Krebs bei Kindern ist ein komplexes Feld mit vielen verschiedenen Ausprägungen. Jede Form erfordert eine spezifische Behandlung und weist unterschiedliche Heilungschancen auf. Allen gemeinsam ist das unkontrollierte Wachstum von Körperzellen, das gesunde Zellen verdrängt oder ihre normale Funktion beeinträchtigt. Dies kann im Blutsystem geschehen, wie bei einer Kinderleukämie, oder überall im Körper Tumore wachsen lassen.
Ursachen von Tumoren im Rückenmark bei Kindern
Die Frage nach dem "Warum?" treibt viele Eltern um, deren Kinder an Krebs erkranken. Die Wissenschaft kann bis heute nur Vermutungen anstellen. Eine Theorie besagt, dass sich das Erbmaterial bereits vor der Geburt verändert. So könnte aus einer gesunden Zelle eine Tumorzelle entstehen. Ein anderes Modell macht ein nicht ausgereiftes Immunsystem für einige Krebsformen bei Kindern verantwortlich.
Die Ursachen für die Entstehung eines Neuroblastoms sind noch weitgehend ungeklärt. Bekannt ist, dass die Krankheit durch eine bösartige Veränderung (Entartung) von unreifen Zellen des sympathischen Nervensystems ausgelöst wird. Verschiedene genetische Veränderungen wurden in Neuroblastomzellen bereits nachgewiesen, jedoch sind diese sehr heterogen, das heißt, es lässt sich keine spezifische Erbgutveränderung beobachten, die konstant in allen Tumoren auftritt. Insgesamt sind vermutlich eine Reihe genetischer und auch epigenetischer Veränderungen an der Entstehung eines Neuroblastoms beteiligt.
Theoretisch kann jede Zelle im Körper entarten und zu einer Krebszelle werden. Doch im Gegensatz zu Krebs bei Erwachsenen kann man bei Kindern ausschließen, dass die Krankheit von krebserregenden Substanzen wie etwa Tabakkonsum oder Umweltgiften ausgelöst wurde.
Arten von Tumoren im Rückenmark
Es gibt gute und böse Tumore. Gutartige Tumore sind eine Ansammlung wuchernder Zellen, die aber in der Regel keine gesundheitlichen Folgen haben. Ist von soliden Tumoren die Rede, sind dagegen lebensbedrohliche bösartige Zellwucherungen gemeint. Sie werden auch als Malignome bezeichnet. Blastome entwickeln sich aus embryonalem Gewebe, die nur vor der Geburt eine Funktion haben. Karzinome sind Tumore, die sich aus bösartig veränderten Drüsen- oder Oberflächenzellen entwickeln.
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Einige spezifische Arten von Tumoren, die im Rückenmark auftreten können, sind:
- Spinale Metastasen: Absiedelungen von Krebs, der anderswo im Körper entstanden ist, meist Lungen-, Brust- oder Prostatakrebs. Aber auch Hautkrebs und Lymphome können in die Wirbelsäule streuen.
- Sarkome: Bösartige spinale Tumore, die im Knochengewebe der Wirbelsäule entstehen, wie z.B. Osteosarkome und Chondrosarkome.
- Chordome: Seltene, langsam wachsende, aber oft lokal aggressive spinale Tumore, die sich aus Resten der embryonalen Chorda dorsalis entwickeln.
- Neurinome: In der Regel gutartige Tumore, die meist von den sensorischen Faszikeln einzelner Nervenwurzeln ausgehen.
- Meningeome: Ebenfalls gutartige Tumore, die von der Nervenhaut (Dura) ausgehen und verdrängend wachsen.
- Ependymome: Gehen von Ependymzellen aus, die den Zentralkanal innerhalb des Rückenmarks auskleiden.
Symptome von Tumoren im Rückenmark bei Kindern
So vielfältig die Krebsarten sind, so charakteristisch sind einige Symptome. Die Herausforderung für Kinderarztpraxen und Notaufnahmen besteht darin, die Symptome richtig zu deuten.
Viele Patienten mit Neuroblastom haben keine Krankheitszeichen (Symptome). Bei ihnen wird der Tumor zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Routineuntersuchung durch den Kinderarzt oder bei einer Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung, die aus einem anderen Anlass durchgeführt wird. Darüber hinaus sind die Krankheitszeichen vielfältig. Sie variieren je nach Lage des Tumors oder der Metastasen.
Die Symptome, die bei einem Medulloblastom auftreten können, richten sich (wie bei anderen Arten von ZNS-Tumoren) vor allem nach dem Alter des Patienten und danach, wie sich der Tumor - ausgehend vom Kleinhirn - im Zentralnervensystem (ZNS) ausbreitet.
Ein Tumor im Brustkorb verursacht mitunter Luftnot. Im Bauchraum behindert ein Neuroblastom in manchen Fällen den Harnfluss und schädigt dadurch im Extremfall die Nieren (Hydronephrose). Wächst das Neuroblastom hingegen im Grenzstrang entlang der Wirbelsäule, verdrängt es meist die Nervenwurzeln und ruft dadurch Lähmungen hervor.
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Ein Tumor im Halsbereich führt beispielsweise zum sogenannten Horner-Syndrom. Dabei hängt ein Augenlid herunter, der Augapfel sinkt nach hinten und die Pupille verengt sich. Fast jedes fünfte Kind mit einem Neuroblastom entwickelt ein Horner-Syndrom.
Betroffene mit einem bereits metastasierten Neuroblastom leiden oft unter allgemeinen Symptomen wie Schmerzen, einem beeinträchtigten Allgemeinzustand, Fieber oder Blässe. Bei Metastasen im Augapfel bildet sich manchmal ein Bluterguss am Auge (Monokel- oder Brillenhämatom). Bei weniger als zwei Prozent der Betroffenen macht sich ein Neuroblastom durch ein sogenanntes Opsoklonus-Myoklonus-Syndrom (OMS) bemerkbar. Dabei zucken die Erkrankten beispielsweise unwillkürlich mit den Augen, den Armen und Beinen.
Weitere Symptome können sein:
- Schmerzen
- Schlechter Allgemeinzustand
- Fieber
- Blässe
- Atemnot
- Lähmungen
- Vermehrtes Schwitzen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Schwellungen an Hals und im Bauch
- Blutungen in den Augen
- Zucken der Lider sowie der Arme und Beine
Diagnose von Tumoren im Rückenmark bei Kindern
Je früher eine Krebserkrankung entdeckt wird, desto besser fallen die Prognosen aus. Kindliche Tumore wachsen in der Regel sehr schnell. Mit jedem Fortschreiten der Krankheit erhöht sich die Intensität der Behandlung und damit die Nebenwirkungen.
Die diagnostischen Untersuchungen dienen dazu, Art und Schwere der Krebserkrankung zu bestimmen. Jeder Tumor wird anhand bestimmter Kriterien ganz genau eingeordnet. Einige der Untersuchungen werden in regelmäßigen Abständen im Rahmen der Verlaufsdiagnostik wiederholt.
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Bei Verdacht auf ein Neuroblastom erkundigt sich der Arzt zunächst nach den Beschwerden (Art, Stärke und Zeitpunkt des Auftretens) sowie sonstigen gesundheitlichen Auffälligkeiten (Erhebung der Krankengeschichte = Anamnese). Da Symptome meist erst spät eintreten, ist eine Früherkennung oft nicht möglich.
Die Diagnose beginnt mit einem Arztgespräch, der Anamnese. Das ärztliche Personal stellt Fragen, um so genau wie möglich die Krankengeschichte nachvollziehen zu können. Wann fingen welche Beschwerden an? Wie war ihr Verlauf? Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Neben der Prüfung von Vitalzeichen und Reflexen tastet der Arzt bestimmte Körperregionen ab, checkt Haut, Knochen, Hals, Nase, Ohren aber auch Geschlechtsorgane und After.
Weitere diagnostische Verfahren können sein:
- Körperliche Untersuchung und Ultraschall: Dabei überprüft der Arzt, ob es eine Raumforderung (durch ein Tumorwachstum) im Bauchraum oder Halsbereich des Betroffenen gibt.
- Laboruntersuchungen: In Blut- und Urinproben sucht der Arzt nach Tumormarkern - das sind Substanzen, die bei einer Krebserkrankung meist in erhöhter Konzentration vorliegen.
- MRT, CT & Co.: Um die genaue Größe und Lage des Tumors zu ermitteln und eventuelle Metastasen aufzuspüren.
- Szintigrafie: Eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der ein radioaktiv markierter Stoff über eine Vene in die Blutbahn gespritzt wird und sich dann in bestimmten Organen anreichert.
- Knochenmarkuntersuchung: Unter örtlicher Betäubung entnimmt der Arzt mit einer langen Hohlnadel eine kleine Menge Knochenmark aus dem Knochen.
Behandlung von Tumoren im Rückenmark bei Kindern
Sobald die Art und Ausbreitung des Krebses bei Kindern feststehen, kann das Behandlungsteam die passende Krebstherapie festlegen. Dabei folgt es in der Regel einem sogenannten Behandlungsprotokoll. Jedes Protokoll gibt ein bestimmtes Therapieschema vor, nach dem die jeweilige Krebsart am erfolgreichsten behandelt werden kann. Weil jedes Kind anders auf eine Therapie reagiert, passt das Team sie zusätzlich individuell an. Therapieoptimierungsstudien sorgen dafür, dass die Behandlungsmöglichkeiten kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt werden. Ziel einer jeden Therapie ist immer, dass sämtliche bösartige Zellen aus dem Kinderkörper verschwinden. Dazu kommen in der ersten Behandlungsphase, der Remissionsinduktion, je nach Krebsart verschiedene Maßnahmen allein oder in Kombination zum Einsatz.
Ein Neuroblastom ist oft operativ behandelbar. Außerdem ist eine Bestrahlung, eine Behandlung mit speziellen Krebsmedikamenten (Chemotherapeutika) oder eine Kombination beider Verfahren möglich. Zusätzlich erhalten einige erkrankte Personen eine MIBG-Therapie, eine Stammzelltransplantation und Medikamente mit Retinsäure. Welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, hängt vor allem vom Krankheitsstadium und dem Alter der betroffenen Person ab.
Zu den häufigsten Behandlungsformen gehören:
- Operation: Ziel ist, möglichst das gesamte Krebsgewebe zu entfernen. Ist ein Tumor besonders groß, kann eine Chemo- oder Strahlentherapie dafür sorgen, dass er kleiner wird, bevor er herausoperiert wird.
- Chemotherapie: Medikamente, die das Zellwachstum hemmen und so die Krebszellen vernichten.
- Strahlentherapie: Gezielte hochwirksame Strahlen, um die Krebszellen zu zerstören.
- Stammzelltransplantation (SZT): Blutbildende Vorläuferzellen werden auf das kranke Kind übertragen.
Auch wenn alle Anzeichen der Krebserkrankung zunächst beseitigt sind, ist die Therapie noch nicht abgeschlossen. Die zweite Phase der Behandlung, die Remissionserhaltung, soll dafür sorgen, dass noch die letzte im Körper verbliebene Krebszelle zerstört wird.
Prognose und Nachsorge
Die gute Nachricht vorweg: Es gibt kaum ein Gebiet der Krebsmedizin in Deutschland, in dem so gute Erfolge erzielt werden, wie bei der Bekämpfung von Krebs bei Kindern. Mehr als 80 Prozent aller an Krebs erkrankten unter 18-Jährigen werden als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen. Leukämie bei Kindern hat sogar eine Heilungschance von 90 Prozent. Ziel der Forschung ist es aber nicht nur, die Überlebenschancen von Kinderkrebs zu verbessern.
Der Krankheitsverlauf hängt beim Neuroblastom vor allem vom Alter der Person und dem Erkrankungsstadium ab. Der Verlauf bei einem Neuroblastom ist individuell sehr verschieden. Es gibt aber bei Neuroblastomen den besonderen Fall, dass sie sich mitunter spontan zu gutartigen Tumoren entwickeln (Differenzierung genannt) oder sogar zurückbilden (spontane Regression).
Ist der Kinderkrebs überstanden, stehen über einen längeren Zeitraum weiterhin regelmäßige Untersuchungen an. Sie sind wichtig, um eine Rückkehr des Krebses rechtzeitig zu entdecken. Ebenfalls Bestandteil der Nachsorge sind verschiedene Rehabilitationsmaßnahmen. So können sich die Kinder etwa in speziellen Reha-Kliniken von ihrer Krankheit erholen und ihre Genesung vorantreiben. Über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen werden sie individuell weiter behandelt und gefördert.
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