht hält.

TCM bei Herzkreislauferkrankungen

Chinesisch-medizinisch betrachtet stellt die KHK einerseits vor allen Dingen einen Symptomenkomplex dar, der sich auf die Funktionen des Perikards (Xin Bao) bezieht. Gemeint sind damit sowohl das Herz als Organ als auch die Aufgaben der Zirkulation von Qi und Blut.

Perikard 6 (Nei Guan) - Ein bedeutsamer Akupunkturpunkt für die Unterstützung des Herzens ist Perikard 6, der als Luo-Punkt wirksam das Herz- und Perikard-Qi tonisieren und regulieren kann. Die Luo-Leitbahn des Perikards dringt in Perikard und Herz ein. So wirkt der Punkt quasi vor Ort. Als Punkt des Jue Yin hat er auch regulierenden Einfluss auf das Blut, welches für koronare Herzerkrankungen gleichsam von Bedeutung ist. Ren 17 (Shang Zhong) - Als weiteren wichtigen Punkt zur Behandlung koronarer Herzkrankheit ist Ren 17 zu nennen. Er kann die Qi-Bewegung im Brustkorb steigern. Er wird auch als „Oberes Meer des Qi“ bezeichnet und ist zugleich der Mu-Punkt des Perikards.

Akupunktur ist im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine sinnvolle Ergänzung zur allopathischen Medizin - auch deshalb, weil wir uns mehr Zeit für die Behandlung und Begleitung nehmen und die Yangsheng-Beratung, die unserem therapeutischen System zugehörig ist, die notwendige Lebensumstellung für die Betroffenen gut und hilfreich begleiten kann.

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Die Herzratenvariabilität (HRV) als Messwert

Ein Messwert, der für die Koronare Herzkrankheit (KHK) in neuerer Zeit häufiger zu Rate gezogen wird und einen hilfreichen Parameter darstellt, ist die Herzratenvariabilität (HRV). Die Herzratenvariabilität beschreibt die Varianz der Dauer zwischen zwei Herzkontraktionen. Ein gesundes, unbelastetes Herz moduliert diese Dauer ständig ein wenig, ohne dabei arrhythmisch zu schlagen. Ist die HRV hoch, so drückt dies eine gute Zusammenarbeit von vegetativem Nervensystem und Herzmuskelaktion aus. Ist der Wert niedrig, „trennt“ sich die Herzaktion von der Einflussnahme durch das vegetative Nervensystem und arbeitet allein seiner ihm innewohnenden Erregungsleitung folgend. Dieser Zustand stellt einen Stressfaktor mit schädigenden Einflüssen für die Herzdurchblutung dar. Der HRV-Wert kann durch Akupunkturbehandlungen positiv beeinflusst werden und die Wirkung von Stress auf den Organismus kann reduziert werden.

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