Ein rasendes Herz, ein nicht endendes Gedankenkarussell und Einschlafprobleme sind typische Anzeichen dafür, dass Nervosität und Unruhe den Alltag bestimmen. Wer dauerhaft Belastungen ausgesetzt ist und kein inneres Gleichgewicht mehr herstellen kann, entwickelt Beschwerden. Glücklicherweise gibt es verschiedene Ansätze, um überreizte Nerven zu beruhigen. Dazu gehören sowohl Medikamente als auch alternative Methoden und Verhaltensänderungen.
Medikamentöse Behandlung
Pflanzliche Beruhigungsmittel
Pflanzliche Beruhigungsmittel sind eine beliebte Option, um Nervosität und Unruhe zu lindern. Viele Menschen denken dabei zunächst an THC, aber es gibt auch andere pflanzliche Sedativa, die sanfter wirken und keine psychoaktiven Nebeneffekte haben. Zu den bekanntesten pflanzlichen Beruhigungsmitteln gehören:
- Baldrian: Baldrian gehört zu den meistverwendeten Beruhigungsmitteln und kann die Schlafqualität und Schlaftiefe verbessern. Es ist in Form von Weichkapseln, Tabletten, Tropfen, Öl, Badezusatz und Tee erhältlich.
- Hopfen: Hopfentee kann ebenfalls beruhigend wirken und bei Schlafstörungen helfen.
- Lavendel: Lavendelöl wird oft zur Entspannung eingesetzt und kann bei Nervosität und Unruhe lindernd wirken.
- Johanniskraut: Johanniskraut ist ein pflanzlicher Seelentröster, der bei depressiven Verstimmungen, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen und Unruhe eingesetzt wird. Es ist in Form von Kapseln, Tabletten und Tee erhältlich. Die volle Wirkung tritt jedoch erst nach einigen Wochen ein. Frauen sollten beachten, dass Johanniskraut die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen kann.
- Passionsblume: Die stresslösende Wirkung der Passionsblume kann bei nervös bedingten Einschlafstörungen helfen. Sie ist oft in Kombination mit Baldrian erhältlich.
Die Stiftung Warentest hat 25 rezeptfreie Mittel bewertet, darunter Tabletten, Kapseln, Tinkturen und Tees von verschiedenen Herstellern. Die Preise pro Packung liegen zwischen 3 und 24 Euro. Es ist wichtig zu wissen, dass auch wenn zwei Präparate Bestandteile der gleichen Pflanze enthalten, sie nicht immer die gleiche Wirkung haben. Einige der getesteten Präparate enthalten Alkohol, was insbesondere für Leberkranke, Menschen mit Anfallsleiden und Schwangere relevant ist. Keines der getesteten Medikamente ist für Kinder geeignet.
Homöopathische Komplexmittel
Homöopathische Komplexmittel wie dystoLoges® können ebenfalls zur Unterstützung des Nervensystems eingesetzt werden. DystoLoges® ist ein homöopathischer 5-fach-Komplex mit der Leitsubstanz Reserpinum aus der indischen Schlangenwurzel.
Konventionelle Medikamente
In manchen Fällen kann es notwendig sein, auf konventionelle Medikamente zurückzugreifen, insbesondere wenn die Beschwerden schwerwiegend sind oder durch andere Erkrankungen verursacht werden.
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- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z.B. Amitriptylin oder Duloxetin) können bei Nervenschmerzen und Angststörungen eingesetzt werden. Sie beeinflussen die Aktivität der Nervenzellen und der schmerzleitenden Nervenbahnen.
- Antikonvulsiva: Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin und Pregabalin) werden ebenfalls bei Nervenschmerzen eingesetzt, da sie beruhigend in die Funktion der Nervenzellen eingreifen.
Diese Medikamente können jedoch Nebenwirkungen haben, wie Müdigkeit, Schwindel und Gedächtnisstörungen.
Alternative Methoden und Verhaltensänderungen
Neben Medikamenten gibt es auch zahlreiche alternative Methoden und Verhaltensänderungen, die helfen können, überreizte Nerven zu beruhigen.
10 Tipps für starke Nerven
- Den Körper spüren: Bewegung, insbesondere an der frischen Luft, kann helfen, Ängste abzubauen und die Gedanken zu beruhigen. Sport setzt ein Hormon (ANP) frei, das Panik lindert.
- Die Nerven mit Nahrung versorgen: Eine vollwertige und vielseitige Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten kann die Nervenfunktion unterstützen. Bananen enthalten beispielsweise B-Vitamine, Kalium und Tryptophan, die stimmungsaufhellend wirken können.
- Zur Ruhe kommen: Ausreichend Schlaf (ca. 7,5 Stunden pro Nacht) und regelmäßige Ruhepausen sind wichtig für einen ausgeglichenen Geist und einen leistungsfähigen Körper.
- Auslöser kennen: Tagebuch führen kann helfen, die Ursachen für Stress und Unruhe zu identifizieren und gezielte Gegenstrategien zu entwickeln.
- Achtsamkeit lernen: Regelmäßige Atemübungen und Meditation können helfen, achtsamer zu leben und die Verbindung von Körper und Geist zu stärken.
- Gedankenkontrolle üben: Menschen können lernen, ihre Gedanken bewusst auszuwählen und manipulative, ängstigende Gedanken loszulassen. Die Übung "Gedankenstopp" kann dabei helfen.
- Gefühle annehmen lernen: Gefühle bewusst wahrzunehmen und nicht wegzuschieben, kann helfen, sie positiv zu beeinflussen. Die Übung "Gefühle fokussieren" kann dabei unterstützen.
- Die eigenen Ressourcen kennen: Die eigenen Kraftquellen zu kennen und regelmäßig aufzuladen, ist wichtig, um leistungsfähig zu bleiben.
- Mit einem Arzt oder Therapeuten sprechen: Bei dauerhafter Unruhe und Gereiztheit sollte ein Arzt konsultiert werden, um körperliche oder psychische Ursachen auszuschließen.
- Begleitende Maßnahmen nutzen: Ein Coaching im Stressmanagement oder homöopathische Komplexmittel können den Umgang mit den Herausforderungen des Lebens verbessern.
Weitere hilfreiche Maßnahmen
- Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die innere Ruhe wiederzufinden.
- Soziale Kontakte pflegen: Gespräche mit Freunden und Familie können helfen, Sorgen zu teilen und Unterstützung zu finden.
- Hobbys und Interessen nachgehen: Aktivitäten, die Freude bereiten, können helfen, den Kopf freizubekommen und die Lebensqualität zu verbessern.
Wann ist professionelle Hilfe notwendig?
Anhaltende Nervosität und Unruhe können Ausdruck von schwerwiegenden psychischen Problemen wie Depressionen, Zwangs- oder Angststörungen sein. In solchen Fällen ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen. Auch wenn sich die Beschwerden nach zwei Wochen Selbstbehandlung mit pflanzlichen Beruhigungsmitteln nicht verbessern, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
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