Schwitzen ist eine lebensnotwendige Körperfunktion, die der Thermoregulation dient. Bei Anstrengung, Hitze oder Nervosität reguliert der Körper seine Temperatur durch die Absonderung einer salzigen Flüssigkeit über die Schweißdrüsen. Eine übermäßige Schweißproduktion, auch Hyperhidrose genannt, kann jedoch zu einer erheblichen Belastung für die Betroffenen werden.
Was ist Hyperhidrose?
Hyperhidrose ist der medizinische Fachbegriff für übermäßiges Schwitzen. Es wird verwendet, wenn das Schwitzen über das normale Maß hinausgeht. Übermäßiges Schwitzen ist nicht genau definiert, zum Beispiel in Form einer bestimmten Schweißmenge. Betroffene mit primärer oder sekundärer Hyperhidrose erleben ihren Zustand häufig als peinlich, belastend und manchmal sogar als starke Einschränkung.
Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose. Während die primäre Hyperhidrose genetisch bedingt ist und meist lokalisiert auftritt, kann die sekundäre Hyperhidrose durch Grunderkrankungen, Medikamente oder hormonelle Veränderungen ausgelöst werden.
Primäre Hyperhidrose
Die primäre oder fokale Hyperhidrose hängt nicht mit einer Erkrankung zusammen, sondern ist genetisch bedingt. Symptome zeigen sich in der Regel bereits vor dem 25. Lebensjahr. Die Forschung hat gezeigt, dass die primäre oder fokale Hyperhidrose durch eine Fehlfunktion im vegetativen Nervensystem ausgelöst wird: Der Teil des Gehirns, der den Schwitzvorgang steuert, sendet Signale an die Schweißdrüsen, auch wenn der Körper nicht gekühlt werden muss. Dadurch wird die Schweißbildung ohne offensichtlichen Grund angeregt. Bei der primären Hyperhidrose gibt es eine familiäre Häufung, die auf 30 bis 50 % der Betroffenen zutrifft. Verwandte sind oder waren des Öfteren davon betroffen. Die fokale Hyperhidrose betrifft nur Menschen, die ansonsten gesund sind, setzt in der Pubertät ein und ist im 2. oder 3. Lebensjahrzehnt am stärksten ausgeprägt. Der Schweiß kann an mehreren Körperteilen gleichzeitig ausbrechen. Die fokale Hyperhidrose ist zwar genetisch bedingt. Es gibt jedoch einige zusätzliche Faktoren, die einen Schweißausbruch herbeiführen können. Dazu gehören z. B. psychische Anspannung, Emotionen, körperliche Aktivität und Mahlzeiten. So kann es zum Beispiel beim Essen zum Auftreten des Geschmacksschwitzens kommen.
Eine primäre Hyperhidrose ist wahrscheinlich, wenn das übermäßige Schwitzen länger als 6 Monate besteht. Sie tritt in den meisten Fällen mindestens einmal pro Woche symmetrisch und nicht während der Nacht auf (nächtliche Hyperhidrose bzw. "Nachtschweiß").
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Betroffene Körperregionen
Die primäre Hyperhidrose betrifft meist Hände (palmare Hyperhidrose), Füße (plantare Hyperhidrose), Achseln (axilläre Hyperhidrose) und Gesicht/Kopf (kraniofaziale Hyperhidrose). Betroffene schwitzen nicht nur übermäßig viel sondern auch an Körperstellen, welche normalerweise selten in das Schwitzen einbezogen sind. Dazu gehören beispielsweise die Unterarme, Ober- und Unterschenkel oder die Kopfhaut.
Sekundäre Hyperhidrose
Bei einer sekundären Hyperhidrose hängt die Häufigkeit der Schweißausbrüche von einer Grunderkrankung oder hormonellen Dysbalance ab, die diese auslöst. Das übermäßige Schwitzen tritt dann sozusagen als Nebenwirkung der Erkrankung auf oder ist an eine hormonelle Veränderung (z. B. Wechseljahre) gekoppelt. Ebenso können eine veränderte Lebensweise, ein schwankender Gesundheitszustand und starke Gewichtszunahme, aber auch ein extremer Klimawechsel oder heftige Wetterumschwünge eine sekundäre Hyperhidrose begünstigen. Auch einige Medikamente können übermäßiges Schwitzen auslösen.
Mögliche Auslöser
Mögliche Gründe für ein krankheitsbedingtes allgemeines übermäßiges Schwitzen sind:
- Klimakterium (die Wechseljahre)
- Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
- Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (Hormone, Parasympathomimetika, Kortikoiden, Beta-Blocker, Salicylsäure u.a.)
- Hypoglykämie als Symptom einer Zuckerkrankheit
- Chronische Infekte
- Bösartige Tumoren
Medikamente als Auslöser
Eine Reihe von Arzneistoffen kann die Schweißproduktion anregen. Ebenso greifen Arzneimittel zur Therapie hormonsensitiver Tumoren von Brust oder Prostata in den Hormonstoffwechsel ein: Hitzewallungen sind die Folge. Bei einer Endometriose verringert die Hormontherapie mit GnRH-Analoga den Einfluss der Estrogene auf die Gebärmutterschleimhaut mit für den Estrogenmangel typischen Schweißausbrüchen.
Direkte oder indirekte Parasympathomimetika werden zur Behandlung von Erkrankungen wie Glaukom, Muskelschwäche, Darmproblemen, Mundtrockenheit und Demenz eingesetzt. Durch ihre cholinerge Wirkung kommt es zur Sekretionsförderung der Schweißdrüsen. Einige Antidepressiva (Venlafaxin, Duloxetin) sowie Opioide regen die Sympathikusaktivität an. Werden mehrere serotonerge Arzneimittel kombiniert, steigt das Risiko für ein Serotonin-Syndrom; ein wesentliches Symptom ist die erhöhte Schweißbildung. Acetylsalicylsäure regt die Schweißdrüsentätigkeit bei entsprechend disponierten Menschen an. Sind Schilddrüsenpräparate nicht richtig dosiert, kann sich eine unzureichend behandelte Hyperthyreose durch starkes Schwitzen bemerkbar machen.
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Auswirkungen auf die Lebensqualität
Übermäßiges Schwitzen ist keine Lebensgefahr, belastet Betroffene aber im Alltag enorm. Die ständige Feuchtigkeit an Händen oder Körper führt zu sozialer Unsicherheit - viele meiden den Handschlag, engen Körperkontakt oder öffentliche Situationen aus Angst vor peinlichen Schweißflecken. Starkes Schwitzen an den Händen kann Unbehagen beim Händeschütteln und damit für die Betroffenen peinliche Situationen hervorrufen.
Beruflich kann Hyperhidrose ebenfalls Probleme bereiten: Feuchte Hände erschweren den Umgang mit Papier, Instrumenten oder elektronischen Geräten; manche Patienten wählen ihren Beruf danach, wo Schwitzen weniger hinderlich ist. Studien zeigen, dass etwa 50 % der Patienten ihre Lebensführung einschränken und ständig das Gefühl haben, die Erkrankung „übernehme die Kontrolle“. Fast 70 % berichten von chronischer Sorge, Angst oder Niedergeschlagenheit durch das Schwitzen. Bis zu 48 % bewerten ihre Lebensqualität als schlecht oder sehr schlecht - vergleichbar mit schweren chronischen Hauterkrankungen.
Die psychische Belastung kann wiederum einen Teufelskreis erzeugen: Stress und Aufregung verstärken das Schwitzen, was erneut zu Stress führt. Viele Betroffene zögern, ärztliche Hilfe zu suchen, aus Scham oder weil ihnen nicht bewusst ist, dass Hyperhidrose behandelbar ist.
Diagnose
Es gibt keinen Labor- oder Messwert, der klar aussagt, ob Ihr Schwitzen noch normal oder schon krankhaft ist. Normalerweise erkennt der Arzt jedoch durch die typischen, von Ihnen möglichst genau geschilderten Symptome das Krankheitsbild.
Bei so heiklen Themen wie Hyperhidrose ist Diskretion im Beratungsgespräch gefragt. Neben der Anamnese der möglichen Grunderkrankung oder Arzneimitteltherapie erfolgt die Diagnostik durch verschiedene Messverfahren. Diese ergeben aber keine eindeutige Aussage, da es keine einheitliche Abgrenzung zwischen Norm- und Hyperhidrose gibt.
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Tests zur Diagnose
- Jod-Stärke-Test: Hierbei werden Jodlösung und Stärkepulver aufgetragen und das vom Schwitzen betroffene Areal durch Verfärbung definiert.
- Gravimetrie: Mit Filterpapier und Feinwaage kann der Arzt während eines akuten Schweißausbruchs die ausgeschiedene Schweißmenge messen; dies kann mit eingeschränkter Aussagekraft zur Dokumentation einer Therapie hilfreich sein. Als grober Richtwert für die Diagnose einer axillären Hyperhidrose gilt allgemein ein Wert von mindestens 50 mg Schweiß pro Minute. Bei Hyperhidrose an den Händen oder Füßen gelten Werte ab 20 bis 30 mg Schweiß pro Minute als richtungsweisend.
- Messung des Hautleitwerts: Erlaubt die genaue Zuordnung des Schweregrads.
Entscheidend ist aber das subjektive Befinden des Betroffenen, ob sein Schwitzen als Krankheit gewertet wird. Allerdings scheuen viele Patienten den Gang zum Arzt.
Schweregrade der Hyperhidrose
Die Dermatologen haben verschiedene Stadien jeweils für das Schwitzen in den Achselhöhlen sowie an Händen und Füßen definiert. Danach unterscheidet man leichte (Grad I), mäßig starke (Grad II) und starke (Grad III) Hyperhidrose.
- Leichte Form: Die Haut ist an den betroffenen Stellen deutlich feuchter.
Behandlungsmöglichkeiten
Es gibt kein Mittel, welches das Schwitzen ganz verhindert. Das ist auch nicht wünschenswert, da es sich dabei um eine wichtige Körperfunktion handelt. Allerdings stehen Betroffenen heutzutage mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um die Symptome einer Hyperhidrose zu lindern. Einige bieten sogar eine dauerhafte Lösung. Die angebotenen operativen und konservativen Maßnahmen unterscheiden sich hinsichtlich Dauerhaftigkeit, Nebenwirkungen und Kosten. Die meisten Maßnahmen setzen an den Nerven an, die die Schweißdrüsen stimulieren. Eine wirksame Behandlung kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern, sodass Vor- und Nachteile einer Maßnahme sorgfältig abzuwiegen sind.
Wird die Hyperhidrose durch Medikamente oder eine andere Erkrankung ausgelöst (sekundäre Form), dann wird diese Ursache behandelt. In der Folge legt sich im besten Fall auch das Schwitzen.
Konservative Behandlungsmethoden
Nicht-chirurgische Therapien stehen immer am Anfang der Behandlung. Bei leichter bis mittelschwerer Hyperhidrose können sie oft schon gute Ergebnisse erzielen:
- Antitranspirantien (Aluminiumchlorid): Spezielle antiperspirante Deos, Salben oder Lösungen mit Aluminiumchlorid sind Mittel der ersten Wahl bei z.B. axillärer Hyperhidrose. Sie verstopfen temporär die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen. Bei regelmäßiger Anwendung (vor allem nachts) kann die Schweißproduktion deutlich sinken. Aluminiumchloridsalze (meistens 10-30%) verstopfen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen und bändigen dadurch den Schweißfluss. Sie sollten Sie über mehrere Wochen jeden Abend für zwei bis fünf Minuten anwenden. Da die Haut durchs Schwitzen bereits sehr empfindsam ist und die Präparate hautreizend sind, kann sich die Haut in dem behandelten Areal röten, jucken und nässen. Diese Irritationen verschwinden jedoch, wenn Sie die Therapie für eine Weile unterbrechen.
- Iontophorese: Bei palmarer oder plantarer Hyperhidrose gilt die Leitungswasser-Iontophorese als Therapiestandard. Dabei werden Hände oder Füße in leitfähiges Wasser getaucht und leichte elektrische Ströme hindurchgeleitet. Dies führt über die Zeit zu einer Hemmung der Schweißdrüsenaktivität. Die Anwendung muss anfangs mehrmals pro Woche erfolgen, später zur Erhaltung ca. 1× wöchentlich. Viele Patienten erzielen eine spürbare Reduktion des Schwitzens, allerdings erfordert die Methode viel Disziplin und Zeitaufwand. Durch diese Methode sind die Schweißdrüsen nicht mehr so leicht erregbar. Das mindert den Schweißfluss. Der genaue Funktionsmechanismus dieser Behandlung ist noch nicht ganz geklärt. Die Behandlung zeigte aber bei vier von fünf Betroffenen den gewünschten Erfolg und ist in Deutschland die am häufigsten gewählte Therapieform bei übermäßigem Hand- und Fußschweiß.
- Anticholinergika: Eine andere Möglichkeit, wenn die Achseln betroffen sind, sind Anticholinergika. Seit einigen Jahren ist auch eine bestimmte Medikamentengruppe zur Behandlung bei Hyperhidrose zugelassen. Dabei handelt es sich um sogenannte Anticholinergika. Sie hemmen den Botenstoff Acetylcholin, der für die Stimulation der Schweißdrüsen verantwortlich ist, und werden hauptsächlich zur Behandlung einer sekundären Hyperhidrose eingesetzt. Da Acetylcholin jedoch auch noch weitere Aufgaben im Körper hat und z. B. auch bei der Aktivierung von Muskeln und der Versorgung von Organen beteiligt ist, können Anticholinergika auch schwere Nebenwirkungen mit sich bringen.
- Botox-Spritzen: Vor allem für die die Achseln betreffende Hyperhidrose kommen Botox-Spritzen infrage. Die Injektion in 15 bis 20 Punkte unter der Achsel unterbricht die Nervenbahn zu den Schweißdrüsen für mehrere Monate. Die Injektionstherapie mit Botulinumtoxin A gilt als eine der effektivsten Therapien bei fokaler Hyperhidrose. Die Behandlung ist grundsätzlich auch an anderen Körperstellen möglich, allerdings gibt es hierzulande für die Botox-Injektionen zur Behandlung von Hyperhidrose etwa an Händen oder Füßen keine Zulassung. Botox wird in die Haut oberhalb des betroffenen Areals gespritzt. Da die Einstiche in die Haut an Händen oder Füssen relativ schmerzhaft ist, wird eine örtliche Betäubung durchgeführt.
- Radiofrequenz, Mikrowellen, Ultraschall: Ziel dieser Behandlungen ist es, die Schweißdrüsen unter der Haut durch Wärme so zu schädigen, dass sie weniger Schweiß absondern. Da auch andere Haut- und Nervenstrukturen geschädigt werden können, ist die Behandlung nur für Hyperhidrose unter den Achseln zugelassen. Die Wirksamkeit ist noch nicht gut durch Studien belegt.
- Medikamente: Die Behandlung mit Tabletten ist bei Hyperhidrose eher selten und wird kaum als dauerhafte Behandlung verordnet. Die schulmedizinischen Medikamente sind sogenannte Anticholinergika, Psychopharmaka oder Beta-Blocker. Ihre Wirkung überzeugt nicht immer, außerdem können sie Nebenwirkungen haben (wie Schläfrigkeit und Mundtrockenheit), so dass sie auch in den aktuellen Leitlinien nur in Einzelfällen empfohlen werden.
Chirurgische Therapien
- Subkutane Kürretage: Bei der axillären Hyperhidrose können mit verschiedenen sogenannten subkutanen Kürretage-Methoden die Schweißdrüsen abgetragen werden. Dafür wird die Haut an drei kleinen Stellen eingeschnitten und die Drüsen und -gänge mitsamt des Unterhautfettgewebes abgesaugt, die Schweißdrüsen im Anschluss mit einer Art scharfen Löffel herausgekratzt. Allerdings wird fast nie eine vollständige Beseitigung der Schweissdrüsen erreicht. Zudem können sich im Lauf der Zeit neue Schweissdrüsen bilden, sodass auch dieser Eingriff keine hundertprozentige und für immer dauerhafte Problemlösung verspricht.
- Thorakale Sympathektomie: Bei schwerer Hyperhidrose an den Händen oder am Kopf kommt die Thorakale Sympathektomie infrage: Dabei wird ein Nervenstrang des sympathischen Nervensystems in einem Eingriff unterbrochen.
Was ist das vegetative Nervensystem?
Wie viele andere Prozesse im Körper, so wird auch die Schweißproduktion über das vegetative Nervensystem gesteuert. Im Gegensatz zum sogenannten somatischen Nervensystem, das willentlich ausgelöste Impulse wie beispielsweise Muskelbewegungen steuert, entzieht sich die Tätigkeit des vegetativen Nervensystems der bewussten Kontrolle und Steuerung.Kommt es aufgrund von Störungen im vegetativen Nervensystem zu übermäßigem Schwitzen, lässt sich dies deshalb nicht willentlich durch stärkere Kontrolle über die eigenen Körperfunktionen unterbinden. Das vegetative Nervensystem steuert Körperfunktionen und -impulse, die wir nicht willentlich beeinflussen können. Es verarbeitet ständig Informationen aus Organen und Geweben und reagiert um Gleichgewichte im Körper aufrecht zu erhalten. Unter anderem ist das vegetative Nervensystem zuständig für die Steuerung und Regulierung von Herz- und Kreislauftätigkeiten, Atmung, Peristaltik (Muskeltätigkeiten) im Magen-Darm-Trakt und für die Muskelspannung der Harnblase. Dieses autonom agierende Nervensystem steuert auch die Tätigkeit der Schweißdrüsen, ist also direkt für die Schweißproduktion verantwortlich.
Sympathikus und Parasympathikus
Die beiden Hauptbestandteile des vegetativen Nervensystems sind der Sympathikus und der Parasympathikus. Diese Namen sind nicht von ungefähr gewählt, denn beide Bestandteile haben gewissermaßen gegensätzliche Aufgaben und befinden sich in einem ständigen Wechselspiel: Der Sympathikus ist für Leistungssteigerung und damit verbundenen Körperfunktionen, wie Energiebereitstellung, Beschleunigung der Atmung und eben Schweißbildung, zuständig - während der Parasympathikus für Entspannung sorgt und beispielsweise die Abläufe bei der Verdauung steuert. Der Sympathikus sorgt für die Schweißproduktion, indem die zu den Schweißdrüsenzellen führenden sympathischen Nerven die sogenannten Myoepithelzellen (das sind glatte Muskelzellen an den Schweißdrüsen) stimulieren. Dieser Nervenreiz kurbelt die Schweißproduktion an. Der Botenstoff, der für die Stimulierung der Myoepithelzellen sorgt, ist Acetylcholin. Gesteuert werden alle Aktivitäten von Sympathikus und Parasympathikus über den Hypothalamus, der Bereich des Großhirns, der die Abstimmung zwischen Hormonen und Nervensystem koordiniert.
Weitere Tipps zur Linderung
- Kleidung: Trage Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen. Synthetikware ist zu vermeiden.
- Ernährung: Meide schweißfördernde Lebensmittel wie Alkohol, Kaffee und scharfe Speisen. Heiße Getränke oder Mahlzeiten regen ebenfalls die Schweißbildung an.
- Hygiene: Schuhe und Strümpfe sind täglich zu wechseln. Socken mit Silber- oder Kupferfäden wirken antibakteriell.
- Stressreduktion: Reduziere Stress durch Meditation oder Entspannungsübungen.
- Deodorants und Antitranspirants: Die Geruchs- und Schweißbildung wird durch Deodoranzien und Antitranspiranzien verringert.
- Achselpads: Nutze Achselpads, um Schweiß aufzufangen.
Vegetative Dystonie
Gerät dieses Wechselspiel von Sympathikus und Parasympathikus aus dem Gleichgewicht, stört das den Ablauf lebenswichtiger Prozesse und Fachleute sprechen von einer vegetativen Dystonie oder von somatoformen Störungen. Die Vielfalt an unspezifischen Symptomen macht es oft schwierig, ein überreiztes Nervensystem unmittelbar zu erkennen. Daher ergibt sich das Krankheitsbild einer vegetativen Dystonie in der Regel über das Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen. Für eine vegetative Dystonie gibt es oft keine konkrete Ursache. Es können sowohl körperliche, als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen. Nicht selten ist es eine Kombination aus beiden. Zu den häufigsten körperlichen Ursachen zählt Diabetes mellitus (Typ 2). Ebenso kann die vegetative Dystonie durch neurologische Erkrankungen, wie Parkinson oder Erkrankungen des peripheren Nervensystems ausgelöst werden. Da Körper und Psyche über das vegetative Nervensystem eng miteinander verbunden sind, können sich auch psychologische und soziale Faktoren wie Stress, Sorgen oder Überforderung auf das vegetative Nervensystem auswirken. Oftmals lösen die Beschwerden weitere Ängste bei den Betroffenen aus, da sie befürchten, es könne eine schwerwiegende Erkrankung zugrunde liegen. Je nach Ursache und Schweregrad der Störung kann eine vegetative Dystonie ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen, doch lässt sie sich in den meisten Fällen erfolgreich behandeln. Die Behandlung erfordert eine individuelle Herangehensweise, die sich an der eigentlichen Ursache und der Lebenssituation der Patienten orientiert. Wenn kein Hinweis auf eine organische Ursache zugrunde liegt, zählen sowohl psycho- und physiotherapeutische Maßnahmen, als auch der Einsatz bestimmter Medikamente zu den möglichen Behandlungsmethoden. Pflanzliche oder homöopathische Mittel können hierbei eine unterstützende Therapieoption sein, da sie eine gute Verträglichkeit bei geringem Gewöhnungspotenzial aufweisen, dies trifft jedoch nicht auf alle pflanzlichen Arzneimittel zu. Gelber Jasmin und Schlangenwurzel können bei Schwindel, nervlich bedingtem Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Beschwerden Linderung verschaffen. Bei einer vegetativen Störung ist es wichtig, die Balance zwischen Körper und Psyche wiederherzustellen.
Vorsorge
- Entspannungsmethoden erlernen und anwenden: Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder andere Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, das Stresslevel zu senken und das Nervensystem wieder zu beruhigen.
- Ausgewogen ernähren: Vitaminmangel, insbesondere ein Mangel an Vitamin B12, kann die Funktion des Nervensystems beeinträchtigen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Gesundheit des autonomen Nervensystems unterstützen.
- Ausreichend schlafen: Ein gesunder Schlaf ist unerlässlich für die Stressbewältigung und Regeneration des Nervensystems. Dazu sollte die Schlafumgebung eine Temperatur von etwa 18 Grad haben und sich gut abdunkeln lassen. Fernseher oder mobile Geräte wie Smartphones sollten abends ausgeschaltet werden, um Ablenkung und laute Geräusche zu vermeiden. Deftiges Essen, Alkohol und Stress am Abend können die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen. Besser sind daher leicht verdauliche Speisen und warme Getränke wie Tee am Abend.
Nachtschweiß
Nächtliches Schwitzen ist ein Symptom, das viele Ursachen haben kann. Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um eine angemessene Behandlung zu gewährleisten.
Ursachen von Nachtschweiß
Nächtlichem Schwitzen liegen häufig belastende Lebenssituationen oder ungünstige Schlafbedingungen zugrunde. Aber auch hormonelle Schwankungen oder ernste Erkrankungen können zu Schwitzen in der Nacht führen.
- Ungeeignete Schlafbedingungen: wie eine zu hohe Raumtemperatur, zu warme Bettdecke, zu hohe Luftfeuchtigkeit
- Genuss von Alkohol, Nikotin, Koffein und scharf gewürztem Essen
- Bestimmte Arzneimittel
- Infektionskrankheiten
- Hormonelle Veränderungen und Stoffwechselbesonderheiten
- Autoimmunerkrankungen
- Krebs
- Psychische Belastungen und Erkrankungen
- Neurologische Erkrankungen
Wann ist ein Arztbesuch ratsam?
Wenn nächtliche Schwitzattacken jedoch regelmäßig über einen längeren Zeitraum auftreten oder sich die Symptome sehr stark äußern, dann sollte man einen Arzt um Rat fragen. Dies gilt insbesondere dann, wenn noch weitere Beschwerden dazukommen.
Therapie von Nachtschweiß
Nachtschweiß gibt sich dann wieder, wenn die zugrundeliegende Erkrankung erfolgreich behandelt werden konnte. War beispielsweise ein Infekt Ursache des vermehrten nächtlichen Schwitzens, dann stellt sich das Symptom ein, sobald die Krankheit überstanden ist. Werden die Schweißausbrüche von Medikamenten ausgelöst, kann der Arzt gegebenenfalls die Dosis anpassen oder ein anderes Mittel wählen. Ist Stress Ursache von nächtlichem Schwitzen, dann hilft vielen Betroffenen das Praktizieren von Entspannungstechniken. Bei ernsten seelischen Problemen kann ebenfalls psychotherapeutische Unterstützung helfen. Häufig liegt nächtlichem Schwitzen lediglich eine ungesunde Lebensweise zugrunde. Dann ist es sinnvoll, die Ernährung umzustellen, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten sowie sportliche Aktivitäten in den Alltag zu integrieren.
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