Telgte Reha nach Schlaganfall: Erfahrungen, Behandlungen und Perspektiven

Ein Schlaganfall kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien grundlegend verändern. Die neurologische Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung von Fähigkeiten und der Verbesserung der Lebensqualität nach einem solchen Ereignis. Die Klinik Maria Frieden in Telgte ist eine der Einrichtungen, die sich auf neurologische Rehabilitation spezialisiert haben. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Patienten und Angehörigen mit der Reha in Telgte, die angebotenen Behandlungen und die aktuellen Entwicklungen im Bereich der neurologischen Frührehabilitation in Nordrhein-Westfalen.

Neurologische Rehabilitation in Telgte: Ein Überblick

Die Klinik Maria Frieden in Telgte bietet neurologische Rehabilitation für Patienten mit akuten oder chronischen neurologischen Erkrankungen und den daraus resultierenden Einschränkungen im Alltag. Die Rehabilitation richtet sich nach dem Phasenmodell der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR). Dabei werden Patienten in verschiedenen Phasen behandelt, von der Akutbehandlung im Krankenhaus (Phase A) bis zur Rehabilitation von weitgehend selbstständigen Patienten (Phase D).

Phasen der Rehabilitation

  • Phase A: Akutbehandlung im Krankenhaus.
  • Phase B: Neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation für schwer eingeschränkte Patienten.
  • Phase C: Behandlung von Patienten mit mittelgradigen Funktionsstörungen.
  • Phase D: Rehabilitation für weitgehend selbstständige, gehfähige Patienten.

Das neurologische Assessment

Ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation in Telgte ist das neurologische Assessment. Dabei lernen die Therapeuten jeden Patienten mit seinen individuellen Behinderungen und Problemen genau kennen. Ziel ist es, die körperlichen, kognitiven und psychischen Funktionsstörungen sowie die daraus entstehenden Fähigkeitsstörungen zu erkennen, zu interpretieren und zu bewerten. Anhand der Ergebnisse wird gemeinsam mit dem Patienten ein persönliches Rehabilitationsziel und ein Therapiekonzept festgelegt. Dieses wird im Verlauf der Behandlung regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst.

Therapiekonzepte und Angebote

Die Rehabilitation in Telgte ist geprägt durch die enge Abstimmung mit dem Patienten und dem professionellen Team sowie die Einbeziehung der Angehörigen. Für alle wichtigen neurologischen Funktionsstörungen gibt es erprobte, berufsgruppenübergreifende Therapiekonzepte. Die therapeutischen Angebote werden individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt und im Verlauf der Rehabilitation an ihre Fortschritte und ihre Belastbarkeit angepasst. Der Therapieplan enthält eine Mischung aus Einzeltherapien und ergänzenden Gruppenangeboten.

Behandelte Erkrankungen:

  • Schlaganfall
  • Querschnittslähmung
  • Entzündungen des Gehirns
  • Multiple Sklerose
  • Erkrankungen der peripheren Nerven
  • Muskelerkrankungen
  • Bewegungsstörungen
  • Degenerative Erkrankungen
  • Zustand nach Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Zustand nach Operation oder Bestrahlung des Gehirns und Rückenmarks
  • Epilepsien
  • Neurologische Schlafstörungen

Erfahrungen von Patienten und Angehörigen

Die Erfahrungen mit der Reha in Telgte sind vielfältig und reichen von sehr positiven bis hin zu kritischen Rückmeldungen. Einige Patienten und Angehörige berichten von hervorragenden Fortschritten und einer liebevollen Betreuung, während andere Kritik an der Organisation, der medizinischen Betreuung oder der Ausstattung äußern.

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Positive Erfahrungen

Viele Patienten und Angehörige loben die engagierte und aufmunternde Pflege, die kompetenten Therapeuten und Ärzte sowie die freundliche Atmosphäre in der Klinik. Besonders hervorgehoben werden:

  • Engagiertes Personal: Das Pflegepersonal, die Ärzte und die Therapeuten leisten gute Arbeit und sind stets freundlich und kompetent.
  • Individuelle Betreuung: Die therapeutischen Angebote werden individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt.
  • Gute Ausstattung: Die Reha ist sehr gut ausgestattet und der Rehaerfolg ist deutlich spürbar.
  • Unterstützung für Angehörige: Der Sozialdienst und die Therapeuten stehen im Dialog mit den Angehörigen und bieten umfassende Beratung.
  • Erfolgreiche Rehabilitation: Viele Patienten berichten von deutlichen Verbesserungen ihres Zustands und einer gesteigerten Selbstständigkeit nach der Reha.

Einige Beispiele:

  • Eine Mutter kam nach einem schweren Schlaganfall als Pflegefall nach Telgte und konnte nach sechs Wochen dank der hervorragenden Arbeit der Therapeuten und des Pflegepersonals zu Hause gepflegt werden.
  • Ein Patient konnte nach einem sechswöchigen, beatmungspflichtigen Aufenthalt auf der Intensivstation dank der gezielten Therapie und des liebevollen Umgangs in Telgte wieder auf eigenen Beinen nach Hause gehen.
  • Eine ältere Dame erlitt einen Oberschenkelbruch und konnte nach der Reha in Telgte wieder in ihre eigene Wohnung zurückkehren und am Leben teilnehmen.

Kritische Erfahrungen

Es gibt auch kritische Stimmen, die auf verschiedene Probleme hinweisen:

  • Mangelnde Präsenz der Ärzte: Es war schwierig, ein persönliches Gespräch mit den Ärzten zu führen.
  • Mangelhafte Ernährung: Das tägliche Essen war ernährungsphysiologisch mangelhaft.
  • Fehlende Therapieeinheiten: Termine mit Reha-Maßnahmen fanden wegen Feiertagen nicht statt oder wurden wegen nicht bereiter Patientin nicht durchgeführt.
  • Mangelnde Empathie: Es gab vereinzelte Pflegekräfte, die einen rauhen Ton hatten und wenig Empathie zeigten.
  • Schlechte Ausstattung: Viel Material wie Rollstühle war teildefekt und Rollatoren hatten schlecht funktionierende Bremsen.
  • Unnötige Hilfsmittel: Patienten wurden mit Rollator und diversen Hilfsmitteln entlassen, die sie zuvor nicht benötigten.
  • Traumatisierende Erlebnisse: Einige Patienten berichten von traumatischen Erlebnissen während der Reha, wie z. B. das Liegen in Eingenässtem oder entwürdigende Wasch- und Anziehtrainings.

Einige Beispiele:

  • Eine Patientin hatte den Eindruck, dass das Ganze nach dem Motto ablief, "der ist doch sowieso nicht mehr zu helfen".
  • Eine Mutter war zwei Jahre nach der Reha ihrer Tochter anhaltend traumatisiert aufgrund der mangelnden Empathie und des rauhen Tons einiger Pflegekräfte.
  • Ein Patient wurde nach drei Wochen sehr geschwächt und mit Rollator und diversen Hilfsmitteln entlassen, die er zuvor nicht benötigte.

Veränderungen in der neurologischen Frührehabilitation in NRW

Ab Januar 2025 treten in Nordrhein-Westfalen tiefgreifende Veränderungen im Gesundheitswesen in Kraft, die auch die neurologische Frührehabilitation betreffen. Die neue Krankenhausplanung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) sieht vor, dass die neurologische Frührehabilitation der Phase B zukünftig fast ausschließlich in Akutkrankenhäusern und nicht mehr in spezialisierten Reha-Fachkliniken durchgeführt werden soll.

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Kritik an der Krankenhausplanung

Die Landesarbeitsgemeinschaft NeuroReha NRW setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Neuro-Frühreha in NRW wie in anderen Bundesländern mit rehabilitativem Sachverstand durchgeführt wird, um Lebens- und Teilhabechancen zu nutzen. Die geplante Verlagerung der Frühreha in Akutkrankenhäuser wird kritisiert, da dies zu einem Abbau von Versorgungsstrukturen in seit Jahrzehnten etablierten Rehakliniken führen würde. Zudem werden Bedenken hinsichtlich der Qualität der Versorgung in kleinen Einheiten an Akutkrankenhäusern geäußert, da die neurologische Frührehabilitation aufgrund ihrer Komplexität eine hohe rehabilitative Kompetenz und eine gewisse Mindestgröße erfordert.

Auswirkungen auf Patienten

Die Krankenhausplanung könnte die Situation der Betroffenen weiter verschärfen, da bereits jetzt Plätze für die neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation fehlen. Patienten erhalten schon jetzt nach der Versorgung im Akutkrankenhaus häufig nicht unmittelbar einen Reha-Platz und müssen in der Übergangspflege darauf warten. Die geplanten Änderungen könnten zu einer weiteren Verschlechterung der Versorgungslage führen.

Digitalisierung und Umstellung auf das SINGER-Patientenprofil

Ab dem 1. Oktober 2024 sollen Anträge auf Anschlussrehabilitation (AR) ausschließlich digital im §301-DTA-Verfahren an die Krankenversicherungen übermittelt werden. Diese Umstellung, die auch die Ablösung des etablierten Barthel-Index durch das SINGER-Patientenprofil umfasst, erfordert erhebliche Anpassungen in Akut- und Rehakliniken. Eine Pilotphase zur Erprobung dieser Neuerungen wurde durchgeführt, jedoch wurden nur wenige SINGER-Patientenprofile im Rahmen des AR-Verfahrens eingereicht. Es bleibt abzuwarten, ob die Forderung nach einer Verlängerung der Pilotphase umgesetzt wird, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

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