Trigeminusneuralgie: Carbamazepin, Homöopathie und alternative Behandlungsansätze

Die Trigeminusneuralgie, auch bekannt als Gesichtsneuralgie, ist eine Schmerzerkrankung, die durch heftigste, anfallsartige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. In Deutschland sind schätzungsweise 30.000 Menschen betroffen, vor allem ältere Personen. Die Erkrankung betrifft den Nervus trigeminus, der für die Wahrnehmung von Berührungen und Schmerzen im Gesicht zuständig ist.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist die häufigste Form der Neuralgie und zeichnet sich durch extrem starke, blitzartig einschießende Gesichtsschmerzen aus. Die Schmerzattacken dauern meist nur wenige Sekunden, gehören aber zu den stärksten bekannten Schmerzen überhaupt. Betroffene beschreiben die Schmerzen oft als stechend, brennend oder wie Stromschläge.

Ursachen und Auslöser

Neurovaskuläre Kompression

In den meisten Fällen wird die Trigeminusneuralgie durch einen zu engen Kontakt zwischen dem Trigeminusnerv und einem Blutgefäß in der Nähe des Gehirns verursacht. Diese sogenannte neurovaskuläre Kompression kann die schützende Hülle der Nervenzellen beeinträchtigen, was dazu führt, dass Signale von Berührungsfasern auf Schmerzfasern überspringen.

Symptomatische Trigeminusneuralgie

In einigen Fällen liegt der Trigeminusneuralgie eine Grunderkrankung zugrunde, wie beispielsweise Multiple Sklerose oder ein Tumor. In diesen Fällen sind die Beschwerden oft nicht ganz typisch. Auch eine Zahnwurzelbehandlung kann eine Trigeminusneuropathie auslösen, die sich jedoch im Schmerzcharakter von der klassischen Trigeminusneuralgie unterscheidet.

Weitere mögliche Ursachen

  • Entzündungsprozesse: Entzündungen des Trigeminusnervs können durch systemische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder eine Post-Zoster-Neuralgie verursacht werden.
  • Zahnerkrankungen: Erkrankungen der Zähne, wie Abszesse oder ausgedehnte eitrige Entzündungen, können zu Schmerzen des Mandibularisnervs führen, einem Ast des Trigeminusnervs.
  • Operationen im Gesichtsbereich: Bei Operationen im Gesichtsbereich kann es zu Reizungen oder Verletzungen des Trigeminusnervs kommen, was starke Schmerzen bis hin zur Trigeminusneuralgie verursachen kann.
  • Stress: Körperlicher und psychischer Stress können den Trigeminusnerv reizen und Schmerzen verursachen.

Triggerfaktoren

Die Schmerzen bei einer Trigeminusneuralgie können durch verschiedene Trigger ausgelöst werden, darunter:

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  • Gesichtsbewegungen wie Kauen, Sprechen, Schlucken oder Essen
  • Berührung des Gesichts
  • Zugluft
  • Kälte oder Wärme

Symptome

Die typischen Symptome einer Trigeminusneuralgie sind:

  • Plötzlich einschießende, heftigste Gesichtsschmerzen
  • Einseitiges Auftreten der Schmerzen
  • Schmerzen im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Äste des Nervus trigeminus (Stirn, Oberkiefer, Unterkiefer)
  • Mögliche Begleiterscheinungen wie Tränenlaufen, Rötung und Schwitzen der Haut im betroffenen Bereich
  • Kurze Schmerzattacken, die nur wenige Sekunden andauern
  • Häufiges Auftreten der Attacken über Wochen oder Monate
  • Schmerzfreie Episoden zwischen den Attacken

Diagnose

Die Diagnose der Trigeminusneuralgie basiert in erster Linie auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Die Erfassung der Krankengeschichte (Anamnese) und das Abtasten (Palpation) der Druckpunkte können helfen, die Schmerzcharakteristik und mögliche Auslöser zu differenzieren. Eine neurologische Untersuchung dient dem Ausschluss anderer neurologischer Grunderkrankungen als Ursache der Schmerzen. In einigen Fällen kann eine MRT- oder CT-Aufnahme durchgeführt werden, um andere Ursachen wie Tumoren auszuschließen.

Konventionelle Behandlungsmethoden

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist die erste Wahl bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie. Normale Schmerzmittel helfen bei der Trigeminusneuralgie nicht. Gut wirksam ist aber das Antiepileptikum Carbamazepin, auch Gabapentin ist möglich. Sie werden zunächst täglich gegeben. Das therapeutische Mittel der Wahl ist Carbamazepin, das auch in einer akuten Schmerzsituation durch seine schnell einsetzende Wirkung gerne verwendet wird. Alternativ dazu kann Oxacarbazepin gegeben werden, wenn der Patient das Carbamazepin schlecht verträgt oder andere Medikamente nimmt, die mit diesem interagieren. Wenn sich die Trigeminusneuralgie dadurch nicht bessert wird auf Arzneistoffe der 2. Wahl umgestellt. Hierzu gehört zum Beispiel Gabapentin, das zwar nicht so gut wirkt, dafür allerdings von vielen Menschen besser vertragen wird. Ein weiteres Medikament 2. Lyrica® ist der Handelsname eines Antiepileptikums mit dem Wirkstoff Pregabalin, das vor allem bei Schmerzen, die durch Nerven verursacht wurden, zum Einsatz kommt. Bei der Trigeminusneuralgie gehört es zu einem Arzneimittel der 2. Wahl, da es eine geringere Schmerzfreiheit verschafft als andere Medikamente. Vorteile von Lyrica sind allerdings, dass es trotzdem insgesamt die Beschwerden bessert und kaum mit anderen Medikamenten interagiert. Zu den Nebenwirkungen gehören u.a. Die Medikamente zur Behandlung der Trigeminusneuralgie gehören zu der Gruppe der Antiepileptika, die neben der Epilepsie auch noch bei anderen Erkrankungen zum Einsatz kommen. Diese Arzneistoffe sorgen oft für Schwindel und Doppelbilder, wirken sich auf den Magen-Darm-Trakt, in Form von Bauchschmerzen und Übelkeit, aus und können bei langfristiger Nutzung die Leber und Niere angreifen. Carbamazepin darf außerdem nicht im ersten Drittel einer Schwangerschaft genommen werden.

Operative Therapie

Nur wenn Medikamente nicht ausreichend wirksam, ihre Nebenwirkungen auf Dauer zu stark sind oder eine Dauerbehandlung über Jahrzehnte nötig wäre, werden tiefer greifende Behandlungen in Betracht gezogen, vor allem eine mikrochirurgische Trennung von Nerv und Gefäß, um ein Überspringen der Signale zu verhindern. Eine operative Behandlung der Trigeminusneuralgie wird bei einem Nichtansprechen der Medikamente oder nicht tolerierbaren Nebenwirkungen in Betracht gezogen. Zur operativen Versorgung einer Trigeminusneuralgie stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Zu ersteren zählen Verfahren, die eine mechanische, thermische oder elektrische Verödung an einer Schaltstelle des Nerven vornehmen, sogenannte transkutane stimulationsgesteuerte Thermokoagulations-Operationsmethoden. Dadurch wird in mehr als 90% der Fälle Schmerzfreiheit erreicht, auch die Langzeitergebnisse sind relativ gut. Bei Methoden, die eine Schädelknocheneröffnung erfordern, zum Beispiel eine sogenannte mikrovaskuläre Dekompression (Janetta-Operation). Hierbei wird eine Entlastung des Nerven am Austrittspunkt aus dem Gehirn vorgenommen, indem ein Kissen aus Muskelfasern oder körperfremdem Material zwischen Nerv und umgebende Gefäße gebracht wird. Auch hier sind die Frühergebnisse sehr gut (Schmerzfreiheit oder deutliche Linderung in 98% der Fälle), über einen 10-Jahres-Zeitraum geht die Erfolgsrate auf 67% zurück. Relativ neu sind radiochirurgische Verfahren, bei denen eine Bestrahlung des Nervus Trigeminus nahe seines Austrittspunktes aus dem Gehirn vorgenommen wird. Auch hier sind die Erfolgsquoten gut, sie liegen bei ca. 85% Schmerzfreiheit initial, nach 3 Jahren sind es noch 75%. Die Operation nach Jannetta ist ein sogenanntes mikrovaskuläres Dekompressionsverfahren. Dies bedeutet, dass bei einem engen Kontakt zwischen dem Trigeminusnerv und einem (in diesem Fall oft verkalkten) Gefäß aufgehoben wird, in dem ein kleines Metallstück eingesetzt wird. Dabei ist der Patient unter Vollnarkose. Dadurch wird der Nerv durch das verhärtete Gefäß nicht mehr eingeengt und die Reizung, die für die Schmerzen verantwortlich war, wird eliminiert. Auch die OP nach Jannetta hat , wie jedes operative Verfahren, bestimmte Risiken. Bei dieser Operation kann es in seltenen Fällen durch die räumliche Nähe zu einem der Nerven, der für das Hören verantwortlich ist, zu einer Einschränkung oder eine Verlust des Hörens auf der betroffenen Seite kommen.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch verschiedene alternative Ansätze, die bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können.

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Homöopathie

Obwohl die Homöopathie einige Mittel für die akute Behandlung kennt, raten erfahrene Homöopathen zur sogenannten Konstitutionsbehandlung. Bei dieser erhalten Betroffene durchgehend ein bestimmtes Mittel, das allgemein und ganzheitlich hilft und damit auch die Intensität sowie die Häufigkeit von Schmerzattacken einer Trigeminusneuralgie reduzieren soll. Bei der Konstitutionsbehandlung ist nur ein Mittel notwendigWer unter verschiedenen Krankheiten leidet, der benötigt in der Regel unterschiedliche Medikamente, die exakt auf die jeweiligen Erkrankungen abgestimmt sind. Bei der Homöopathie sieht das etwas anders aus. Gerade bei der Trigeminusneuralgie vertrauen Homöopathen auf die Wirksamkeit einer Konstitutionsbehandlung. Bei dieser Behandlung findet man im Rahmen von Beobachtungen und Anamnese-Gesprächen heraus, welches Mittel dem Betroffenen in allen Bereichen hilft. Dabei werden verschiedenste Aspekte, Voraussetzungen und generelle Symptome in die Auswahl des homöopathischen Medikaments einbezogen. Dieses Mittel bleibt häufig über Jahre hinweg dasselbe, lediglich die Dosis wird immer wieder verändert. Wer unter einer Trigeminusneuralgie leidet und eine homöopathische Therapie anstrebt, sollte deswegen eine Konstitutionsbehandlung in Betracht ziehen. Ziel dieser Behandlung ist es, die Häufigkeit der Schmerzattacken selbst sowie die Intensität zu reduzieren.Sollte bisher keine Konstitutionsbehandlung erfolgt sein oder kommt es dennoch zu plötzlichen Schmerzen im Gesicht, kennt die Homöopathie jedoch ebenfalls einige Mittel, die zusätzlich zu den Medikamenten der Schulmedizin kurzfristig zur Linderung des Leidens angewendet werden können. Zu den homöopathischen Akut-Präparaten bei Trigeminusneuralgie gehören Spigelia, Aconitum oder Arsenicum album.

Um die akuten Schmerzen erfolgreich homöopathisch zu behandeln, ist es wichtig, den Schmerz zu lokalisieren. Kommt es beispielsweise zu stechenden Schmerzen im Unterkiefer, raten Homöopathen etwa zur Einnahme von Arsenicum album, Dulcamara oder Spigelia. Im Oberkieferbereich führen hingegen ganz andere Mittel zu einer Linderung der Schmerzen.

Zusätzlich sollte man darauf achten, was die Beschwerden verursacht hat. Denn die homöopathischen Mittel lassen sich ebenso nach auslösenden Schmerzfaktoren einteilen. Folgende Auslöser kommen häufig für eine Schmerzattacke infrage:

  • Bewegung durch Kauen, Sprechen, Schlucken oder Essen
  • Berührung
  • Zugluft
  • Kälte
  • Wärme

Gleichzeitig können Betroffene sich selbst beobachten, um herauszufinden, was die Schmerzen lindert. Sollte Wärme als angenehm und schmerzlindernd empfunden werden, können zum Beispiel die Mittel Silicea, Spigelia oder Mezereum die Beschwerden zusätzlich verbessern.

Je nach Präparat und Einsatzgebiet können die homöopathischen Mittel in Form von Globuli (Kügelchen) oder Tropfen eingenommen werden. Wichtig ist trotzdem, regelmäßig einen Mediziner aufzusuchen, wenn man unter einer Trigeminusneuralgie leidet. Bei manchen Patienten kann ein Hirntumor oder ein Aneurysma (Gefäßveränderung) für die Schmerzen verantwortlich sein, sodass eine schnelle schulmedizinische Behandlung notwendig ist. Die Homöopathie sollte nur begleitend eingesetzt und bei einer Verschlechterung des Zustands beendet werden.

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Akupunktur

Ob Akupunktur hilft, ist umstritten. Die WHO hat die Trigeminunsneuralgie aber als eine von 40 Indikationen für die Akupunktur berücksichtigt. Wichtig ist, dass im akuten Schub nicht in der Schmerzregion und generell keine Triggerpunkte genadelt werden, in diesem Fall kann die Schmerzintensität sogar zunehmen. Zwischen den Anfällen kann versucht werden, die Akupunkturpunkte je nach genauer Schmerzlokalisation zu nadeln. Vor allem in der chinesischen Medizin wird die Akupunktur als sehr wirkungsvolles Mittel gegen die Trigeminusneuralgie genutzt. Als Ursache steht hier eine Blockierung der Lebensenergie, des sogenannten Qi, im Mittelpunkt. Dabei wird häufig in bis zu sechs Sitzungen zuerst die gesunde Seite des Gesichts akupunktiert. Eine Sitzung dauert dabei ca. 60 Minuten. Danach wird die Akupunktur auf der erkrankten Seite angewandt.

Osteopathie

Viele Menschen, die von einer Trigeminusneuralgie betroffen sind, haben durch Osteopathie eine deutliche Besserung erfahren. Die Osteopathie ist ein manuelles Verfahren, bei dem durch gezielte Bewegungen die Entspannung der Muskulatur und Faszien in dem betroffenen Bereich gefördert wird.

Weitere alternative Ansätze

  • Mesotherapie: Die alternativmedizinische Mesotherapie kann ebenfalls Erfolge aufweisen.
  • Vitamin B12: Vitamin B12 kann bei einer Trigeminusneuralgie in manchen Fällen ebenfalls eine Rolle spielen. Das Vitamin ist ein entscheidender Stoff bei vielen entzündlichen Erkrankungen, da es bei der Entzündungshemmung im Körper eine wichtige Rolle spielt. Besteht also beispielsweise ein Mangel an Vitamin B12 (dieser lässt sich durch einen einfachen Bluttest nachweisen) kann ein Zusammenhang zwischen diesem und entzündlichen Veränderungen an Nerven und den damit verbundenen Schmerzen bestehen.
  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Die Anwendung von Wärme bei einer Trigeminusneuralgie ist umstritten. Der Sinn einer Wärmebehandlung ist die Anregung der Durchblutung, die meist bei Muskelkrämpfen entspannend wird. Bei plötzlich auftretenden Nervenreizungen mit Schmerzattacken ist Kälte oft hilfreicher, da sie die Nervenleitgeschwindigkeit herabsetzt und somit die Signale der Schmerzwahrnehmung nur noch vermindert weitergeleitet werden können.

Verlauf und Prognose

Im Verlauf der Erkankung sind Spontanheilungen möglich, zumindest zeitweilig lässt sich die Krankheit auch medikamentös beherrschen. Die Trigeminusneuralgie ist keine im klassischen Sinne heilbare Erkrankung. Ziel ist es den Erkrankten eine möglichst lange schmerzfreie oder schmerzarme Zeit zu verschaffen. Etwa ein Drittel der Patienten mit einer Trigeminusneuralgie haben nur einmalig in ihrem Leben eine Phase mit Schmerzattacken. Häufig ist der Verlauf der Erkrankung allerdings progredient, das heißt, dass die Erkrankung an Intensität zunimmt und mit einer engmaschigen ärztlichen Kontrolle behandelt werden sollte. Bei einer gut eingestellten Therapie kann bei einem Großteil der Patienten eine relative Schmerzreduzierung oder sogar Schmerzfreiheit erzielt werden. Häufig kommt es immer wieder zu Phasen ohne Symptome und Schmerzen, die als Spontanremissionen bezeichnet werden.

Differentialdiagnosen

Als Differentialdiagnosen kommen neben anderen Kopfschmerzformen auch Verletzungen des Trigeminusnervs nach Unfällen oder Operationen infrage. Wenn es zu Ausfällen des fünften Hirnnervs, meist im Rahmen von Entzündungen kommt, kann es zu Nervenschmerzen dieses Nerves kommen (Trigeminusneuralgie).

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