Twitch, eine der ersten Streaming-Plattformen, die bereits seit 2011 online ist, steht aktuell im Fokus von Diskussionen über sinkende Zuschauerzahlen, den Einsatz von Viewbots und die generelle Ausrichtung der Plattform. Das Unternehmen selbst wehrt sich gegen einige der Vorwürfe und Spekulationen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Problematik und versucht, ein umfassendes Bild der aktuellen Situation von Twitch zu zeichnen.
Sinkende Zuschauerzahlen und Viewbots
In den letzten Monaten gab es vermehrt Spekulationen über sinkende Zuschauerzahlen auf Twitch. Diese wurden durch Daten von Drittanbietern wie Twitch-Tracker untermauert, die einen deutlichen Rückgang der Live-Zuschauerzahlen zeigten. So wurde beispielsweise über einen Verlust von Hunderttausenden Zuschauern seit August 2025 berichtet.
Twitch selbst bestätigte im Juli die Einführung neuer Mechanismen zur Identifizierung von Viewbots und gefälschten Interaktionen. Gleichzeitig wies das Unternehmen darauf hin, dass Berichte von Drittquellen oft auf falschen Annahmen beruhen würden. Der Twitch-Support erklärte, dass ein Rückgang der Zuschauerzahlen durchaus auf vorherigen Einsatz von Viewbots zurückzuführen sein könne.
Die Diskussion um Viewbots ist nicht neu, doch sie hat in letzter Zeit wieder an Brisanz gewonnen. Es gab sogar Spekulationen, dass Twitch die Maßnahmen gegen Viewbots zurückgenommen habe, was das Unternehmen jedoch entschieden dementierte.
Die Problematik der Viewbots
Viewbots sind Programme, die künstlich die Zuschauerzahlen eines Streams erhöhen. Sie können von Streamern selbst eingesetzt werden, um ihre Popularität vorzutäuschen und Werbepartner anzuziehen, oder von Dritten, um Streamern zu schaden oder sie zu erpressen.
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Das Problem ist komplex, da Bots sowohl von Streamern selbst als auch von Dritten oder Fans eingesetzt werden könnten. Twitch versichert, dass die "überwiegende Mehrheit" der Streamer keine Viewbots einsetze.
Werbebetrug und die Auswirkungen auf Werbetreibende
Ein weiterer Aspekt der Diskussion dreht sich um die Frage, ob Werbetreibende durch gefälschte Zuschauerzahlen auf Twitch getäuscht werden könnten. Mike Minton, der CPO von Twitch, verneinte dies und betonte, dass die Systeme zur Erkennung von Viewbots und jene zur Werbeabrechnung voneinander getrennt seien.
Dennoch bleibt die Sorge bestehen, dass Werbetreibende durch unrealistische Zuschauerzahlen in die Irre geführt werden könnten. Dies könnte dazu führen, dass sie ihr Budget für Werbung auf Twitch überdenken und sich anderen Plattformen zuwenden.
Technische Probleme und Streaming-Qualität
Neben den Diskussionen um Zuschauerzahlen und Viewbots gibt es auch immer wieder Berichte über technische Probleme beim Streaming auf Twitch. Diese reichen von Rucklern und Buffering bis hin zu Problemen mit der Upload-Kapazität.
Einige Streamer haben Schwierigkeiten, eine flüssige Übertragung in hoher Qualität zu gewährleisten, insbesondere bei Spielen mit schnellen Bewegungen oder anspruchsvoller Grafik. Hier spielen Faktoren wie die Internetverbindung, die Hardware des Streamers und die Einstellungen der Streaming-Software eine wichtige Rolle.
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Einige Tipps zur Verbesserung der Streaming-Qualität:
- Bitrate reduzieren: Für Kanäle ohne nennenswerte Zuschauerzahl kann eine zu hohe Bitrate zu Problemen führen. Twitch priorisiert nämlich, d.h. bei einem Kanal mit vielen Zuschauern gibt Twitch diese hohe Bitrate für die Zuschauer auch frei.
- Auflösung und FPS anpassen: Eine niedrigere Auflösung (z.B. 960 x 540) und eine geringere Framerate (30 FPS) können die Streaming-Qualität verbessern.
- Internetverbindung überprüfen: Ein Speedtest der Internetleitung kann Aufschluss über die Upload-Geschwindigkeit geben.
- Verschiedene Einstellungen testen: Experimentieren mit verschiedenen Einstellungen in der Streaming-Software (z.B. OBS oder SLOBS) kann helfen, die optimale Konfiguration zu finden.
Unerwünschte Zuschauer und Moderation
Twitch hat im September eine neue Funktion eingeführt, die es Streamern und Moderatoren ermöglicht, unerwünschte Zuschauer dauerhaft von ihren Streams auszuschließen. Wer im Chat blockiert wird, erhält dann auch keinen Zugriff auf den Stream mehr.
Diese Funktion soll helfen, Mobbing auf der Plattform zu reduzieren und eine angenehmere Atmosphäre für Streamer und Zuschauer zu schaffen. Allerdings gilt die Sperre nur für eingeloggte Nutzer und kann leicht umgangen werden, indem sich Störenfriede ausloggen.
Die Schattenseiten des Streamings: Manipulation und Suchtpotential
Die Streaming-Branche zieht ein junges Publikum an und birgt somit auch Risiken. Es gibt Manipulationsmechanismen, die insbesondere Kinder und Jugendliche gefährden können.
Christian Ebner vom Fachbereich Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt am Main forscht zu diesem Thema. Er erklärt, dass Streams die Möglichkeit bieten, sich als Teil einer sehr individuellen Gemeinschaft zu erleben. Dieses Gemeinschaftsgefühl wird durch Features wie kostenpflichtige Emotes und Insider-Witze gefördert.
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Weitere problematische Aspekte sind:
- Suchtfördernde Mechanismen: Durch das bloße Zuschauen können "Channel-Points" gesammelt werden, die gegen besondere Chat-Funktionen eingetauscht werden können. Bei Spielen mit kosmetischen Items gibt es vereinzelt die Funktion "Twitch-Drops", bei der Zuschauer Kisten oder Skins erhalten, wenn sie einem bestimmten Stream eine bestimmte Zeit lang zugesehen haben.
- Mangelnder Jugendschutz: Streamer sind in den Inhalten, die sie teilen, nur wenig kontrolliert, sodass Inhalte oder Bilder schnell altersunangemessen sein können.
- Toxische Communities: Sexistischer oder misogyner Streaming-Content ist an der Tagesordnung, Toxizität und Diskriminierung ebenso.
Eltern sollten sich einen Überblick über die von ihren Kindern genutzten Streaming-Seiten machen und klare Regeln für die Nutzung vereinbaren.
Die Zukunft von Twitch: Eine Plattform im Wandel?
Der Streaming-Experte Devin Nash sieht Twitch in einer schwierigen Situation. Die Plattform werde immer unattraktiver für Werbepartner, seit Twitch keine primäre Gaming-Plattform mehr ist, sondern politischen Aktivisten, auch Extremisten, eine Bühne bietet.
Nash kritisiert, dass Twitch viele falsche Entscheidungen getroffen und damit Geld verschwendet habe. Richtig wäre es in seinen Augen gewesen, ein vernünftiges System zu finden, um Werbung gut auszuspielen.
Er fordert, dass Twitch auf alle kontroversen Inhalte verzichtet und zu Gaming, Musik und Handarbeiten zurückkehrt.
Es bleibt abzuwarten, wie sich Twitch in Zukunft entwickeln wird. Die Plattform steht vor großen Herausforderungen, aber sie hat auch das Potenzial, sich neu zu erfinden und weiterhin eine wichtige Rolle in der Streaming-Welt zu spielen.
Alternativen und Konkurrenz
Twitch ist zwar der Platzhirsch unter den Streaming-Portalen, aber es gibt auch andere Plattformen, die eine Alternative darstellen könnten. Dazu gehören unter anderem:
- YouTube: YouTube hat sich in den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für Twitch entwickelt. Die Plattform bietet eine breite Palette an Inhalten und verfügt über ein ausgereiftes Werbesystem.
- Rumble: Rumble ist eine aufstrebende Streaming-Plattform, die sich als Alternative zu Twitch positioniert. Der CEO der Plattform hat Twitch sogar ein baldiges Ende vorausgesagt.