Thrombosen, insbesondere venöse Thromboembolien (VTE), stellen eine der häufigsten und gefährlichsten Komplikationen für Krebspatienten dar. Bereits vor über 150 Jahren wurde dieser Zusammenhang medizinisch beschrieben. Die vorliegende Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen und Risikofaktoren für Thrombosen bei Hirntumoren, die diagnostischen Möglichkeiten und die aktuellen Empfehlungen für die Behandlung und Prophylaxe.
Einführung
Viele Menschen wissen nicht, dass Thrombosen häufig mit einer Tumorerkrankung einhergehen. Schätzungsweise 20 % aller Thrombosen stehen im Zusammenhang mit Krebs. Das allgemeine Risiko von Tumorpatienten, eine Thrombose zu entwickeln, ist vier- bis sechsmal höher als bei Menschen ohne Krebs. Dieser Artikel untersucht die Ursachen, Risikofaktoren, Diagnose und Behandlung von Thrombosen bei Patienten mit Hirntumoren.
Der Zusammenhang zwischen Thrombose und Krebs
Es besteht ein komplexer Zusammenhang zwischen Krebs und dem Gerinnungssystem. Tumore können Substanzen freisetzen, die die Blutgerinnung anregen und somit das Thromboserisiko erhöhen. Auch die Art der Krebserkrankung spielt eine wesentliche Rolle, da bestimmte Krebsarten mit einem höheren Thromboserisiko verbunden sind als andere. So treten insbesondere bei Lungenkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs Thrombosen oder Lungenembolien öfter auf, und auch Patienten mit Eierstockkrebs, Magenkrebs, Darmkrebs oder Leukämie haben ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko.
Wie Krebsbehandlungen die Entstehung von Thrombosen beeinflussen
Krebstherapien können ebenfalls zur Entstehung von Thrombosen beitragen. Es wird vermutet, dass viele therapeutische Wirkstoffe Gefäßschäden verursachen und die gesunde Funktion der Gefäße beeinträchtigen können. Auch Operationen, zentrale Venenkatheter (ZVK) und längere Krankenhausaufenthalte mit eingeschränkter Beweglichkeit erhöhen das Thromboserisiko bei Krebspatienten.
Risikofaktoren für venöse Thromboembolien bei Krebspatienten
Verschiedene Faktoren können das Thromboserisiko bei Krebspatienten erhöhen. Zu diesen Faktoren gehören:
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- Art und Stadium der Krebserkrankung: Insbesondere Krebs der Bauchspeicheldrüse, Lunge, Niere, des Eierstocks, Hodens, Gehirns und Magens sowie Lymphome und Tumoren im fortgeschrittenen Stadium (metastasiert) sind mit einem erhöhten Risiko verbunden.
- Art und Intensität der Krebsbehandlung: Operation, Bestrahlung, Chemotherapie, Immuntherapie, antihormonelle Therapie, zentraler Venenzugang und Transfusionen können das Risiko erhöhen.
- Patientenbezogene Faktoren: Reduzierte Mobilität, venöse Thromboembolien in der Vorgeschichte, Infektionen und höheres Alter sind weitere Risikofaktoren.
Anhand von standardisierten Erfassungs- und Bewertungsbögen (Risiko-Score) kann die individuelle Wahrscheinlichkeit für eine venöse Thromboembolie (VTE) ermittelt werden. Außerdem spielt die ärztliche Erfahrung eine Rolle.
Thrombose bei Hirntumoren
Hirntumoren können eine Thrombose auslösen, entweder durch lokalen Druck oder durch Einwachsen in Gefäße. Eine spezielle Form der Thrombose im Gehirn ist die Hirnvenenthrombose (HVT), bei der es zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss einer Vene im Gehirn durch ein Blutgerinnsel kommt. Die Kombination aus Hirnvenenthrombose und Sinusthrombose wird als Sinusvenenthrombose bezeichnet.
Ursachen und Risikofaktoren für Hirnvenenthrombosen
Man unterscheidet zwischen aseptischen und septischen Hirnvenenthrombosen:
- Aseptische Hirnvenenthrombose: Hormonelle Faktoren (z.B. Einnahme der "Pille", Schwangerschaft, Wochenbett, Hormonersatztherapie), angeborene oder erworbene Neigung zur Blutgerinnselbildung (Thrombophilie), Blut-Erkrankungen (hämatologische Erkrankungen) oder bösartige Gewebsneubildungen (Malignome) können eine Rolle spielen.
- Septische Hirnvenenthrombose: Lokale Infektionen im Kopfbereich (z.B. Mittelohr-, Mandel-, Nasennebenhöhlenentzündung, Entzündung im Bereich des Kiefers und der Zähne, Hirnabszess, Hirnhautentzündung) oder systemische Infektionen (z.B. "Blutvergiftung", Herzinnenhautentzündung, Typhus, Tuberkulose, Malaria, Masern, Hepatitis, Covid-19) können die Ursache sein.
In sehr seltenen Fällen kann eine Hirnvenenthrombose als Nebenwirkung einer Impfung gegen das Coronavirus auftreten.
Symptome einer Hirnvenenthrombose
Die Symptome einer Hirnvenenthrombose können vielfältig sein und sich schleichend entwickeln. Dazu gehören:
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- Kopfschmerzen variabler Stärke oder Region (häufigstes Symptom)
- Epileptische Anfälle (Krampfanfälle)
- Neurologische Ausfälle je nach Ort der Thrombose, z.B. motorische Störungen (wie Hemiparese oder Monoparese), Sprachstörung (Aphasie)
- Sehstörung, Stauungspapille (Schwellung der Papille)
- Übelkeit
- Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen
Bei Auftreten solcher Beschwerden sollte umgehend ein Arzt oder eine Klinik aufgesucht werden, da der Zustand lebensbedrohlich sein kann!
Diagnose von Hirnvenenthrombosen
Bei Verdacht auf eine Hirnvenenthrombose erfolgt eine bildgebende Untersuchung des Schädels, in der Regel eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) mit Kontrastmittel. Diese Untersuchungen können Thrombosen im Gehirn sichtbar machen. Die Bestimmung von D-Dimeren im Blut kann unterstützend sein, ist aber nicht ausreichend, um eine Hirnvenenthrombose sicher nachzuweisen oder auszuschließen.
Therapie von Hirnvenenthrombosen
Die Akut-Behandlung einer Hirnvenenthrombose erfolgt idealerweise auf einer Stroke Unit. Die Therapie umfasst in erster Linie die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten (Antikoagulation), meist Heparin. Bei septischen Hirnvenenthrombosen ist zusätzlich eine Behandlung der Grunderkrankung mit Antibiotika erforderlich. In schweren Fällen kann eine operative Entlastung des Hirndrucks notwendig sein.
Antikoagulation bei Tumorpatienten
Bei Krebspatienten werden in erster Linie Antikoagulanzien wie Faktor-Xa-Inhibitoren eingesetzt. Es stehen mehrere Medikamente zur Verfügung:
- Indirekte Faktor-Xa-Inhibitoren: Niedermolekulares Heparin (NMH), Fondaparinux und unfraktioniertes Heparin (UFH). Sie werden subkutan beziehungsweise intravenös verabreicht, also parenteral.
- Direkte Faktor-Xa-Inhibitoren: Apixaban, Rivaroxaban und Edoxaban. Zusammen mit dem direkten Thrombin-Inhibitor Dabigatran werden diese Substanzen auch als direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) bezeichnet.
Die Auswahl des geeigneten Medikaments und die Dauer der Antikoagulation müssen individuell auf den Patienten abgestimmt werden.
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Prophylaxe von venösen Thromboembolien bei Tumorpatienten
Krankenhausaufenthalte, Operationen, zentrale (venöse) Verweilkatheter, medikamentöse Tumortherapien und anderes erhöhen das individuelle Risiko für venöse Thromboembolien. Daher empfehlen die Leitlinien eine medikamentöse Hochrisiko-VTE-Prophylaxe für:
- Hospitalisierte chirurgische Tumorpatienten (meist für 4-5 Wochen postoperativ)
- Nichtchirurgische Tumorpatienten im Krankenhaus unter Berücksichtigung von Mobilität und Kontraindikationen.
Bei ambulant behandelten Krebspatienten ist die Indikation für eine primäre medikamentöse VTE-Prophylaxe individuell zu stellen, insbesondere bei Patienten mit Pankreas-, Magen- oder Lungenkarzinomen.
Fazit
Thrombosen stellen eine ernstzunehmende Komplikation bei Hirntumoren dar, können aber durch frühzeitige Diagnose und angemessene Behandlung effektiv behandelt werden. Das Wissen um die Risikofaktoren und Symptome ist entscheidend für eine rasche Intervention. Die enge Zusammenarbeit zwischen Onkologen, Neurologen und anderen Fachärzten ist für die optimale Versorgung von Patienten mit Hirntumoren und Thrombosen unerlässlich.