Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Temperament, Nerven und Seele beschäftigt die Menschheit seit der Antike. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich verschiedene Theorien und Ansätze entwickelt, die versuchen, diese komplexen Zusammenhänge zu erklären. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte und Perspektiven, von der antiken Temperamentenlehre bis hin zu modernen psychosomatischen Ansätzen und den neuesten Erkenntnissen der Neurobiologie.
Die antike Temperamentenlehre
Die Temperamentenlehre hat ihre Wurzeln in der griechischen Medizin und Philosophie. Galenos von Pergamon (129-216 n. Chr.) formulierte erstmals eine exoterische Temperamentenlehre, die auf den vier Elementen basierte. Er unterschied zwischen vier Temperamenten:
- Sanguiniker: Dem Element Luft zugeordnet, gekennzeichnet durch Lebhaftigkeit, Optimismus und Geselligkeit.
- Choleriker: Dem Element Feuer zugeordnet, gekennzeichnet durch Entschlossenheit, Zielstrebigkeit und Impulsivität.
- Melancholiker: Dem Element Erde zugeordnet, gekennzeichnet durch Ernsthaftigkeit, Nachdenklichkeit und Sensibilität.
- Phlegmatiker: Dem Element Wasser zugeordnet, gekennzeichnet durch Gelassenheit, Ruhe und Ausgeglichenheit.
Wie genau Galenos diese Zuordnung fasste, lässt sich historisch wahrscheinlich nicht mehr rekonstruieren. Bekannt ist aber die leider falsche Zuordnung von Galenos, die über den Umweg von Aristoteles auf Hippokrates zurückgeht. Diese wurde auch von Steiner kommentarlos übernommen. Joachim Stiller stellt der seiner Ansicht nach falschen Zuordnung des Galenos nur eine eigene Zuordnung gegenüber. Diese sieht wir folgt aus. Wichtig ist dabei, dass verstanden wird, dass das melancholische Temperament (Trauer) dem wässrigen Element entspricht und das phlegmatische Temperament (Trägheit, Liebe) dem Erdelement.
Diese Temperamente hängen eng mit den vier grundlegenden Wesensgliedern des Menschen zusammen. Dominiert eines der Wesensglieder die anderen, so drückt sich das in den im Ätherleib wirkenden Temperamenten folgendermaßen aus, wobei zugleich auch ganz bestimmte Organsysteme besonders hervortreten.
Die Temperamente im Detail
Heinrich Eltz gibt eine detaillierte Beschreibung der vier Temperamente beim erwachsenen Menschen, die im Folgenden zusammengefasst wird:
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Der Choleriker
Das Denken des Cholerikers ist scharf und tiefgründig. Er liebt es, Gegensätze gedanklich präzise herauszuarbeiten und Pro und Kontra schlagfertig zu formulieren. Er überrascht mit neuen Ideen und will sie verwirklichen. Er ist Erfinder und Entdecker. Was er anpackt, verwandelt sich oft zu etwas Neuem. Er handelt entschieden und kraftvoll. Nicht nur im Denken des Cholerikers herrscht Ordnung, sondern auch in seinem Leben. Er fragt sich, wie die Welt geordnet ist und wie er sich selber die Welt ordnen kann. Das verleiht seinem Leben und Handeln etwas Planmäßiges, Systematisches. Es besteht dabei die Gefahr, dass sein Denken allzu systematisch wird und etwas Dogmatisches, ja Klischeehaftes annimmt. Fixe Ideen verunmöglichen es ihm dann, die volle Wahrheit zu erkennen. Es ist oft schwer, mit einem Choleriker ein unvoreingenommenes Gespräch zu führen; immer bezieht er gleich eine kämpferische Stellung für oder gegen eine Sache, ohne den Gesprächspartner anzuhören. Er kann völlig uneinsichtig sein. Er erträgt keine Kritik. Es ist für ihn selbstverständlich, dass er den Ton angibt, führt und herrscht. Auf jeden Fall will er Hammer, nicht Amboss sein. Seine Devise lautet: Alles oder Nichts. Diese Entweder-Oder-Haltung herrscht auch im Zusammenleben mit ihm. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Die anderen haben keinen Freiheitsraum.
Der Sanguiniker
Das sanguinische Temperament nimmt unter den Temperamenten eine Sonderstellung ein. Es kann als „das kindliche Temperament“ schlechthin bezeichnet werden. Die sanguinischen Eigenschaften sind die Eigenschaften sozusagen jedes Kindes von der frühen Kindheit an bis zur beginnenden Pubertät. Der Sanguiniker sieht alles, hört alles und vergisst vieles rasch wieder. Er kann an vielen Aufgaben gleichzeitig arbeiten. Er hat alles im Bewusstsein und behält den Überblick. Er hat einen Zug ins Große, Weite. Er erfasst rasch umfassende Ideen und Zusammenhänge, ist leicht entflammbar für das Aufbauende und Schöne. Dem Sanguiniker droht aber auch Gefahr. Sein Leben kann sich in allzu großer Betriebsamkeit und Geschäftigkeit verzetteln. An jedem Abend sollte er an drei bis vier Orten zugleich sein, weil er überall und doch nirgends richtig mitmacht. Er hat Mühe, Wurzeln zu fassen. Er kann auch nur schwer auf etwas verzichten, sich eine Annehmlichkeit, einen Lebens- oder Kunstgenuss versagen. Er ist ein Lebenskünstler nach dem Wahlspruch „carpe diem“. Zusammenfassend kann man sagen: Sanguiniker können, wenn sie ihrem Temperament nicht zu sehr in die Zügel schießen lassen, sonnige, liebenswürdige Menschen sein, die wohltuende Elemente in unser soziales Leben einfließen lassen: Wärme, Freude, frischen Lebensmut, Toleranz. Durch sie gewinnt unser Leben an Mannigfaltigkeit, Schönheit und Weite.
Der Melancholiker
Das melancholische Kind ist frühreif und lebt stark im Kopf. Es ist „hochaufgeschossen“, hager und bleich. Weil ihm eine gewisse Vitalität mangelt, zieht es sich gern von der Außenwelt ein wenig zurück. Stark ausgeprägt ist schon eine Fähigkeit des Mitleidens und Mitfühlens mit anderen Menschen. Der erwachsene Melancholiker ist der schwerblütige Mensch, der alles ernst und schwer nimmt; auf ihm lastet stets ein Druck; er kann nie richtig aufatmen. Meistens ist er ein wenig missgestimmt, fast traurig, und er erlebt diese wehmütige, schmerzliche Stimmung auch, wenn von außen her gar keine Veranlassung dazu besteht. Der geheimnisvolle Quell der stets in ihm aufsteigenden Schmerzen liegt in seiner Seele. Der Melancholiker ist von dem Gefühl durchdrungen: Ich gebe mit die größte Mühe und habe doch stets nur einen geringen Erfolg, während anderen vieles von selbst zufällt. Er lebt hin- und hergerissen zwischen Wollen und Nichtvollbringenkönnen, zwischen immer neu gefassten tapferen Vorsätzen und bedrückenden Niederlagen. Das Gefühl des erfolglosen Bemühens, des innerlichen Gefasstseins schlägt sich nieder in der leidvollen Stimmung, in Gram und Schmerz.
Der Phlegmatiker
Die Grundstimmung des Phlegmatikers ist ein allgemeines Lebensbehagen. Es ist ihm wohl in seiner Haut. In seinem körperlich-seelischen Organismus ist alles in bester Ordnung, so dass er in bewusst empfundenem Wohlgefühl dahinlebt ohne Bedürfnis, sich groß mit der Umwelt auseinandersetzen oder gar mühsam abzuplagen. Er hält sich die Welt so weit als möglich vom Leibe. Lieber als mit der Gegenwart beschäftigt sich der Phlegmatiker mit der Vergangenheit. Daher sein geschichtliches Interesse. Er ist der geborene Geschichtsschreiber. Da ist einmal die für das soziale Zusammenleben wichtige Tatsache, dass die Distanzierung von der Umwelt den Phlegmatiker davor bewahrt, über alles und jedes vorschnell zu urteilen. Er übereilt sich nicht in seinen Aussagen und steht damit weniger in Gefahr, dass diese von Affekten und Leidenschaften getrübt und verfälscht werden. Normalerweise lässt er sich von einem kühlen, gelassen abwägenden Verstand und von ruhiger Vernunft leiten. Die Schattenseiten des Phlegmatikers können zusammengefasst werden als geringe Kontaktfähigkeit, Gleichgültigkeit, Willenlosigkeit. Überlässt sich der Phlegmatiker seiner Temperamentenanlage, kann diese zu einer Einseitigkeit führen, die seine seelische Gesundheit gefährdet. Die Interessenlosigkeit kann in eine Art Stumpfsinn ausarten.
Psychosomatik: Die Verbindung von Körper und Seele
Die Psychosomatik befasst sich mit den Zusammenhängen und der wechselseitigen Beeinflussung von Seele und Körper. Sie berücksichtigt seelische Einflüsse auf körperliche Vorgänge, aber auch die körperlichen Einflüsse auf die Seele. Psychosomatische Störungen sind seelische Probleme, die körperliche Symptome auslösen, oder organische Erkrankungen, die zu psychischen Beschwerden führen.
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Viele Redewendungen bringen das Zusammenspiel von Körper und Psyche auf den Punkt: Etwas „liegt schwer im Magen“, „stößt bitter auf“, „bereitet Kopfzerbrechen“. Eine Sache „geht an die Nieren“, „verschlägt einem den Atem“, „schnürt den Hals zu“. Ein Problem „bricht das Herz“, „raubt den Schlaf“.
Psychosomatische Krankheitsbilder
Zu den psychosomatischen Krankheitsbildern zählen:
- Körperliche Erkrankungen, die schwere Belastungen für die Psyche darstellen (z.B. Krebserkrankungen, Multiple Sklerose).
- Körperliche Störungen, die Emotionen, Konflikte und Krisen begleiten (z.B. PTBS, gestörte Anpassung).
- Konversionsstörungen: Körperliche Symptome, die ihren Ursprung in unbewussten Konflikten haben.
- Seelische Störungen, zu deren Symptomen körperliches Unwohlsein gehört (z.B. Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen).
- Seelische Störungen, die Auswirkungen auf den Körper haben (z.B. Essstörungen).
- Missbrauch von Genuss- und Betäubungsmitteln, der körperliche Folgen hat.
- Somatoforme Störungen: Körperliche Beschwerden ohne organische Ursache.
Häufig betroffene Organe und Organsysteme
Besonders häufig wirken sich psychische Belastungen auf den Magen-Darm-Trakt, das Skelett- und Muskelsystem, das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem aus. Chronische belastende Emotionen können das Immunsystem schwächen und das Risiko für Infektionskrankheiten erhöhen.
Ursache und Wirkung
Psychische und körperliche Symptome lassen sich oft kaum voneinander unterscheiden, da starke Emotionen immer zu körperlichen Reaktionen führen. Angst kann beispielsweise die Ausschüttung von Adrenalin auslösen, was zu Verdauungsstörungen, Herzrasen und Blutdruckerhöhung führen kann.
Intestinales Mikrobiom und Psyche
Neuere Forschungen haben einen Zusammenhang zwischen dem intestinalen Mikrobiom und Gemütszuständen entdeckt. Eine gestörte Darmflora kann zu psychischen Störungen wie Depressionen beitragen, da der Darm eine wichtige Rolle bei der Produktion von Serotonin spielt.
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Herz und Psyche
Ist die Seele krank, kann auch das Herz leiden, und umgekehrt. Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung haben ein hohes Risiko, eine Depression zu entwickeln, die wiederum die Gefahr eines Herzinfarktes verstärken kann.
Immunsystem und Psyche
Das Zentralnervensystem, die Psyche und das Immunsystem beeinflussen sich wechselseitig. Andauernder psychischer Stress kann das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.
Leib-Seele-Problematik in der wissenschaftlichen Medizin
Das Leib-Seele-Problem ist nach wie vor ein zentrales Thema der Psychosomatischen Medizin. Es geht um die Frage, wie sich seelische und körperliche Vorgänge gegenseitig beeinflussen und verändern können. Die verschiedenen theoretischen Konzepte und therapeutischen Ansätze sind Versuche, der Lösung dieses Problems näherzukommen.
Geschichte der Psychosomatik
Bereits in der griechischen Philosophie gab es den Gedanken von Einwirkungen der Psyche und des Geistes auf den Körper. Hippokrates bemerkte, dass das menschliche Herz sich bei Freude weitet und bei Angst zusammenzieht. Im Mittelalter änderte der starke Einfluss der christlichen Religion diese Sichtweise jedoch gravierend. Die Kirche bestand auf einer strikten Trennung zwischen Seele und Körper. Die endgültige Trennung führte schließlich Descartes herbei.
Einen entscheidenden Einfluss auf die gesamte Entwicklung der Psychosomatik im 20. Jahrhundert hatte Sigmund Freud. Er beobachtete, dass psychische Ereignisse, die nicht angemessen verarbeitet werden können, in einen Körperteil „springen“ können (Konversion). Daraus entwickelte sich eine Reihe von psychoanalytisch geprägten theoretischen Konzepten, wie etwa die „Psychosomatische Medizin“ von Franz Alexander.
Resilienz: Die psychische Widerstandsfähigkeit
Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, Krisen zu überstehen und sich danach wieder vollständig zu erholen. Sie ist dynamisch und lässt sich gezielt trainieren. Resilienz bedeutet jedoch nicht, unverwundbar zu sein, sondern vielmehr trotz Belastungen Wege zu finden, sich anzupassen, weiterzumachen und an den Erfahrungen zu wachsen.
Schutzfaktoren für Resilienz
- Optimistische Grundhaltung: Die Erwartung, dass Schwierigkeiten überwunden werden können.
- Kognitive Flexibilität: Die Fähigkeit, das eigene Denken und Verhalten flexibel an neue Situationen anzupassen.
- Aktive Problemlösestrategien: Sich einer belastenden Situation bewusst zuwenden und aktiv nach Lösungen suchen.
- Soziale Unterstützung: Beziehungen zu anderen Menschen, die Halt und Unterstützung bieten.
Resilienz und Angst
Forschungen zeigen, dass Resilienz bei der Bewältigung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) hilfreich sein kann. Menschen, die bereits resilient waren, kommen mit dem Erlebten meistens besser klar und entwickeln keine oder eine schwächer ausgeprägte PTBS.
Schiller und die Psychosomatik
Friedrich Schiller, bekannt als Dichter und Philosoph, war auch Arzt. Seine medizinischen Arbeiten prägten sein Menschenbild und hatten großen Einfluss auf sein literarisches und philosophisches Werk. Besonders die Erkenntnis von Geist und Körper als einer untrennbaren Einheit, im Gesunden wie im Kranken, war für ihn zentral.
Schiller formulierte zwei psychosomatische Gesetze:
- Tätigkeiten des Körpers werden durch die Tätigkeit des Geistes beeinflusst (Steuerung von oben nach unten).
- Die Zustände des Leibes beeinflussen die Seele (Steuerung von unten nach oben).
Schiller ahnte, dass das Band der Sympathie, welches die beiden Seiten des Menschen verknüpft, eine materielle Grundlage hat, und die könnte im Nervensystem liegen. Damit wendet sich sein Krankheitsbegriff ab von der traditionellen Säfte- und Faserlehre und öffnet den Weg für ein Verständnis von Krankheit als Folge einer abnormen psychophysischen Wechselwirkung.
Psycho-Neurobiologie: Die moderne Perspektive
Die Psycho-Neurobiologie untersucht die neurobiologischen Grundlagen des Seelenlebens und seiner Erkrankungen. Sie geht davon aus, dass alles normale und krankhafte seelische Geschehen untrennbar an Hirnprozesse gebunden ist und dass sich Psyche und Persönlichkeit des Menschen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung seines Gehirns entwickeln.
Faktoren der psychischen Entwicklung
- Gene: DNA-Abschnitte, die für die Bildung von Proteinen notwendig sind.
- Epigenetik: Besonderheiten der Aktivierung dieser Gene, die teils vererbt, teils über Umwelteinflüsse modifiziert werden.
- Frühe Erfahrungen: Erfahrungen in den ersten Lebensjahren, die die Ausgestaltung der Gefühlswelt und die Entwicklung der Bindungsfähigkeit prägen.
- Erziehung und Sozialisierung: Psychische Erfahrungen in Familie, Kindergarten, Schule usw., die die Fähigkeiten zur Kooperation, Empathie und zum Einhalten sozial-moralischer Regeln entwickeln.
- Kognitiv-sprachliche Ebene: Entwicklung kognitiver und sprachlicher Fähigkeiten, die es ermöglichen, ein Bild von sich selbst zu entwickeln und sich akzeptiert zu fühlen.
Psychoneurale Systeme
Das Seelenleben wird durch psychoneurale Systeme bestimmt, die in höchst individueller Weise auf den verschiedenen Ebenen des Gehirns ablaufen. Dazu gehören:
- Stressverarbeitung: Wie werde ich mit Problemen und Herausforderungen fertig?
- Selbstberuhigung: Wie beruhige ich mich selbst?
- Bindung und Sozialität: Wie wichtig ist mir das Zusammensein mit anderen?
- Impulskontrolle: Wie sehr werde ich von unmittelbaren Motiven getrieben?
- Belohnungsempfänglichkeit und Belohnungserwartung: Wie stark suche ich die Belohnung?
- Realitätsbewusstsein und Risikowahrnehmung: Wie genau kann ich Situationen und Risiken einschätzen?
Defizite in der Ausbildung und Interaktion dieser psychoneuralen Systeme können zu psychischen Erkrankungen führen.
Psychotherapie und Neurobiologie
Eine erfolgreiche Psychotherapie sollte einhergehen mit einer sichtbaren Veränderung der gestörten Aktivität der genannten limbischen Zentren. Allerdings zeigen Wirkungsstudien, dass die gängigen Psychotherapien in der Regel nur bei etwa einem Drittel der Patienten gut bis sehr gut wirken. Die Wirkung der Psychotherapie beruht unter anderem auf der Ausschüttung von Oxytocin, endogenen Opioiden und Serotonin, die die Neubildung von Nervenzellen anregen und zu einer Besserung der Befindlichkeit führen.
Die Seele aus wissenschaftlicher Sicht
Der Mensch gehört zur belebten Natur und verfügt über Verstand und Vernunft. Das mittelalterliche Christentum entwickelte die Idee von einer unsterblichen Seele, die sich mit dem Körper verbindet. Gerhard Roth und Nicole Strüber halten die These über eine Dualität von Geist und Körper für unvereinbar mit den vorliegenden empirisch-experimentellen Erkenntnissen. Sie vertreten eine naturalistische Sicht des Seelischen, der zufolge sich Psyche und Geist in das Naturgeschehen einfügen und dieses nicht transzendieren.
Aufbau des Gehirns
Das menschliche Gehirn besteht aus Neuronen, die Verlängerungen ausbilden: Axone für Afferenzen (Input) und Dendriten für Efferenzen (Output). Entscheidend ist das Zusammenwirken zahlreicher vernetzter Neuronen. Das psychische Geschehen ist unabdingbar an die Aktivitäten corticaler und subcorticaler limbischer Zentren und deren Wechselwirkungen gebunden.
Das limbische System
Das limbische System ist eine Funktionseinheit im Gehirn, die für die Auslösung und Kontrolle angeborener Verhaltensweisen und elementarer affektiv-emotionaler Zustände zuständig ist. Es besteht aus drei Ebenen:
- Untere Ebene: Angeborene Verhaltensweisen, Temperament.
- Mittlere Ebene: Unbewusste Vorgänge der Emotionsentstehung und -kontrolle, Verhaltensbewertung und Konditionierung.
- Obere Ebene: Bewusste Gefühle und Motive, Sozialisation, Impulshemmung, Belohnungsaufschub, Empathie, Reflexion, Zielsetzung und Planung zukünftigen Handelns.
Kognitiv-sprachliche Ebene
Für die kognitiv-sprachliche Ebene sind im Gehirn Sprachzentren wichtig.
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