Taubheitsgefühle nach dem Konsum von LSD sind ein komplexes Phänomen, dessen Ursachen vielfältig sein können. Um diese Ursachen zu verstehen, ist es wichtig, zunächst die Wirkungsweise von LSD und die potenziellen Auswirkungen auf das Gehirn und den Körper zu betrachten.
Was sind Halluzinationen?
Halluzinationen sind Wahrnehmungsstörungen, die unsere fünf Sinne betreffen: Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen. Wer halluziniert, hört zum Beispiel Stimmen oder Geräusche, für die es keine äußere Schallquelle gibt. Solche akustischen Halluzinationen kommen am häufigsten vor. Bei optischen oder visuellen Halluzinationen sehen die Betroffenen Bilder und Personen, die nicht vorhanden sind. Andere nehmen ganz intensiv bestimmte Gerüche oder Geschmacksvarianten wahr, die sie als bedrohlich, etwa als giftig beißend, als bitter oder aber als angenehm berauschend empfinden. Auch diese Sinneseindrücke haben keinen realen Ursprung in der Umgebung oder in einer gerade genossenen Speise. Weitere Sinnestäuschungen äußern sich über den Tast- und Tiefensinn in Haut und Muskeln. Berührungen, Stiche, Krabbeln auf der Haut sind dann mögliche trügerische Empfindungen. Oder der Körper schwankt scheinbar. Ebenso gehört das Wahrnehmen vermeintlicher Vorgänge im Körperinneren zu den körperbezogenen Halluzinationen. Es bewegen sich dann zum Beispiel Organe, es brennt oder wogt innerlich.
Sinnesreize, die von außen zu uns dringen, nimmt der Körper über die zuständigen Sinnesorgane auf. Das sind die Augen, die Ohren, die Haut sowie die Sinneszellen im Mund-Rachen-Raum und in der Nase. Über Nervenimpulse gelangen die vielfältigen Eindrücke ins Gehirn. Dort werden Nervenverbände in mehreren Zentren aktiv. Sie tauschen sich über bestimmte Nervenbotenstoffe aus und verarbeiten so die ankommenden Informationen. Gefühle, Erfahrungen, Gedächtnis, Sprachvermögen und vieles mehr sind an diesen Vorgängen beteiligt. Körperliche, geistige und seelische Anteile wirken zusammen, wenn wir Sinnesreize wie Schall- oder Lichtsignale wahrnehmen, entschlüsseln und bewerten. Bei einer Halluzination reagieren die Gehirnnerven nicht auf äußere Sinnesreize, sondern auf von innen kommende Störsignale. Dafür gibt es unterschiedliche körperliche und seelische Auslöser.
LSD: Wirkungsweise und Auswirkungen
LSD (LysergSäureDiäthylamid) wurde 1943 von Albert Hofmann entdeckt. LSD ist eine farb-, geruch- und geschmacklose Lösung, die auf verschiedene Trägerstoffe, z.B. auf Löschpapier (Pappen, Tickets) aufgetragen wird oder in Form von Mikrotabletten (Micros) erhältlich ist. LSD ist ein sehr flüchtiger Stoff, d.h. Die wirksame Aufnahme von LSD erfolgt über die Schleimhäute. Der Wirkstoffgehalt schwankt im Durchschnitt zwischen 25 und 400 Mikrogramm LSD. Erste Anzeichen eines Rausches nach ca. ½ bis 1 Stunde (aber auch später): Innere Unruhe, Töne, Farben, Gefühle werden verändert wahrgenommen (z.B. Je nach Dosierung kommt es zu unterschiedlich starken Halluzinationen. Weiterhin sind möglich: oftmals euphorische Grundstimmung, verändertes Zeitempfinden (alles geht langsamer), „man steht neben sich“, man sieht, was man tut, kann aber nicht wirklich eingreifen. Hoher Wachheitsgrad. Alles wird bewusst erlebt, hinterher kann man sich oft an jede Einzelheit erinnern. LSD wirkt bei vielen KonsumentInnen bewusstseinserweiternd und man glaubt, alles durchschauen zu können. Halluzinogene haben eine ‚die Seele offenbarende‘ Wirkung - können verdrängte (auch negative) Erlebnisse wieder bewusst machen, was v. a. Nach ca. Weitere körperliche Reaktionen auf LSD können Anstieg des Blutdruckes, Pupillenerweiterung, Schwindel, Übelkeit (vor allem beim Einsetzen der Wirkung), Kältegefühl, schnellere Atmung und Anstieg der Körpertemperatur sein.
LSD verändert die Nervenimpulse im Gehirn, indem es das Gleichgewicht zwischen den Nervenbotenstoffen stört. Ein wichtiger Nervenbotenstoff bei der Vermittlung von Sinneseindrücken ist zum Beispiel das Dopamin. Substanzen wie LSD bewirken, dass die entsprechenden Nervenzellen vermehrt Dopamin ausschütten. Dadurch und über das Zusammenspiel mit weiteren Botenstoffen entstehen unter anderem verzerrte Wahrnehmungen und Sinnestäuschungen. Auch die Bewegungsfähigkeit verändert sich.
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Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle nach LSD-Konsum
Taubheitsgefühle nach LSD-Konsum können verschiedene Ursachen haben, die sowohl direkt mit der Wirkung des LSD zusammenhängen als auch indirekt durch Begleitumstände des Konsums bedingt sein können.
Direkte Auswirkungen von LSD auf das Nervensystem
- Veränderte Nervenimpulse: LSD beeinflusst die Übertragung von Nervenimpulsen im Gehirn und im peripheren Nervensystem. Diese Veränderungen können dazu führen, dass sensorische Informationen nicht mehr richtig verarbeitet werden, was sich in Taubheitsgefühlen äußern kann.
- Vasokonstriktion: LSD kann eine Verengung der Blutgefäße (Vasokonstriktion) verursachen, insbesondere in den Extremitäten. Eine verminderte Durchblutung kann zu Taubheitsgefühlen, Kältegefühl und Kribbeln in Händen und Füßen führen.
- Sensorische Überlastung: Während eines LSD-Trips ist das Gehirn einer Flut von sensorischen Eindrücken ausgesetzt. Diese Überlastung kann dazu führen, dass bestimmte Nervenbahnen vorübergehend "abgeschaltet" werden, was sich als Taubheitsgefühl äußern kann.
Indirekte Ursachen und Begleitumstände
- Längere Immobilität: Während eines LSD-Trips kann es vorkommen, dass man sich über längere Zeit in einer bestimmten Position befindet, ohne sich viel zu bewegen. Dies kann zu einer vorübergehenden Kompression von Nerven führen, was Taubheitsgefühle verursachen kann.
- Dehydration: LSD kann zu Dehydration führen, insbesondere wenn man während des Trips viel tanzt oder sich körperlich anstrengt. Dehydration kann die Nervenfunktion beeinträchtigen und zu Taubheitsgefühlen führen.
- Mangelernährung: Ein LSD-Trip kann den Appetit unterdrücken, was dazu führen kann, dass man während und nach dem Trip nicht ausreichend isst. Ein Mangel an wichtigen Nährstoffen kann die Nervenfunktion beeinträchtigen und zu Taubheitsgefühlen führen.
- Mischkonsum: Der Konsum von LSD in Kombination mit anderen Substanzen wie Cannabis, Speed oder Alkohol kann die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühlen erhöhen.
- LSD + Cannabis: verstärkt die halluzinogene Wirkung von LSD. Der Ausbruch latenter Psychosen wird wahrscheinlicher.
- LSD + Speed: sehr gefährlich, kann mehrtägige Horrortrips auslösen!
- Psychische Faktoren: Angst, Panik oder Stress während eines LSD-Trips können zu Muskelverspannungen und einer veränderten Körperwahrnehmung führen, was sich als Taubheitsgefühl äußern kann.
- Verunreinigungen: Es besteht die Möglichkeit, dass das konsumierte LSD mit anderen Substanzen verunreinigt ist, die unerwünschte Nebenwirkungen verursachen können.
Weitere Substanzen und ihre Auswirkungen
Es ist wichtig zu beachten, dass auch andere Substanzen Taubheitsgefühle verursachen können, insbesondere im Zusammenhang mit Suchterkrankungen.
- Kokain: Kokain kann Kribbeln unter der Haut verursachen, das an Würmer erinnert. Langzeit-nebenwirkungen Bei Dauerusern können sich mit zunehmendem Kokainkonsum die Nebenwirkungen verstärken: Nasenschleimhäute und Nasenscheidewand werden beim Sniefen stark angegriffen. Schwächung des Körperabwehrsystems durch mangelnde Zufuhr von Mineralien/Vitaminen. Infektionsanfälligkeit. Veränderung des Denk-Bewegungs-Ablaufs (nervöse Zuckungen, gesteigerte Aktivität). Gewichtsverlust aufgrund von Unterernährung als Folge des verminderten Hungergefühls möglich. Depressionen, Wahnvorstellungen, Schizophrenie, Gereiztheit, starke Stimmungsschwankungen. Bleibende Störungen des Kurzzeitgedächtnisses bzw.
- Crystal Meth: Nasaler Konsum ruft Brennen an Nasen- und Rachenschleimhaut hervor und kann die Nasenschleimhaut verletzen. Es kann zu Unruhe, Nervosität, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Kopf- und Muskelschmerzen und Übelkeit kommen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen sind Taubheitsgefühle nach LSD-Konsum vorübergehend und verschwinden von selbst wieder. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arztbesuch ratsam ist:
- Anhaltende Taubheitsgefühle: Wenn die Taubheitsgefühle über mehrere Tage anhalten oder sich verschlimmern.
- Begleitende Symptome: Wenn die Taubheitsgefühle von anderen Symptomen wie Muskelschwäche, Koordinationsstörungen, Sprachstörungen, Sehproblemen oder Bewusstseinsveränderungen begleitet werden.
- Vorerkrankungen: Wenn Vorerkrankungen wie Diabetes,Multiple Sklerose oder Durchblutungsstörungen vorliegen.
- Unsicherheit: Wenn Unsicherheit über die Ursache der Taubheitsgefühle besteht oder wenn man sich Sorgen macht.
Was kann man tun?
Um Taubheitsgefühlen nach LSD-Konsum vorzubeugen oder sie zu lindern, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:
- Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser oder Elektrolytgetränke, um Dehydration vorzubeugen.
- Regelmäßige Bewegung: Bewegen Sie sich regelmäßig, um die Durchblutung zu fördern und Muskelverspannungen zu lösen.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen.
- Vermeidung von Mischkonsum: Vermeiden Sie den Konsum von LSD in Kombination mit anderen Substanzen.
- Angemessene Dosis: Nehmen Sie eine angemessene Dosis LSD ein und überfordern Sie Ihren Körper nicht.
- Sichere Umgebung: Sorgen Sie für eine sichere und entspannte Umgebung während des LSD-Trips.
- Ruhe und Entspannung: Gönnen Sie sich nach dem LSD-Trip ausreichend Ruhe und Entspannung.
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