Die Parkinson-Krankheit ist eine neurologische Erkrankung, die oft mit erheblichen Einschränkungen in den Bereichen Sprache, Gedächtnis und Alltagsfähigkeiten einhergeht. In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, der eine häufige Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter darstellt und ähnliche Symptome verursachen kann. Die gute Nachricht ist, dass es eine Vielzahl von Therapieansätzen und Hilfsmitteln gibt, die den Alltag von Parkinson-Patienten erleichtern und ihre Lebensqualität verbessern können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Kostenübernahme relevanter Leistungen durch die Krankenkassen, insbesondere die Techniker Krankenkasse (TK).
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind ein relativ neues, aber vielversprechendes Feld in der medizinischen Versorgung. Die TK erstattet die Kosten für bestimmte DiGA, die im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet sind. Es ist wichtig zu beachten, dass für die Nutzung einer DiGA eine entsprechende Diagnose vorliegen muss. In einigen Fällen muss der behandelnde Arzt bestimmte Diagnosen ausschließen, bei denen die Nutzung der DiGA nicht angezeigt ist. Die Indikationen und Kontraindikationen sind im DiGA-Verzeichnis einsehbar.
Digitale Angebote der TK ohne Verordnung
Für viele Diagnosen bietet die TK digitale Angebote an, die ohne ärztliche Verordnung oder Diagnosenachweis genutzt werden können.
DiGA-Angebot mit Verordnung oder Diagnosenachweis
Für bestimmte Erkrankungen bietet die TK DiGA an, die eine ärztliche Verordnung oder einen Diagnosenachweis erfordern. Beispiele hierfür sind:
- Untire: Für Patientinnen mit Brustkrebs.
- Uroletics: Für Patienten mit Prostatakrebs.
- Pink! eCovery: Online-Training gegen Knie- und Rückenbeschwerden.
- TK-TinnitusCoaching: Selbsthilfetraining für einen gelasseneren Umgang mit Tinnitus.
- myReha App: Für Patient:innen mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz oder Multiple Sklerose.
myReha App: KI-basierte Therapie für neurologische Erkrankungen
Die myReha App, entwickelt von nyra health, ist ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt, das speziell für Patient:innen mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz oder Multipler Sklerose entwickelt wurde. Die App bietet über 50 evidenzbasierte Übungskategorien mit über 35.000 interaktiven Übungen. Durch den Einsatz von KI-Algorithmen erstellt die App personalisierte Therapiepläne, die sich intelligent an die individuellen Fähigkeiten und Fortschritte der Nutzer:innen anpassen.
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Ein besonderes Merkmal der myReha App ist die Machine-Learning-gestützte Sprachanalyse, die pathologische Sprachmuster in Echtzeit erkennt und detailliertes Feedback auf Phonem-, Syntax- und Bedeutungsebene liefert. Diese präzise Analyse ermöglicht eine gezielte Anpassung der Therapieinhalte, um sprachliche Defizite effektiv zu trainieren.
Die Techniker Krankenkasse übernimmt die vollen Kosten für die Therapie mit der myReha App. Versicherte können nach der Registrierung in der App sofort mit ihren digitalen Übungen beginnen und die Vorteile der maßgeschneiderten Rehabilitation nutzen.
Physiotherapie: Ein wichtiger Baustein in der Parkinson-Behandlung
Die Physiotherapie, früher Krankengymnastik genannt, spielt eine wichtige Rolle in der Gesamtbehandlung von Parkinson-Patienten. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination, Kraft und Ausdauer. Physiotherapie kann vom Arzt verordnet werden, wenn die jeweilige Erkrankung oder Symptomatik im Heilmittelkatalog des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aufgeführt ist. Dazu gehören insbesondere neurologische Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose und Schlaganfälle.
Methoden der physiotherapeutischen Behandlung
Physiotherapeuten verfügen über ein breites Spektrum an Methoden, Anwendungen und Maßnahmen. Die Behandlung kann auf einem komplexen Gesamtkonzept beruhen oder verschiedene Verfahren miteinander kombinieren. Zu den bekannten Methoden zählen:
- Physiotherapie nach Bobath: Wird häufig nach einem Schlaganfall mit Lähmungen eingesetzt. Patienten lernen Bewegungsfolgen, trainieren ihr Gleichgewicht und ihre Körperwahrnehmung.
- Physiotherapie nach Vojta: Der Therapeut übt Druck auf definierte Zonen an Beinen, Armen und Rumpf aus, um Reflexe und Bewegungsmuster auszulösen.
- Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF): Ziel ist es, das Zusammenspiel von Muskeln und Nerven durch gezielte Berührungen und Bewegungsmuster zu verbessern.
- Manuelle Therapie: Der Therapeut tastet schmerzhafte Verspannungen ab und löst Gelenkblockaden durch gezielte Handgriffe und Techniken.
- Manuelle Lymphdrainage: Durch streichende Handbewegungen und gezielten Druck massiert der Therapeut geschwollenes Gewebe, um den Abtransport von gestauter Flüssigkeit aus den Lymphbahnen anzuregen.
Voraussetzung für eine physiotherapeutische Behandlung ist immer die Diagnose durch einen Arzt und eine entsprechende Überweisung. Der Physiotherapeut erstellt auf Basis einer Anamnese und Untersuchung einen individuellen Trainingsplan, der auf das Beschwerdebild und die Fähigkeiten des Patienten abgestimmt ist.
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Die Übungen, die der Therapeut zeigt, entfalten ihre Wirkung am besten, wenn sie regelmäßig wiederholt werden. Der Trainingsplan sollte daher an den Alltag des Patienten angepasst sein, damit die Übungen leicht zuhause oder im Büro durchgeführt werden können.
Auswahl einer guten Physiotherapie-Praxis
Eine Physiotherapie findet ambulant in Physiotherapiepraxen oder stationär, zum Beispiel im Krankenhaus oder in Rehabilitationseinrichtungen statt. Die Behandlung sollte stets von einem ausgebildeten und kompetenten Therapeuten durchgeführt werden. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK e. V.) bietet Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Praxis.
Hilfsmittel und deren Kostenübernahme
Neben DiGA und Physiotherapie gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die den Alltag von Parkinson-Patienten erleichtern können. Die TK übernimmt die Kosten für die meisten Hilfsmittel, sofern diese medizinisch notwendig sind und von einem Arzt verordnet wurden.
Genehmigungspflichtige Hilfsmittel
Für bestimmte Hilfsmittel, wie Hörgeräte oder Rollstühle, ist vor der Anschaffung eine Genehmigung der TK erforderlich.
Vertragspartner der TK
Die meisten Hilfsmittel können direkt von einem TK-Vertragspartner bezogen werden. Die Vertragspartnersuche der TK hilft dabei, den passenden Lieferanten zu finden.
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Reparatur und Ersatz von Hilfsmitteln
Wenn ein Hilfsmittel repariert, geändert, ersetzt oder überprüft werden muss, ist eine ärztliche Verordnung erforderlich. Die TK hat mit vielen Vertragsfirmen vereinbart, dass eine Reparatur innerhalb von 48 Stunden erfolgt.
Zuschuss für Stromkosten
Einige Hilfsmittel, wie Sauerstoff-Konzentratoren, benötigen für ihren Betrieb Strom. Für diese Hilfsmittel kann ein Zuschuss beantragt werden.
Pflegeleistungen und Pflegegrad
Parkinson-Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung pflegebedürftig sind, können Leistungen von der Pflegekasse beziehen. Hierfür ist zunächst die Beantragung eines Pflegegrades erforderlich.
Beantragung eines Pflegegrades
- Information der Pflegekasse: Die Pflegekassen sind an die Krankenkassen angegliedert. Der Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung kann telefonisch oder online gestellt werden.
- Angabe der Daten: Die Pflegekasse benötigt Informationen zum Antragsteller, zum Grund der Pflegebedürftigkeit und zur Pflegeperson.
- Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD): Der MD begutachtet die Einschränkung der Selbstständigkeit im häuslichen Umfeld des Antragstellers.
- Bescheid der Pflegekasse: Die Pflegekasse teilt dem Antragsteller nach Sichtung der Gutachterunterlagen einen Pflegegrad zu.
- Widerspruch (optional): Wenn der Antragsteller mit der Einstufung nicht einverstanden ist, kann er Widerspruch einlegen.