Kleinhirntumor: Lebenserwartung, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Hirntumoren stellen eine heterogene Gruppe von Erkrankungen dar, die sich in Ursprung, Wachstumsverhalten, Ansprechen auf Behandlung und Prognose unterscheiden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Gradierung entwickelt, die von Grad I (gutartig, langsames Tumorwachstum, sehr gute Prognose) bis Grad IV (sehr bösartig, rasches Tumorwachstum, schlechte Prognose) reicht. Es wird zwischen primären und sekundären Hirntumoren unterschieden.

Primäre und sekundäre Hirntumoren

Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des Gehirns selbst, wie Nervenzellen, Hirnstützgewebe, Hirnanhangsgebilden, Hirngefäßen oder Lymphomen, die primär im zentralen Nervensystem (ZNS) entstehen. Sekundäre Hirntumoren sind Metastasen, die von Krebszellen aus anderen Organen ins Gehirn gestreut haben.

Vielfalt der Hirntumoren

Es gibt etwa 130 verschiedene Tumorarten des zentralen Nervensystems (ZNS). Diese können gutartig (abgegrenzt, langsam wachsend) oder bösartig (infiltrierend, schnell wachsend) sein. Die klinischen Symptome variieren je nach Lokalisation des Tumors. Hirntumoren metastasieren selten in andere Organe, selbst bösartige Tumoren wie Glioblastome oder Medulloblastome bleiben meist auf das Gehirn beschränkt.

Häufigkeit von Hirntumoren

Hirntumoren sind selten, machen aber etwa 2 % aller Krebserkrankungen aus. In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.000 Menschen neu an einem Hirntumor. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Hirntumoren können in jedem Alter auftreten, werden aber gehäuft bei Menschen zwischen 50 und 70 Jahren beobachtet. Bei Kindern sind Hirntumoren die zweithäufigste Krebserkrankung nach Leukämie.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind weitgehend unbekannt. Es gibt kaum Faktoren, die die Entstehung begünstigen. Weder Ernährung noch Rauchen, Alkoholkonsum oder Stress spielen eine Rolle. Ein leicht erhöhtes Risiko besteht für Patienten, die aufgrund anderer Erkrankungen, wie einer akuten Leukämie, einer direkten radioaktiven Bestrahlung des Nervensystems ausgesetzt waren. Auch Patienten mit bestimmten Erbkrankheiten zeigen häufiger einen primären ZNS-Tumor.

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Symptome von Hirntumoren

Die Anzeichen für einen Hirntumor können sehr unterschiedlich sein und entwickeln sich oft schleichend. Durch den erhöhten Druck im Kopf können Hirntumore eine Hirndrucksymptomatik auslösen. Bei Tumoren der Hirnanhangsdrüse können zudem hormonelle Störungen auftreten. Mögliche Symptome sind:

  • Kopfschmerzen (besonders morgens und bei Belastung)
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Neurologische Ausfälle (z.B. Lähmungen)
  • Epileptische Anfälle
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel

Diagnose von Hirntumoren

Bei Verdacht auf einen Hirntumor erfolgt zunächst eine neurologische Untersuchung. Anschließend werden bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt, um den Tumor zu lokalisieren und seine Größe zu bestimmen. Zur Sicherung der Diagnose und Bestimmung des Tumortyps wird eine Biopsie durchgeführt, bei der eine Gewebeprobe entnommen und untersucht wird. Die Klassifikation erfolgt nach den Kriterien der WHO.

Therapie von Hirntumoren

Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Art, Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors, sowie dem Alter und Allgemeinzustand des Patienten. Die wichtigsten Therapieoptionen sind:

  1. Operation: Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne wichtige Gehirnfunktionen zu stören. Bei gutartigen Tumoren kann eine Operation ausreichend sein.
  2. Strahlentherapie: Sie wird nach der Operation eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen abzutöten oder das Wachstum des Tumors zu verlangsamen.
  3. Chemotherapie: Chemotherapien werden ergänzend zur Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt, insbesondere bei bösartigen Tumoren. Die bekannteste Chemotherapie für die Behandlung von Gliomen basiert auf dem Wirkstoff Temozolomid.
  4. Zielgerichtete Therapien: Diese Therapien zielen auf spezifische Eigenschaften der Tumorzellen ab und können eingesetzt werden, wenn der Tumor auf andere Behandlungen nicht anspricht oder wiederkehrt.
  5. Klinische Studien: Die Teilnahme an klinischen Studien kann eine Option sein, um Zugang zu neuen Therapieansätzen zu erhalten.

Spezielle Hirntumoren im Kindesalter

Im Kindesalter entwickeln sich insbesondere gutartige Gliome oder bösartige Medulloblastome des Kleinhirns. Bei den gutartigen Tumoren handelt es sich vor allem um das pilozytische Astrozytom, das langsam und gut abgegrenzt wächst. Unter den bösartigen Hirntumoren dominiert das Medulloblastom des Kleinhirns (WHO-Grad IV). Die Behandlung umfasst die Operation mit nachfolgender Chemo- und Strahlentherapie.

Glioblastom

Das Glioblastom ist der häufigste und aggressivste Hirntumor bei Erwachsenen (WHO-Grad IV). Es entwickelt sich vor allem im Großhirn, wächst sehr rasch und invasiv in angrenzendes Gewebe. Die Prognose ist schlecht, selbst unter intensiver Therapie führt es meist innerhalb eines Jahres zum Tod.

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Diagnose des Glioblastoms

Zur Diagnose werden Magnetresonanztomografie (MRT) und Biopsie eingesetzt. Die MGMT-Promotor-Methylierung ist ein wichtiger prognostischer Faktor.

Behandlung des Glioblastoms

Die Behandlung umfasst die operative Entfernung des Tumors, gefolgt von Strahlentherapie und Chemotherapie mit Temozolomid. In einigen Fällen werden auch Tumortherapiefelder (TTF) eingesetzt.

Lebenserwartung beim Glioblastom

Die Lebenserwartung Betroffener liegt im Durchschnitt heute bei 15-20 Monaten. Die Wissenschaft ist sehr intensiv auf der Suche nach neuen Therapien und Diagnosemöglichkeiten, und die Zahl der Patienten, die mehrere Jahre überlebt haben, nimmt langsam zu. Entscheidend ist es, die Schwere dieser Erkrankung möglichst präzise einzuschätzen und individuell therapieren zu können.

Lebenserwartung bei Hirntumoren

Die Lebenserwartung bei einem Hirntumor ist sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Art des Hirntumors: Gutartige Tumoren haben in der Regel eine bessere Prognose als bösartige.
  • Lokalisation des Tumors: Tumoren in schwer zugänglichen Bereichen des Gehirns sind schwieriger zu behandeln.
  • Allgemeinzustand des Patienten: Ein guter Allgemeinzustand verbessert die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.
  • Biologisches Alter: Jüngere Patienten vertragen aggressive Therapien oft besser.
  • WHO-Grad: Der WHO-Grad gibt Auskunft über die Bösartigkeit des Tumors und beeinflusst die Prognose.

Demnach kann die Lebenserwartung zwischen wenigen Wochen und einer nahezu unbegrenzten Lebenserwartung liegen.

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Nachsorge bei Hirntumoren

Nach der Therapie sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um ein Rezidiv frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Nachsorge umfasst neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie MRT.

Supportive Therapie

Die supportive Therapie zielt darauf ab, Beschwerden durch den Tumor oder die Behandlung zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören Schmerztherapie, Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, sowie psychologische Unterstützung.

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