Atropin: Anwendung, Wirkung und wichtige Hinweise

Atropin ist ein natürlich vorkommendes Alkaloid, das aus bestimmten Pflanzenarten der Nachtschattengewächse, wie der Tollkirsche (Atropa belladonna), gewonnen wird. Aufgrund seiner vielfältigen pharmakologischen Eigenschaften findet Atropin breite Anwendung in der Medizin. Es wirkt als Antagonist an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren und beeinflusst dadurch das parasympathische Nervensystem.

Allgemeines zu Atropin

Atropin ist ein Wirkstoff, der fast nur im Krankenhaus zur Anwendung kommt. Er wird bei der Narkosevorbereitung eingesetzt, aber auch zur kurzzeitigen Therapie von akut aufgetretenen Herzrhythmusstörungen mit verlangsamtem Herzschlag. Atropin stellen den Gegenspieler von Acetylcholin dar. Acetylcholin ist ein Nervenbotenstoff, der den Parasympathicus erregt, einen Teil des unbewussten Nervensystems. Acetylcholin sorgt beim Andocken an die entsprechenden Nerven-Rezeptoren für einen Ruhemodus des Körpers: Der Herzschlag wird langsamer, die Muskelspannung lässt nach und das gesamte Verdauungssystem wird aktiviert. Atropin hebt alle diese Wirkungen auf. Es beschleunigt den Herzschlag, hemmt den Speichelfluss und die Bewegungen des Magen-Darm-Kanals, hemmt die Schleimproduktion, löst Bronchialkrämpfe und lässt die Harnblase erschlaffen.

Wirkungsweise von Atropin

Atropin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Parasympatholytika (auch Anticholinergika oder Muskarinrezeptor-Antagonisten genannt). Seine parasympatholytischen (den Parasympathikus hemmenden) Eigenschaften sorgen unter anderem dafür, dass die glatte Muskulatur im Magen-Darm-Trakt, in den Gallenwegen und den ableitenden Harnwegen erschlafft. Zudem hemmt Atropin die Sekretion von Speichel, Tränenflüssigkeit und Schweiß. Außerdem verringert es die Schleimbildung in der Lunge und erweitert die Pupillen des Auges. In höheren Dosierungen steigert Atropin den Herzschlag (positiv chronotrope Wirkung). Atropin blockiert die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin an muskarinischen Rezeptoren, wodurch es zu einer Hemmung des Parasympathikus kommt. Dies führt zu einer Reihe von physiologischen Veränderungen, wie einer Erweiterung der Pupillen (Mydriasis), einer Beschleunigung der Herzfrequenz (Tachykardie), einer Reduktion der Speichel- und Schweißproduktion sowie einer Entspannung der glatten Muskulatur.

Sympathikus und Parasympathikus

Das vegetative (unwillkürliche) Nervensystem besteht aus zwei Teilen, die sich wie Gegenspieler zueinander verhalten: das sympathische und das parasympathische Nervensystem. Hat das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus) die Oberhand, beruhigt sich der Herzschlag, die Verdauung wird angeregt, und die Muskeln entspannen sich. Man spricht hier auch von der "Feed-and-breed"- oder "Rest-and-digest"-Reaktion ("fressen und fortpflanzen" bzw. "ausruhen und verdauen"). Wird jedoch das sympathische Nervensystem (Sympathikus) aktiviert, ist der Körper auf Leistung ausgelegt - der Herzschlag wird schneller, die Pupillen weiten sich, und die Verdauungsleistung wird heruntergefahren. Diese Stressreaktion ist auch als "Fight-or-flight"-Reaktion ("kämpfen oder flüchten") bekannt. Der Wirkstoff Atropin hemmt im Körper den Parasympathikus, wodurch es abhängig von der Dosis zu indirekten sympathischen Wirkungen kommen kann. Dazu zählen wie oben erwähnt zum Beispiel geweitete Pupillen, eine Hemmung der Darmtätigkeit und der Speichelproduktion. Auch Vergiftungen mit Giften, welche die Wirkung des Parasympathikus stark anregen, können mit Atropin als Gegengift behandelt werden. Solche Gifte sind zum Beispiel die chemischen Kampfstoffe Sarin, Soman und Tabun (G-Kampfstoffe) sowie das Insektizid E 605 (Parathion).

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach der Aufnahme von Atropin in die Blutbahn wird ein kleiner Teil an Transportproteine im Blut gebunden. Die Hauptmenge aber liegt frei gelöst im Blutplasma vor. Dieses freie Atropin wird schnell (in zwei bis drei Stunden) abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Der kleinere, gebundene Teil wird langsamer über einen Zeitraum von etwa zwölf bis 38 Stunden ausgeschieden.

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Anwendungsgebiete von Atropin

Atropin ist ein sehr giftiges Alkaloid, das als natürlicher Bestandteil von Nachtschattengewächsen (Belladonna) wie Tollkirschen, Stechapfel oder Engelstrompete vorkommt. In der Medizin wird Atropin schon seit Jahrhunderten verwendet. Die Anwendungsgebiete sind breit gestreut. Atropin ist ein Wirkstoff, der fast nur im Krankenhaus zur Anwendung kommt. Er wird bei der Narkosevorbereitung eingesetzt, aber auch zur kurzzeitigen Therapie von akut aufgetretenen Herzrhythmusstörungen mit verlangsamtem Herzschlag. Außerdem dient Atropin als Gegenmittel bei einer Vergiftung mit Cholinesterase-Hemmstoffen. Solche werden als Medikamente eingesetzt, sind aber auch Bestandteil von Pflanzenschutzmitteln und Giftpilzen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Atropin sind vertiefende Informationen verfügbar:

  • Herzrhythmusstörungen

Atropin wird bei einer Vielzahl von Anwendungsgebieten (Indikationen) eingesetzt. Dazu zählen:

  • Krämpfe im Bereich von Magen und Darm, Gallen- und Harnwegen
  • Hemmung der Sekretion der Magendrüsen und der Bauchspeicheldrüse

In die Vene (intravenös) wird Atropin verabreicht zur:

  • Vorbereitung auf eine Narkose (Narkose-Prämedikation)
  • Behandlung von bradykarden Herzrhythmusstörungen (Rhythmusstörung bei gleichzeitig verlangsamtem Herzschlag)
  • Behandlung von Vergiftungen mit G-Kampfstoffen und Insektiziden

Atropin-haltige Augentropfen werden verwendet zur Pupillenerweiterung in folgenden Fällen:

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  • vor Untersuchungen des Augenhintergrundes
  • bei Augenentzündungen (z.B. Regenbogenhautentzündung)

Im Rahmen mancher Anwendungsgebiete werden hohe Dosen von Atropin verabreicht, aber nur kurzfristig, da der Wirkstoff viele Stoffwechselprozesse beeinflusst. Niedrige Dosierungen und/oder lokal anzuwendende Präparate (wie etwa Atropin-Augentropfen) werden mitunter auch langfristig gegeben.

Außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete (Off-Label-Use) werden Atropin-Tropfen unter anderem auch zur Verminderung der Speichelproduktion, etwa bei krankhafter Speichelbildung (Hypersalivation) oder der Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Clozapin) verwendet.

Die Hauptanwendungsgebiete von Atropin umfassen:

  • Notfallmedizin / Kardiologie:
    • Symptomatische Bradykardie: Atropin ist das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung eines hämodynamisch instabilen, verlangsamten Herzschlags (z.B. bei AV-Blockierungen). Es erhöht die Herzfrequenz durch Blockade der vagalen (parasympathischen) Einflüsse auf den Sinus- und AV-Knoten.
  • Toxikologie (als Antidot):
    • Vergiftungen mit Organophosphaten: Dies ist eine lebensrettende Indikation. Atropin wirkt als Gegengift bei Vergiftungen mit Insektiziden (z.B. E605) oder Nervenkampfstoffen (z.B. Sarin, Nowitschok). Es blockiert die massiv überstimulierten Muskarinrezeptoren und bekämpft so Symptome wie Bronchospasmus, massive Sekretion und Bradykardie. Hier werden oft sehr hohe Dosen benötigt.
    • Vergiftungen mit anderen Parasympathomimetika: z.B. bei Pilzvergiftungen mit muskarinerger Wirkung (z.B. durch den Ziegelroten Risspilz).
  • Anästhesie:
    • Intraoperative Anwendung: Nicht mehr zur routinemäßigen Prämedikation (um Speichelfluss zu hemmen), sondern zur akuten Behandlung einer intraoperativ auftretenden Bradykardie, die durch chirurgische Manipulationen (z.B. am Auge oder Hals) oder durch andere Medikamente ausgelöst werden kann.
    • Reduktion von Sekreten: In seltenen Fällen bei bestimmten Eingriffen (z.B. in der Mundhöhle), um die Atemwege freizuhalten.
  • Ophthalmologie:
    • Therapeutische Mydriasis und Zykloplegie: Zur Ruhigstellung der Iris und des Ziliarmuskels bei Entzündungen wie Keratitis (Hornhautentzündung) oder Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut), um Schmerzen zu lindern und Verklebungen (Synechien) zu verhindern.
    • Penalisationstherapie: Zur Behandlung der Amblyopie (Schwachsichtigkeit) bei Kindern. Das gesunde Auge wird mit Atropin "bestraft" (verschwommenes Sehen), um das schwächere Auge zum Sehen zu zwingen.
    • Diagnostische Mydriasis: Für diagnostische Pupillenerweiterungen zur Netzhautuntersuchung wird Atropin aufgrund seiner sehr langen Wirkdauer (bis zu 2 Wochen) heute nur noch selten verwendet. Man bevorzugt kürzer wirksame Substanzen wie Tropicamid oder Cyclopentolat.
  • Obsolete / Historische Anwendungen:
    • Asthma bronchiale / Bronchospasmen: Hier wurden Atropin und seine Derivate vollständig durch modernere, selektivere und nebenwirkungsärmere Substanzen (wie Ipratropiumbromid oder Tiotropiumbromid) ersetzt.
    • Magen-Darm-Krämpfe: Auch hier werden heute spezifischere Spasmolytika eingesetzt.

Anwendung von Atropin

Der Wirkstoff wird nach Möglichkeit lokal angewendet, etwa in Form von Atropin-Augentropfen und Tropfen zur Anwendung im Mund. Zur Behandlung von inneren Organen oder Vergiftungen werden Injektionslösungen, Tabletten oder Zäpfchen eingesetzt. Dosierung und Häufigkeit der Anwendung werden vom behandelnden Arzt individuell an den Patienten angepasst. Nach der Anwendung Atropin-haltiger Augentropfen sollten Sie keine Fahrzeuge lenken oder Maschinen bedienen, da der Wirkstoff die Sehleistung und das Reaktionsvermögen beeinträchtigt.

Gegenanzeigen

Atropin darf nicht verwendet werden bei:

  • Engwinkelglaukom (eine Form von Grünem Star)
  • krankhafter Verengung der koronaren Gefäße (Koronarstenose)
  • Herzrhythmusstörungen mit beschleunigtem Herzschlag (tachykarde Herzrhythmusstörungen)
  • Blasenentleerungsstörung mit Restharnbildung
  • gutartiger Prostatavergrößerung
  • Myasthenia gravis (Autoimmunerkrankung der Nerven und Muskeln)

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Atropin verwendet werden bei:

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  • Säuglingen und Kleinkindern bis zum zweiten Lebensjahr sowie Erwachsenen über 65 Jahren, ebenso Patienten mit Down-Syndrom, weil diese Personen sehr empfindlich auf den Wirkstoff reagieren
  • fiebernden Patienten, insbesondere bei Kindern und bei hoher Lufttemperatur, weil Atropin die Schweißbildung hemmt und es dadurch zu Überwärmung kommen kann
  • Patienten mit frischem Herzinfarkt, weil es zu schnellen Herzrhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern kommen kann
  • Herzmuskelschwäche, Verlegung der Mitralklappe im Herzen, Bluthochdruck und Schilddrüsenüberfunktion, weil Herzrasen dabei unbedingt vermieden werden muss.

Dosierung von Atropin

Die Dosierung ist streng von der Indikation abhängig und wird durch einen Arzt festgelegt. Sie unterscheidet sich dementsprechend je nach Indikation stark:

  • Symptomatische Bradykardie (Erwachsene): Initial 0,5 mg bis 1,0 mg intravenös, wiederholbar bis zu einer Maximaldosis von 3 mg.
  • Antidot bei Organophosphat-Vergiftung: Initial 2-5 mg intravenös, Dosis wird alle 5-10 Minuten verdoppelt, bis die Bronchialsekretion sistiert ("atropinisieren"). Gesamtdosen von hunderten Milligramm über 24 Stunden sind möglich.
  • Augentropfen (0,5% oder 1%): In der Regel 1-2 mal täglich ein Tropfen in den Bindehautsack.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Atropin wird in der Schwangerschaft nur unter strengster Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt, da ansonsten eine mögliche zu langsame Herzfunktion beim Ungeborenen übersehen werden könnte. Die Anwendung von Atropin während der Geburt und bei einer Kaiserschnitt-Operation ist verboten, da bei Mutter und Kind Herzrasen auftreten kann. Es besteht die Gefahr, dass das unbewussten Nervensystems beim Ungeborenen beeinträchtigt wird und somit nach der Geburt die Anpassung des Neugeborenen an die Umwelt beeinflusst wird. Da Atropin in die Muttermilch übergeht, sollte bei Anwendung des Wirkstoffs abgestillt werden. Atropin überwindet die Plazenta und kann so in den Körper des Ungeborenen gelangen. Es sollte in der Schwangerschaft deshalb nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung zum Einsatz kommen, auch wenn bisherige Daten keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko ergeben. Atropin tritt in geringen Mengen in die Muttermilch über. Bisher gibt es keine Berichte über über negative Auswirkungen beim gestillten Kind. Die kurzzeitige Anwendung in der Stillzeit scheint daher - bei sorgfältiger Beobachtung des Kindes - akzeptabel zu sein. Beobachten Sie Ihr Kind genau, wenn Sie Atropin-haltige Präparate während der Stillzeit anwenden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Auch Säuglinge und Kleinkinder können mit Atropin behandelt werden. Allerdings reagieren sie bis zum zweiten Lebensjahr besonders empfindlich auf Überdosierungen. Atropin-Tabletten können in entsprechender Dosierung bereits Kleinkindern ab zwei Jahren gegeben werden. Atropin-Augentropfen sind für Säuglinge ab dem dritten Monat zugelassen. Intravenöse Atropin-Medikamente werden bei akuter Lebensgefahr (z.B. schwere Vergiftung) ab der Geburt eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen kann Atropin haben?

Die Nebenwirkungen von Atropin sind dosisabhängig. In schwacher Dosierung bewirkt verlangsamt Atropin den Herzschlags und kann zu einer leichten Mundtrockenheit führen. Mittlere Dosierungen führen regelmässig zu Mundtrockenheit, Abnahme der Schweißproduktion (Hauttrockenheit), Herzrasen, Sehstörungen infolge Pupillenerweiterung und Störung des Scharfsehens. Bei höherer Dosierung oder besonderer Empfindlichkeit können die genannten Nebenwirkungen verstärkt auftreten. Es kann zu Reizleitungsstörungen am Herzen kommen mit Herzrhythmusstörungen, die von den Herzkammern und darüber ausgehen. Weitere Nebenwirkungen sind Muskelschwäche und Bewegungsstörungen, Störungen des Harnlassens und der Verdauung, Schluckstörungen und Sodbrennen. Auch Sprachstörungen, Unruhe- und Erregungszustände, Wahnvorstellungen, Verwirrtheitszustände, Krämpfe, Delirium und Koma sind möglich. Atropin kann außerdem einen Anfall von Grünem Star auslösen. Sehr seltene Nebenwirkungen sind Angina pectoris-Beschwerden und eine starke Erhöhung des Blutdruckes bis hin zur Hochdruckkrise. Bei länger dauernder Behandlung kann sich eine Speicheldrüsenentzündung als Folge der gehemmten Speichelproduktion entwickeln. Bei Patienten mit Down-Syndrom können schon bei niedrigen Dosen eine starke Pupillenerweiterung und ausgeprägtes Herzrasen auftreten. Überempfindlichkeitsreaktionen können in Form von Bindehautentzündung, Hautentzündung rund um das Auge, Juckreiz, Hautausschlag und -rötung sowie Nesselsucht auftreten. Infolge der durch Atropin verminderten Darmtätigkeit werden gleichzeitig verabreichtes Digoxin (ein Herzglykosid) und Nitrofurantoin (ein Antibiotikum) verstärkt, das Psychopharmakon Phenothiazin und das Parkinson-Mittel Levodopa vermindert in den Körper aufgenommen.

Atropin-Nebenwirkungen sind stark dosisabhängig. Bei mehr als jedem zehnten Patienten treten Mundtrockenheit, gerötete, trockene Haut, ein beschleunigter Herzschlag und Sehstörungen (infolge der Pupillenerweiterung) auf. Je nach Grund der Anwendung können diese Wirkungen auch erwünscht sein. Besonders in höheren Dosen kann Atropin auch zu Halluzinationen, Sprachstörungen, Krämpfen, Blutdruckerhöhung, Muskelschwäche, Harnverhalt, Verwirrtheits-, Unruhe- und Erregungszuständen führen.

Die Nebenwirkungen sind direkte Folgen der parasympatholytischen Wirkung ("anticholinerges Syndrom"):

  • Systemisch: Mundtrockenheit, Hautrötung und -trockenheit, Tachykardie, Sehstörungen (Akkommodationsstörungen, Blendempfindlichkeit), Schwierigkeiten beim Wasserlassen (Harnverhalt), Verstopfung, bei hohen Dosen auch Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen und Koma.
  • Lokal am Auge: Blendempfindlichkeit (durch Mydriasis), verschwommenes Sehen, Augeninnendrucksteigerung. Die lange Wirkdauer von bis zu 14 Tagen ist zu beachten.

Wie jedes Medikament kann auch Atropin Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten gehören Mundtrockenheit, verschwommenes Sehen, Tachykardie, Harnverhalt und Verstopfung. In höheren Dosen können auch zentralnervöse Wirkungen wie Unruhe, Verwirrtheit oder Halluzinationen auftreten. Besondere Vorsicht ist geboten bei Patientinnen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Engwinkelglaukom, Prostatahypertrophie, Myasthenia gravis oder schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es ist wichtig, dass Patientinnen sämtliche Nebenwirkungen, die sie erfahren, mit ihremr Ärztin oder Apotheker*in besprechen.

Wechselwirkungen

In Kombination mit Wirkstoffen, die ebenfalls hemmend auf den Parasympathikus wirken, kann sich die Wirkung von Atropin verstärken. Das begünstigt Nebenwirkungen. Zu diesen parasympatholytischen Wirkstoffen gehören Mittel gegen Allergien (insbesondere ältere Antiallergika) und Psychosen (Antipsychotika), einige Antidepressiva (v.a. trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin), Methylphenidat (bei ADHS und der Schlafkrankheit Narkolepsie), Antiparkinsonmittel (z.B. Amantadin) und Mittel gegen Herzrhythmusstörungen (wie Chinidin). Sympathomimetika können die Effekte von Atropin verstärken. Ebenso können folgende Medikamente die anticholinerge Wirkung erhöhen:

  • Amantadin
  • Antiarrhythmika wie Chinidin, Procainamid und Disopyramid
  • Dopaminantagonisten wie Metoclopramid
  • Antihistaminika
  • tri- und tetrazyklische Antidepressiva
  • bestimmte Antiparkinsonmittel, ausgenommen Dopaminrezeptor-Agonisten
  • Neuroleptika.

Pilocarpin- und physostigminhaltige Arzneimittel schwächen die Wirkung von Atropin ab oder heben sie auf. Umgekehrt hemmt Atropin die Wirkung dieser Medikamente.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Besonders bei der Therapie von Herzrhythmusstörungen muss der Arzt das EKG und den Patienten ständig überwachen. Das Medikament darf nur unter Aufsicht eines Arztes verwendet werden. Das Medikament kann die Sehleistung und das Reaktionsvermögen so weit herabsetzen, dass Autofahren, das Bedienen von Maschinen oder das Arbeiten ohne sicheren Halt gefährlich sind. Dies gilt im verstärkten Maß im Zusammenwirken mit Alkohol. Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Medikamente mit Atropin

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Atropin enthalten ist. In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

MedikamentDarreichungsform
ATROPINSULFAT AGUETTANT 100/ -200 Mikrogramm/ml Injektionslösung in einer FertigspritzeInjektionslösung

Geschichte des Atropins

Bereits im vierten Jahrhundert vor Christus beschrieb Theophrastos von Eresos die Wirksamkeit der Alraune, einer Atropin-haltigen Pflanze, zur Behandlung von Wunden, Gicht und Schlaflosigkeit. Die Verwendung von Atropin-haltigen Pflanzen wurde über die Jahrhunderte immer wieder dokumentiert. Besonders bekannt ist die Verwendung zur Pupillenerweiterung zu kosmetischen Zwecken, beispielsweise durch Cleopatra. 1831 hat der deutsche Apotheker Heinrich Mein Atropin erstmals isolieren können. Im Jahre 1901 wurde der Wirkstoff das erste Mal von Richard Willstätter künstlich hergestellt.

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