Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Synthese von Neurotransmittern und Hormonen, die für die Nervenfunktion, die psychische Gesundheit und den Schlaf unerlässlich sind. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungen von Tryptophan auf das Nervensystem und den Körper.
Was ist Tryptophan und warum ist es wichtig?
L-Tryptophan gehört zur Gruppe der Aminosäuren, den Grundbausteinen der Proteine im menschlichen Körper. Als essentielle Aminosäure muss Tryptophan über die Nahrung aufgenommen werden, da der Körper es nicht selbst synthetisieren kann.
Lipophilie und Transport: Aufgrund seiner Lipophilie (Fettlöslichkeit) wird L-Tryptophan im Blut an das Transportprotein Albumin gebunden, um zur Blut-Hirn-Schranke transportiert zu werden. Dort konkurriert es mit anderen Aminosäuren um den Eintritt ins Gehirn.
Tryptophan und seine Rolle im Gehirn
Im Gehirn wird Tryptophan in mehreren Schritten zu Serotonin umgewandelt, einem Neurotransmitter, der oft als "Glückshormon" bezeichnet wird. Serotonin beeinflusst Stimmung, Antrieb, Appetit und Schlaf.
Serotonin und Melatonin: Serotonin wird bei Dunkelheit in der Zirbeldrüse im Gehirn in Melatonin umgewandelt, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert.
Lesen Sie auch: Die Rolle von Mikronährstoffen
Wie Tryptophan die Serotonin- und Melatoninproduktion beeinflusst
Tryptophan ist eine Vorstufe von Serotonin und Melatonin. Ein Mangel an Tryptophan kann zu einem Mangel an diesen wichtigen Neurotransmittern führen, was sich negativ auf Stimmung, Schlaf und andere Körperfunktionen auswirken kann.
Faktoren, die die Umwandlung beeinflussen: Verschiedene Faktoren können die Umwandlung von Tryptophan in Serotonin beeinflussen, darunter Stress, Entzündungen und die Verfügbarkeit anderer Nährstoffe wie Vitamin B6 und Magnesium.
Tryptophan-Kynurenin-Stoffwechsel
Nur ein geringer Teil des aufgenommenen Tryptophans (etwa 3 %) wird für die Synthese von Serotonin und Melatonin verwendet. Der Großteil des Tryptophans ist für den Proteinaufbau, die Bildung von Vitamin B3 und des Coenzyms NAD von Bedeutung. Hierbei spielt der Tryptophan-Kynurenin-Stoffwechsel eine zentrale Rolle.
Ablauf des Stoffwechsels: In der Leber wird Tryptophan durch das Enzym Tryptophan-Pyrrolase (TDO) zu N-Formylkynurenin abgebaut. Durch weitere Reaktionen entsteht Kynurenin, das in verschiedene Stoffwechselwege eintreten kann. Ein wichtiger Abbauweg führt zur Bildung von Nicotinsäure (Vitamin B3) und NAD+.
Regulierung des Tryptophanspiegels: Die Tryptophan-Pyrrolase in der Leber reguliert den Tryptophanspiegel im Plasma. Bei einem Überschuss an Tryptophan wird das Enzym aktiviert, um den Abbau zu beschleunigen.
Lesen Sie auch: Nervensystem und Tryptophan
Störungen des Tryptophan-Kynurenin-Stoffwechsels
Verschiedene Faktoren können den Tryptophan-Kynurenin-Stoffwechsel stören und zu einem Ungleichgewicht führen.
Vitamin B6-Mangel: Ein Mangel an Vitamin B6 beeinträchtigt die Aktivität der Kynureninase, was zur Ansammlung von Kynurenin und 3-Hydroxykynurenin führt. Diese Stoffe können in Kynurensäure und Xanthurensäure umgewandelt werden, die die Glutamat- und Dopaminfreisetzung im Gehirn hemmen.
Immunreaktionen: Bei Entzündungen wird das Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO) aktiviert, das Tryptophan abbaut, um die Verfügbarkeit für Krankheitserreger oder Krebszellen zu verringern. Dies kann zu einem Serotonin- und Melatoninmangel führen.
Stress: Chronischer Stress erhöht den Cortisolspiegel, was die Tryptophan-Pyrrolase aktiviert und den Tryptophanabbau beschleunigt.
Ernährung und Tryptophanverfügbarkeit
Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Verfügbarkeit von Tryptophan im Gehirn.
Kohlenhydrate und Insulin: Nach einer proteinreichen Mahlzeit kann die Aufnahme von Kohlenhydraten den Insulinspiegel erhöhen. Dies führt dazu, dass konkurrierende Aminosäuren in die Muskelzellen geschleust werden, wodurch der prozentuale Anteil von Tryptophan im Blut steigt und es leichter die Blut-Hirn-Schranke passieren kann.
Sport und Aminosäuren: Intensive Ausdauerbelastung führt ebenfalls dazu, dass verzweigtkettige Aminosäuren unter dem Einfluss von Insulin in die Muskelzellen aufgenommen werden, was den Tryptophanspiegel im Blut erhöht.
Tryptophan in Lebensmitteln
Tryptophan kommt in verschiedenen Lebensmitteln vor, sowohl tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs.
Tierische Quellen: Gute Quellen sind Käse, Milch, Fleisch, Fisch und Eier.
Pflanzliche Quellen: Pflanzliche Quellen sind Nüsse, Hülsenfrüchte, Sojabohnen und Kartoffeln.
Tryptophangehalt ausgewählter Lebensmittel (pro 100g):
- Emmentaler Käse: 460 mg
- Sojabohnen: 450 mg
- Cashewnüsse: 450 mg
- Erdnüsse: 320 mg
- Hühnerfleisch: 310 mg
- Kakaopulver (ungesüßt): 293 mg
- Ei: 230 mg
- Haferflocken: 190 mg
- Reis: 90 mg
- Mais: 70 mg
Tryptophan als Nahrungsergänzungsmittel
Tryptophan ist auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und wird oft zur Behandlung von Schlafstörungen, Depressionen und Angstzuständen eingesetzt.
Dosierung: Die empfohlene Tageshöchstdosis liegt bei etwa einem Gramm L-Tryptophan, einzunehmen etwa 20 bis 30 Minuten vor dem Schlafengehen. Nach ärztlicher Rücksprache ist auch eine Steigerung auf bis zu zwei Gramm täglich möglich.
Vorteile: Im Gegensatz zu vielen anderen Schlafmitteln beeinträchtigt Tryptophan nicht die kognitive Leistungsfähigkeit oder das Aufwachen aus dem Schlaf.
Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Obwohl Tryptophan im Allgemeinen als sicher gilt, können bei manchen Menschen Nebenwirkungen auftreten.
Nebenwirkungen: Mögliche Nebenwirkungen sind Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit und erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut.
Wechselwirkungen: Tryptophan kann mit bestimmten Medikamenten interagieren, darunter Antidepressiva (MAO-Hemmer, SSRI), Medikamente zur Behandlung von Parkinson und bestimmte Krebsmedikamente.
Serotonin-Syndrom: Ein übermäßig hoher Serotoninspiegel kann zu einem Serotonin-Syndrom führen, einer seltenen, aber potenziell gefährlichen Reaktion.
Wann sollte man Tryptophan nicht einnehmen?
Tryptophan sollte nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Schweren Leber-, Herz- oder Nierenerkrankungen
- Karzinoid-Syndrom
- Akuter Alkohol- oder Medikamentenvergiftung
- Gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern, SSRI, Phenothiazinen oder Benzodiazepinen
- Gleichzeitiger Einnahme von Dextrometorphan
- Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
Tryptophan in Schwangerschaft und Stillzeit
Es liegen keine ausreichenden Daten zur Anwendung von Tryptophan in der Schwangerschaft und Stillzeit vor. Daher sollten schwangere und stillende Frauen Tryptophan nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
tags: #tryptophan #fur #nervens